Christoph Waltz – Werk

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Eine Übersicht zu Christoph Waltz Werk ist zu einem großen Teil eine Geschichte der Aufklärung und Berichtigung: Der Berichtigung des Irrglaubens darüber, dass Waltz erst durch Hollywood zum großen Schauspieler wurde und der Aufklärung darüber, wie viele großartige Rollen er in jetzt schon bald vier Jahrzehnten bereits ausgefüllt hat.

Bis der Medienrummel aus dem Zentrum des amerikanischen Films den Darsteller in aller Munde brachte, hatte er bereits schon sehr lange die wenig begrenzten Möglichkeiten seines Talents gut ausgenutzt, immerhin lag Herrn Waltz ja die Schauspielerei in einer Weise im Blut wie wenigen anderen: Christoph Waltz wurde in eine fest mit dem Theater verhafteten Familie hineingeboren, die das Wiener Burgtheater zur Zeit seiner Geburt bereits über 70 Jahre mit Schauspielern, Bühnenbildnern und Kostümbildnern versorgte.

Natürlich wollte auch dieser Sohn einer Familie, die in allen Listen bekannter Schauspielerfamilien aufgeführt wird, Schauspieler werden und ließ sich in Wien und New York an den Spitzen-Instituten ausbilden. Bereits mit 20 Jahren stand er in Wien auf der Bühne, das war 1977. In den folgenden Jahren folgten Engagements in Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Salzburg und Zürich, ebenfalls seit Beginn seiner Schauspieltätigkeit übernahm Waltz Rollen in Fernsehproduktionen und Kinofilmen. Er wurde häufig in Krimis besetzt, teils in mehreren Folgen hintereinander kennt man ihn aus “Parole Chicago”, “Der Alte”, “Derrick”, “Ein Fall für zwei”, “Die Staatsanwältin”, “Schimanski”, “Kommissar Rex”, “Polizeiruf 110”, “Rosa Roth”, “Unter Verdacht”, “Der letzte Zeuge”, “SOKO Rhein-Main”, “Der Staatsanwalt” und “Stolberg”. Für den Wiener “Tatort” sollte er 1987 der neue Inspektor werden, Inspektor Pasetti überdauerte jedoch nur eine Folge, 2006 und 2008 spielte Waltz wieder im ergiebigeren Kreis der Tatbeteiligten.

Karikatur von Christoph Waltz bei der Oscar-Verleihung

Karikatur von Christoph Waltz bei der Oscar-Verleihung;
von Strassengalerie [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Weder in Talent noch in Spielfreude war Christoph Waltz jedoch jemals auf Krimis beschränkt, wie die bunte Abfolge seiner sonstigen Rollen hier nur in Ausschnitten andeuten kann: Bereits 1981 war er im Liebesdrama “Tristan and Iseult” unter der Regie von Veith von Fürstenberg zu sehen, 1982 im historischen Jugendfilm “The Mysterious Stranger” nach einer Geschichte von Mark Twain, 1983 spielt er im “Sandmann” nach E.T.A. Hoffmann den narzisstisch veranlagten Nathanael und 1986 Friedrich Nietzsche in Peter Patzaks “Wahnfried”, eine Verfilmung des Leben Richard Wagners. 1989 folgt eine Politsatire, Waltz gibt den jungen und idealistischen EU-Beamten Dorfmann in “Der große Reibach” oder “The Gravy Train”, in der der englische Regisseur David Tucker die Brüsseler Bürokratie im Licht der neuen osteuropäischen Absatzmärkte schon damals mit dem distanzierten Blick von der Insel beleuchtet. Die erste Zusammenarbeit mit dem polnischen Regisseur und Filmproduzenten Krzysztof Zanussi folgt 1991 im Film “Leben für Leben” über Maximilian Kolbe, hier beeindruckt Waltz als entflohener und von Schuldgefühlen geplagter KZ-Häftling.

Auch in Historienfilmen und Komödien macht Waltz mit, so z. B. in Tom Toelles Historien-Zweiteiler “König der letzten Tage” als Täufer Jan van Leiden (1993) oder 1994 in “Man(n) sucht Frau” unter Regie von Vivian Naefe. 1994 fällt er als bombenlegender Busfahrer im Dokumentardrama “Tag der Abrechnung – Der Amokläufer von Euskirchen” auf, 1995 spielt er in der international besetzten Fernsehproduktion “Katharina die Große” neben Catherine Zeta-Jones. 1996 gibt es wieder Belobigungen, für seine darstellerische Leistung in “Du bist nicht allein – Die Roy Black Story” bekommt Waltz einen Sonderpreis bei den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels und 1997 den Bayerischen Fernsehpreis. Weiter geht es mit “Die Farbe des Lebens” (Krzysztof Zanussi), dem Thriller “Vicky’s Nightmare” in Regie von Peter Keglevic (beide 1997), der ersten eigenen Drehbucharbeit und Regie mit “Wenn man sich traut” 1998, im gleichen Jahr dreht er noch in zwei Thrillern, “Schock – Eine Frau in Angst” und “Das Finale”, zwei Melodramen, “Mörderisches Erbe – Tausch mit einer Toten” und “Rache für mein totes Kind” und einer Komödie, “Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit”, in der Waltz als frustrierter Romanautor viel Spaß macht.

