WTAWT (What the Artist wants to tell) soll eigentlich Spaß machen, ein paar übermütige Kapriolen von Gedanken zu berühmten Kunstwerken der Welt schlagen, um den Leser zu weiteren gedanklichen Kapriolen anzuregen – freie Kunst, freie Kunstbetrachtung und freie Kunstauslegung, für alle Menschen.
Also passt Edvard Munchs „Schrei“ eigentlich überhaupt nicht in diese Kategorie, immerhin zählt der „Schrei“ zusammen mit Picassos Kriegsdrama „Guernica“, Damien Hirsts diamantenbesetztem Totenkopf „For the Love of God“ und anderen bekannten Scheußlichkeiten zu den Werken, die den Betrachter mindestens das Gruseln lehren können.
Aber Gruseln und Tod ist ja ein Quotenrenner, wie ganze Fernsehabende beweisen, an denen nicht anderes zu sehen ist als Krimis oder Reality-Dokus einer Qualität, die noch hoffnungsloser stimmt als Tod und Gruseln.
Und die Kunst-Vorführer schwimmen selbstverständlich voll im Mainstream mit, wie die Ausstellung „Lust am Schrecken – Ausdrucksformen des Grauens“im Jahr 2015 bewiesen hat, 70 besonders grauenvolle Gemälde, Graphiken und Skulpturen, die in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zu sehen war (ein Teil der Sammlungshighlights kann während der gerade laufenden Umbauten weiter besichtigt werden, falls Ihnen Munchs „Schrei“ nicht reicht).
Gleichzeitig gebührt dem „Schrei“ aber unbedingt ein Platz in dieser Kategorie, weil es sich immerhin um eines der berühmtester Bilder unserer Welt handelt. Ein Mensch der heutigen Zeit kann dem „Schrei“ nicht entgehen, wenn er mit Menschen über „Big-Brother-Niveau“ kommuniziert, er drängt sich von vielen Seiten ins Bild, wie bei den Menschen, die sich hier über WTAWT Gedanken machen:
Freie Kunstbetrachtung
Mia hat sich nach reiflicher Überlegung entschlossen, Freie Kunst zu studieren. Ingenieure und IT-Fachkräfte sollen zur Zeit am meisten gefragt sein und werden wohl auch in Zukunft gute Aussichten haben, ihre Eltern drängten in diese Richtung, sie habe ja immerhin in MINT-Fächern immer gute Noten erreicht.
Leider war ihren vielbeschäftigten Eltern vollkommen entgangen, dass auf ihrem Gymnasium MINT-Fächer bis auf kleine Ausnahmen von Männern unterrichtet wurden, die tatsächlich – nach der Jahrtausendwende – immer noch der Meinung waren, dass Mädchen von Natur aus kein Talent für MINT-Fächer haben. Stimmt zwar nicht, aber zumindest haben es diese Männer geschafft, dass Mia nicht die Leidenschaft für eines dieser beiden zukunftsbestimmenden Fächer entwickeln konnte, die es für die Berufswahl braucht.
Macht nichts, inzwischen hat Mia eine leise Ahnung davon, dass Kunst sich genauso in Ingenieurs-Kunst und IT-Kunst ausdrücken kann wie in Ölfarben und Aquarell, Ton oder Bronze. Außerdem hat sie inzwischen eine leise Ahnung davon, dass sie eher zu breit gefächertem Interesse als zu eng spezialisierter Leidenschaft neigt. Ihr Weg wird wohl sein, mit Spezialisten zusammenzuarbeiten und von einem Fachgebiet jeweils so viel zu lernen, dass sie die Kenntnis eines leidenschaftlichen Spezialisten bewundern kann und von ihr profitieren kann.
Sie hat auch eine Ahnung davon, dass ein richtig genutztes Internet ihr immer dann bei der Kenntniserlangung helfen kann, wenn ein bestimmtes Fachgebiet in der Schule eher „Interesse abgewöhnend“ behandelt wurde.
Nach Abkehr von der Idee „Ingenieur oder IT“ schlugen die Eltern BWL und Jura vor, für die politisch interessierte Mia zur Zeit unmögliche, „unmoralische“ Studienfächer. Mia wählte die Kunst, weil sie nach gründlicher Info über viele Studiengänge nicht viele andere Studien gefunden hatte, die ein freies Studium mit Erprobung der eigenen Talente ermöglichte, deshalb Freie Kunst, „frei“ auch im Sinne des Mottos: „Wenn ich sowieso damit rechnen muss, einen guten Teil meiner beruflichen Tätigkeit in unbezahlten Praktika oder schlecht bezahlten Teilzeit-Jobs zu verbringen, kann ich auch gleich studieren, was mir richtig Spaß bringt“. Aber immerhin, Freie Kunst macht auch Tätigkeiten im Handwerk oder in der Lehre möglich, und diese Berufe steigen gerade wieder im Ansehen.
Mia gefällt ihr Studium, aber gerade hat sie sich im Seminar „Freie Kunstbetrachtung“ einen dicken Brocken aufhalsen lassen, eine Betrachtung eines der berühmtesten Gemälde der Welt, Edvard Munchs „Schrei“, mit ausdrücklicher Anweisung, nur Fakten wiedergebende Quellen zu nutzen, die Arbeit mit bewertender und beschreibender Sekundärliteratur ist untersagt.
Zusammen mit den Kommilitonen Leon, Finn und Noah, sie unterteilten zunächst die Betrachtung, in „reine Wahrnehmung“ (Noah) und „reine Empfindung“ (Mia), „Wahrnehmung vor dem Hintergrund der ermittelten Fakten“ (Finn) und „Empfindung vor dem Hintergrund der ermittelten Fakten“ (Leon).
Noah und Mia haben in einer ersten Runde die Vorlagen erarbeitet, Finn und Leon haben Fakten erarbeitet. Im ersten Treffen werden Fakten, Empfindungen und Wahrnehmungen ausgetauscht, Noah und Mia werden nun die reine Wahrnehmung und Empfindung um die aus den Fakten gewonnen Eindrücke separat ergänzen, Finn und Leon werden ausgehend von ihrer Hintergrund-Arbeit ihre Wahrnehmung und Empfindung niederlegen, sodass Fakten, Wahrnehmungen und Empfindungen vierfach gespiegelt werden, nach erneutem Austausch wird in abschließender Diskussion alles zusammengefügt.
Noahs war in der „reinen Wahrnehmung“ zunächst ziemlich irritiert, weil er ganz verschiedene „Schreie“ gefunden hat. Auf allen schreit eine mehr oder weniger akzentuierte Gestalt, aber beim „Schrei 1“ gehen die zwei Menschen im Hintergrund auf den Schreienden zu, in „Schrei 2“ schauen sie ins Wasser, in „Schrei 3“ agieren die beiden Menschen im Hintergrund unterschiedlich, in „Schrei 4“ entfernen sich die beiden Menschen vom Schreienden. Dann findet er noch einen „Schrei“, eine Lithographie, die sieht wieder ein wenig anders aus, nur die zwei Menschen im Hintergrund entfernen sich auch vom Schreienden.
Mia hat das natürlich auch bemerkt, konnte den verschiedenen „Schreien“ in Bezug auf Empfindung jedoch keine großen Unterschiede abgewinnen.
Eher der Tatsache, dass Edvard Munchs „Schrei“ nicht ein „Schrei“ ist, sondern dass er gleich vier davon gemalt hat. Da Mia getreu der Aufgabe zunächst die reinen Empfindungen sammeln wollte, weiß sie noch nicht, das Edvard Munchs Gedanken geschlagene 17 Jahre um das Malen von Schreien kreisten … Aber 4 x „Schrei“ reicht ihr auch so, dieser Maler würde auch ohne irgendeine Kenntnis seiner Lebensumstände (die Mia natürlich bereits hat) Niemanden vermuten lassen, dass er die freundliche Seite dieser Welt kennt.
Sicher gibt es für alle Menschen, die einen genauen Blick auf die Welt wagen, damals wie heute genug zu schreien – aber der normale Mensch wird irgendwann wieder einmal fröhlich und kümmert sich um die angenehmeren Dinge im Leben.
Mia schreibt eine lange Abfolge von emotionalen Stichworten rund um Krankheit, Tod, Neigung zur Schwindsucht, Übernervosität, wahnsinnige pietistische Frömmigkeit, Schuldgefühle, Todesgedanken, Halluzinationen, Melancholie, Eifersucht, unglückliche Liebe, rheumatisches Fieber, Krise, Dreiecksverhältnis, schlechte Kritik, Schock, Verfolgung, Nervenkrise, immer schlimmer, Alkoholismus, Industrialisierung, moralische Entartung, Gewalt, gemalte Delirien, Verbrecher, Schande, verschmäht, Außenseiter, politisch radikal, gefährlich, Trauer, Isolierung, Einsamkeit, Verlorenheit, depressive Stimmung, Schwermut, Spannung zwischen Illusion und Wirklichkeit, Problembereich, Drohendes, Beklemmendes, innerer Aufruhr, geheimnisvolle Gestalten, Liebeskummer, Blut, Zungen aus Feuer, Totenkopf, Lebensangst, Depression, Angstgefühl, Maskengesichter, katzen- und vampirartige Eigenschaften, Skelettarm, Verlust, Sehnsucht, Furcht, riesige höhlenartige Augen, Fremdkörper, unergründlich, unberechenbar, Leid, Blutblume, Eingeschlossensein, Bedrohung, Verwesung, Qualen, Schmerz, Sünde, dunkle Bedrohung, Verzweiflung, Mörderin, steif, erstarrt, gierig, enttäuscht, verhärmt, Leidensweg Christi, Hohn, dämonisch, verzerrtes Gesicht, geschlechtslos, Entfernung, Verfolgungsangst, Hölle, emotionale Störung, Schicksalsschläge, düster, Schrei nach Hilfe, dunkles Seelenleben, alles nur aus einem Aufsatz über den „Symbolismus“ im Werk Munchs und – hat keine Lust mehr.
Sie erstellt noch eine Liste aller bekannten Phobien von der hier sehr passenden Achluophobie, Angst vor der Dunkelheit, über die Nomophobie (zur Aufheiterung, das ist die Angst, ohne Mobiltelefonkontakt zu sein) bis zur Zoophobie, der Angst vor Tieren; danach muss sie erst einmal eine Phase mit durchweg fröhlichen bis albernen Empfindungen einschieben, um nicht selbst den Rest ihres Lebens missgelaunt zu werden.
Finn legt die Fakten vor und ordnet damit zunächst die „Schreie“ (die Noah aus nicht bekannten Gründen in die richtige Reihenfolge gebracht hat, was alle für ein gutes Zeichen für das Gelingen der Kunstbetrachtung halten):
1. „Der Schrei“, Edvard Munch, 1893, Pastell auf Holz, 74 × 56 cm, hängt heute im Munch-Museum Oslo. Bei diesem Schrei sind die Augen nur angedeutet, der Mund ist leicht nach links geneigt, die zwei Menschen im Hintergrund gehen auf den Schreienden zu.
Edvard Munch – Der Schrei (1893), Pastell auf Holz
2.„Der Schrei“, Edvard Munch, 1893, Tempera auf Pappe, 91 × 73,5 cm, hängt heute in der Norwegischen Nationalgalerie in Oslo. Bei diesem Schrei sind die Augen rund und leer, aber mit Blick, der Mund ist schräg nach links geneigt, die zwei Menschen im Hintergrund schauen nach rechts auf das Wasser.
Edvard Munch – Der Schrei (1893), Tempera auf Pappe
3. „Der Schrei“, Edvard Munch, 1895, Pastell auf Holz, 79 × 59 cm, ist heute in Privatbesitz. Bei diesem Schrei zeigen die Augen einen deutlichen Blick, der Mund ist leicht nach links geneigt, die zwei Menschen im Hintergrund vollführen getrennte Aktionen, einer lässt den Blick schweifen, einer ist über dem Geländer zusammengebrochen.
Diese Pastellversion wurde wahrscheinlich 1895 von Arthur von Franquet in Auftrag gegeben, dem eifrig teure Kunst sammelnden und Munch verehrenden Großneffen eines Braunschweiger Zichorienkaffee-Fabrikanten. Schon damals konnte man offensichtlich mit einem billigen Ersatz für ein begehrtes Lebensmittel stinkreich werden, wie heute z. B. mit „Milch-„Schnitten anstatt einer anständigen Stulle für die Pause.
Diese Pastellversion wurde am 2. Mai 2012 von Petter Olsen (Reederei Fred. Olsen & Co.) über Sotheby’s New York für die interessante Summe von 119.922.500 US-Dollar versteigert, das freudlose Bild wurde damit zum sechstteuersten Gemälde der Welt.
Der Käufer Leon Black – Apollo Global Management, Investment- und Beteiligungen – scheint jedoch zu den Kunstsammlern mit Gefühl für Verantwortung für die Gesellschaft zu gehören, er zeigte das Bild schon vom 24. Oktober 2012 bis zum 29. April 2013 im Museum of Modern Art in New York City wieder der Öffentlichkeit.
Edvard Munch – Der Schrei (1985), Pastell auf Holz
4. „Der Schrei“, Edvard Munch, 1910, Tempera auf Pappe, 83 × 66 cm, hängt heute im Munch-Museum Oslo. Bei diesem Schrei sind die Augen groß und leer, der Mund ist klein und leicht nach links geneigt, die zwei Menschen im Hintergrund entfernen sich vom Schreienden.
Das sind die vier bekannten Variationen des Schreis in Gemäldeform, nur vier Bilder aus Munchs sogenanntem Lebensfries, einer ganzen Serie von Bildern mit den Themen Angst, Liebe und Tod.
Der Lithographie-Schrei ist wieder von 1895 und ziemlich klein (49,4 × 37,3 cm), er hängt heute in der Gundersen Collection Oslo. Bei diesem Schrei sind die Augen weit aufgerissen mit deutlichem Blick, der Mund schmal und gerade und weit aufgerissen, und die zwei Menschen im Hintergrund entfernen sich vom Schreienden.
Edvard Munch – Der Schrei (1910), Tempera auf Pappe
Es gibt aber mehrere Lithographien vom Schrei, je eine Lithographie der Pastellversion von 1895 hängen z. B. in der Staatsgalerie Stuttgart und in der Hamburger Kunsthalle.
Edvard Munch – Der Schrei (Lithografie von 1895)
Die „Serie“ oder das „Fries“ umfasst insgesamt 22 Werke in vier Abschnitten:
Keimen der Liebe: Sternennacht, Rot und Weiß, Auge in Auge, Tanz am Strand, Der Kuss, Madonna
Blühen und Vergehen der Liebe: Asche, Vampir, Tanz des Lebens, Eifersucht, Die Frau in drei Stadien, Melancholie
Lebensangst: Angst, Abend auf der Karl Johans gate, Roter Wein, Golgatha, Der Schrei
Tod: Am Sterbebett, Tod im Krankenzimmer, Leichengeruch, Stoffwechsel, Das Kind und der Tod
Schon die Titel deuten es an: Edvard Munch gehört zu den Vorfahren, bei denen man froh sein kann, dass sie Vorfahren und keine Zeitgenossen sind. Nach Sammlung dieser ersten Fakten hat nun auch Finn genug, die Kommilitonen beschließen eine einwöchige Arbeitspause, mit richtig viel Party.
Trauerarbeit
Christine hat ihren Mann verloren, den Mann, den sie nach gut 40 Jahren Suche nach einem wirklichen Partner kennen- und liebengelernt hatte und mit dem sie gut ein Jahrzehnt zusammen gelebt und gearbeitet hatte. Auf engem Raum, mit recht wenig getrennt verbrachter Zeit, nicht ohne Konflikte, aber ohne Probleme.
Seitdem trauert sie, in einer verzweifelten, wütenden und zugleich verlorenen Form der Trauer, die sich so gar nicht an die vier vorgeschriebenen Phasen der Trauerbewältigung hält. Weil diese Trauer zu lange dauere, drängen wohlmeinende Freunde sie, doch eine Therapie zu beginnen, auch Trauerbewältigung brauche mitunter Hilfe. Dem gibt sie irgendwann nach, schon um ihre Ruhe zu haben, wohlmeinende Freunde können sehr hartnäckig sein, wenn sie meinen, den richtigen Weg entdeckt zu haben.
Die erste Therapeutin hält eine Art Unterricht ab. Sie lehrt Christine die vier Phasen der Trauerbewältigung – die diese schon kennt -, sehr ausführlich und ohne sich unterbrechen zu lassen. In Phase 1 sei Leugnen die ganz typische erste Reaktion, auf die erschütternde Nachricht:
Das kann nicht sein, es ist bestimmt ein Irrtum“.
Wir wollen nicht wahrhaben, dass wirklich das Unvermeidliche eingetreten ist. Der erste Schock versetzt uns in eine Art von Trance. Wir schützen uns damit selbst. Und es dauert eine Weile bis wir erkennen, dass die Realität stärker ist, als das Leugnen.
Dass Christine wegen ihrer beruflichen Beschäftigung mit Realitätsbezug nicht zum Leugnen in der Lage ist – obwohl sie es vorziehen würde, eine Zeitlang ganz bewusst und aktiv zu verdrängen, was ihr anders geübtes und damit auch tatsächlich anders aufgebautes Gehirn leider nicht zulässt -, interessiert sie nicht.
Christine steht beruflich mit Barbara Fredrickson, Psychologin am Positive Emotions and Psychophysiology Laboratory der University of North Carolina at Chapel Hill, in Kontakt.
Sie hat über deren Arbeit rund um „Discovering the best in people“ (ein ganzes Feld von Experimenten und Studien rund um positive Emotionen und optimistische Grundeinstellungen) schon vor jedem Gedanken an irgendwelche Trauerarbeit einige Artikel geschrieben und seitdem – selbstverständlich – nicht damit aufgehört.
Das interessiert die Therapeutin auch nicht, mehr als ein spöttisches „Ach, die deutschen Psychologin reichen wohl nicht?“ ist von ihr nicht zu hören. Zuhören fällt unter solchen Bedingungen Christine schwer, die wahre Flut von Gefühlen (Phase 2), hat sie ebenso hinter sich wie die Akzeptanz, sie braucht nur etwas Hilfe bei der Neuorientierung (Phase 3), ein wenig Unterstützung beim Empfinden von Freude und Dämpfen des manchmal überbordenden Schmerzes.
Die zweite Therapeutin setzt auf Sport und will nicht akzeptieren, dass der seelische Schmerz bei Christine psychosomatische Symptome hervorgerufen hat, die dazu führen, dass ihr Körper mehr als ausgedehnte Spaziergänge im Moment nicht verträgt. Auf Dauer helfe nur richtiges Laufen, das könne Christine sich im Film „Lauf gegen die Trauer“ selbst ansehen.
Im Film bricht ein einst legendärer Marathonläufer im Alter und in Ermangelung anderer Ideen in hektisches Training aus, Ziel Berlin-Marathon, und als seine Frau stirbt, auch Ziel, seiner Trauer davonzurennen. Dass Christine Wettbewerb zwischen Individuen für eine in der Jugend nützliche Betätigung, aber in reifem Alter weder körperlich, noch geistig oder gesellschaftlich nutzbringend hält, interessiert sie nicht.
Dass Christine sich nicht in ihrer Trauer suhlt, sondern ganz viele neue Projekte angefangen hat, bloß eben nicht Joggen, interessiert sie auch nicht. Sie ist die Fachfrau, und Laufen hilft, und andere Ideen hat sie so lange nicht, bis Christine auf ihre Betreuung dankend verzichtet.
Die dritte Therapeutin spricht mit ihr, lange und interessiert, sie ist höchst interessiert an ihrer Arbeit und regt Christine zu allem Möglichen an. Manchmal geht es nur um kleine Gedankenbewegungen, einen Schritt in die richtige Richtung, den Christine möglicherweise schon selbst angedacht hatte.
Mit Rückhalt durch einen Menschen, der andere Menschen ernst nimmt, klappt eine solche Gedankenbewegung dann, und die Therapeutin hat auch noch Ideen zu ganz anderen Schritten. Christine plant schon länger, endlich wieder zu malen, richtig konzentriert entspannen an der Staffelei, bisher ist es aber bei kleinen Farbstudien geblieben, normaler Ringblock und Wachsmalstifte, schwarz-rote Kritzeleien bauen auch einiges ab. Als die Therapeutin das hört, macht sie Christine einen „an Munch-Ehrfurcht mangelnden“ Vorschlag:
Sie solle sich den vermaledeiten „Schrei“ von Edvard Munch vornehmen und am Nachmalen dieses Bildes selbst nachvollziehen, wie positives Denken das Gehirn ganz allmählich umformt, neue Nervenstränge, nach und nach „freundlichere Seilschaften“, raus aus der Trauer.
Dass sich das menschliche Gehirn durch solche Übungen verändern lasse, sei heute wissenschaftlich bewiesen, und den „Schrei“ von duster bedrohlich bis hin zu sanfter Landschaft mit wie auch immer gut gestimmten Menschen mehrfach malend zu verändern, sei sicher eine unheimlich spannende Aufgabe.
Edvard Munch – The Seine at Saint-Cloud (1890)
Christine hat sich bereits recht viel mit Munch beschäftigt und erwidert, dass sie mit Vergnügen daran gehen werde, diesem armen Menschen sozusagen posthum mehr Lebensglück zu schenken.
Während sie dem Vorschlag der Therapeutin folgt und bereits nach einigen Bildern in einer Fülle freundlicher Farben schwelgt, liest sie nebenbei noch mehr über Munch, sie sucht (und findet, ein wenig) das Positive:
Der erste deutsche Titel, den Munch seinem Werk selbst gab, war „Schrei der Natur“, auf eine graphische Fassung schrieb er sogar auf Deutsch: „Ich fühlte das große Geschrei, wie es durch die Natur geht.“
Daraus lässt sich viel machen, natürlich ist die Natur ein einziges Geschrei, aber eben auch ein vielfältiges und herrliches Geschrei – Christine fängt an, für die nächste Version Blumenranken oder -töpfe auf der Brücke zu planen.
Außerdem findet sie noch zwei wirklich fröhliche Munch-Bilder: „Die Seine bei Saint-Cloud“ von 1890, heute Munch-Museum Oslo, und „Frühling auf der Karl Johans gate“ von 1890, heute Bildergalerie Bergen – na also, es geht doch!
