Deutsche Literatur, die größten Werke – Warum es sich lohnt, sie zu lesen

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Viele der größten Werke der deutschen Literatur erfreuen sich nicht der allergrößten Beliebtheit unter den heutigen Lesern. Der allerwenigsten Beliebtheit erfreuen sie sich häufig gerade bei den Lesern, die diese Werke lesen müssen oder lesen müssten. Und ziemlich oft ist diesen Menschen noch nicht einmal klar, warum um Gottes Willen sie auch nur eine Sekunde ihrer Zeit auf die größten Werke der deutschen Literatur verschwenden sollten …

Zugegeben, die Freunde der spannungsreichen Krimi-Literatur haben völlig recht, wenn sie ein Werk wie den “Bergkristall” von Adalbert Stifter als echten Langweiler brandmarken. Es ist für Leser mit einem neuzeitlichen Zeitgefühl wirklich nur sehr schwer zu ertragen, wenn uns der Schriftsteller in 735 Worten (für Nicht-Leser: je nach Drucksatz zwei bis mehrere Buchseiten) Weihnachten erklärt und uns in diesem Text auch gleich noch erklärt, warum wir Weihnachten gut finden.

Nicht gehetzte Krimi-Leser bezeichnen dieses große Werk der deutschen Literatur auch als langweilig, so einen langen Text wie Weihnachten in 735 Worten hätten sie nie gelesen, hätten sie nach 20 Wörtern weggelegt, sie “sind doch nicht blöd” (haben sie natürlich auch nie gelesen).

Andere sind auch nicht blöd, und deshalb haben sie nicht nur diesen Text natürlich nie gelesen, sondern alle anderen großen Werke der deutschen Literatur auch nicht.

Die wichtigsten Werke unserer Literatur türmen sich vor nur gezwungenermaßen bildungswilligen Menschen (Prototyp: Schüler) wirklich wie der Berg im “Bergkristall, ein unerklimmbarer, mit Matsch und Schnee und Steinen bedeckter Berg, von dem sie nicht die geringste Vorstellung haben, wie sie ihn erfolgreich bewältigen sollen (und warum sie das tun sollten).

Manche nur gezwungenermaßen bildungswillige Menschen entziehen sich sehr schnell dieser Herausforderung – nicht lesen (und nicht denken) ist nun einmal viel bequemer, und überhaupt hat man meistens etwas Besseres zu tun.

Ob Schüler oder Erwachsener, viele dieser nur gezwungenermaßen bildungswilligen Menschen konnten die meisten Werke unserer wichtigsten Literatur während der Schulzeit erfolgreich aus ihrem Leben halten, und viele dieser Menschen bemerken später einen Nachholbedarf.

Entweder an der Deutsch-Note oder während eines Gesprächs im nachfolgenden Leben merken diese Menschen, dass ihnen etwas fehlt, dass sie in vieler Hinsicht nicht mitreden können. Vielleicht müssen sie sogar leicht verächtliche Blicke erdulden, wenn sie von einem bestimmten Schriftsteller oder einem bestimmten Werk noch nie etwas gehört haben … Für diese inzwischen vielleicht mehr bildungswilligen Menschen könnte dieser Artikel insofern inspirierend sein, dass sie sich danach entscheiden, der deutschen Literatur doch eine kleine Chance zu geben.

Denn ihnen passiert im schlimmsten Fall folgendes: Sie unterhalten sich in angeregter Runde, mit einem Menschen, der sie echt beeindruckt. Und als die Sprache auf ein großes Werk der deutschen Literatur kommt, und der erfolgreiche Nichtleser stolz erklärt, warum das langweilig sein und warum er das nicht gelesen hat und überhaupt, “er sei ja nicht blöd” – hört er zu seinem Erstaunen, dass er nach Meinung seines coolen Vorbilds doch blöd sei, vor versammelnder, bereits johlender Menge.

Deutsche Literatur in der Hofbibliothek Wien

Quelle: von Politikaner [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Als Zugabe bekommt er dann noch genau erklärt, wie blöd es ist, einem Großkonzern auf den Leim zu gehen, der es mit einem flotten Spruch schafft, seine mäßig funktionstaugliche Billigware für viel Geld an den Mann zu bringen …

Nun kommen mitunter Gedanken auf, ob man denn bestimmte Werke vielleicht doch gelesen haben sollte, warum man diese Werke gelesen haben sollte, und wenn es so ist, wie man sich den uninteressanten Kram am besten “reinzieht”.