Unverändert bunt geht die Reihe weiter: 1999 mit dem australisch-deutschen Thriller “Falling Rocks”, 2000 mit dem “Tanz mit dem Teufel”, dem Film über die Entführung Richard Oetkers, für den Waltz zusammen mit seinen Kollegen Sebastian Koch und Tobias Moretti und Regisseur Peter Keglevic den Adolf-Grimme-Preis entgegennehmen durfte. Im gleichen Jahr dreht er noch “Queen’s Messenger” und “She”, zwei Gemeinschaftsproduktionen aus Kanada, Großbritannien und Bulgarien und “Das Teufelsweib” mit Iris Berben. Die bisherige Abfolge ist an Variationsbreite und Spielleidenschaft schon kaum zu überbieten, genauso bleibt es, mit Actionfilmen (“Terror im Orient Express”), Dramen, (“Riekes Liebe”), Komödien (“Engel sucht Flügel”) und Thrillern (“Dorian – Pakt mit dem Teufel”), alle in 2001 gedreht, aber in den USA und in Deutschland und in Großbritannien und in Kanada. 2002, 2003 und 2004 ist das Bild ähnlich, weit über ein Dutzend Filme, die Rollen anspruchsvoll und interessant (z. B. als falscher Freund Pföderl in “Jennerwein”, als machthungriger Geschäftsschurke in “Die Patriarchin”, als herrlich desorientierter Noch-Ehemann in “Scheidungsopfer Mann” oder als zynischer Analytker in”Der Alte Affe Angst”).

2004 gab es für Waltz als gelangweilter Außendienstmitarbeiter (“Dienstreise – Was für eine Nacht”) auch wieder einen Grimme-Preis, die Angebote werden auch immer mehr, in den nächsten Jahren übernimmt er alle möglichen ambitionierten Rollen, in Produktionen über Ländergrenzen, schon die bloße Nennung der dargestellten Personen illustriert die Vielfalt: Er spielt den Casanova (Karl Löwen in “Franziskas Gespür für Männer”) und den Wissenschaftler (Czerny in “Lapislazuli – Im Auge des Bären”), Doktor (“Der Staatsanwalt – Glückskinder”) und Ermittler (“Das Jüngste Gericht”), Liebhaber (Büffel und Frank Arbogast in “Die Zürcher Verlobung”) und Ex-Häftling (Thomas Sell in “Hase und Igel”), erfolgsverwöhnten Midlife-Kriselnden (Helmut Bahr in “Die Verzauberung”) und lebensverdrossenen Mörder (Sebastian Flies in “Todsünde”), alles nur Rollen aus den Jahren 2006 bis 2008, aber der echte Durchbruch, die Anerkennung als Star, die ließ irgendwie auf sich warten.

Bis sich Quentin Tarantino für die Besetzung der Rolle eines SS-Standartenführers in seinem Anti-Kriegsfilm “Inglourious Basterds” gegen Leonardo die Caprio und für Christoph Waltz entschied, und das ganz sicher nicht nur wegen des so passenden österreichischen Akzents. Der Film wurde 2009 zum Riesen-Kinoerfolg und wird nicht selten als Tarantinos bester Film bezeichnet, für seine Rolle erhielt Waltz über ein Dutzend Auszeichnungen, darunter auch den Oscar als bester Nebendarsteller.

Ab dieser Zeit ist Hollywood dabei, das Talent Waltz zu vereinnahmen, und er nimmt es mit Begeisterung und ein wenig Genugtuung auf: Durch Quentin Tarantino seien Jahrzehnte seiner Bemühungen zum Glühen gekommen – eine Sache, die ihm in seinem Alter unglaublich viel bedeute. Er befinde sich nicht „im sogenannten Herbst“, bei ihm sei im Gegenteil gerade der Frühling angebrochen. Der Oscar verleihe ihm „das Gefühl, dass die Mittel, die ich zur Verfügung habe, auch verlangt werden.“ In seiner Heimat sei ihm bisher eher das Gegenteil vermittelt worden (zitiert nach www.abendblatt.de/kultur-live/kino/article2106035/Der-Gott-des-Gemetzels-Gute-Komoedien-sind-eine-ernste-Sache.html).

Waltz hat in Hollywood-Produktionen seitdem den Bösewicht aus dem Comic gespielt (Chudnofsky in “The Green Hornet”, 2010), einen Zirkusdirektor (in “Wasser für die Elefanten”, 2011), einen Vater (Alan Cowan in “Gott des Gemetzels”, 2011) und einen Kopfgeldjäger (Dr. King Schultz in “Django Unchained”), hat Regie geführt und an Drehbüchern und am Soundtrack mitgearbeitet, und die Anerkennung und die Angebote werden immer mehr, einige Preise sind im Kommen und viele Projekte in Planung.

Dass uns Christoph Waltz nun nur nicht zu seriös wird – nachdem er im Film “Die drei Musketiere” 2011 schon den Kardinal Richelieu gab, soll er in Mike Newells politischem Katastrophenfilm “Reykjavik”, der 2013 gedreht wird, Michail Sergejewitsch Gorbatschow verkörpern … Wenn man sich ansieht, wie entspannt Waltz Gesicht und Ausstrahlung durch den endlich verdient erlangten Erfolg wurde, wünscht sich mancher Bewunderer seines ganzen Könnens und seiner ganzen Empfindsamkeit noch ganz andere Rollen für ihn – einen verrückten Zauberer vielleicht oder einen zynischen, aber amüsanten Aufklärer – keine Frage, Christoph Waltz ist noch vieles zuzutrauen.

Im nachfolgenden Video sehen Sie die Pressekonferenz mit Quentin Tarantino, Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington und Samuel L. Jackson zur Deutschlandpremiere von Christoph Waltz aktuellem Kinofilm “Django Unchained”:

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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  • Rainer Ostendorf Der Artikel hat mir gefallen. Schöne Grüsse aus
  • Joachim Vielen Dank für die schöne Rückmeldung! Das fre
  • Rainer Ostendorf Ein interessanter Artikel! Vielen Danken für die
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