Edvard Munch – Frühling auf der Johan Karl Straße (1890)
Das Referat
Annika hat Kunst-Leistungskurs genommen, weil sie lange begriffen hat, dass sie mit den Feinheiten der Biologie (zweiter Leistungskurs) momentan genug zu tun hat, und der NC für ihr Zielfach Bionik zur Zeit ihres Abis einen weit über 2,0 liegenden Abi-Quotienten erfordern könnte.
Physik (mit technischen Projekten) und Chemie als drittes und viertes Prüfungsfach laufen locker, Bio immer besser, seit sie in Wartezeiten nicht mehr doofe Statusmeldungen postet, sondern Mnemotechniken übt.
Aber ausgerechnet der Kunst-Leistungskurs schiebt sich gerade als echter Blocker ins Bild, mit dem Referat-Thema ‚Edvard Munchs „Schrei“ – eine Bildbeschreibung mit Hintergrund‘. Als sie nach Hause kommt, ist sie wütend: „Ich soll ausgerechnet das Bild beschreiben, das wohl das Schrecklichste der Welt ist, und das Hässlichste noch dazu!“„Du wolltest mit Kunst-Leistungskurs abkürzen“, erwidert ihre Mutter und wendet sich ungerührt ab.
Annika setzt sich ran, sie beschäftigt sich zuerst mit dem Bild, Bildbeschreibung: Im Zentrum wird frontal eine Person mit weit geöffnetem Mund gezeigt, die die Arme an den Kopf gelegt hat, mit leeren Augen in die Gegend starrt – und schreit. Und so weiter und so weiter, steht auf Brücke, weiter hinten zwei Gestalten, ein paar Schiffe, Wasser und Himmel in wild bewegten Formen und Farben … Ausdruck, Gestaltungsmittel, Linienführung, Wertung: grotesk, visualisierte innere Hölle.
Annika beschäftigt sich auch mit Edvard Munchs Leben: 12.12.1863 in Norwegen geboren und am 23.1.1944 81-jährig gestorben. In Oslo aufgewachsen, bei religiös fanatischem Vater, der trotzdem eine zwanzig Jahre Jüngere heiratete, die dann auch noch bald an Tuberkulose starb.
Munch war fünf und hatte fünf Geschwister, die ältere Schwester starb an Schwindsucht, die jüngere Schwester hatte Depressionen, der einzige Bruder, der heiratete, starb kurz nach der Hochzeit, Munch selbst war manisch-depressiv (kein Wunder bei der Familiengeschichte) und hatte zu allem Überfluss von seiner jung verstorbenen Mutter auch noch die Neigung zur Schwindsucht geerbt.
Munch lernt an der königlichen Schule für Kunst und Gestaltung in Kristiania Malerei, beginnt 1885 (mit 22 Jahren) seine erste Liebesbeziehung, 1886 wird sein erstes Bild seiner selbst erfundenen seiner „Kunst der Erinnerung“, „Das kranke Kind“, auf der Herbstausstellung in Kristiania ein absoluter Misserfolg, 1887 trennt sich seine Freundin wegen eines anderen Mannes von ihm. Folge Todesgedanken, Halluzinationen und Melancholie und eine Reihe von Bildern mit der absurden Ausstrahlung des „Schreis“. Wäre die Dame bloß bei ihm geblieben!
Annika beschäftigt sich nun mit der Entstehung des „Schreis“ und seiner Geschichte: Es gibt viele Legenden zur Entstehung des Schreis, die im Laufe der Entstehungsjahre der vier Gemälde von Hell-Orange zu Dunkel-Rot-Orange wechselnde Hintergrundfarbe gehe auf den Ausbruch des Krakatau (Vulkan in Indonesien) 1883 zurück, das Schrei-Motiv wurde durch Inka-Mumien einer von Munch 1889 besuchten Ausstellung in Paris angeregt, oder durch den Selbstmord des norwegischen Malers Kalle Løchen.
Die ersten drei Versionen soll Munch während seines Berlin-Aufenthaltes von 1892 bis 1896 vollendet haben, aber so schrecklich findet Annika Berlin nicht, daran wird es kaum liegen; Genaues weiß sowieso niemand, Munch äußerte sich wohl nur wenig zu seinen Schrei-Motiven.
Zumindest sind die Schreie schon ziemlich lange ziemlich begehrt, 1994 geschah der erste Diebstahl, am 12. Februar verschwand die Temperaversion von 1893 aus der norwegischen Nationalgalerie, drei Monate später fand (leider, nach Annikas Ansicht) die Polizei das Bild, die Täter wurden (anstatt Belobigung) mehrere Jahre eingesperrt.
Der zweite Diebstahl folgte am 22. August 2004, ein bewaffneter Raubüberfall maskierter Täter auf das Munch-Museum in Oslo, die Temperaversion von 1910 und eine an Christiane F. im bedauerlichsten Zustand erinnernde „Madonna“ von Munch gingen mit. Leider wurden sechs der sieben Täter 2006 wegen eines Überfalls auf ein Gelddepot in Stavanger gefasst, Schreie und kaputte Madonnen ließen sich damals offensichtlich noch nicht so gut zu Geld machen wie nur ein paar Jahre später über Sotheby’s.
Aber immerhin konnte einer der Kriminellen die Bilder vermutlich im Tausch gegen Straferlass nutzbar machen, sie wurden am 31. August 2006 von der norwegischen Polizei sichergestellt und ab dem 27. September 2006 noch in ramponiertem Zustand ein paar Tage der wartenden Öffentlichkeit präsentiert, erstaunlicherweise hatten 5500 Besucher ihre Munch-Bilder vermisst.
Als Annika ungefähr soweit gekommen und mit ganz, ganz wenig Freude auf die vor ihr liegende Arbeit des Ausformulierens und Ergänzens denkt, stößt sie in Munchs Tagebuch auf einen Eintrag „Nizza, 22. Januar 1892“, mit dem Prosagedicht „Schrei“:
Ich ging mit zwei Freunden die Straße hinab. Die Sonne ging unter – der Himmel wurde blutrot, und ich empfand einen Hauch von Wehmut. Ich stand still, todmüde – über dem blauschwarzen Fjord und der Stadt lagen Blut und Feuerzungen. Meine Freunde gingen weiter – ich blieb zurück – zitternd vor Angst – ich fühlte den großen Schrei in der Natur … Ich malte dieses Bild – malte die Wolken wie wirkliches Blut – die Farben schrien.“
Annika lacht und überlegt: Ob sie die Chuzpe hat, das ganze Referat zu drehen und zu behaupten, dass nur die Farben des Himmels im schönen Nizza schrien? Sie lässt das erst einmal offen, die Beschäftigung mit Person und Bildern des Malers Edvard Munchs haben ihr zunächst einmal schon ziemlich nachhaltig die Laune versemmelt.
So schließt sie die Vorarbeiten zum Referat vorläufig, mit dem Hinweis darauf, dass gut verständlich sei, warum die Maske des Killers „Ghostface“ im Film Scream und die Silences aus der Fernsehserie „Doctor Who“ Munchs schreiender Person nachempfunden wurden.
Und abschließend noch ein Beitrag der Klugscheisserin zum 150. Geburtstag des Künstlers:
[vc_row height=“auto“][vc_column][vc_column_text]Digitale Nomaden – das klingt nach grenzenloser Freiheit, exotischen Orten und dem Arbeiten mit Blick aufs Meer. Doch wie sieht der Alltag wirklich aus, wenn man ohne festen Wohnsitz durch die Welt reist? Lena und Oliver leben seit über zwei Jahren genau diesen Traum – mit all seinen Höhen und Tiefen. In diesem ehrlichen Gespräch erzählen sie, was es bedeutet, ständig unterwegs zu sein, wie sie ihre Fotokunst in ihr Leben integrieren und warum dieses Abenteuer genauso herausfordernd wie erfüllend ist.[/vc_column_text][us_image image=“41643″ align=“center“ style=“shadow-1″ size=“full“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-bottom%22%3A%2220%22%2C%22padding-bottom%22%3A%2220%22%7D%7D“][us_text text=“„Concrete Jungle„ – Fine Art Print auf Künstlerpapier“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22font-family%22%3A%22h1%22%2C%22font-weight%22%3A%22300%22%2C%22font-style%22%3A%22italic%22%2C%22margin-top%22%3A%225px%22%2C%22padding-top%22%3A%225px%22%7D%7D“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Oliver, Lena – ihr seid seit über zwei Jahren als digitale Nomaden unterwegs. Das klingt nach Freiheit und Abenteuer. Was bedeutet dieser Lebensstil für euch?
Oliver: Freiheit, definitiv. Wir entscheiden jeden Tag aufs Neue, wie unser Leben aussehen soll. Das Gefühl, nicht an einen festen Ort gebunden zu sein, ist unbeschreiblich. Aber es ist auch mehr als das: Es ist die Möglichkeit, unsere Kunst und unser Leben in Einklang zu bringen.
Lena: Gleichzeitig ist es auch ein Weg, immer wieder in den Spiegel zu schauen. Du kannst dich nirgendwo verstecken – weder vor den Herausforderungen des Lebens noch vor dir selbst. Es ist wunderschön und anstrengend zugleich.[/vc_column_text][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in Deutschland alles hinter euch zu lassen und ein Leben als digitale Nomaden zu führen?
Lena: Ich wollte schon immer die Welt entdecken und reisen, hatte aber nicht die Chance dazu. Sei es, weil es zu Hause zu viele Verpflichtungen gab, zu viele Tiere, zu viele Kinder oder zu wenig Geld. Und ich habe nicht herausgefunden, wie ich so viel Geld verdiene, dass ich losreisen kann. Irgendwann kam für mich der Punkt, an dem ich mich gefragt habe: Worauf warte ich? Dieser Wunsch, die Welt zu entdecken, ist so groß! Warum warte ich auf Punkt X, der irgendwie nie zu kommen scheint? Dann ist mir doch lieber, mit all meinen Themen loszureisen und in der Welt zu leben und dort weiterhin – genauso, wie ich es bisher zu Hause getan habe – herauszufinden, wie es Monat für Monat weiter geht, wie ich leben möchte, wie ich mir das ermöglichen kann und wo es hin geht. Und: Ich möchte lieber mit den gleichen Struggles an verschiedenen Orten sein, als am selben Ort zu sein und endlich diese Struggles loszuwerden!
Oliver: Ich spielte schon länger mit dem Gedanken, auszuwandern, als ich Lena kennenlernte. Zeitgleich damit, dass ich mich in sie verliebte, habe ich erfahren, dass sie nach Skandinavien geht – und das ohne die Absicht, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Das war eine harte Nummer für mich! Aber gleichzeitig auch der Katalysator für meine eigene Befreiung. Mich hat es so sehr zu ihr gezogen, dass ich bereit war, mein Leben in Deutschland, das mich nicht mehr erfüllte, komplett hinter mir zu lassen. Ich fragte sie, ob ich sie begleiten und diese Reise mit der Kamera dokumentieren darf. Sie sagte “Ja”, und das hat eine unglaubliche Energie in mir freigesetzt – so viel, dass selbst 14 Stunden Fahrt bis zu unserem Zusammentreffen in Schweden möglich waren. Seitdem reisen und leben wir zusammen. [/vc_column_text][us_image image=“41648″ style=“shadow-1″ size=“full“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“][us_text text=“„Two Worlds Meeting„ – Fine Art Print auf Alu-Dibond“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22font-family%22%3A%22h1%22%2C%22font-weight%22%3A%22300%22%2C%22font-style%22%3A%22italic%22%2C%22margin-top%22%3A%225px%22%2C%22padding-top%22%3A%225px%22%7D%7D“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Beim Begriff “digitale Nomaden” denken wir sofort an Strand, Klappstuhl und Laptop. Was ist dran an diesem Klischee?
Oliver: (lacht) Das haben wir auf Mallorca ausprobiert – und ganz ehrlich? Es ist ein Mythos! Kein Laptop dieser Welt ist hell genug, als dass er gegen die knallende Sonne ankommen kann – zumindest ohne Steckdose! Und der Internet-Empfang ist am Strand auch nicht zwingend gegeben.
Lena: Ja! Und die Welt hat so viel mehr zu bieten, als den ganzen Tag am Strand zu brutzeln. Es gibt so viele Wege, als digitale Nomaden zu leben. Entweder mit unserem kleinen Auto von Region zu Region zu reisen und dort für einen oder mehrere Monate ein AirBnB zu mieten. Oder ein einfaches Bett hinten in einen Kombi zu bauen und damit als Zuhause einen gesamten Sommer durch Europa zu touren – beides haben wir schon erlebt. Vielleicht haben wir als nächstes ein rollendes Zuhause in Form eines Wohnwagens? Wer weiß! Es ist uns wichtig, offen dafür zu sein, was das Leben uns für Chancen bietet und dann auf unser Bauchgefühl zu hören.[/vc_column_text][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Was macht eure Fotokunst so besonders – und wie berührt sie die Menschen?
Oliver: Unsere aktuelle Serie „Symbiosis“ eröffnet den Menschen einen Raum, in dem sie innehalten, fühlen und sich erinnern können. Die vielschichtigen, emotionalen Kompositionen tragen die Tiefe spontaner, intimer Momente in sich – Momente, die für viele im hektischen Alltag verloren gehen. Sie vermitteln, dass Liebe und Verbundenheit nicht nur möglich sind, sondern auch in unserer schnelllebigen Welt Bestand haben können. Für manche mag das wie ein leiser, rebellischer Akt wirken: sich bewusst mit Liebe und Beständigkeit zu verbinden. Diese Werke erinnern daran, dass es solche tiefen Gefühle gibt – und dass sie ein Geschenk sind.
Lena: Unsere Bilder laden die Menschen ein, die Verbindung zu sich selbst und zur Welt um sie herum zu spüren. Sie verkörpern für mich das tiefe Verständnis, dass alles miteinander vernetzt ist. Diese Botschaft berührt, inspiriert und schenkt Kraft. Was unsere Kunst besonders macht, ist, dass sie von der Schönheit der Natur erzählt und davon, wie sie uns immer wieder magische Momente schenkt – oft unerwartet. Dieses Gefühl von Staunen und Entdecken tragen unsere Werke in sich und schaffen so für jeden Betrachter eine ganz persönliche Erfahrung.
[/vc_column_text][us_gallery ids=“41653,41655,41654″ quantity_type=“all“ no_items_action=“hide“ columns=“3″ items_ratio=“2×3″][us_text text=“Alle Prints sind auf verschiedenen Materialien erhältlich. Dies gewährleistet, dass sie sich stimmig in ihre jeweilige Umgebung einfügen.“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22font-family%22%3A%22h1%22%2C%22font-weight%22%3A%22300%22%2C%22font-style%22%3A%22italic%22%2C%22margin-top%22%3A%225px%22%2C%22padding-top%22%3A%225px%22%7D%7D“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Für wen sind eure Arbeiten besonders inspirierend?
Oliver: Unsere Werke sind für Menschen gedacht, die Orte schaffen, an denen Gefühle und Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Sie sind sowohl Kunst für Hotels und Restaurants als auch für Cafés, Galerien oder Healing Spaces, wie z.B. Yogastudios. Dort setzen sie emotionale Akzente, die die Atmosphäre bereichern. Und sie schaffen Momente, die Menschen berühren, zum Nachdenken anregen und ihnen einen Impuls geben, ihr eigenes Leben bewusster wahrzunehmen.
Lena: Auf einer tieferen Ebene sprechen unsere Arbeiten all jene an, die spüren, dass in ihrem Leben noch mehr möglich ist. Menschen, die nach Inspiration suchen, um freier, authentischer und bewusster zu leben. Unsere Kunst erinnert daran, dass tiefe Liebe, echte Verbindung und ein selbstbestimmtes Leben für jeden erreichbar sind – und lädt dazu ein, diesen Werten mehr Raum im Alltag zu geben.[/vc_column_text][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Was würdet ihr als eure größten Herausforderungen bezeichnen?
Oliver: Finanzielle Stabilität ist unser ständiger Begleiter – oder besser gesagt: die Suche danach. Seit Beginn dieses Lebensabschnitts probieren wir alles Mögliche aus, um ein stabiles Einkommen zu erzielen und Rücklagen für Notfälle zu bilden. Wir haben unter anderem Print-Kollektionen veröffentlicht, einen YouTube-Kanal gestartet und UGC für Brands produziert. Damit sind wir bisher immer um die Runden gekommen, auch wenn der durchschlagende Erfolg und die finanzielle Freiheit bisher noch auf sich warten lassen.
Wir sind zwei sehr vielseitige, kreative Menschen, die gern ihren Impulsen folgen. Doch das, was wir mit Liebe tun – gemeinsam auf verschiedenste Weisen zu kreieren und uns auszuprobieren – findet nicht zwangsläufig auch einen Markt. So ist es immer auch die Suche nach der Schnittmenge: Was tun wir voller Leidenschaft UND bringt gleichzeitig Geld?
Lena: Ein weiteres Thema ist die Sichtbarkeit. Auf Instagram haben wir seit zwei Jahren ca. 200 Follower, und egal, was wir versuchen, es bewegt sich einfach nichts. Das ist frustrierend, vor allem weil wir von den Menschen, die unsere Arbeiten sehen, sehr berührendes Feedback bekommen.
Was das Reisen betrifft, sind AirBnB-Überraschungen leider immer wieder an der Tagesordnung. Mäuse im Schlafzimmer, einen qualmenden Ofen im Wohnzimmer – alles schon gehabt! Da haben wir gelernt, dass es sich zu kämpfen lohnt! Das waren Erfahrungen, die uns als Team noch mehr zusammengeschweißt haben und aus denen wir gestärkt hervorgingen.
[/vc_column_text][us_gallery ids=“41649,41652,41650″ quantity_type=“all“ no_items_action=“hide“ columns=“3″ items_ratio=“2×3″][us_text text=“Die Formate reichen von 30 x 20 bis zu 120 x 80 cm Größe. Auf Wunsch ist die Fertigung in Sonderformaten möglich.“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22font-family%22%3A%22h1%22%2C%22font-weight%22%3A%22300%22%2C%22font-style%22%3A%22italic%22%2C%22margin-top%22%3A%225px%22%2C%22padding-top%22%3A%225px%22%7D%7D“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Gab es besondere Momente, in denen ihr euch bestätigt gefühlt habt?
Lena: Absolut! Ein Beispiel ist ein fast zustande gekommener Ausstellungstermin in einem Café in Helsingborg. Wir waren so aufgeregt, weil das der erste große Schritt in die Richtung gewesen wäre, die wir uns wünschen: unsere Kunst an Orten zu präsentieren, die wir bereisen. Leider hat die Veranstalterin die Termine durcheinander gebracht und sich nicht mehr gemeldet. Das war ein herber Dämpfer.
Oliver: Trotzdem war es eine Bestätigung, dass wir mit unserer Kunst am richtigen Ort waren und gesehen werden. Es ist wie eine stille Hoffnung, die uns antreibt: Irgendwo da draußen gibt es Menschen, die genau das wollen, was wir kreieren. Wir müssen sie nur finden![/vc_column_text][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Wie geht ihr mit diesen Rückschlägen um?
Lena: Das ist nicht immer leicht. Ich habe jedoch immer auch die Hoffnung, dass es letztlich doch möglich für mich ist: so zu leben, wie ich es mir so lange schon erträume. Warum auch nicht? Immerhin leben wir jetzt schon seit über zwei Jahren so! Wir erinnern uns gegenseitig an unsere Vision – die Freude, die wir empfinden, wenn wir magische Momente einfangen und sie auf unserem eigenen, künstlerischen Weg teilen können. Uns gegenseitig zu unterstützen und dabei die Liebe, die wir zueinander haben, als Basis zu sehen, hilft enorm.
Oliver: Genau. Unsere Beziehung ist generell auch der Kern unserer Kunst. Ich möchte mit meiner Arbeit ein Denkmal für das schaffen, was mir am wichtigsten ist: Lena und unsere Liebe – in allen Facetten, in jeder Jahreszeit und Stimmungslage. Das gibt uns immer wieder Kraft. Und immer wieder, auch in schwierigen Momenten, darauf zurückzukommen und unser Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, ist die wohl wichtigste Fähigkeit auf diesem Weg.[/vc_column_text][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Ihr habt angesprochen, dass ihr von Monat zu Monat lebt. Wie geht ihr mit dieser Unsicherheit um?
Lena: Wir versuchen, unsere laufenden Kosten so gering wie möglich zu halten, um Ressourcen für das Wichtigste zu haben: ein festes Dach über dem Kopf – mit Vorliebe mitten in der Natur –, hochwertige pflanzliche Lebensmittel, die unseren Körper nähren und uns gleichzeitig Genuss ermöglichen, plus natürlich der Fahrtauglichkeit unseres kleinen, alten VW Golfs. Deshalb haben wir fast alle Versicherungen gekündigt. Manchmal belastet uns das, vor allem, wenn unerwartete Kosten wie Autoreparaturen oder ein Zahnarztbesuch auf uns zukommen. Tatsächlich war das nötige Geld bisher immer da, wenn wir es gebraucht haben. Das gibt uns mehr und mehr Vertrauen, dass es auch in Zukunft immer weitergehen wird, auch wenn es manchmal brenzlig aussieht.
Oliver: Es ist ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Planung. Zum Glück können wir durch sehr bewussten Konsum die Kosten niedrig halten. Hier in Estland zum Beispiel ist frisches Obst und Gemüse deutlich erschwinglicher als zuletzt in Finnland, was uns sehr entgegenkommt. 2025 geht es weiter Richtung Süden für uns, und nach dem Baltikum erwarten uns Rumänien, Bulgarien, der Balkan und Griechenland. Dort werden wir deutlich mehr für den Euro bekommen als z.B. in Skandinavien – ein Gedanke, der bei mir definitiv für Entspannung sorgt.
[/vc_column_text][us_image image=“41651″ style=“shadow-1″ size=“full“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“][us_text text=“„Eternal Connection„ – Acrylglas Gallery Print“ link=“%7B%22url%22%3A%22%22%7D“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22font-family%22%3A%22h1%22%2C%22font-weight%22%3A%22300%22%2C%22font-style%22%3A%22italic%22%2C%22margin-top%22%3A%225px%22%2C%22padding-top%22%3A%225px%22%7D%7D“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Was würdet ihr euch für die Zukunft wünschen?