Die wichtigsten Werke unserer Literatur können unbestritten ziemlich langweilig sein – aber nur, wenn die vermittelnde Person es nicht schafft, einen Bezug zu unserer Gegenwart herzustellen. Am besten lässt man ein solches Stück Literatur dann noch von einem ungeschulten Vorleser vortragen, der überhaupt keine Lust hat, sich und seine Vorlesekunst in der Öffentlichkeit zu präsentieren, also von einem unvorbereitet zum Vortrag genötigten Schüler, dann wird ein Werk wie Adalbert Stifters “Bergkristall” sogar zu einem der langweiligsten Bücher der Welt.

Es ginge auch anders: Wenn jemand vorträgt, der zwar deutsche Sprache liebt, aber trotzdem nicht in Ehrfurcht erstarrt. Und so (zu) lange Sätze mal etwas spöttisch in eine Art akustischen Wortwurm verwandelt oder ein anderes Mal so vorträgt, dass die unzähligen Satzungeheuer zu einem Klangteppich mit meditativen Rhythmus verschmelzen, der Satzteile wie “wo die Sonne am schiefsten gegen unsere Gefilde steht” mit Schwung und einem Schuss Ironie vorträgt, der wundersame Ausdrücke wie die “zaubrischen Geschenke” betont. Der Schüler könnte das auch lernen, wenn er mit etwas Spaß und Vorbereitung an die Sache herangehen könnte, das nennt man dann Sprachmächtigkeit.

Insgesamt hat es gute Gründe, warum man früher in der Schule die wichtigsten Werke unserer Literatur gelesen hat – lesen musste – und der Grund ist nicht, dass der Inhalt vermittelt und auswendig gelernt werden sollte. Der Grund liegt eher darin, dass unser Leben aus der Kommunikation mit anderen Menschen besteht, und Menschen, die Kommunikation gelernt haben, viel eher bekommen, was sie wollen, und dass Kommunikation mit Lesen zu tun hat, dem Lesen möglichst unterschiedlicher Bücher, aus allen Epochen und allen Sparten, eben auch die Klassiker.

Aus dem Inhalt kann man natürlich auch oft sehr viel mitnehmen, wer nie im “großen Pellaprat” gelesen hat, wird sich im Restaurant auch Pudding als “Mousse au Chocolat” vorsetzen lassen, wer nie zumindest ein paar der Klassiker gelesen hat, wird sich in der deutschen Sprache nie außergewöhnlich gut ausdrücken können, wer nie das Kamasutra studiert hat, wird … Ganz kurz gesagt hat das etwas mit dem Spruch zu tun: “Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.”

Und diese Klassiker müssen auch nicht langweilig sein, wie so oft kann ein wenig Hintergrundwissen echtes Interesse erzeugen, und mit diesem werden sowohl lange verstorbene Schriftsteller auch ihre Werke auf einmal ziemlich spannend – das ist übrigens einer der Gründe dafür, warum Literatur für sehr lange Zeiten immer wieder gelesen wird.

Sie könnten den Versuch wagen, mit einem der “langweiligsten Werke” der Welt, Adalbert Stifters “Bergkristall” im Artikel “Deutsche Literatur, die größten Werke: Der Bergkristall von Adalbert Stifter”, der ergänzt wird durch den Artikel “Deutsche Literatur, die größten Werke: Eine kritische Betrachtung der Sprache in Adalbert Stifters Bergkristall”. Mehr Lust zum Lesen macht meist ein Blick auf das Leben des Autors dieses Werkes, nachzulesen im Artikel “Deutsche Literatur, die größten Werke: Nach einem Blick auf das Leben des Autors machen sie mehr Spaß”.

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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  • Rainer Ostendorf Der Artikel hat mir gefallen. Schöne Grüsse aus
  • Joachim Vielen Dank für die schöne Rückmeldung! Das fre
  • Rainer Ostendorf Ein interessanter Artikel! Vielen Danken für die
  • Ayna Ich interessiere mich sehr für die Antike und der
  • Joachim Vielen Dank für deine Worte, Karin! Das machen wi

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