Oliver: Wir wünschen uns, dass unsere Kunst endlich die Menschen erreicht, die davon inspiriert werden. Am liebsten rund um die Welt, denn ich sehe uns als internationale Künstler. Unsere Prints sind mehr als Wanddekoration. Sie sind magische, vielschichtige Begleiter voller Emotionen, die Menschen berühren und in eine andere Welt ziehen. Die Vorstellung, dass unsere Werke in Cafés, Galerien oder Healing Spaces auf der ganzen Welt präsent sind, treibt uns an.
Lena: In erster Linie wollen wir die Welt bereisen und so viel von ihr entdecken und erleben, wie es in unserem Leben möglich ist. Mich zieht es auf andere Kontinente wie Afrika und Asien – und wie schön wäre es, auch von dort wirken zu können? Und wie schön wäre es, dies mit anderen zu teilen? Natürlich wünschen wir uns mehr finanzielle Freiheit, damit wir noch mehr Zeit und Energie in das stecken können, was uns wirklich erfüllt. Unser Ziel ist es, mit Leichtigkeit und Freude kreativ zu sein und Menschen zu zeigen, dass ein selbstbestimmtes, authentisches Leben möglich ist.[/vc_column_text][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]Was möchtet ihr Menschen mitgeben, die mit dem Gedanken spielen, ein ähnliches Leben zu führen?
Lena: Sei ehrlich zu dir selbst, was deine Werte und Prioritäten angeht. Dieses Leben ist kein ständiger Urlaub, sondern ein ständiges Abenteuer – mit allem, was dazugehört. Und früher oder später wird sich zeigen, ob du tatsächlich deiner eigenen Vision folgst oder einem falschen Traum hinterherjagst, der irgendwoher von außen kommt.
Oliver: Genau! Es ist ein Weg voller Herausforderungen, aber auch voller Magie. Und egal wie schwer es manchmal ist, wir würden uns immer wieder dafür entscheiden. Denn diese Freiheit, das Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten, ist unbezahlbar. Jeden Morgen gemeinsam an einem Ort aufzuwachen, den wir uns ausgesucht haben, und dann, wenn die Ferne lockt, weiterziehen zu dürfen, ohne den Druck, irgendwann wieder zurück zu müssen – dieses Gefühl möchte ich nicht mehr hergeben.
Dieses Interview wurde im Januar 2025 geführt.
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Exklusive Fine Art Prints on demand
Die Motive dieses Beitrags und weitere, die im Verlauf unserer Reise entstehen, sind als exklusive Fine Art Prints zum Kauf erhältlich.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row height=“auto“][vc_column][us_image image=“42091″ size=“full“ link=“%7B%22url%22%3A%22https%3A%2F%2Fwww.picdrop.com%2Foliverselzer%2F7YG1jFWTfq%22%2C%22target%22%3A%22_blank%22%7D“][us_btn label=“zur Fine Art Print Gallery“ link=“%7B%22url%22%3A%22https%3A%2F%2Fwww.picdrop.com%2Foliverselzer%2F7YG1jFWTfq%22%7D“ align=“center“ css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2210px%22%2C%22padding-top%22%3A%2210px%22%7D%7D“][vc_column_text css=“%7B%22default%22%3A%7B%22margin-top%22%3A%2225px%22%2C%22padding-top%22%3A%2225px%22%7D%7D“]
Die Innenarchitektur fungiert als Ausdrucksform, durch die wir unsere Individualität, unseren Stil und unsere kulturellen Einflüsse zur Schau stellen. Unter den zahlreichen Künstlern, die die Kunstgeschichte maßgeblich beeinflusst haben und in der Lage sind, jeden Raum in ein lebendiges Kunstwerk zu verwandeln, sticht Edward Hopper besonders hervor.
Seine Gabe, die Essenz von Einsamkeit und Isolation in urbanen Szenarien festzuhalten, ist einzigartig. Dank Anbietern wie Prodi Artsind heute hochwertige Reproduktionen seiner bekanntesten Werke bequem über das Internet erhältlich, sodass jeder die Möglichkeit hat, Hoppers Kunst in sein Zuhause zu integrieren.
Warum ist Edward Hopper einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts
Edward Hopper wird als einer der bedeutendsten realistischen Künstler des 20. Jahrhunderts angesehen und stellte das amerikanische Leben in eindrucksvollen Szenen dar, die bis heute einen erheblichen kulturellen Einfluss ausüben. Geboren wurde Hopper 1882, nur 25 Meilen nördlich von New York City, und er befand sich sowohl zeitlich als auch örtlich in einer einmaligen Position, um den Aufstieg des Kinos als Kunstform zu erleben.
In einem Videobeitrag der YouTube-Reihe „Great Art Explained“ analysiert der britische Kurator, Galerist und Videoessayist James Payne, wie Hopper zu den ersten Künstlern gehörte, die direkt vom Kino inspiriert wurden, und wie umgekehrt Filmemacher von seinem nüchternen und künstlerischen Schaffen sowie seinem nachdenklichen visuellen Stil beeinflusst wurden. Durch prägnante Vergleiche bringt Payne überzeugend vor, dass die visuelle Sprache des Films von der bildenden Kunst geformt wurde und dass insbesondere Hoppers Werke einen nachhaltigen Einfluss auf die Filmproduktion hatten und weiterhin haben.
Einflüsse und einzigartige Charakteristika voller Nostalgie, Ambivalenz und Introspektion
Hoppers Kunstwerke wurden stark vom pulsierenden Leben in großen Städten, insbesondere New York City, beeinflusst, dessen charakteristische Architektur in seinen Bildern oft deutlich wird. In seiner Arbeit thematisiert er häufig Aspekte wie Einsamkeit, Isolation und Resignation. Die Gemälde von Hopper sind bekannt dafür, flüchtige Augenblicke festzuhalten und zeichnen sich durch einen minimalistischen Stil, Ruhe und eine gewisse Mehrdeutigkeit aus.
Seine Werke regen zum Nachdenken an und fordern den Betrachter auf, verborgene Erzählungen zu entdecken. Hopper ließ sich von der europäischen Kultur sowie von Meistermalern wie Johannes Vermeer, Edgar Degas und Édouard Manet inspirieren. Dies zeigt sich in seinem gezielten Umgang mit Licht und Schatten, den Versuchen, vergängliche Momente einzufangen, und besonders in seinem einzigartigen Stil der Bildkomposition.
Die Ausschnitte seiner Bilder wirken oft zufällig, verschwommen und flüchtig, was an eine Filmszene erinnert. Zudem ähnelt die Betrachtung seiner Werke einem Blick hinter die Kulissen eines Films. Dies geschieht nicht ohne Grund, da Hopper vermutlich einer der größten Filmbegeisterten unter den Malern war; der amerikanische Künstler hatte eine Leidenschaft für das Kino, das ihn bis heute verehrt. Dies wird auch in den Arbeiten zahlreicher Filmemacher deutlich, von Klassikern wie Alfred Hitchcock bis hin zu Gustav Deutsch, der Hopper in seinem Film „Shirley: Visions of Reality“ aus dem Jahr 2013 Tribut zollte.
Hoppers stoische und introvertierte Herangehensweise
Die Malerei bereitete Edward Hopper entgegen der landläufigen Meinung große Mühe. Jedes seiner Werke war eine lange, mürrische Schwangerschaft, die von einsamen Gedanken geprägt war. Es gab keine dynamischen Pinselstriche einer leidenschaftlichen Hand, keine elektrisierenden Aha-Momente. Monate lang dachte er über Ideen nach, verwarf sie und reduzierte sie, bevor er auch nur einen Tropfen Farbe auf seine Palette drückte.
In den frühen 1960er Jahren stattete der Künstler Raphael Soyer Hopper und seine Frau Josephine in ihrem Sommerhaus auf einer Klippe über dem Meer in Cape Cod einen Besuch ab. Soyer fand Hopper, der vorne saß und auf die Hügel starrte, während Jo, wie sie alle nannten, hinten in die entgegengesetzte Richtung blickte.
„Das ist es, was wir tun“, sagte sie zu Soyer. „Er sitzt den ganzen Tag an seinem Platz und schaut auf die Hügel, ich blicke aufs Meer, und wenn wir uns begegnen, gibt es Kontroversen, Kontroversen, Kontroversen.“
Diese Anekdote – wie sie vom Autor Avis Bermanin seinem Buch „Edward Hoppers New York“ wiedergegeben wird, fasst sowohl Hoppers kreativen Prozess als auch die zerrissene, aber beständige Beziehung des Paares zusammen. Ähnlich äußerte sich Hoppers enger Freund, der amerikanische Maler und Kritiker Guy Pène du Bois, einmal dahingehend, dass Hopper „mir erzählte … dass er Jahre gebraucht habe, um sich mit dem Gemälde einer Wolke am Himmel anzufreunden.“
Edward Hopper und „Morning Sun“: Ein Lichtblick für die eigenen vier Wände
Edward Hopper: Morning Sun (1952), Columbus Museum of Art
In der Wohnraumgestaltung bedeutet die Integration von Kunstwerken nicht nur eine stilistische Bereicherung, sondern auch das Einbringen von Emotionen und Geschichten. „Morning Sun“ von Edward Hopper fängt mit poetischer Präzision den Beginn eines neuen Tages ein.
Obgleich Edward Hopper den Kontakt zu Menschen mied, scheint seine Malerei der beste Zugang zu sein, um den Zustand des modernen Individuums zu erfassen, das mehr denn je unter Einsamkeit und Verlust leidet.
Warum ich bestimmte Themen gegenüber anderen wähle, weiß ich nicht genau, es sei denn, ich glaube, dass sie die besten Medien für eine Synthese meiner inneren Erfahrung sind.“
Dieses Zitat von Hopper fasst die Quintessenz seiner Kunst prägnant zusammen, die über bloße ästhetische Überlegungen hinausgeht und in die emotionalen sowie psychologischen Tiefen menschlicher Erfahrung eintaucht. Zusätzlich verstärken die spärlichen Kompositionen und gedämpften Farbnuancen das Gefühl der Isolation und Selbstreflexion und fangen das amerikanische Leben im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert eindringlich ein.
Seine Werke zeigen häufig einsame Figuren in ruhigen, fast unbeweglichen Umgebungen. Die Amerikaner auf Hoppers Leinwänden scheinen im Alltag verloren zu sein, während die Gebäude als stille Zeugen der unbarmherzig vergehenden Zeit fungieren. Selbst wenn Menschen in scheinbar alltäglichen Szenarien dargestellt werden – in Büros, auf Straßen oder in Wohnungen –, wirken sie so, als ob sie etwas außerhalb des Rahmens betrachten, etwas, worüber wir nur spekulieren können, als ob jeder von ihnen ein Geheimnis hütet.
Ihre Gedanken scheinen auf etwas gerichtet zu sein, das im Bild nicht vorhanden ist oder auf etwas, das überhaupt nicht existiert. Wahrscheinlich ist es genau das, was Hoppers Werk eine universelle Dimension verleiht, die weit über das Amerikanische hinausreicht.
Dank Prodi Art können Sie nun das Licht des Morgens in Ihre Wohnräume einladen, durch hochwertige Reproduktionen, die dem Original detailgetreu entsprechen.
Die städtische Einsamkeit mit „Nighthawks“
Nighthawks von Edward Hopper, 1942
Unter den Schöpfungen des Künstlers hebt sich „Nighthawks“als eines seiner bekanntesten und zugleich geheimnisvollsten Gemälde hervor. Dieses 1942 entstandene Ölgemälde auf Leinwand fängt die Essenz des nächtlichen Lebens in einer amerikanischen Diner-Atmosphäre durch ein Fenster ein, das in der umgebenden Dunkelheit strahlt und sich abhebt.
„Nighthawks„ zeigt vier Figuren: drei Kunden, die anscheinend in Gedanken versunken sind, und einen Kellner, alle in einem schwebenden Moment gefangen, eingetaucht in das künstliche Licht, das einen starken Kontrast zur Dunkelheit draußen bildet. Der Szene fehlen erkennbare Eingangstüren, was die Themen Isolation und Entfremdung verstärkt. Die Komposition, die Auswahl der Farben und die Lichtführung des Gemäldes schaffen eine sowohl intime als auch distanzierte Stimmung, die für Hoppers Werk typisch ist. „
Nighthawks“, das kurz nach seiner Vollendung erstmals präsentiert wurde, zog sofort die Aufmerksamkeit von Publikum und Kritikern auf sich und wurde zum Symbol für das moderne amerikanische Dasein. Die Übernahme durch das Art Institute of Chicago kurz nach seiner ersten Ausstellung festigte seinen Rang in der amerikanischen Kunstszene. Die anhaltende Beliebtheit des Werkes wirft die spannende Frage auf, ob es beim breiten Publikum besondere Resonanz findet. Ist es die Universalität seiner Themen, Hoppers technisches Können oder seine tiefe Verankerung in der Populärkultur, die seine dauerhafte Anziehungskraft erklärt?
Eine Reproduktion dieses Werkes an Ihren Wänden kann einen Raum in einen Ort der Reflexion verwandeln, wo Licht und Schatten harmonisch zusammenwirken und eine nachdenkliche Atmosphäre erzeugen. Ideal für Wohnzimmer oder Esszimmer, bringt es einen Hauch amerikanischer Kunstgeschichte mit sich und evoziert die Stille sowie Isolation im pulsierenden urbanen Leben.
Unendliche Weiten mit „Rooms by the Sea“
Rooms by the Sea ist ein Gemälde des amerikanischen Realisten Edward Hopper aus dem Jahr 1951.
Mit „Rooms by the Sea“ gewährt uns Hopper einen ungehinderten Blick auf den Ozean, wo eine Tür sich zu einem grenzenlosen Horizont öffnet. Dieses Werk weckt durch seine Schlichtheit und visuelle Kraft ein Gefühl von Flucht und Freiheit in Räumen, in denen man dem Alltag entfliehen möchte, wie etwa im Schlafzimmer oder Büro.
Dieses Gemälde würdigt Hoppers Fähigkeit, Welten jenseits der physischen Wände anzudeuten und zur Fantasie sowie inneren Entdeckungsreise einzuladen.
Reproduktionen von Edward Hopper bei Prodi Art
Indem Sie sich für die Reproduktionen von Hopper bei Prodi Art entscheiden, fügen Sie nicht nur Kunstwerke zu Ihren Wänden hinzu; Sie bereichern Ihre Umgebung um Geschichten, Emotionen und visuelle Tiefe. Prodi Art bietet nahezu 100 verschiedene Werke von Hopper an, alle in Deutschland gedruckt.
In der Galerie „Bildende Kunst„ finden Sie zudem über 1.000 Werke berühmter Künstler wie Picasso, Matisse, Banksy, Nicolas de Staël und vieler weiterer. Diese Werke sind dank ihrer musealen Qualität treu den Originalen nachempfunden und sind weit mehr als bloße Dekoration – sie eröffnen Fenster zur Welt der Kunst, wobei jedes Gemälde eine eigene Geschichte erzählt.
Wenn man die zahlreichen Selbstporträts des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh (1853-1890) betrachtet, sieht man ein Gesicht, das vom Leben gezeichnet ist: Die Augen sind müde, der Blick scheint melancholisch in die Ferne zu schweifen und die Wangen wirken eingefallen.
Angesichts solcher Selbstporträts ist es durchaus verblüffend, dass van Gogh bereits im Alter von nur 37 Jahren verstarb. Trotzdem war van Gogh ein Mann mit vielen Facetten: Ob in Paris, London oder Den Haag – sein Leben war stets turbulent und er fand scheinbar nie Ruhe.
Bevor er im Alter von 27 Jahren zum Künstler wurde, arbeitete er als Kunsthändler, Hilfslehrer oder Prediger. Was alle seine Stationen im Leben gemeinsam haben, ist die Suche nach einem Sinn, einer Identität und einem Platz im Leben.
Vincent van Gogh zählt zweifellos zu den renommiertesten Künstlern der modernen Geschichte und sein Leben dient vielen als unerschöpfliche Inspirationsquelle. Der Exzentriker und geplagte Geist ist einer der berühmtesten Maler der niederländischen Kunstgeschichte. Der Künstler ist weltweit bekannt. Nicht nur seine Kunstwerke sind weltberühmt, auch das turbulente Leben des Künstlers steht noch immer im Rampenlicht.
Vincent van Gogh, Selbstbildnis, Öl auf Karton, 1887
Dieser Beitrag gewährt Ihnen einen Überblick über van Goghs turbulentes Leben, seine künstlerischen Werke und seine Biografie. Lassen Sie uns gemeinsam in die Welt eines der bedeutendsten Künstler aller Zeiten eintauchen.
Steckbrief und Kurzbiografie
Steckbrief – Wichtige Eckdaten
Die wichtigsten Eckdaten zu dem heute weltweit gefeierten Künstler:
Sonnenblumen (1888) Caféterrasse am Abend (1888) Sternennacht (1889)
Selbstporträt (1889)
Berühmtes Zitat
„Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele, und niemand kommt, um sich daran zu wärmen.“
Kurze Biografie
Vincent Willem van Gogh wurde am 30. März 1853 in Groot-Zundert, Holland geboren.
Er wuchs in seiner Heimat in der Nähe der belgischen Grenze auf und besuchte dort bis 1869 die Schule. Durch seinen Onkel, einen renommierten Kunsthändler in Den Haag, erhielt Vincent van Gogh erste Einblicke in die Malerei zeitgenössischer Künstler und begann seine berufliche Laufbahn.
Doch seine Karriere als Kunsthändler endete abrupt, als sein Nachfolger ihn unerwartet entließ, noch bevor er nach Hause zurückkehren konnte. Trotzdem blieb van Gogh in London und arbeitete als Hilfslehrer, wobei er in einem Armenviertel wohnen musste und unter den harten Bedingungen auf den Straßen litt. Dies brachte ihn fast an den Rand des Zusammenbruchs.
Schließlich kehrte er im Dezember 1876 zu seinen Eltern zurück und entschied sich für ein Theologiestudium. Doch nach einem Jahr erkannte er, dass seine religiösen Überzeugungen und seine Auffassung von Gott unvereinbar waren und brach das Studium ab. Stattdessen zog er nach Borinage in Belgien, um als Wanderprediger zu arbeiten. Doch sein Übereifer und sein edler Wunsch, anderen zu helfen, führten dazu, dass er sich selbst zerstörte.
Die Hingabe an seine Mitmenschen trieb ihn dazu, nicht nur seine Kleidung, sondern auch sein Essen an die Bedürftigen zu verschenken. Im Jahr 1878 kehrte er zu seinen Eltern zurück, um sich fortan nur noch der Malerei zu widmen. In dieser Zeit entstanden van Goghs erste bedeutende Werke. Nach einer Auseinandersetzung mit seinen Eltern verließ er 1881 ohne Geld das Elternhaus und wurde von seinem Bruder Theo in Den Haag unterstützt.
Nach der Versöhnung mit seiner Familie begann er 1884, bescheidene Erfolge mit Bauernporträts zu erzielen. Doch 1885 verstarb sein Vater überraschend und Vincent van Gogh entschied sich, inspiriert von der französischen Kunstszene, nach Paris zu ziehen und dort zu arbeiten.
Im Verlauf seiner weiteren Studien begegnete er Persönlichkeiten aus der Kunstszene wie beispielsweise Paul Gauguin. Trotz seiner herausragenden Werke stieß er auf Schwierigkeiten bei deren Verkauf. Vincent van Gogh verfiel in Jähzorn und fand Halt im Alkohol. Im Jahr 1888 verließ er Paris und zog nach Südfrankreich, um sich in Arles niederzulassen.
Sein erklärtes Ziel war es, in Zusammenarbeit mit Paul Gauguin eine Künstlerkolonie zu gründen.
Nach nur kurzer Zeit kam es zwischen den beiden zu so heftigen Auseinandersetzungen, dass van Gogh, mit einem Messer bewaffnet, auf seinen Freund losging. Im Anschluss daran schnitt er sich selbst das rechte Ohr ab und trennte sich von ihm. Aus Angst, den Verstand zu verlieren, ließ er sich 1889 freiwillig in eine Nervenheilanstalt in St Rémy einweisen, wo er unter Halluzinationen litt.
Trauernder alter Mann („At Eternity’s Gate“) entstand während Vincent van Gogh’s Aufenthalt in der Nervenheilanstalt in Saint-Rémy, Mai 1890
Während seines einjährigen Aufenthalts schuf der Holländer etwa 160 Ölgemälde und Zeichnungen. Im Jahr 1890 nahm van Gogh eine Einladung seines Freundes Camille Pissarro an, nach Auvers-sur-Oise, nordwestlich von Paris zu kommen. Obwohl er sich auch hier in Behandlung begab, verbesserte sich sein Geisteszustand kaum.
Während eines ausgedehnten Spaziergangs bei Auvers verletzte sich van Gogh lebensgefährlich mit einer Pistole. Obwohl er noch aus eigener Kraft nach Hause kam, verstarb er zwei Tage später, am 29. Juli 1890, an einer Blutvergiftung. Trotz allem zählt seine kurze Zeit in Auvers zu seiner kreativsten Schaffensphase.
Der niederländische Künstler galt zu Lebzeiten als einer der wichtigsten Impulsgeber für die Moderne, jedoch wurde er als Maler kaum anerkannt. Sein künstlerischer Überzeugung folgend, zog er ein Leben in Armut und Isolation vor. Ab dem Jahr 1880, als er zunehmend dem Wahnsinn verfiel, schuf er seine bedeutendsten Werke.
Anfangs noch zeitgenössisch mit einem eigenen Stil, legte er mit seiner plötzlichen Selbsterkenntnis den Grundstein für den Expressionismus. Sein umfangreicher Briefwechsel gibt nicht nur Aufschluss über sein malerisches Werk, sondern ist auch von literarischem Rang.
Vincent Willem van Gogh verstarb im Alter von nur 37 Jahren und schuf in seinen letzten zehn Jahren über 750 Gemälde und 1600 Zeichnungen.
Vincent van Gogh – Leben und Werk im Detail
1853-1863: Kindheit
Vincent van Gogh wurde am 30. März 1853 im Brabanter Städtchen Groot-Zundert als Sohn von Theodorus van Gogh und seiner Frau Anna Cornelia Carbentus geboren. Sein Vater war Pfarrer der reformierten Kirche im Dorf. In der Nähe des Presbyteriums wären die „Kinder Van Gogh“ in geschützter Umgebung aufgewachsen.
Familienvater Theodorus war kein strenger Christ, er hielt an der Groninger Richtung fest – einer ziemlich gemäßigten Bewegung innerhalb der reformierten Kirche.
Obwohl Vincent sein ganzes Leben als „ältestes Kind“ verbrachte, wurde ein Kind vor ihm geboren. Genau ein Jahr vor seiner Geburt brachte Mutter Anna zum ersten Mal ein Kind zur Welt. Das Baby, ein Junge, wurde tot geboren. Der Name Vincent van Gogh steht auf seinem Grabstein auf dem kleinen Friedhof von Zundert. Mancher Psychologe schließt nicht aus, dass die Tatsache, dass Vincent am Todestag seines älteren Bruders geboren wurde, ein entscheidender Faktor für seine Entwicklung war.
Inwieweit das Ereignis einen Schatten auf das Familienleben geworfen hat, lässt sich nicht feststellen. Unklar ist auch, ob Vincent das Ereignis als Last auf seinen Schultern empfunden hat. Als sein Bruder Theo Vater eines Sohnes wurde und sein Kind ebenfalls Vincent nannte, schrieb er seiner Mutter in einem Brief:
… das Vergnügen, Theo wiederzusehen und Jo […] und meinen neuen Namensvetter kennenzulernen.“ (Brief 639)
Möglicherweise bezog er sich auf seinen älteren, verstorbenen Bruder, aber das ist nicht erwiesen.
Vincent van Gogh hatte drei Schwestern (Anna, Willemien und Elisabeth) und zwei Brüder (Theo und Cor).
1864-1869: Schule und frühes Talent zum Zeichnen
Vincent van Gogh wurde im Oktober 1864 in ein Internat in Zevenbergen geschickt, wo er bis 1866 verblieb. Im Anschluss besuchte er die Höhere Bürgerschule in Tilburg bis März 1868 und brachte nach Abschluss des ersten Jahres ein lobenswertes Zeugnis mit nach Hause. Warum er jedoch mitten im zweiten Schuljahr die Schule verließ, bleibt unbekannt. Vincent van Gogh kehrte daraufhin bis Juli 1869 zu seinen Eltern zurück.
Der junge Vincent van Gogh: Blick auf einen Teil der Dauerausstellung „Die Wurzeln eines Meisters“. Unter anderem über das Leben und die Familie von Vincent van Gogh, im obersten Stockwerk des Van-Gogh-Hauses in Zundert G.Lanting, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
In seinen jungen Jahren hegte er nicht besonders großes Interesse für die Kunst, obwohl er bereits als kleiner Knirps seine Leidenschaft zum Zeichnen entdeckt hatte. Sein Vater hingegen war anderer Meinung und riet ihm dazu, sich auf seine schulische Ausbildung zu konzentrieren, da er das Talent seines Sohnes lediglich als Zeitverschwendung ansah.
Jahre später fand seine Geburtsstadt Groot-Zundert jedoch einen Platz in seinen Werken. Vincent van Gogh besuchte zunächst ein Internat, wo er nicht nur Sprachen wie Französisch, Englisch und Deutsch erlernte, sondern auch seine Zeichenkünste weiter ausbaute.
1869-1876 Ausbildung zum Kunsthändler
Im Alter von 16 Jahren ging Van Gogh nach Den Haag, um für die Haager Niederlassung des französischen Kunst- und Druckhändlers Goupil & Cie. zu arbeiten. Sein Onkel war Mitgesellschafter der Firma.
Obwohl van Gogh seine schulische Laufbahn abgebrochen hatte, wurde er von seinem Onkel als Lehrling angestellt. Während seiner sechsjährigen Tätigkeit in Den Haag (1869–1873) und London (1873–1875) zeigte sich der junge van Gogh als zurückhaltend im Umgang mit Kunden, jedoch offenbarte er eine tiefe Leidenschaft und Fachkenntnis für Kunst.
Im Jahr 1872 trat auch Vincents jüngerer Bruder Theo van Gogh bei Goupil & Cie in Brüssel ein. Während dieser Zeit begann Vincent Briefe an seinen Bruder Theo zu schreiben. Das würde er fortan sein ganzes Leben lang tun. Die Brüder schworen einander, niemals auseinanderzugehen. Der älteste erhaltene Brief von Vincent an Theo stammt vom 29. September 1872. Insgesamt sind 820 Briefe erhalten geblieben, von denen van Gogh 658 an seinen Bruder Theo richtete.
Vincent arbeitete auch einige Zeit in den Filialen des Kunsthandels in Paris und London. In der Londoner Filiale fand er eine Beschäftigung in der Grafikabteilung vor, die jedoch frei von Kundenverkehr war. Dort fühlte er sich aber einsam und ungut. Es wird vermutet, dass er sich während seines Aufenthalts in die Tochter seiner Vermieterin verliebte, obwohl diese bereits verlobt war.
Während seines Sommeraufenthalts bei seinen Eltern im Jahr 1874 fiel auf, dass er deutlich an Gewicht verloren hatte und einen deprimierten Eindruck machte. Seine Unzufriedenheit in dieser Zeit findet man heute in vielen der Zeichnungen wieder, die der Künstler während seiner Zeit in England anfertigte. In letzterer Stadt verliebte er sich in die Tochter seiner Wirtin. Eine Liebe, die nicht erwidert wurde und die dazu führte, dass Vincent eine depressive Phase durchmachte.
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Dank seiner Arbeit für den Kunsthandel hat Van Gogh viel Wissen über die bildende Kunst entwickelt. Etwas, das ihm später im Leben zugute kommen würde. Während seines Aufenthalts in Paris sah Vincent die Bauernszenen des Künstlers Jean-François Millet und realistische Landschaftsszenen von Jules Breton. Dieses Werk hinterließ einen tiefen Eindruck auf Van Gogh, der später selbst viele Bauernszenen zeichnete und malte.
Sein Werk The Potato Eaters ist dafür das bekannteste Beispiel.
Vincent van Gogh: Die Kartoffelesser, 1885 (The Potato Eaters)
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1876-1879: Tätigkeiten als Hilfslehrer und Prediger
Im zweiten Halbjahr 1875 wandte er sich schließlich der Religion zu, las ausschließlich die Bibel und religiöse Erbauungsbücher und verlor das Interesse an seiner Arbeit. Nachdem er sich zu Weihnachten 1875 ohne Erlaubnis nach Hause begeben hatte, wurde ihm die Kündigung für den kommenden April nahegelegt.
Am 1. April 1876 wurde das Beschäftigungsverhältnis in London schließlich aufgelöst. Für kurze Zeit blieb Vincent van Gogh noch in England, wo er durch eine Stellenanzeige in der Zeitung eine Stelle als unbezahlter Hilfslehrer in Ramsgate in Kent und Iselworth fand.
Vincent van Gogh kehrte kurz darauf nach Brabant zurück und hegte den Wunsch, Kleriker zu werden. Seine Familie war jedoch dagegen und sein Vater konnte ihn überzeugen, stattdessen in einer Buchhandlung in Dordrecht zu arbeiten (Januar-Mai 1877).
Anschließend besuchte er Vorbereitungsklassen für das Theologiestudium in Amsterdam (Mai 1877–1878) und nutzte seine freie Zeit, um einige Museen in Amsterdam zu besuchen. Doch Latein und Altgriechisch bereiteten ihm Schwierigkeiten. Im August 1878 nahm er an einem Seminar für Laienprediger in Brüssel teil. Nach drei Monaten wurde er jedoch als ungeeignet eingestuft, da er vermutlich im Unterricht nicht genug Disziplin gezeigt hatte.
Zwischen Februar und Juli 1879 arbeitete Vincent van Gogh sechs Monate als Prediger im Borinage. Er las aus der Bibel und hielt Religionsstunden, lebte in einer einfachen Hütte, tauschte seine Kleidung gegen billigere ein und kümmerte sich um Kranke und Verletzte in den Kohlegruben. Allerdings hatte er Schwierigkeiten, sich mit den Einheimischen zu verständigen, da er ihren Dialekt kaum verstand und sie seinen französischen Gebeten nicht folgen konnten.
Im Juli 1879 entschied der Vorstand der Flämischen Schule für Prediger, seine Probezeit zu beenden und van Gogh nicht einzustellen. Seine Familie war von diesem erneuten Misserfolg sehr enttäuscht.
1880-1881: Hinwendung zur Kunst – Erste Gehversuche als Zeichner
Im Herbst des Jahres 1880 traf Vincent van Gogh die Entscheidung, Künstler zu werden. Zu dieser Zeit war er bereits 27 Jahre alt. Um seine Anfangsschwierigkeiten zu überwinden, nutzte er Bücher wie Armand-Théophile Cassagnes „Guide de l’alphabet du dessin“ (1880) und Charles Bargues „Exercices au fusain“ sowie Zeichnungen von Millet, um sie nachzuzeichnen oder zu kopieren.
Leider sind nur wenige seiner ersten Zeichnungen erhalten geblieben, da van Gogh sie selbst vernichtet hat. Das noch verfügbare Material zeigt jedoch seine mühsamen Versuche, Objekte und Menschen durch Umrisslinien zu erfassen.
Im Oktober 1880 zog Vincent van Gogh nach Brüssel, wo er bis April 1881 lebte. In den Jahren 1881 bis 1885 schuf er sein Frühwerk in den Niederlanden, das von seiner Liebe zum einfachen Leben von Bauern und Arbeitern geprägt war. Obwohl er an der Akademie eingeschrieben war, besuchte er sie nur selten. Anthon van Rappard (1858–1892) wurde seine wichtigste Bezugsperson in künstlerischen Fragen.
Im April 1881 kehrte van Gogh zu seinen Eltern nach Etten (Nordbrabant) zurück und blieb bis Dezember 1881. Hier folgte er Millets Spuren und zeichnete arbeitende Bauern. Im Sommer verliebte er sich in seine sieben Jahre ältere, verwitwete Cousine Kee Vos, die zu Besuch gekommen war. Obwohl sie ihn abwies, setzte van Gogh sein Werben beharrlich fort, was zu einem Konflikt mit seinen Eltern und Verwandten führte.
Da das Verhältnis zwischen Vincent und seiner Familie ohnehin angespannt war, endete der Streit kurz nach Weihnachten 1881 mit seinem Auszug. Vincent van Gogh hatte es abgelehnt, die Weihnachtsmesse zu besuchen, was seinen Bruch mit dem Glauben öffentlich machte.
1881-1883: Den Haag: Anton Mauve und Sien
Vor seinem Umzug hatte Vincent van Gogh bereits vier Wochen bei seinem Schwager, dem Maler der Haager Schule Anton Mauve (1838-1888), in Den Haag verbracht (November/Dezember 1881). Dort wurde er in die Aquarell- und Ölmalerei eingeführt und begann mit Zeichnungen von Minenarbeitern und städtischen Motiven.
Er sammelte Zeitungsausschnitte mit Darstellungen von Kohlearbeitern und fand in der Umgebung Hütten, die ihn an Gemälde von Jules Dupré (1811-1889) und den Barbizon Malern erinnerten. Es war auch hier, wo er erstmals Landschaften in Öl darstellte.
Leider führte seine unstandesgemäße Beziehung zu Clasina Hoornik, genannt Sien (1850-1904), einer Gelegenheitsprostituierten und alleinerziehenden Modell, zu einem Bruch mit Anton Mauve. Für sein Werk „Sorrow“ saß Sien ihm Modell (um den 10. April 1882). Im Herbst 1883 trennte sich Vincent van Gogh von Sien.
Trauer (Sorrow), 1882
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1883-1884: Vincent van Gogh in Drenthe und Nuenen
Im September 1883 zog er in die Provinz Drenthe im Norden der Niederlande, wo er in der malerischen Heide- und Moorlandschaft inspirierende Motive fand. Gleichzeitig hegte er die Hoffnung, dass sich Theo vom Kunsthandel abwenden und ihm folgen würde. Als sich diese Erwartung nicht erfüllte, kehrte er im Dezember 1883 zu seinen Eltern in Nuenen zurück, wo er nur halbherzig empfangen wurde.
In Nuenen schuf er mehr als 180 Gemälde, darunter „Die Kartoffelesser“ (siehe oben). Allerdings faszinierten ihn schon bald die Weber und ihre „monströsen“ Webstühle.
Webstuhl mit Weber (Loom with Weaver)
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„Webstuhl mit Weber“ (1884, Öl auf Leinwand, 68,3 x 84,2 cm, Kröller-Müller Museum, Otterlo) ist ein typisches Werk aus dieser Phase. Es zeigt den beengten Innenraum und die riesige Maschine, die den Weber fast zu verschlingen scheint.
Bauernhaus in Nuenen (La Chaumiére), 1885
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Sonnenuntergang, 1885
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Bäuerin beim Ährenlesen, 1885
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1885: Antwerpen
Im November 1885 entschied sich Vincent van Gogh dazu, in Antwerpen für ganze drei Monate zu verweilen. Der Grund hierfür war simpel: In der Akademie Antwerpen fand er kostenlose Modelle und geheizte Räume vor. Allerdings hatte er stets mit finanziellen Problemen zu kämpfen, weshalb er seine Ernährung auf ein Minimum reduzierte – dies führte zu körperlichen Beschwerden.
Nichtsdestotrotz entdeckte van Gogh in Antwerpen eine neue Leidenschaft: japanische Farbholzschnitte. Diese hatten einen maßgeblichen Einfluss auf sein späteres Werk.
1886-1887: Zurück nach Frankreich, Paris
Selbstporträt mit Filzhut, 1887-88
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Im März 1886 begab sich Vincent van Gogh für einen Zeitraum von fast zwei Jahren nach Paris und lebte dort gemeinsam mit seinem Bruder Theo. In dieser Zeit tauchte Vincent van Gogh erstmals in den französischen Impressionismus ein und wendete sich anschließend dem Pointillismus zu. Für einen Zeitraum von zwei Jahren, bis zum Februar 1888, verschwanden die einfachen Bauernhäuser und Hütten von seinen Leinwänden und er begann sich mit der modernen Großstadt, ihren Bewohnerinnen und Stillleben zu beschäftigen.
Während seines Aufenthalts in Paris belegte Vincent van Gogh einige Monate Kurse im Atelier von Fernand Cormon (1845–1926), wo er Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Signac, Louis Anquetin, Paul Gauguin und Emile Bernard kennenlernte. Im Jahr 1887 organisierte Vincent van Gogh zwei Gemeinschaftsausstellungen in Restaurants und eine Präsentation von Bildern im Schaufenster des Farbenhändlers und Kunstliebhabers Père Tanguy.
„Porträt des Père Tanguy“, 1887, Musée Rodin, Paris. Tanguy war ein bedeutender Galerist, Sammler und Mäzen, der zahlreiche Künstler des Impressionismus und Post-Impressionismus förderte und unterstützte.
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Eine weitere Schau widmete er dem Ukiyo-e, den japanischen Farbholzschnitten, im Café Le Tambourin. Kurzzeitig war Vincent van Gogh mit der Inhaberin Agostina Segatori liiert.
Im November 1887 traf er auf Paul Gauguin, der gerade von Martinique zurückgekehrt war. Vincent van Gogh schätzte die Kunst von Gauguin und bewunderte sein abenteuerliches Leben. Dank der Unterstützung seines Bruders Theo, der wichtige Verkäufe für Gauguin in die Wege leitete, konnte Vincent van Gogh auch das Interesse von Gauguin auf sich ziehen.
1888-1889: Südfrankreich, Arles
Am 20. Februar 1888 begab sich Vincent van Gogh auf eine Reise nach Arles, in die strahlende Landschaft des Südens Frankreichs. Dort war er berührt von den neuen Farben und Lichtern, denen er in der Natur begegnete. In der französischen Stadt Arles schuf Van Gogh nicht nur viele Gemälde, er schrieb auch viele ehrliche Briefe, besonders an seinen Bruder Theo, der eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte.
Theo glaubte an seinen Bruder und schickte Vincent oft Geld. Die Reise nach Arles wurde auch von Theo bezahlt. Die Briefe Vincent van Goghs bilden eine Art fortlaufendes Tagebuch und geben Einblick in die Gedanken des Künstlers und seine Vorstellungen von Kunst.
Während seines Aufenthalts von 16 Monaten schuf er 187 Gemälde. Im Mai 1888 mietete er vier Zimmer in einem Haus an der Place Lamartine, das er als „Atelier des Südens“ einrichten wollte.
Er lud seine Freunde Paul Gauguin und Emil Bernard immer wieder ein, um gemeinsam zu arbeiten. Vom 23. Oktober bis zum 23. Dezember 1888 wurde das „Atelier des Südens“ zur Realität. Vincent van Gogh verstand jedoch nicht, dass Gauguin eine vollkommen andere Kunstphilosophie verfolgte als er selbst.
Da er Gauguin als seinen Lehrer sah und dennoch nicht bereit war, seine Form der Plein-air-Malerei aufzugeben, endete das „Atelier des Südens“ in Vincents Nervenzusammenbruch und Paul Gauguins wortloser Abreise.
Am 23. Dezember 1888 kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem verwirrten Vincent van Gogh und Paul Gauguin, nach der Vincent beinahe sein linkes Ohr vollständig abschnitt. Er begab sich damit in ein Bordell und schenkte es einem Mädchen namens Rachel mit den Worten: „du wirst dich meiner erinnern, das sag‘ ich dir“.
Die Polizei fand Vincent am nächsten Morgen bewusstlos und geschwächt von dem hohen Blutverlust. Er wurde daraufhin ins örtliche Krankenhaus gebracht.
Paul Gauguin reiste am 25. Dezember 1888 stillschweigend ab und informierte Vincent’s Bruder Theo per Telegramm.
Als Theo am Weihnachtsmorgen in Arles ankam, erfuhr er, dass Vincent seit Tagen Anzeichen von geistiger Verwirrung zeigte. Nach zwei Wochen wurde Vincent aus dem Krankenhaus entlassen, jedoch mit verbundenem Kopf. Im Februar 1889 erlitt er einen erneuten Anfall und musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen.
Vincents Schlafzimmer in Arles (1889)
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Als Folge davon wurde der Maler aufgrund einer Petition der Bürger von Arles bis April 1889 zwangseingewiesen.
Selbstporträt, 1889
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1889-1890: Nervenheilanstalt von Saint-Rémy-de-Provence und erster Verkauf eines Werkes
Im Jahr 1889 entschloss sich Vincent van Gogh aus freien Stücken dazu, in die Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mausole in Saint-Rémy eingewiesen zu werden, wo die Ärzte bei ihm Epilepsie diagnostizierten. In den darauffolgenden Monaten, nämlich im Mai und Juni, schuf er einige seiner beeindruckendsten Landschaftsbilder, darunter die „Schwertlilien“ (10.-15. Mai 1889), die „Sternennacht“ (17./18. Juni 1889) und die „Zypressen“(25. Juni 1889).
Im Sommer desselben Jahres erlitt van Gogh einen schweren Anfall, bei dem er giftige Farben verschluckte, was als möglicher Selbstmordversuch gedeutet werden kann.
Weizenfeld mit Krähen (1890)
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Von September 1889 bis April 1890 blieb er in Saint-Rémy-de-Provence und wurde von Theo van Gogh unterstützt, der drei seiner Werke bei avantgardistischen Kunstausstellungen präsentierte und somit Vincents ersten öffentlichen Auftritt als Maler ermöglichte. Das Gemälde „Die roten Weingärten von Arles“wurde verkauft und gilt als einziger dokumentierter Verkauf zu Lebzeiten des Künstlers.
Roter Weinberg bei Arles
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1890: van Gogh’s letzte Tage in Auvers-sur-Oise
Am 17. Mai des Jahres 1890 begab sich Vincent van Gogh nach Paris, wo er für drei Tage bei seinem Bruder und dessen Familie verweilte. Die familiäre Situation war angespannt, da Theo krankheitsbedingt geschwächt war und seine Arbeit mit seinem Arbeitgeber Konflikte aufwies.
Am 20. Mai zog van Gogh weiter nach Auvers-sur-Oise, welches ungefähr 30 km von Paris entfernt liegt. Dort wurde er von dem kunstinteressierten Arzt und Homöopathen Paul Gachet betreut, welcher sich für den psychischen Zustand von van Gogh einsetzte.
Porträt von Dr. Paul Gachet
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Während der letzten zehn Wochen seines Lebens konzentrierte sich van Gogh auf das Malen von „hübschen Mittelklasse Landhäusern“, die ihm fast genauso gut gefielen wie die von ihm romantisierten, alten Hütten des Borinage. Van Gogh fühlte sich in der ländlichen Umgebung im Allgemeinen wohl und sein Arzt, Dr. Gachet, riet ihm, sich in dieser Zeit eher auf die Malerei als auf seine Krankheit zu konzentrieren.
Innerhalb von 70 Tagen schuf er 75 Bilder und 60 Zeichnungen in Auvers-sur-Oise, von denen einige zu den bedeutendsten seines Oeuvres zählen. Über diese Werke schrieb der Künstler selbst:
Ich bin mir fast sicher, dass ich in diesen Leinwänden zum Ausdruck gebracht habe, was ich mit Worten nicht ausdrücken kann, nämlich wie gesund und herzstärkend ich das Land finde.“
Am 27. Juli 1890 schoss sich van Gogh in einem Feld entweder in die Brust oder den Bauch und kehrte noch schwer verletzt zurück in den Gasthof. Die hinzugezogenen Ärzte verzichteten darauf, die Kugel zu entfernen. Vincent van Gogh erlag am 29. Juli 1890 seinen Verletzungen.
Seine letzten Worte sollen gewesen sein:
Die Traurigkeit wird ewig dauern.“
Zwei Tage später erlag van Gogh den Folgen einer Sepsis. Sein Bruder Theo verstarb noch im selben Jahr an Syphilis. Die beiden Brüder wurden Seite an Seite auf dem Friedhof von Auvers beigesetzt.
Insgesamt hinterließ der Künstler ca. 900 Gemälde und 900 Zeichnungen.
Krankheit und geplagter Geist
In Frankreich erlebte Van Gogh künstlerisch eine sehr gute Zeit, weniger gut lief es für den Künstler selbst. Er durchlebte depressive Phasen und musste für ein Jahr in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen werden. Der Künstler selbst schrieb Folgendes über seinen Zustand:
Ich kann nicht genau beschreiben, wie es ist, was ich habe; manchmal sind es schreckliche Ängste ohne klare Ursache oder es ist ein Gefühl von Leere und Müdigkeit im Kopf. […] Jeden Tag nehme ich die Medizin, die der unvergessliche Dickens gegen Selbstmord verschreibt. Es besteht aus einem Glas Wein, einem Stück Brot und Käse und einer Tabakpfeife.“ [Brief 764 in der wissenschaftlichen Ausgabe]
In den vergangenen 120 Jahren haben viele Psychiater den Gesundheitszustand des Malers post mortem untersucht. Ob es einen Zusammenhang zwischen Van Goghs Kunst und Wahnsinn gibt, bleibt jedoch eine schwer zu beantwortende Frage. In einem Brief an Van Goghs Schwester Willemien schrieb sein Bruder Theo einmal:
„Es ist, als wären zwei Menschen in ihm, einer wunderbar begabt, fein und sanft; der andere selbstliebend und hart.“
Der einzigartige Malstil von Vincent van Gogh
Van Gogh war ein Meister der Farbe und des Pinselstrichs, dessen Kunstwerke oft von seinen Emotionen und seinem Inneren beeinflusst wurden. Er experimentierte auch mit verschiedenen Techniken wie dem Pointillismus und dem Einsatz von ungewöhnlichen Farben.
Aber van Gogh war nicht nur ein Maler, er schuf auch Zeichnungen und Skizzen, die seine künstlerische Entwicklung und seine Gedankenwelt dokumentieren. Sein Werk ist ein wichtiger Beitrag zur Kunstgeschichte und hat einen bleibenden Einfluss auf die Kunstwelt gehabt.
Während Vincent psychisch krank war, begann er immer schneller zu malen. In seinen eigenen Worten, um „das schnelle Vergehen der Dinge im modernen Leben“ auszudrücken. Der bekannte Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich schrieb einmal über Van Goghs Malstil:
Er experimentierte mit hellen, reinen Farben, die er nicht auf seiner Palette mischte, sondern in kleinen Strichen oder Punkten direkt auf die Leinwand setzte und dem Auge des Betrachters vertraute, sie als Ganzes zu sehen. […] Van Gogh befürwortete die Technik der Punkt- und Streifenmalerei, die sich unter seiner Hand jedoch als etwas ganz anderes herausstellte, als die Impressionisten beabsichtigt hatten. Denn Van Gogh nutzte die einzelnen Pinselstriche nicht nur, um die Farbe zu brechen, sondern auch, um seine eigenen intensiven Gefühle zu vermitteln. In einem seiner Briefe aus Arles beschreibt er seine Begeisterungszustände, wenn „die Emotionen oft so stark sind, dass ich arbeite, ohne dass ich es weiß … und die Striche dann mit einer Kohärenz aufeinander folgen wie die Worte in einer Rede oder in einem Brief.“ „
Dem Künstler ging es nicht darum, die Dinge genau so darzustellen, wie sie ihm erschienen. Van Gogh vergrößerte und wählte seine eigenen Farben.
Gombrich dazu:
Er benutzte Farben und Formen, um auszudrücken, was er über die Dinge empfand, die er malte, und was er anderen vermitteln wollte. Er kümmerte sich nicht viel um das, was er „stereoskopische Realität“ nannte, das heißt, das fotografisch genaue „Porträt“ der Natur. Er übertrieb das Aussehen der Dinge, wenn es seinem Zweck diente, und veränderte es sogar.“
Ein Blick auf die wichtigsten Werke von Vincent van Gogh
Der niederländische Künstler und Zeichner schuf nahezu 900 Kunstwerke und über 1.000 Zeichnungen, mit denen er die Grundlagen der modernen Malerei legte. Zu seinen Lebzeiten erzielte Vincent van Gogh jedoch kaum wirtschaftlichen Erfolg mit seinen Bildern. Er konnte lediglich einige wenige Werke verkaufen, darunter das Gemälde „Der rote Weinberg“.
Erst nach seinem Tod erreichten die Meisterwerke von Vincent van Gogh Rekordpreise bei Auktionen und sind bis heute äußerst gefragte Sammlerstücke. Sein letztes Selbstporträt, das er im Jahr 1889 vollendete, wurde beispielsweise für beeindruckende 71 Millionen Dollar versteigert.
Die nachfolgenden 10 Gemälde gehören zu den bekanntesten und begehrtesten Arbeiten von Vincent van Gogh:
„Sternennacht“ (1889)
Jahr: 1889 | Medium: Öl auf Leinwand | Standort: Museum of Modern Art (MoMA), New York City
Vincent Van Goghs Sternennacht gilt als eines der bekanntesten Gemälde der westlichen Kunst und ist ein schillerndes Werk in Öl auf Leinwand, das derzeit im MoMA hängt.
Es wurde 1889 gemalt und zeigt den Blick des postimpressionistischen Malers aus seinem Sanatoriumszimmer (mit einem fiktiven Dorf darunter) in Saint-Rémy-de-Provence, Frankreich. Während Van Gogh mehrere Gemälde dieser besonderen Ansicht geschaffen hat, ist The Starry Night das einzige nächtliche. Es gilt als Opus Magnum des Künstlers – sein Meisterwerk.
„Sonnenblumen“ (1888)
Jahr: 1888 | Medium: Öl auf Leinwand | Größe: 73 x 92,1 cm | Stilepoche: Post-Impressionismus | Standort: Neue Pinakothek, München
Die „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ gehört zweifellos zu den ikonischsten Arbeiten von Vincent van Gogh und verkörpert auf eindrucksvolle Weise die verschiedenen Phasen seines künstlerischen Schaffens. Van Gogh schuf dieses bemerkenswerte Gemälde im Zusammenhang mit mehreren weiteren Darstellungen von Sonnenblumen, die er als Teil seiner Vision betrachtete, eine Malerkolonie zu gründen – eine Gemeinschaft von Künstlern, die sich in der malerischen Provence niederlassen sollten.
Diese Idee hatte er konkret im Sinn, um seine Malerkollegen Émile Bernard und Paul Gauguin zu inspirieren und für seine künstlerischen Ambitionen zu gewinnen, unmittelbar nachdem er sein Meisterwerk vollendet hatte.
In einem bewegenden Schreiben an seinen Bruder Theo, der stets eine tragende Rolle in van Goghs Leben spielte, äußerte der Künstler seine ehrgeizigen Pläne:
„In der Hoffnung, dass ich mit Gauguin in unserem eigenen Atelier wohnen werde, will ich eine Reihe von Bildern dafür machen. Weiter nichts als lauter große Sonnenblumen.“
Diese Worte zeugen nicht nur von seiner unermüdlichen Hingabe zur Kunst, sondern offenbaren auch seine tiefen Sehnsüchte nach Gemeinschaft und kreativer Entfaltung. Er war bereit, von Sonnenaufgang bis zum Abend zu arbeiten, ohne nennenswerte Unterbrechungen, stets mit einem klaren Ziel vor Augen: Die Vergänglichkeit der Blumen ins Rampenlicht zu rücken. Da sie rasch verwelken und nach sofortiger Aufmerksamkeit verlangen, spiegelt sein Arbeitsaufwand die Dringlichkeit wider, mit der er versuchte, diesen flüchtigen Moment festzuhalten.
Besonders hervorzuheben ist van Goghs Wahl eines sanften blauen Hintergrunds, der als eine Art Bühne für die leuchtend gelben Sonnenblumen dient. Dieser Hintergrund hebt die lebendigen Farben noch weiter hervor und verleiht dem Werk eine zusätzliche Dimension des emotionalen Ausdrucks. Gleichzeitig verdeutlicht der langsame Wandel der einst kräftig gelben Blüten in einen bräunlicheren Ton die Vergänglichkeit und den unvermeidlichen Lauf der Natur – ein zentrales Thema in van Goghs Schaffen.
„The Cafe Terrace on the Place du Forum, Arles“ (1888)
Jahr: 1888 | Medium: Öl auf Leinwand | Größe: 81 x 65.5 cm | Stilepoche: Post-Impressionismus | Standort: Kroller-Mueller Museum Otterlo, Niederlande
Café Terrace ist ein Ölgemälde aus dem Jahr 1888 des berühmten holländischen Künstlers Vincent van Gogh. Es wird oft The Cafe Terrace am Place du Forum genannt.
Als es ursprünglich 1891 ausgestellt wurde, trug es den Titel Coffeehouse at Night.
„Das Nachtcafé an der Place Lamartine in Arles“ (1888)
Jahr: 1888 | Medium: Öl auf Leinwand | Größe: 92,1 x 72,4 cm | Stilepoche: Post-Impressionismus | Standort: Yale University Art Gallery, USA
Vincent van Gogh malte im September 1888 sein Meisterwerk „Das Nachtcafé“ in Arles. Dieses bedeutende Gemälde zeigt den Innenraum eines Cafés, das von kräftigen, kontrastreichen Farben geprägt ist – die Decke ist grün, die Wände rot und der Boden leuchtet gelb. Fünf Gäste sind an Tischen verteilt, während ein Kellner im hellen Mantel dem Betrachter gegenübersteht.
In einem humorvollen Brief an seinen Bruder Theo erwähnte Van Gogh, dass er Madame Ginoux für ihre Geldforderungen Rache schwor, indem er ihr Café porträtierte. Das Werk ist auf einer grundierten Leinwand gefertigt und offeriert durch seine Perspektive einen leicht erhöhten Blickwinkel auf das Geschehen.
„Schwertlilien“ (1889)
Jahr: 1889 | Medium: Öl auf Leinwand | Maße: 71 cm x 93 cm | Stilepoche: Post Impressionismus | Standort: J. Paul Getty Museum, Los Angeles
Ein weiteres berühmtes Ölgemälde des niederländischen Künstlers Vincent van Gogh, gemalt im Mai 1889. Dies ist eines von mehreren Werken in einer Serie, die ebenfalls in der Anstalt Saint Paul-de-Mausole in Saint-Rémy-de-Provence geschaffen wurden.
Das schöne Werk entstand nur ein Jahr vor van Goghs Tod im Jahr 1890. Die Schwertlilien, die er malte, befanden sich im Krankenhausgarten, und es wurde angenommen, dass der Stil dieser Serie von japanischen Ukiyo-e-Holzschnitten beeinflusst wurde, wie in vielen von Van Goghs zu sehen ist.
Das Gemälde wird wegen seiner Weichheit und Leichtigkeit geliebt und ist „voller Luft und Leben“, wie van Goghs Bruder Theo es beschrieb.
Heute ist das Werk im J. Paul Getty Museum in Los Angeles, Kalifornien, zu sehen.
„Sternennacht über der Rhone“ (1888)
OT: Starry Night over the Rhone | Jahr: 1888 | Medium: Öl auf Leinwand | Maße: 72 x 92 cm | Stilepoche: Post Impressionismus | Ort: Musée d´Orsay, Paris
Sternennacht über der Rhone (September 1888) war eines von drei Gemälden, die im selben Monat entstanden und den Nachthimmel und die Sterne als grundlegende symbolische Elemente enthalten. Er malte auch Cafe Terrace at Night und ein Porträt seines Freundes Eugene Boch, das vielleicht das symbolträchtigste der drei war.
Sternennacht über der Rhone wurde an einer Stelle am Ufer des Flusses gemalt, die nur ein oder zwei Gehminuten vom Gelben Haus am Place Lamartine entfernt war, das Van Gogh damals mietete. Der Nachthimmel und die nächtlichen Lichteffekte lieferten das Thema für einige seiner berühmteren Gemälde, darunter The Starry Night, das berühmteste Gemälde von Van Gogh mit Nachtsternen.
Die Herausforderung, nachts zu malen, faszinierte Van Gogh. Der von ihm für „Sternennacht über der Rhone“ gewählte Aussichtspunkt ermöglichte es ihm, die Reflexionen der Gasbeleuchtung in Arles über das blau schimmernde Wasser der Rhone einzufangen. Im Vordergrund spazieren zwei Liebende am Ufer des Flusses.
Hier leuchten seine Sterne mit einem Leuchten, das vom dunklen, blauen und samtigen Nachthimmel strahlt. An den Ufern der Rhone verstreut strahlen auch Häuser ein Licht aus, das sich im Wasser widerspiegelt und zur geheimnisvollen Atmosphäre des Gemäldes beiträgt.
„Weizenfeld mit Zypressen“ (1889)
Jahr: 1889 | Medium: Öl auf Leinwand | Maße: 93 x 73 cm | Stilepoche: Post Impressionismus | Ort: Nationalgalerie, London
Ah, die Wolken! Diese beeindruckenden Ansammlungen unzähliger Wassertröpfchen, meisterhaft eingefangen vom niederländischen Maler. Wer die Formationen bewundert oder das Schauspiel von Mammatuswolken während Gewittern betrachtet hat, erkennt in van Gogh einen Künstler mit ausgeprägtem Gespür für atmosphärische Wechselspiele.
Im Gegensatz zu den dramatischen Gewitterwolken strahlen seine Darstellungen eine sommerliche Frische aus. Der Wind, der dynamisch durch Landschaft und Bäume weht, verleiht dem Bild eine Anmut und Tiefe, während der Blick über hügelige Felsen und zarte Blüten fliegt.
Vans Gogh lädt mit seinen Details dazu ein, sich in ein sonniges südliches Szenario hineinzuversetzen. In einem Brief an seinen Bruder Theo beschrieb er das Bild als „Zypressen mit Weizenähren und einem blauen Himmel“. Die Komposition fesselte ihn so sehr, dass er drei Versionen schuf. Diese Sehnsucht nach der Natur und dem Erkunden ihrer Geheimnisse macht sein Werk unvergesslich – ein Anlass zur Auseinandersetzung mit dem bewegten Leben des Künstlers selbst.
„Mandelbaum in Blüte (Almond Blossoms)“ (1890)
„Mandelbaum in Blüte (Almond Blossoms)“ von Vincent van Gogh | Jahr: 1890 | Medium: Öl auf Leinwand | Maße: 73.5 cm × 92 cm | Stilepoche: Post-Impressionismus | Standort: Van Gogh Museum, Niederlande
Dieses bekannte Gemälde im japanischen Stil entstand als Teil einer Bilderserie in einer Schaffensphase von Van Gogh, in welcher der Künstler verstärkt auf der Suche nach Sinn war (1888 bis 1890 in Arles und Saint-Rémy).
Van Gogh schrieb zu dieser Zeit zahlreiche Briefe an seine Schwester, in denen er seine Begeisterung für die blühenden Bäume beschrieb. Dieser Faszination verlieh er in vielen seiner Gemälde Ausdruck. Es kristallisierte sich ein Stil heraus, der Van Gogh nachhaltig geprägt hat. Seine Arbeiten in dieser Phase hatten einen tiefgreifenden Einfluss auf Van Goghs weiteres Leben.
„Fischerboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer“ (1888)
Jahr: 1888 | Medium: Öl auf Leinwand | Maße: 81 cm × 65 cm | Stilepoche: Post-Impressionismus | Standort: Van Gogh Museum, Niederlande
Dieses maritime Kunstwerk von Vincent Van Gogh entfaltet eine serene Szenerie, in der Fischerboote sanft am Ufer des malerischen Dorfes Saintes-Maries-de-la-Mer in der Camargue ruhen. Die lebendigen Farben, die Van Goghs unverwechselbaren, ausdrucksstarken Merkmale charakterisieren, kommen in dieser harmonischen Komposition besonders eindrucksvoll zur Geltung.
Das strahlende Blau des Himmels und des Meeres verschmilzt auf elegante Weise mit den warmen Erdtönen des Sandes und den Booten und erschafft so eine einladende Atmosphäre.
Dieses post-impressionistische Meisterwerk verkörpert die Schlichtheit und Anmut des täglichen Lebens der Fischer. „Fischerboote am Strand von Saintes-Maries“ dient als eindringliches Zeugnis von Van Goghs außergewöhnlichem künstlerischen Talent sowie seiner tiefen Verbundenheit zur Natur und zu den malerischen mediterranen Landschaften, die ihn einst inspirierten.
„Die Kirche in Auvers-sur-Oise“ (1890)
Jahr: 1890 | Medium: Öl auf Leinwand | Maße: 74 cm × 94 cm | Stilepoche: Post-Impressionismus | Standort: Musée D’orsay, Paris
Die Zeit von Vincent van Gogh in der L’Auberge Ravoux in Auvers-sur-Oise stellte eine außergewöhnlich produktive Schaffensphase dar. In nur siebzig Tagen schuf er etwa achtzig Werke, darunter einige seiner bekanntesten Gemälde mit eindrucksvollen Zypressen. Der Ort, lediglich dreißig Kilometer von Paris entfernt, war für van Gogh wichtig, da er dort den Arzt und Kunstliebhaber Paul-Ferdinand Gachet aufsuchte.
Gachet hatte enge Verbindungen zu den zeitgenössischen Künstlern in Paris und galt als geeigneter Ansprechpartner für seinen Bruder Theo, um van Goghs psychische Herausforderungen zu behandeln. Tragischerweise konnte auch er nicht verhindern, dass der 37-Jährige am 29. Juli 1890 an einer selbst zugefügten Schusswunde verstarb. Van Goghs letzte Arbeiten sind durch intensive Farben und eine tiefgreifende emotionale Ausdruckskraft geprägt, wodurch er den Weg für Bewegungen wie die Fauves und den Expressionismus ebnete.
Diese frühgotische Kirche mit ihren romanischen Kapellen zählt zu den letzten Motiven, die Vincent van Gogh malte. Sie erhebt sich majestätisch vor dem leeren, tiefblauen Himmel, nicht perspektivisch korrekt dargestellt, sondern als eigenständiges Kunstwerk. Strategisch platziert an einer Weggabelung, verkörpert die Kirche die innere Zerrissenheit des Künstlers und lädt den Betrachter ein, in ihre Geschichte einzutauchen.
Van Gogh’s Leben: Eine Reise durch seinen Alltag und seine Gedankenwelt
Van Gogh war ein Mann, der ständig auf der Suche nach sich selbst und seiner Bestimmung war. Seine Reise durch das Leben war geprägt von Höhen und Tiefen, von Erfolgen und Niederlagen.
Er war ein Künstler, der seine Emotionen und Gedanken in seinen Werken zum Ausdruck brachte und damit eine neue Art der Kunst schuf. Sein Leben war eine ständige Herausforderung, aber er hat sich nie vollkommen unterkriegen lassen und hat bis zum Ende an seine Kunst geglaubt. Heute ist
Vincent van Gogh einer der bekanntesten Künstler der Welt und seine Werke sind unvergessen.
Van Goghs Ohr
Recherchen von TNS NIPO im Jahr 2010 zeigten, dass der Künstler der niederländischen Öffentlichkeit heute vor allem wegen seines abgetrennten Ohrs bekannt ist. Auf die Frage „Woran denken Sie, wenn Sie an den Maler Vincent van Gogh denken?“ nannten nicht weniger als fünfzig Prozent der Befragten das abgeschnittene Ohr. Darüber hinaus erzielten „Maler“ und „Sonnenblumen“ hohe Punktzahlen.
Lange dachte man, der Künstler schneide nicht sein ganzes Ohr ab, sondern nur das Ohrläppchen. Kürzlich tauchte jedoch eine Notiz von Dr. Felix Rey, dem Arzt, der Van Gogh am Ohr behandelte, im Archiv des Autors Irving Stone auf. 1930 fertigte er auf Wunsch eines Autors, der an einem Buch über den Künstler arbeitete, zwei Skizzen an und schrieb:
Das Ohr wurde entlang der gepunkteten Linie mit dem Rasiermesser geschnitten.“
Vincent Van Gogh, mit verbundenem Ohr, Courtauld Institute of Art, London
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Dies zeigt, dass Vincent van Gogh tatsächlich sein gesamtes Ohr abgeschnitten hat. Es wurde auch argumentiert, dass Van Gogh sein Ohr nicht selbst abgeschnitten hat, sondern dass der französische Maler Paul Gauguin dies während eines Streits getan hat.
Gauguin, der einige Zeit mit Van Gogh in Arles lebte, schrieb in seiner Biografie, dass ihm das gesamte Ohr abgeschnitten wurde. Andere, darunter der Maler Signac und die Witwe von Bruder Theo, berichteten jedoch, dass es sich nur um den Flecht handelte, so dass Unklarheiten blieben.
Posthume Erfolgsgeschichte
Der Künstler soll einst diese treffende Einschätzung von sich gegeben haben:
Ich kann nichts dafür, dass meine Bilder sich nicht verkaufen lassen. Aber es wird die Zeit kommen, da die Menschen erkennen, dass sie mehr wert sind als das Geld für die Farbe.“
Johanna van Gogh-Bonger, die Schwägerin von Vincent van Gogh und Witwe seines Bruders Theo van Gogh, war eine treibende Kraft bei der Förderung und Popularisierung des Werks des niederländischen Künstlers. Ab 1901 lieh sie regelmäßig Bilder für Einzelausstellungen in Berlin aus, die von Paul Cassirer organisiert wurden (siehe ArtInWords – Vincent van Gogh: Biografie).
Die erste große Retrospektive des Werks fand 1905 in Amsterdam statt und wurde bald darauf von einer bedeutenden Schau in der Galerie Arnold in Dresden gefolgt.
Für die junge Künstlergruppe der Brücke wurde diese Ausstellung zur Initialzündung, die Heinrich Nauen, Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde dazu inspirierte, von Van Gogh zu lernen und seine dynamischen Pinselstriche zu übernehmen. In den folgenden sieben Jahren wurden auf 68 Ausstellungen die Werke des umstrittenen Künstlers von Künstlern und Sammlern gleichermaßen diskutiert und bewundert.
Van Gogh wurde zu Lebzeiten von seinen Zeitgenossen oft nicht verstanden und seine Kunstwerke wurden meist abgelehnt. Doch heute wissen Kunstliebhaber und -kenner um die wichtige Rolle seiner Arbeit in der Entwicklung der modernen Kunst. Deshalb sind sie bereit, hohe Summen für seine Werke zu zahlen.
100 Jahre nach seinem Tod wurde eines der sieben Sonnenblumenbilder für 37 Mio. EUR versteigert.
Ein weiteres prominentes Beispiel dafür ist die Versteigerung von „Verger avec cyprès“ im Rahmen der Paul G. Allen-Auktion bei Christie’s am 9. November 2022. Das Gemälde fand für stolze 117.180.000 US-Dollar einen neuen Besitzer und durchbrach damit die 100-Millionen-Dollar-Marke (siehe FAZ: Paul G. Allen Collection spielt 1,5 Milliarden ein)
Ferdinand Avenarius drückte 1910 in der Zeitschrift „Der Kunstwart“ die anhaltende Faszination aus, die Vincent van Goghs Malerei auf junge Künstler in Deutschland ausübte:
„Van Gogh ist tot, aber die van Gogh-Leute leben. Und wie leben sie! Überall van Goghelt’s“.
1928 wurde das erste Werkverzeichnis der Gemälde Vincent van Goghs von dem niederländischen Juristen und Kunsthändler Jacob-Baart de la Faille veröffentlicht, das bis heute als wichtige Referenz für Forscher und Kunstliebhaber dient:
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Ziemlich weit oben auf der Liste der weltweit angesehensten Künstler ist ein deutscher Fotokünstler zu finden, der von sich selbst sagt, dass er in seiner Schulzeit „mit Kunst nichts am Hut hatte“.
Thomas Ruff auf einen Blick
Thomas Ruff, geboren 1958, erlangte in den späten 1980er Jahren internationale Anerkennung als herausragendes Mitglied der Düsseldorfer Schule, einer illustren Gemeinschaft junger Fotografen, die unter Anleitung von Bernd und Hilla Becher ausgebildet wurden. Diese Gruppe prägte das fotografische Medium durch ihre experimentelle Herangehensweise sowie ihre Auseinandersetzung mit den sich schnell wandelnden Technologien der Fotografie.
Fotokünstler Thomas Ruff in der David Zwirner Galerie, März 2016 Bildquelle: Xfranksun, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Ruff schuf einen markanten Bruch mit dem Stil seiner Mentoren und entwickelte eine unverwechselbare Perspektive innerhalb der konzeptuellen Fotografie. Seine Arbeiten zeichnen sich durch den gezielten Einsatz von Farben und die kreative Bearbeitung von Ausgangsaufnahmen aus – anfänglich durch manuelle Retuschetechniken und später durch innovative digitale Verfahren. Indem er den Fotodruck auf ein monumentales Niveau hebt, verschmilzt er die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei.
In klar definierten Serien entfaltet Ruff seine Techniken zur tiefgehenden Analyse unterschiedlicher fotografischer Genres, darunter Porträt-, Akt-, Landschafts- und Architekturfotografie. Seine umfassende Auseinandersetzung mit der „Grammatik der Fotografie“ hat nicht nur einen signifikanten Einfluss auf nachfolgende Generationen von Fotografen ausgeübt, sondern erklärt auch die Vielzahl seiner Themen sowie die immense Bandbreite der technischen Mittel, die zur Entstehung seiner Werke verwendet wurden – vom Einsatz veralteter Geräte bis hin zu hochmodernen Computersimulationen und sämtlichen Zwischenstufen.
Thomas Ruffs Werk lädt dazu ein, die oft unsichtbaren Mechanismen hinter der Fotografie zu hinterfragen und entführt den Betrachter in eine faszinierende Welt der Bildproduktion, die sowohl intellektuell anregend als auch künstlerisch bereichernd ist.
Kindheit und Ruffs Weg zur Fotokunst
Thomas Ruff wurde 1958 in Zell am Harmersbach geboren, einem kleinen Städtchen am Rande des Schwarzwaldes. Als viertes von sechs Kindern genießt er eine erlebnisreiche Kindheit in der Kleinstadt, in der die Eltern den Kindern ziemlich große Freiräume ließen und sie ansonsten so gut wie möglich förderten, was bei Thomas Ruff zunächst zum Besuch des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums im 1,5 Stunden Zugfahrt entfernten Hausach führt.
In seinen letzten drei Jahren auf dem Gymnasium bekam Thomas Ruff wegen Lehrermangel keinen Kunstunterricht, er interessierte sich für Astronomie und erwirbt mit 16 seinen ersten Fotoapparat, dessen Bedienung er in einem Volkshochschulkurs lernt. Die Fotografie wird sein Hobby, nach dem Abitur wollte Ruff entweder Astronomie oder Fotografie studieren.
Die Fotografie erschien ihm als die leichtere Variante, eigentlich mit der Idee, Reisefotograf zu werden, bewarb er sich direkt nach dem Abitur 1977 an der Kunstakademie Düsseldorf, damals die einzige Akademie in Deutschland, die eine Fotoklasse anbot. Zur Bewerbung schickte er seine zwanzig schönsten Kleinbilddias ein, die beurteilt wurden vom berühmten Fotografen Bernd Becher, der gerade an der Kunstakademie eine Professur für Fotografie übernommen hatte.
Bernd Becher wählte Ruff aus, er absolvierte bis 1985 sein Fotografiestudium unter ihm und seiner Frau Hilla Becher, einer ebenso anerkannten Fotografin, die mit ihrem Mann bei der Ausbildung der Studenten eng zusammenarbeitete. Beide führten eine fast legendäre Künstlerklasse der Fotografie, die später auch häufig als „Becher-Schule“ bezeichnet wurde und aus der neben Ruff auch weitere international herausragende Vertreter der deutschen Fotografie wie Andreas Gursky, Thomas Struth, Jörg Sasse und Axel Hütte hervorgingen.
Thomas Ruff kam im Studium zum ersten Mal mit Kunst und Künstlern in nähere Berührung, er musste gänzlich neu sehen lernen und erkennen, dass seine bisher geschaffenen schönen Landschaftsbilder nicht anderes waren als angenehm zu betrachtende Klischees. Das führte ihn zunächst (“natürlich”, wie er später sagte) in eine gewaltige Krise, er konnte ein Jahr lang nichts erschaffen, genau in dieser Krise fand er jedoch vom reinen Interesse am Foto zur künstlerischen Betrachtung der Fotografie.
Nun begann er, selbst Kunst zu machen, Fotografien, die aus einer intelligenten Auseinandersetzung mit seiner Umgebung entstanden. Großen Wert legt Ruff bei seiner Arbeit auf Authentizität, die die Fähigkeit nährt, die Dinge unabhängig von vorgegebenen Meinungen zu sehen und zu fotografieren.
Er hat sich die Zeit genommen, im Studium und auch danach seinen eigenen Weg zu finden, dass dieser gut war, zeigt sich bald, indem er relativ früh erst von einer und dann von weiteren Galerien angesprochen wird, die mit Ruff Ausstellungen machen wollen. So ging es dann weiter, Ruff hat sich nie näher mit der Marketingseite der Kunst beschäftigen oder anfreunden müssen, er hat erfolgreich auf den (von ihm selbst als naiv bezeichneten) Glauben seiner Anfangszeit vertraut, dass sich gute Arbeit automatisch durchsetzen werde.
Erste Arbeiten und internationaler Durchbruch
Die ersten Arbeiten, die die Aufmerksamkeit der Galeristen erregt, gehören kleinformatige Porträts mit weißem Hintergrund, Ruff stellt sie 1986 im französischen Villeurbanne aus und erhält dort die Mittel, um erste Porträts im großen Format anfertigen zu lassen. Diese werden 1987 in der Kölner Galerie Johnen & Schöttle gezeigt, eines wird für das 1991 eröffnende Museum für Moderne Kunst in Frankfurt gekauft.
So verhelfen diese Porträts Ruff zum internationalen Durchbruch, sie und seine neue Serie Häuser werden Ende der 1980er Jahre auf wichtigen internationalen Ausstellungen (“Aperto” in Venedig, “BiNationale” in Düsseldorf und Boston) gezeigt. Öffentliche und private Sammler zeigen nun so viel Interesse an seinen Werken, dass er Ruff kostenintensivere Projekte beginnen kann, 1989 startet er seine Serie Sterne, für die er über 1.000 Negative wissenschaftlicher Sternaufnahmen einkauft.
Viele Zeitgeschehnisse finden ihren Ausdruck in seinem Werk: 1991 antwortet er mit den “Blauen Augen” dem französischen Kunstkritiker, der seine Porträtserie mit der Kunst des Sozialistischen Realismus und des Faschismus verglichen hatte. 1992 regen die TV-Bilder aus dem Golfkrieg Thomas Ruff zur Serie Nächte an, ein Teil dieser Aufnahmen wird auf der documeta IX ausgestellt.
Es folgt 1993 ein Stipendium in Rom, 1994 entstehen zwei Serien, die unterschiedlichste Techniken der Fotografietechniken verarbeiten, 1999 wird Ruff vom Architektenpaar Herzog & de Meuron mit der Fassadengestaltung ihres Entwurfs der Bibliothek der Fachhochschule Eberswalde beauftragt.
1995 ist Thomas Ruff im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu sehen, 1996 beschäftigt er sich in der Serie Plakate mit verschieden politischen Ereignissen.
Am Ende der 1990er Jahre begann Thomas Ruff eine weitere künstlerische Reise im Bereich der Fotografie. Im Gegensatz zu vielen Fotografen schöpfte er seine Bildinspiration nicht aus eigenen Aufnahmen, sondern entdeckte sie im Internet, wo er wegen seiner Schüchternheit zögerte, direkt mit Menschen in Kontakt zu treten.
Ende der 90er Jahre war das Internet bereits etabliert. Ich gab Begriffe wie ‚Aktfotografie‘ und ‚Porno‘ ein, und sofort tauchten diese Seiten auf. Es scheint, als hätte das älteste Gewerbe der Welt den Vorteil des Internets früh erkannt“,
erinnert sich Ruff in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur*.
Ruff transformierte die gefundenen Bilder zu verpixelten Kunstwerken, die eine ganz eigene Ästhetik entwickelten. Dabei ging es ihm nicht nur darum, seinen „heterosexuellen und männlichen Blick auf den weiblichen Körper“ zu präsentieren. Vielmehr verfolgte er einen demokratischen Ansatz, indem er alle sexuellen Vorlieben und Praktiken einschließlich ihrer Vielfalt abbildete.
Durch seine Arbeiten regt er dazu an, sich intensiver mit den verschiedenen Facetten der menschlichen Sexualität auseinanderzusetzen und die Grenzen zwischen Kunst und Alltagswahrnehmung neu zu definieren.
1999 beginnt er mit seiner berühmten Serie “nudes”, zu der er Pornographieseiten aus dem Internet als Ausgangsmaterial verwertet. Verschiedene Gebäudeaufnahmen (Mies van der Rohe und weitere) werden zur Serie “l.m.v.d.r”, wieder für Herzog & de Meuron stattet er den Boden der “Fünf Höfe”in München mit Bildern aus.
1999 erhält Thomas Ruff dann eine Professur an der Staatlichen Akademie Düsseldorf, an der er (nach kurzem Zwischenspiel von Jeff Wall) von 2000 bis 2006 die “Becher-Klasse” leitet, während dieser Zeit Nachfolger erwirbt er auch gemeinsam mit Andreas Gursky, Axel Hütte und Laurenz Berges ein Fabrikgelände in Düsseldorf, indem er ein großes Atelier bezieht.
Das Internet bleibt Thema, auch in den seit 2000 entstandenen Serien “Substrat” und “Jpegs”, der Foto-Band „Nudes“ erscheint 2003 mit einem Text von Michel Houellebecq. Aber nicht nur, zwischendurch entsteht “Das Sprengobjekt”, 2011 werden in Münster die „Stellar Landscapes“ gezeigt, in denen 60 Bilder des Mars (von der NASA) so bearbeitet wurden, dass man das Gefühl hat, den Mars aus einem Flugzeug zu betrachten.
Wie m.a.r.s. zeigt auch die Serie „Cassini“ Bezüge zu seiner Jugendliebe Astronomie, hier werden außergewöhnliche und auch wirklich außerirdische Aufnahmen vom Saturn und seinen Monden verarbeitet, die von der Raumsonde dieses Namens gemacht wurden.
Eine Übersicht der beeindruckenden Werke Thomas Ruffs war im Frühjahr 2012 im Haus der Kunst in München zu sehen.
Das folgende Video zeigt ein 30-minütiges Interview mit dem Künstler, durchgeführt von Thomas Weski im Münchner Haus der Kunst:
Ausstellungen rund um den Globus
Die Werke von Ruff wurden in zahlreichen Einzelausstellungen in renommierten Institutionen rund um den Globus präsentiert, darunter
die Whitechapel Gallery in London (2017);
das Nationalmuseum für moderne Kunst in Tokio (2016; reiste zum 21st Century Museum of Contemporary Art in Kanazawa, Japan);
die Art Gallery of Ontario in Toronto (2016);
das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (S.M.A.K.) in Gent (2014);
das Museum of Modern Art in New York (2014);
das Haus der Kunst in München (2012);
das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster (2011);
das Centro de Arte Contemporáneo de Málaga in Spanien (2011);
das Castello di Rivoli in Turin (2009);
das Museum für Neue Kunst in Freiburg, Deutschland (2009);
die Kunsthalle Wien in Wien (2009);
die Műcsarnok Kunsthalle in Budapest (2008);
das Moderna Museet in Stockholm (2007);
das Sprengel Museum Hannover in Deutschland (2007);
das Musée d’art moderne et contemporain in Genf (2004);
sowie das Museo Tamayo in Mexiko-Stadt (2002).
Im Jahr 2018 wurde Thomas Ruff in der Ausstellung „Photography Spotlight“ im Victoria and Albert Museum in London vorgestellt, die die Eröffnung des neuen Photography Centre des Museums feierte. Anlässlich dieser besonderen Einweihung schuf der Künstler ein neuartiges Werk mit dem Titel „Tripe“, das seine meisterhafte Fähigkeit zur Innovation eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Eine umfassende Retrospektive seines Schaffens fand von 2020 bis 2021 im K20 – Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf statt. Die große Einzelausstellung „Thomas Ruff: after.images – Werke 1989–2020“, kuratiert von Martin Germann, bot den Besuchern einen faszinierenden Einblick in Ruffs Oeuvre und vereinte nicht nur die eindrucksvollen Arbeiten aus der Serie „Tableaux Chinois“, sondern auch fünfzehn weitere Serien, die bereits im Jahr 1989 entstanden sind, und die im National Taiwan Museum of Fine Arts in Taichung präsentiert wurden.
Im Jahr 2022 wurde zudem die Ausstellung „Thomas Ruff: Méta-Photographie“ im Musée d’art moderne et contemporain de Saint-Étienne Métropole (MAMC) in Frankreich gezeigt. Später, im selben Jahr, stand die Kunsthalle Bielefeld in Deutschland im Zeichen einer Duo-Ausstellung, die sowohl Werke von Thomas Ruff als auch von James Welling präsentierte. Hierdurch erhalten kunstinteressierte Besucher die Möglichkeit, zwei unterschiedliche künstlerische Sichtweisen auf das Medium Fotografie zu erleben und deren Entwicklung nachzuvollziehen.
Thomas Ruff in der Galerie von David Zwirner
Thomas Ruff vor zwei seiner Werke in der David Zwirner Galerie, März 2016 Bildquelle: Xfranksun, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Ruffs außergewöhnliche Werke werden seit dem Jahr 2000 von der renommierten Galerie David Zwirner präsentiert. In diesem Zeitraum durfte der Künstler insgesamt zwölf Soloausstellungen in den verschiedenen Räumlichkeiten der Galerie feiern. Dazu zählen mehrere eindrucksvolle Präsentationen in New York (in den Jahren 2000, 2001, 2003, 2005, 2007, 2010, 2013, 2016 und 2022), sowie herausragende Ausstellungen in London (2016), Hongkong (2019) und Paris (2021). Jedes dieser Events bot nicht nur einen tiefen Einblick in Ruffs künstlerisches Schaffen, sondern trug auch zur verstärkten Wertschätzung seiner Kunst auf internationaler Ebene bei.
Für den Januar 2025 wurde die Ausstellung „Thomas Ruff: expériences lumineuses“ in London angekündigt.
Weitere Informationen sowie eine weitere große Auswahl an seinen Werken finden Sie auf artnet – Thomas Ruff. Auch in unserer Online Galerie finden Sie eine kleine Auswahl an Farblithografien und Giclée-Drucken des großen deutschen Fotografen.
Die Werke von Thomas Ruff erzielen regelmäßig Rekordpreise auf Auktionen; sein teuerstes Bild aus der Serie „Sterne“ wurde für beeindruckende 180.000 Euro versteigert.
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Quellen, fachliche Unterstützung und weiterführende Informationen:
David Zwirner: Thomas Ruff, https://www.davidzwirner.com/artists/thomas-ruff
Deutschlandfunk Kultur: Fotokünstler Thomas Ruff Die Lügen der Bilder zeigen, https://www.deutschlandfunkkultur.de/thomas-ruff-fotografie-propaganda-china-sowjetunion-100.html
Simon Broll in SPIEGEL Kultur: Fotokatalog „Thomas Ruff“ Alles wird wie neu sein, https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ein-sammelband-von-thomas-ruff-vereint-17-serien-des-fotokuenstlers-a-824858.html
artnet: Thomas Ruff, https://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/thomas-ruff/
Laserschneiden und Gravur: Diese beiden Zauberwörter verschmelzen die Welt der Kunst und des Handwerks zu einer neuen Sphäre der Imagination.
Heute werfen wir einen Blick auf zehn beeindruckende Künstler und Schöpfer, die mit Laser-Technologie (sog. Lasercutting) aus Holz wahre Meisterwerke schaffen. Von filigranen Mustern bis hin zu komplexen Skulpturen – das Lasern von Holz ist nicht nur ein technischer Fortschritt, sondern schlichtweg eine Ode an den natürlichen Werkstoff.
Was ist Laserschneiden?
Fortschrittliches Laserschneiden hat sich als unverzichtbare Technologie in der modernen Fertigung etabliert. Unternehmen wie Kreative nutzen diese Technik, um hochpräzise und effiziente Herstellungsprozesse zu ermöglichen.
Laserschneiden ist ein präzises Verfahren, bei dem ein fokussierter Laserstrahl verwendet wird, um Materialien zu schneiden. Dabei wird der Laserstrahl durch eine Linse gebündelt und auf die Oberfläche des Materials gerichtet. Die intensive Hitze des Lasers schmilzt oder verdampft das Material, wodurch saubere und exakte Schnitte entstehen.
Dieses Verfahren eignet sich für eine Vielzahl von Materialien, darunter:
Metall
Kunststoff
Holz
Glas
Es ermöglicht auch die Herstellung komplexer Formen und Designs mit einem hohen Maß an Genauigkeit und Effizienz.
Vielseitigkeit in der Materialbearbeitung
Ob Metall, Kunststoff, Glas oder Holz – Laserschneidmaschinen können eine breite Palette von Materialien bearbeiten. Diese Vielseitigkeit macht sie für nahezu jede Branche attraktiv.
Ein Beispiel ist die Elektronikbranche, wo Leiterplatten präzise und ohne Beschädigung empfindlicher Komponenten geschnitten werden müssen. Auch im Design- und Architektursektor wird Laserschneiden genutzt, um komplizierte Muster und Strukturen zu realisieren.
Präzision auf einem neuen Level
Laserschneidtechnik bietet eine bisher unerreichte Genauigkeit. Mit Strahlen, die dünner als ein Millimeter sind, lassen sich selbst die filigransten Details schneiden. Dies ist abseits der Kreativ- und Kunstwirtschaft insbesondere in Branchen wie der Medizintechnik von Bedeutung, wo höchste Präzision erforderlich ist.
Dank moderner Steuerungssysteme können Maschinen Parameter wie Geschwindigkeit und Intensität exakt anpassen. Dadurch wird nicht nur die Materialverschwendung minimiert, sondern auch die Qualität der Endprodukte erhöht. Unternehmen profitieren von geringeren Produktionskosten und einer konstanten Produktqualität.
Effizienz und Schnelligkeit im Herstellungsprozess
Die Automatisierung des Laserschneidens ermöglicht eine bemerkenswerte Zeitersparnis. Während herkömmliche Methoden oft mehrere Schritte erfordern, erledigt eine Laserschneidmaschine alles in einem Arbeitsgang.
Ein Blick in die Anwendung außerhalb des Kunstbetriebes zeigt: in der Automobilindustrie, wo Geschwindigkeit entscheidend ist, zeigt sich das Potenzial dieser Technologie besonders deutlich. Hier wird Laserschneiden eingesetzt, um Karosserieteile, Komponenten und sogar Prototypen effizient herzustellen.
Vielseitigkeit in der Materialbearbeitung
Ob Metall, Kunststoff, Glas oder Holz – Laserschneidmaschinen können eine breite Palette von Materialien bearbeiten. Diese Vielseitigkeit macht sie für nahezu jede Anwendung zu einer attraktiven Option.
Ein Beispiel ist die Elektronikbranche, wo Leiterplatten präzise und ohne Beschädigung empfindlicher Komponenten geschnitten werden müssen. Auch im Design- und Architektursektor wird Laserschneiden genutzt, um komplizierte Muster und Strukturen zu realisieren.
Lasercutting in der Kunst: Symbiose aus Tradition und Technik
Lasercutting in der Kunst: Symbiose aus Tradition und Technik Abbildung dient der Illustration und wurde mit dem KI-Tool ImageFlash erstellt
Bevor wir uns in die wunderbare Welt der Lasercutting-Künstler vertiefen, lassen Sie uns einen Schritt zurücktreten und verstehen, woran wir uns eigentlich erfreuen. Holz ist eines der ältesten und vielseitigsten Materialien der Welt. Es ist nachwachsend, zugänglich und hat in der Handwerkskunst eine immense historische Bedeutung.
Der Laser hingegen, ein Strahl aus konzentriertem Licht, durchschneidet dieses Naturmaterial mit bewundernswerter Präzision. Was also passiert, wenn uralte Tradition auf moderne Technologie trifft?
Etwas Magisches…
11 Künstler und Handwerker, die mit Woodcutting Maßstäbe verschieben
Wenn Holz durch geätzte Designs verziert oder in ein außergewöhnliches Muster geschnitten wird, erhält es eine noch eindrucksvollere und nahezu grenzenlose Vielfalt. Auf der Suche nach kreativen Anregungen sind wir auf besondere Künstler und Handwerker gestoßen, die mit ihren Lasermaschinen und dem natürlichen Material bemerkenswerte Werke geschaffen haben.
01 Bruce Shapiro und sein kinetisches Holzwunder
Bruce Shapiro, bekannt für seine Rasenroboter und Sandkunstmaschinen, bringt seit Kurzem Holz in Bewegung. Dabei kombiniert er Laserschnitte mit kinetischen Elementen, sodass bewegliche Holzskulpturen entstehen, die sich zu Musik oder anderen rhythmischen Mustern bewegen.
Es ist mehr als nur Kunst – es ist eine symbiotische Verschmelzung von Wissenschaft, Technik und Kreativität.
02 Gabriel Schama und seine vielschichtigen Reliefs
Gabriel Schama, ein Meister des Laserschneidens, nutzt Schichten über Schichten, um tiefe und detaillierte Reliefs zu schaffen. Seine Werke wirken fast wie dreidimensionale Zeichnungen, und jede Schicht fügt eine neue Ebene der Komplexität hinzu.
Gabriel Schama, unterstützt von seinem Laserschneider Elsie, erschafft beeindruckende 3D-Laserschnittkunstwerke durch das kunstvolle Zerschneiden und Zusammenfügen von Lagen aus lasergeschnittenem Holz. Seine kreativen Konzepte beginnen oft als komplexe Zeichnungen, die er mit dem Laserschneider in faszinierende dreidimensionale Objekte verwandelt.
Schama spielt mit einer breiten Palette von Formen – von abstrakten, organischen Designs bis hin zu seinen neueren Porträts. Der Laserschneider ist für ihn nicht nur ein Werkzeug zur Beschleunigung oder Vereinfachung seines Arbeitsprozesses, sondern auch ein Medium, um sein handwerkliches Können und seine künstlerische Vision voll zur Geltung zu bringen.
Trotz des Einsatzes modernster Technologie bleibt Schamas Herangehensweise tief im traditionellen Handwerk verwurzelt, was seinen Werken eine einzigartige Kombination aus innovativer Technik und künstlerischer Sensibilität verleiht.
03 Martin Tomsky erzählt fantastische Geschichten mit Holz
Ein weiterer Künstler, der die Laserschneidetechnologie meisterlich einsetzt, ist Martin Tomsky. Seine Werke erzählen komplette Geschichten – vom tapferen Ritter bis hin zur friedlichen Waldszenerie.
Tomsky nutzt sowohl Gravur als auch Schneidetechniken, um plastische Narrationen zu erstellen, die den Betrachter in eine andere Welt entführen.
04 Ron Macken – Designprojekte mit Lightwave Laser
Durch den Einsatz modernster Laserpräzision realisieren Ron Macken und sein Team von Lightwave Laser maßgeschneiderte Designprojekte und exklusive Muster aus hochwertig lasergeschnittenem Holz, die traditionelle Auftragnehmer nicht bieten können. Lightwave Laser arbeitet eng mit seinen Kunden zusammen, um außergewöhnliche Laserschneiddesigns zu entwickeln, die perfekt auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Dabei bietet das Unternehmen eine breite Palette anpassbarer Lösungen für sowohl private als auch gewerbliche Anwendungen an.
Macken bringt einen fundierten technischen Hintergrund in der Lasertechnologie mit, und seine kreativen Designs finden nicht nur in gewerblichen Einrichtungen, sondern auch in privaten Haushalten enormen Anklang. In Hotels, Restaurants, Bars, Einzelhandelsgeschäften und Moscheen werden die eleganten Paneele von Lightwave Laser als Raumteiler, stilvolle Wanddekorationen für Innen- und Außenbereiche, aufsehenerregende Türen sowie innovative Beleuchtungselemente eingesetzt.
05 Eric Standley und die Tiefenwahrnehmung
Eric Standley spielt mit der optischen Täuschung. Seine kunstvollen Schichtarbeiten sehen aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedlich aus, was für eine ständig wechselnde Perspektive sorgt. Hier treffen lasergeschnittene Schichten auf geometrische Perfektion.
Eric Standley, bekannt für seine kunstvoll lasergeschnittenen Werke, überschreitet mit seinen beeindruckenden Holzgestaltungen die Grenzen der Kreativität. Inspiriert von historischen architektonischen Elementen, entfaltet sein Schaffen eine faszinierende Vielfalt aus Schichten präzise geschnittenen Holzes. Diese kreieren bemerkenswert komplexe und detailreiche Strukturen, die nahezu lebendig wirken.
Durch seine meisterhafte Beherrschung der Lasertechnologie eröffnet er neue Dimensionen in der bildenden Kunst und schafft Arbeiten, die an die filigranen Feinheiten von Buntglasfenstern und gotischen Kathedralen erinnern. Standleys Streben nach Präzision und Tiefe verwandelt das Holz in ein Kunstwerk, das über seinen ursprünglichen Zustand hinausgeht und positioniert ihn als herausragenden Künstler im Bereich der Laserkunst.
Nic Annette Miller ist bekannt für ihre kunstvollen Tiergravuren und -schnitte. Die Texturen und Details in ihren Arbeiten lassen jedes Tier fast lebendig erscheinen. Ihre Inspiration zieht sie oft aus der Natur und der Umgebung in ihrer Heimat.
07 Joshua Abarbanel – Organische und geometrische Formenwelten
Ein außergewöhnlicher Künstler im Bereich der lasergeschnittenen Holzkunst ist Joshua Abarbanel. Mit seinen komplexen und faszinierenden Entwürfen verschiebt er die Grenzen des Möglichen in der Welt der Laserkunst. Abarbanels beeindruckende Werke verbinden organische und geometrische Formen und schaffen vielschichtige Muster, die die tiefgreifende Komplexität der Natur widerspiegeln.
Durch den innovativen Einsatz modernster Laserschneidtechniken erreicht er eine bemerkenswerte Präzision und verwandelt hochwertiges Holz in atemberaubende 3D-Laserkunstwerke, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Seine Schöpfungen sind nicht nur visuell fesselnd, sondern regen auch zur Reflexion an, indem sie die harmonische Verbindung von Technologie und traditioneller Handwerkskunst in der zeitgenössischen Kunst eindrucksvoll betonen.
08 Anila Quayyum Agha – Mixed Media und der Effekt von Licht
Die Mixed-Media-Künstlerin Anila Quayyum Agha hat mit ihrem Werk, das den Kunstpreis 2014 „Intersections“gewann, eindrucksvoll die Konkurrenz hinter sich gelassen. Wer die Gelegenheit hatte, ihre Kunstwerke persönlich zu erleben, wird bestätigen können, wie beeindruckend es ist, dass schlichte und gleichzeitig perfekt umgesetzte Konstruktionen einen gesamten Raum transformieren können.
Agha kreiert weiterhin kunstvolle Muster mithilfe von Lasermaschinen und wählt heutzutage Stahl oder Papier als Materialien. Das ursprüngliche Stück jedoch wurde aus Holz gefertigt, was seine besondere Eleganz noch unterstreicht.
SpaceWolf ist ein talentierter Künstler, der sich auf die Bereiche Illustration, Grafikdesign und Holzverarbeitung spezialisiert hat. Er kreiert limitierte Holzplakate, die seine Leidenschaft für Science-Fiction, Fantasy und Popkultur eindrucksvoll widerspiegeln. Unter dem geheimnisvollen Pseudonym SpaceWolf hat er sich eine treue Fangemeinde aufgebaut, die seine einzigartigen Kunstwerke schätzt.
Mit seiner meisterhaften Beherrschung der Lasertechnologie erzielt er eine Präzision und gleichmäßige Schattierung, die in der Kunstszene ihresgleichen sucht. Inspiriert von Filmen, Serien und Büchern interpretiert SpaceWolf das Konzept eines Posters neu, indem er Kirschholz als bevorzugtes Material wählt.
Zudem können Sie sich darauf verlassen, dass diese Holzplakate nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch umweltfreundlich sind: Für jedes verkaufte Poster pflanzt SpaceWolf persönlich einen Baum.
10 Treeline & Tide – Naturliebe von Baumgrenze zu Meereswellen
Die Laserschneidkünstlerin Jenn Liddiard und ihr Partner Damian, ein ehemaliger Architekt, vereinen ihre Expertise in moderner Lasertechnologie mit traditionellem Handwerk, um faszinierenden Schmuck und stilvolle Holzaccessoires zu kreieren. Jede ihrer Kreationen beginnt mit einer sorgfältig handgefertigten Zeichnung, die anschließend in exquisite Anhänger, elegante Gürtelschnallen oder einzigartige Flaschenöffner verwandelt wird.
Auf ihrer Webseite ermöglicht das kreative Duo zudem, personalisierte Kunstwerke und Accessoires zu erwerben, die jedes Design zu einem besonderen Unikat machen.
11 Kate Raudenbush – Von der Kameralinse zum brennenden Mann
Die in New York City ansässige Künstlerin und Designerin Kate Raudenbush begann ihre kreative Reise als Fotografin, bevor sie ihr Talent in die faszinierende Welt der Bildhauerei einbrachte. Ihre beeindruckenden Werke haben nicht nur einen markanten Platz auf dem renommierten Burning Man Festival gefunden, sondern werden auch in angesehenen Kunstgalerien ausgestellt, darunter das prestigeträchtige Smithsonian Museum in Washington, D.C.
Raudenbushs großflächige Skulpturen bestehen aus kunstvoll lasergeschnittenen Holzgittern und -platten, inspiriert von der Schönheit der Natur und einer Vielzahl kultureller Einflüsse. Viele ihrer Arbeiten stehen zudem als Oasen der Ruhe oder Meditationsräume zur Verfügung und sind mit stimmungsvollen LED-Beleuchtungen versehen, die durch geschickte Licht- und Schatteneffekte eine zusätzliche, faszinierende Dimension erzeugen.
Ein Blick hinter die Kulissen: So entsteht ein 3-D-Geometriekunstwerk mit einem Laserschneider
Tim Ung von Laser Made Productskreiert Kunstprojekte mit geschichteter Geometrie, indem er fortschrittliche CAD-Software und einen Laserschneider verwendet. Der Prozess beginnt mit dem Entwurf: Tim plant sorgfältig das geometrische Design, wobei er verschiedene Formen und Schichten berücksichtigt, die im Endprodukt enthalten sein sollen.
Nachdem das Design digital erstellt wurde, exportiert Tim die Dateien in ein Format, das mit dem Laserschneider kompatibel ist. Der Laserschneider verwendet präzise laserbasierte Schneidetechnologie, um die Formen aus unterschiedlichen Materialien auszuschneiden, die für das Projekt benötigt werden.
Dieser Prozess erfordert sorgfältige Planung, um sicherzustellen, dass jede Schicht korrekt aufeinander ausgerichtet ist, damit das fertige Stück ein harmonisches geometrisches Erscheinungsbild zeigt.
Sobald alle Teile geschnitten sind, beginnt die Montagephase. Tim ordnet die Schichten entsprechend seiner ursprünglichen Planung an und nutzt manchmal Klebstoff oder andere Verbindungsmethoden, um die verschiedenen Ebenen zusammenzufügen. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Kunstwerk, das aus der geschickten Kombination von modernen Herstellungstechniken und kreativem Design entstanden ist.
Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit
Laserschneiden ist nicht nur effizient und kostengünstig, sondern auch umweltfreundlich. Da der Prozess minimalen Materialabfall erzeugt, trägt er zur Schonung von Ressourcen bei. Zudem verbrauchen moderne Laserschneidanlagen weniger Energie im Vergleich zu traditionellen Schneidmethoden.
Diese Nachhaltigkeitsaspekte sind besonders entscheidend in einer Zeit, in der alle Akteure einer Gesellschaft verstärkt auf umweltfreundliche Herstellungsmethoden setzen. Durch den Einsatz von Laserschneidtechnologien können sie ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren und gleichzeitig effizient und wirtschaftlich Werke erschaffen.
Der Holzzauber der Zukunft
Laser auf Holz sind keine bloße Modeerscheinung, sondern eine Weiterentwicklung der Kunstgeschichte. Sie sehen: Von kinetischen Kameraden über tiefe Gravuren bis hin zu skurrilen Szenarien hat die Lasertechnologie Künstlern eine revolutionäre Palette an Möglichkeiten eröffnet. Ob funktional oder rein ästhetisch – lassen Sie sich inspirieren und erkunden Sie, was die Technik für Ihre Kreativität bereithält.
Betrachten Sie das nächste Mal, wenn Sie ein Stück Holz in den Händen halten, nicht nur seine Oberfläche, sondern die unendlichen Möglichkeiten, die sich darunter verbergen.
Haben Sie kürzlich den Schritt gewagt und sind in eine neue Wohnung gezogen? Vielleicht haben Sie sich schon lange nach diesem Neuanfang gesehnt und möchten nun Ihre neuen vier Wände mit Ihrem einzigartigen Stil gestalten.
Oder tragen Sie sogar den Wunsch in sich, Ihrer vorherigen Wohnung einen frischen Glanz zu verleihen und sie in eine Oase des Wohlbefindens zu transformieren?
Vielleicht sind Sie auch auf der Suche nach einem durchdachten und einzigartigen Geschenk für Freunde oder Familienmitglieder, die einen neuen Lebensabschnitt beginnen oder einfach nur eine besondere Aufmerksamkeit verdient haben?
Die Gestaltung Ihrer Wohnräume spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie wohl Sie sich in Ihrem Zuhause fühlen. Es ist nicht nur die Auswahl von Möbeln oder Farben; vielmehr geht es darum, Ihre persönlichen Vorlieben und Vorstellungen zu integrieren. Die individuelle Ausstattung der Räume sollte Ihre Persönlichkeit widerspiegeln und eine Atmosphäre schaffen, in der Sie gerne Zeit verbringen.
Dies können Sie vor allem durch die Gestaltung der Wände erreichen. Stilvolle Dekoration durch Gemälde beliebter Maler, Kunstdrucke auf Leinwand, oder Waldbilder als handgemalte Ölbilder bieten die einzigartige Möglichkeit, Ihr Zuhause nach Ihrem Geschmack zu dekorieren und Ihre Wohnung optisch aufzuwerten.
Kaufen Sie es nicht nur, feiern Sie es!“
sollte die Devise bei der Gestaltung der Inneneinrichtung mit Kunst- und Designobjekten lauten.
Kunst ist einer der schönsten menschlichen Ausdrucksformen; Durch kreative Fähigkeiten und Vorstellungskraft spiegelt es Leben, Kultur und Gefühle wider. Dekorieren mit Kunst spiegelt nicht nur die Pracht des Kunstwerks wider, sondern auch seine Bedeutung und Emotion.“
Unabhängig vom Stil – von modern bis Art déco – eine künstlerische Atmosphäre wirkt immer einladend – insbesondere in Wohnräumen, wo sie die perfekte Ergänzung für eine Extraportion Persönlichkeit und Schönheit sein kann. Einen Raum mit Kunst zu schmücken, kann die ideale Stimmung schaffen, ein zusätzliches Maß an visuellem Interesse bieten, die Farben in einem Raum vereinheitlichen und spannende Gespräche beginnen.
Kunst ist eine großartige Möglichkeit, Innenräumen ein einzigartiges Flair zu verleihen, Geschichten zu erzählen und vieles mehr. Diese Wohnidee wurde gemäß unseren Vorstellung von der Bild-KI ImageFlash erstellt
Bei Online-Galerien erhalten Sie neben exklusiven Unikaten auch limitierte Editionen und hochwertige Kunstreproduktionen nach Wunsch. Hier werden alle individuellen Wünsche hinsichtlich Größe, Technik und Rahmung berücksichtigt. Auch bei der Auswahl der Leinwände sind bei Größe und Struktur keine Grenzen gesetzt.
Online-Galerien, die sich auf Auftragsmalerei spezialisiert haben, bieten ein umfangreiches Repertoire handgemalter Ölbilder, welche den Originalen der alten Meister sehr nahe kommen und von erfahrenen Auftragsmalern gestaltet werden. Auch in unserer Online-Galerie finden Sie das passende Bild für jeden Wohnraum.
Auch Poster in frei wählbaren Größen und unterschiedlichen Druckmaterialien stehen zu Ihrer Verfügung. Sie finden die Werke der bedeutendsten Maler der Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
Finden Sie Fotografien interessanter als Bilder? So haben Sie die Auswahl aus zahlreichen faszinierenden Fotomotiven, welche von kreativen Fotografen anspruchsvoll in Szene gesetzt wurden. Sie finden bestimmt die ideale Wanddekoration – egal ob für Wohn- und Schlafzimmer, Büro oder Kinderzimmer.
Wie dekoriert man stilsicher mit Kunst? Entdecken Sie unsere Ideen für eine einzigartige Wohnraumgestaltung.
Kunstvolles Dekorieren spielt eine essentielle Rolle in der Gestaltung von Innenräumen. Es gibt kaum Situationen, in denen ein Zuhause nicht von künstlerischen Werken profitieren würde, selbst wenn Sie einen sehr minimalistischen Ansatz verfolgen.
Kunstwerke verleihen Räumen Vitalität und bringen Charakter sowie Individualität mit sich, die mit keiner anderen Form der Dekoration wirklich erreicht werden kann. Ein sorgfältig ausgewähltes Kunstwerk ist weit mehr als nur das i-Tüpfelchen: Es hat das Potenzial, das Aussehen und die Stimmung eines Raumes grundlegend zu verändern und über viele Jahre hinweg Freude zu schenken.
Doch wo beginnt man bei der Auswahl und Präsentation von Kunstwerken? Zunächst einmal ist es selbstverständlich, dass der erste Schritt darin besteht, Stücke auszuwählen, die Ihnen gefallen. Ferner kann es jedoch eine Herausforderung sein, herauszufinden, wie Sie Ihr Zuhause am besten mit Kunst gestalten können.
Um Ihnen Anregungen zu geben, wie Sie Kunst für Ihre Wohnräume auswählen und präsentieren können, haben wir eine Vielzahl von Möglichkeiten zusammengestellt, wie Sie diese in Ihr Projekt einfließen lassen können. Außerdem haben wir einige Tipps von Experten zur optimalen Präsentation.
Wo fängt man beim Dekorieren mit Kunst an?
Ohne Kunst bleibt alles unvollständig. Es ist das, was den Raum prägt“,
erklärt Martin Waller, der global tätige Interior-Designer und Gründer von Andrew Martin.
Scheuen Sie sich nicht, moderne Kunst in einen klassischen Raum zu integrieren oder umgekehrt; oft ist es die Kombination scheinbar unvereinbarer Stile, die durch unerwartete Elemente Schönheit entfaltet.“
Wenn es darum geht, Räume mit Kunst zu gestalten, gibt es kaum feste Vorgaben; nahezu alles ist möglich. Ob Sie ein Ambiente um ein bestimmtes Kunstwerk herum kreieren oder nach einer Wandgestaltung suchen, um einen Raum zu bereichern:
Wählen Sie Ihre Kunst immer aus der Leidenschaft heraus. Sie sollte Sie hoffentlich ein Leben lang begleiten, sodass Sie auch in zehn Jahren oder in einem anderen Zuhause noch Freude daran haben“,
betont Clara Ewart, Designleiterin bei Kitesgrove. Wie jeder Kurator Ihnen versichern kann, können Kunstwerke durch die Art und Weise, wie sie gerahmt und präsentiert werden, eine ganz andere Bedeutung erlangen. Sie können auch einen frischen Dialog darüber eröffnen, wie sie im Vergleich zu anderen Kunstwerken wahrgenommen werden. Dies ist ein Aspekt, den Sie bei der Gestaltung mit Kunst stets beachten sollten.
Grundlegende Überlegungen zur Inneneinrichtung und Auswahl von Kunst
01 Berücksichtigen Sie die Größe und Zusammenstellung der Räumlichkeiten.
Unabhängig davon, welche Art von Raum Sie besitzen, sollten Sie als Erstes die Maße des Bereichs definieren, den Sie gestalten möchten. Ihr(e) Kunstwerk(e) sollte(n) sich harmonisch in die Raumkomposition einfügen – hierzu können Sie die Farbgestaltung auf ähnliche Weise angehen.
Machen Sie ein Foto des Raums und der umliegenden Einrichtung und bringen Sie sowohl das Bild als auch die Maße mit in die Galerie. Wenn Sie mit Kunstwerken eine eindrucksvolle Botschaft übermitteln möchten, denken Sie an den Maßstab sowie die Größe der Möbel und Accessoires.
Die erste Möglichkeit besteht darin, ein Kunstwerk auszuwählen, das zur vorhandenen Einrichtung passt, und die zweite darin, eine Komposition zu kreieren, die sich auf das von Ihnen gewählte Kunstwerk fokussiert. Das Entscheidende dabei ist jedoch, dass Sie einen Dialog zwischen dem Kunstwerk und den restlichen Designentscheidungen gewährleisten müssen.
In diesem Zusammenhang planen Sie, wie Sie das Bildmaterial in Ihr Layout integrieren möchten. Zahlreiche kleine Elemente können das Gesamtbild überladen, während markante Formen es aufwerten.
02 Arbeiten Sie mit dem vorhandenen Einrichtungsstil
Obwohl ein Kunstwerk eine starke Botschaft vermittelt, ist es von Bedeutung, den Dekorationsstil anderer Elemente in Ihrem Raum zu wahren. Dies kann in beide Richtungen wirken. Möglicherweise besitzen Sie ein geschätztes Stück, das die Grundlage für das gesamte Raumkonzept bildet. Achten Sie auf den Stil, die Farbgebung und die Textur des Objekts und entwickeln Sie darauf aufbauend Ihr Design weiter.
Zum Beispiel: „Wenn der Raum, den Sie gestalten möchten, viel freiliegendes Holz aufweist, sollten Sie sorgfältig darüber nachdenken, wie Sie Ihre Kunstwerke einrahmen. Sie sollten sowohl das Finish als auch die Farbwahl bedenken.
Berücksichtigen Sie die Atmosphäre (das Feeling) in den Räumen. Bei Kunst geht es um Emotionen. Bevor Sie sich also für ein bestimmtes Kunstwerk zur Gestaltung Ihres Wohnzimmers entscheiden, sollten Sie zunächst überlegen, welche Emotionen Sie im Raum hervorrufen möchten.
Je nachdem, welche Atmosphäre Sie anstreben, können Sie die Art des Kunstwerks wählen, die besser zu den Anforderungen des Raumes passt.
03 Farbschema beachten
Unter Berücksichtigung der Abmessungen und Raumatmosphäre gehen wir nun zum Farbschema über. Bei der Dekoration mit Kunst müssen Sie darauf achten, dass diese zum Farbschema passt.
Hier ergänzt das mit einem Spot beleuchtete Kunstwerk mit seinem spannenden Farbverlauf das Scandinavian Interieur. Als i-Tüpfelchen werden die Farben des Bildes von den Kissen nochmals dezent aufgegriffen. Diese Wohnidee wurde gemäß unseren Vorstellung von der Bild-KI ImageFlash erstellt
Dafür können Sie in zwei Richtungen vorgehen:
Erstens, indem Sie ein Stück auswählen, das zu Ihrer Wohnzimmerpalette passt,
und zweitens, indem Sie über die Kunst als das Element nachdenken, das das Raumkonzept bestimmt.
Dieses lebendige, farbenfrohe abstrakte Gemälde diente als Basis für eine Farbkonzeption, die Kobaltblau und leuchtende Rottöne kombiniert. Diese Wohnidee wurde gemäß unseren Vorstellung von der Bild-KI ImageFlash erstellt
Bei der Dekoration mit Kunst gibt es verschiedene Ansätze. Für manche kann Kunst ein herausragender Ausgangspunkt sein, während andere sie eher als abschließenden Akzent sehen und Stücke auswählen möchten, die harmonisch mit Wänden und Möbeln interagieren.
Wenn Sie darüber nachdenken, ein Farbschema zu gestalten, empfiehlt Andrew Martin:
Suchen Sie eine oder zwei der intensivsten Farben in Ihrem Raum und reflektieren Sie diese in Ihrem ausgewählten Kunstwerk. Alternativ können Sie auch eine Farbe aus Ihrem Kunstwerk auswählen, die Sie betonen möchten, indem Sie denselben Farbton für Kissen und andere Polstermöbel verwenden.“
Er fährt fort:
Ähnlich funktioniert es mit Formen; zum Beispiel kann man eine runde Form in einem Bild mit einer kugelförmigen Vase oder einer skulpturalen Lampe aufgreifen.“
In unserem Artikel „Friedensreich Hundertwasser – der farbenfrohe „Architekturdoktor“ beschäftigten wir uns mit der Biografie, dem Werdegang und den vielen Bereichen des Schaffens des österreichischen Tausendsassas. Dabei blieben noch einige Fragen zum Ausnahmekünstler offen, denen wir uns jetzt widmen möchten.
Häufige Fragen zum österreichischen Künstler – in Kürze beantwortet:
Wer war Friedensreich Hundertwasser?
Friedensreich Hundertwasser war ein österreichischer Künstler, der mit seinem vielfältigen Schaffen die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte.
Hundertwasser lebte und arbeitete als Weltbürger, er hat das Kunst-, Architektur- und Umweltverständnis vieler Menschen in vielen Ländern der Erde beeinflusst. Dabei hat er international eine facettenreiche und vielfältige Saat ausgestreut, die immer wieder (und zur Zeit immer häufiger) Ideen zu menschen- und umweltgerechtem Leben und Wohnen hervorbringt.
Stadt Abensberg. Bayern. (Kuchlbauer-Turm) Hundertwasser-Turm Kora27, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Hundertwasser wurde 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geboren und wegen frühem Tod des Vaters (Blinddarmentzündung) ab 1929 allein von seiner Mutter Elsa erzogen. Elsa Stowasser förderte die Kreativität ihres Sohnes und schulte ihn in die damals einzige Montessori-Schule in Wien ein, wo ihm die Kunsterzieher einen außergewöhnlichen Sinn für Formen und Farben attestierten.
Die Österreicherin jüdischen Glaubens schaffte es auch, ihren Sohn im aufkommenden Nazi-Unheil 1935 katholisch taufen zu lassen und beide heil durch den nationalsozialistischen Terror zu bringen.
Nach dem Abitur 1948 besuchte Friedrich noch kurz die Wiener Akademie der bildenden Künste, bis er im Frühjahr 1949 aus seiner geistig immer noch sehr engen Heimat in die große, weite Welt aufbrach. Friedensreich Hundertwasser bereiste Italien und Frankreich, Marokko und Tunesien, studierte die Kunst seiner Zeit und der Vorfahren, lernte andere Künstler kennen und ließ sich von ihrer Arbeit inspirieren.
Er lernte Italienisch, Französisch und Englisch. Bald gingen die Reisen weiter in die Welt und Arabisch, Russisch, Tschechisch, Japanisch kamen dazu.
Hundertwassers Miniaturmalkasten war immer dabei. Er malte überall und stellte auch bald überall aus: 1953 in Wien, 1956 in Paris und 1961 in Japan; später auf der Biennale Venedig, der documenta in Kassel, der Internationalen Kunstausstellung in Tokio und mit Wanderausstellungen in den USA, Neuseeland und Australien.
Er lebte auf seinem Bauernhof in der Normandie, in einer Industriebrache im niederösterreichischen Waldviertel und schließlich auf einem alten Salzfrachter, alle von ihm umgebaut und in seiner ureigenen Art gestaltet. Es baute das Kaurinui-Tal in der neuseeländischen Bay of Islands zu einer Wohnstätte aus und gab das Land bei diesem Ausbau der Natur zurück:
Das alte Farmhaus wurde ökologisch modernisiert; Hundertwasser pflanzte über 100.000 einheimische Bäume, baute Teiche mit Wasserenergie-Anlagen und pflanzenbestückten Kläranlagen, installierte Sonnenkollektoren und schuf eine Reihe kreativer Ateliers sowie Wohn- und Arbeitsräume, die Bottlehouse, Mountain hut und Pigsty genannt werden.
Ein paar Jahre später erwarb Hundertwasser in Italien ein „fertiges Paradies“: den venezianischen Giardino Eden, einen historischen Palazzo, einen der berühmtesten Gärten Venedigs.
Er heiratete zweimal und wurde geschieden und zeugte 1981 seine einzige Tochter, zu der er nie Kontakt hatte. Ab 1962 lehrte Hundertwasser Kunst als Dozent, auch immer wieder in praktischer Zusammenarbeit mit jungen Architekten, Handwerkern, Kunstschaffenden.
Neben zahlreichen Ausstellungen an den bedeutendsten Ausstellungsorten der Welt, Plakaten für die Olympiade und Briefmarken für Österreich, die UNO-Postverwaltung und viele Länder war Hundertwasser immer stärker im Bereich Architektur tätig: Er gestaltete zahlreiche bunte, organische Häuser und Fassaden überall in der Welt.
Friedensreich Hundertwasser in Hannover (1965) H. Grote, CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons
Friedensreich Hundertwassers Bezug zur Heimat blieb immer lebendig und der Nachwelt in zahlreichen österreichischen Hundertwasser-Häusern erhalten; er war auf der Rückreise von Neuseeland nach Wien, als er im Februar 2000 an Bord eines Hochsee-Dampfers an Herzversagen starb.
Was ist typisch für Hundertwasser?
Friedensreich Hundertwasser wurde von seiner Mutter in einem Umfeld brauner Provinzialität und Engstirnigkeit zu einem kreativen, unabhängigen Denker erzogen. Typisch für ihn (und andere „freie Denker“) ist zunächst der Drang, aus dem heimischen Umfeld auszubrechen und seinen Horizont zu erweitern. Freies Denken geht oft mit Kreativität einher oder erzeugt diese, Kunstschaffen ist seit dem Mittelalter ein probates Mittel zur Erweiterung der Perspektive …
Der talentierte, kreative Friedensreich Hundertwasser zeigt aber auch schon früh ein vernünftiges Gespür für ökologische Zusammenhänge, für organische Strukturen und Ursachen-Wirkungs-Mechanismen. Er war ein „früher Grüner“ im reinsten Sinne des Wortes, der gerade, eckige Linien und Standardisierung durch Menschen zeitlebens verabscheute.
Seine Bauten wurden individuell an das natürliche Umfeld angepasst und bekamen durch schwungvolle Wölbungen und fantasievolle Fassadengestaltung eine besondere Lebendigkeit.
Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt war ein Ausnahmekünstler mit Begabungen in vielen Richtungen, die er mit einem unbändigen Lernwillen ausschöpfte. Er wurde getrieben von einer unglaublichen Kreativität und einem Streben nach Sinn und Ganzheit. Natürlich wurde er auch von seinen Erfolgen getrieben, die ihn noch heute in den Augen vieler Menschen zum erfolgreichsten Künstler der österreichischen Moderne machen.
Typisch für Friedensreich Hundertwasser ist jedoch vor allem sein Engagement hinter all diesem Kunst-Werken: Für ein gesundes Leben der Menschheit im Verbund mit der Natur, für Menschlichkeit und wachsende Vielfalt, in Architektur, Vegetation und menschlichem Denken.
Wie kam Hundertwasser zu seinem Namen?
Hundertwasser begann bereits 1948/49 auf der Wiener Akademie der bildenden Künste, seine Werke einfach mit „Hundertwasser“ zu signieren.
Diesen Künstlernamen hat Hundertwasser aus seinem Taufnamen Stowasser gebildet, in Anlehnung an die Herkunft seiner Eltern: Die Familie von Ernst Stowasser stammte aus Böhmen, die Familie von Elsa Stowasser aus Mähren, beides slawische Sprachgebiete, in denen das Wort „Sto“ für „Hundert“ steht.
Später hat Hundertwasser erfahren, dass er bei dieser Anpassung seines Namens an die neue Heimat der Familie doppelt ins Schwarze getroffen hat: Der Name Stowasser ist in der Geschichte des Egerlands im Westen Tschechiens gut belegt, aber auch im Tiroler Dialekt präsent, wo er für stehende Wasser und Stauwasser steht.
Hundertwasser soll die Deutung des Namensbestandteils in Richtung „stehendes Wasser“ bewusst ignoriert haben – gut verständlich bei einem Künstler, der sein Leben damit verbracht hat, „fest stehende“ Tümpel eingefahrener Gewohnheiten, Sicht- und Bauweisen aufzurühren.
Den Vornamen Friedensreich hat Hundertwasser 1961 in Japan geformt: Wie in Japan üblich, betrachtete er die Wortstämme seines Taufnamens Friedrich, um sie zu einem Namen mit mehr Aussagekraft zusammenzusetzen. Der Name Friedrich besteht aus den Stämmen „Fried“ aus dem althochdeutschen fridu = Friede, Schutz, Sicherheit und „rich“ aus dem althochdeutschen rîhhi = mächtig, reich; beides zusammen bezeichnet den mächtigen Herrscher, der in Kriegszeiten Schutz bieten konnte. Da diese übliche Deutung wenig mit der Gedankenwelt Hundertwassers zu tun hat, nannte er sich lieber „Friede-reich“, „Friedenreich“ und ab 1968 „Friedensreich“.
Was kostet ein „echter Hundertwasser“?
Kommt darauf an, welches Objekt der vielfältigen Hundertwasser-Kunst Sie erwerben möchten:
Ein echtes Öl-Gemälde beginnt auf Auktionen mit Preisen von etwa 120.000 bis 200.000 Euro. Ein kleines Aquarell wurde 2013 für 20.000 Euro versteigert, die in Kleinserien gefertigten Graphiken (Lithographien, Siebdrucke, Radierungen, Farbholzschnitte) beginnen bei 6.000, 8.000, 10.000 Euro.
Ein in Mexiko geknüpfter Bildteppich aus Hundertwassers Tapisserie-Serie wird mit 15.000 Euro aufgerufen, das „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ von 1958 gibt es handsigniert von Hundertwasser für 1.800 Euro.
Die vielen Objekte angewandter Hundertwasser-Kunst sind schwieriger zu finden als zu bezahlen: Die Farbserigraphie auf mehreren gestaffelten Glasscheiben namens „Fall in Cloud, Fall in fog, fall out“ (1979) wurde 2007 für gut 3.000 Euro versteigert.
Die Dimensionen des aufwändigen Herstellungsprozesses dazu werden deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass 61 Druckvorgänge nötig waren (29 davon als Siebdrucke und 32 Metallprägungen). Das Ergebnis dieses vielstufigen Schaffensvorgangs ist ein beeindruckendes dreidimensionale Bild, welches eine transparente Stadt in leuchtenden Farben und funkelnden Metallen zeigt.
Die Entwicklung des Objektes dauerte von 1973 bis 1979. Als Koordinator stand ihm Alberto della Vecchia zur Seite und die Siebdrucke wurden von Hundertwassers langjährigem venezianischem Drucker, Claudio Barbato, in einer Auflage von 999 Exemplaren gefertigt.
Das Keramik-Objekt „Spiralental“ von 1983 (Rosenthal-Jahresobjekt) ging vor kurzem für 1.200 Euro über den Tresen.
Nach einem der legendären Hundertwasser-Zikadendrachen (traditionelle japanische Insektendrachen mit zirpendem Schwirrholz, angefertigt für eine Wanderausstellung 1988) musste die Inhaberin des Kleinen Museums Schweinfurt, die dort eine Hundertwasser-Dauerausstellung präsentiert, allerdings mehrere Jahre lang suchen.
Leichter zu finden (z. B. bei ebay) sind das Plakat von Friedensreich Hundertwasser zu den Olympischen Spielen in München 1972, das in der 1. Auflage ab 125,- Euro angeboten wird, und die Briefmarken: Der Senegal-Block Nr. 705-707 kostet aktuell 468,- Euro.
Wer das Werk des Künstlers rundum kennenlernen möchte, kann sich eine Vorzugsausgabe des Hundertwasser-Werksverzeichnisses gönnen, in Buchgestaltung mit original Hundertwasser-Radierung, für 990,- Euro … Oder man kann Hundertwasser-Kunst gratis genießen, im gerade angesprochenen Schweinfurter Museum und im Stadtbild vieler deutscher und österreichischer Orte.
Was bedeuten Regentag und Dunkelbunt?
Regentag und Dunkelbunt sind Namen, mit denen Friedensreich Hundertwasser die Bezeichnung seiner Person erweiterte (vermutlich, um diese Definition mehr an die Umfang seiner Erfahrung, seiner Persönlichkeit anzupassen).
1949 wurde der Stowasser in Hundertwasser umbenannt, und von 1961 bis 1968 wandelte sich der Friedrich vom Friede-reichen zum Friedensreichen.
Regentag und Dunkelbunt verweisen beide auf seine Ursprünge in der Malerei und seine Faszination für Farben:
Ab 1972 erweitert Friedensreich Hundertwasser sein Künstler-Pseudonym um das Wort „Regentag“, weil ihm bewusst geworden war, wie Farben im Regen leuchten. Die Regentage waren für ihn schon lange die Tage, an denen er am liebsten und glücklichsten malte. Die leuchtende Schöpfung dieser Tage sollte nun im Künstlernamen verewigt und gepriesen werden.
Dunkelbunt fügte Hundertwasser 1978 in Neuseeland hinzu, als Ausdruck für die maximal mögliche Konzentration satter Farbe. Hundertwasser liebte die Dunkelheit der Farben, die weit von Weiß entfernt sind. Damit ist nicht etwa ein gewöhnlicher Vollton gemeint – Hundertwasser mischte seine Farben selbst, aus Erde und Vulkansand, Lehm und Holzkohle, Kalk und orangen, roten, fast schwarzen Ziegeln, Ei und Öl.
Und er blieb nicht bei Dunkelbunt, sondern kombinierte diese Farben mit leuchtenden Öl- und Aquarelltönen, fluoreszierenden und phosphoreszierenden Farben, metallischen Pigmenten und Ziergestein.
Wo gibt es Kunstwerke von Hundertwasser zu kaufen?
In vielen namhaften Galerien und auf Kunstauktionen rund um den Globus, immer wenn sich ein Kunstliebhaber (oder dessen Erben) von einem „Original Hundertwasser“ trennt.
Gerne und oft wird Kunst von Friedensreich Hundertwasser im Wiener Auktionshaus Dorotheum versteigert, das 1707 von Kaiser Joseph I. gegründet wurde und sich als bedeutendstes mitteleuropäisches Auktionshaus für (angewandte) Kunst weit über den deutschsprachigen Raum hinaus einen guten Namen gemacht hat.
Wenn Sie ein ganz bestimmtes Kunstwerk von Friedensreich Hundertwasser suchen oder die Echtheit eines Hundertwasser-Originals bezweifeln, wenden Sie sich am besten an die Namida AG, c/o Stauffacher Treuhand AG in 8750 Glarus/Schweiz (ehemals Grüner Janura AG)
Diese Aktiengesellschaft für das Durchführen von kreativen, künstlerischen und unterhaltenden Tätigkeiten verwaltet seit 1972 Hundertwassers Urheberrechte, heute als Tochtergesellschaft der Hundertwasser Gemeinnützigen Privatstiftung von 1988, die Friedensreich Hundertwasser in seinem Testament zur alleinigen Erbin machte.
Kunst im Sinne Friedensreich Hundertwasser gibt es in jedem Kunsthandwerk-Laden, der sich an farbenprächtiger Vielfalt erfreut, und auf Plattformen für handgemachte Produkte wie Etsy.
Zeitgemäßer wäre allerdings, Hundertwasser zu leben statt zu konsumieren: mit bunter, menschenwürdiger, naturverträglicher Architektur und Dachbewaldung, begrünten Tankstellen und unsichtbaren, unhörbaren Autobahnen – alles Ideen, die „Architekturdoktor“ Hundertwasser bereits vor rund 50 Jahren propagierte.
Weitere 50 Jahre werden uns nicht bleiben, weil das von Friedensreich Hundertwasser geforderte „Leben in Einklang mit den Gesetzen der Natur“ inzwischen überlebenswichtig geworden ist.
Die Weltkünstler, die in ganz unterschiedlichen nationalen und internationalen Ranglisten unbeirrt die obersten Plätze einnehmen, unterscheiden sich vor allem in Einem von Künstlern, die „einfach nur gute Kunst machen“.
Sie sind nicht nur selbst inspiriert, sondern sie inspirieren mit dem, was von ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit dringt, auch die Mitwelt und die Nachwelt; über die eigentliche, körperliche Kunst hinaus. So auch David Hockney; er hinterlässt uns ein in mehrfacher Richtung anregendes Gesamtpaket:
David Hockney hat seine Talente entdeckt und genutzt
David Hockney zeigt den Menschen auf der Welt, die mit ihrem Leben etwas vorhaben, wie ein ganz normaler Mensch all das zu seinem Vorteil nutzen kann, was eine moderne soziale Demokratie ihren Bürgern bietet: Er hat es als Kind normal arbeitender Eltern geschafft, auf dem edelsten Kunst-College Englands aufgenommen zu werden.
Der Besuch des Royal College of Art in London dürfte damals kein Zuckerschlecken gewesen sein, weil es sicher bornierte Kommilitonen aus der Oberschicht gab, die mit normalen Menschen wie Hockney wenig anfangen konnten. Aber Hockney hat sich seinen Kreis gesucht, eine Reihe freidenkender Studenten mit (Auslands-) Erfahrungen.
David Hockney konnte seinen Lebensplan allerdings unter zwei günstigen Voraussetzungen entwickeln, die damals und heute nicht jedem Menschen zur Verfügung stehen: Er konnte sich ausprobieren und seine Talente entdecken (und er fand ein großes Talent, was die Sache aber nicht erleichtert, normal begabten Menschen mit mehreren, nicht so ausgeprägten Talenten stehen mehr Wege offen).
Talenterforschung ab frühester Jugend kann nur gelingen, wenn die Eltern den Weg dazu freimachen (womit nicht gemeint ist, dass das Kind in 25 Pre-School-Kursen von unzureichend bezahlten Pädagogen mit Wissen vollgestopft wird, sondern dass es Gelegenheit zur selbst bestimmten Entdeckung und Antworten auf viele Fragen bekommt, in unserem Gesellschaftssystem für Eltern keine leicht zu bewältigende Aufgabe).
David Hockney hatte Glück mit seinen Eltern: Beide waren ganz normale Menschen aus der arbeitenden Klasse und doch den entscheidenden Tick anders. David Hockneys Vater Kenneth arbeitete erst als Buchhalter und dann als Leiter des eigenen Buchhaltungsunternehmens, Mutter Laura war Verkäuferin z.. B. bei der London Rubber Company, bis sie mit Erziehung der zwischen 1931 und 1939 geborenen fünf Kinder mehr als ausreichend ausgelastet war.
Aber Vater Kenneth Hockney war auch ein talentierter Amateurkünstler, der die künstlerische Begabung des Sohnes erkannte und förderte. Und er engagierte sich für die Welt, in der er lebte – soziale Kampagnen und kritische Briefe an Stalin oder andere bedrohliche Persönlichkeiten waren ihm allemal wichtiger als der tägliche Haushaltskram.
Um den Haushalt kümmerte sich Mutter Laura unangestrengt nebenbei; sie war mehr daran interessiert, ihre Kinder mit den Grundlagen einer gelungener Lebensführung vertraut zu machen und ihnen für die wichtigen Entscheidungen des Lebens den Rücken zu stärken. Auch hier agierte die in sich ruhende Methodistin jedoch mit einer unaufgeregten Laissez-faire-Haltung und jener Großzügigkeit des Geistes, die andere nicht einengt und ihnen nichts aufzwingt; die strenge Vegetarierin war zum Beispiel gerne bereit, für die restliche Familie Fleischgerichte zuzubereiten.
So hatte bei den Hockneys niemand etwas dagegen, dass Klein-David mit den Malutensilien im Kinderwagen durch die Stadt zu trödelte, so setzten sich alle fünf jungen Hockneys bereits im Grundschulalter hohe Ziele , so erhielten alle fünf Kinder Stipendien für den Besuch des Gymnasiums. Eine Erziehung mit Respekt vor dem Kind ist mutig und sicher nicht immer einfach, der Erfolg sollte den Eltern Hockney aber recht geben:
Sohn David sorgte bald mit seiner Kunst für internationale Schlagzeilen; sein großer Bruder Paul gründet sein eigenes Buchhaltungsunternehmen (und übernahm Davids Buchhaltung), wurde für die Liberaldemokraten erst Stadtrat in Bradfords Vorort Idle und dann Oberbürgermeister von Bradford.
Die Brüder John und Philip wanderten nach Australien aus und machten dort Karriere, einer als Grafiker und Ausstellungsgestalter, der andere mit der Produktion von großen Lastwagen (heute 3 Fabriken). Die Schwester, Margaret, arbeitete als Krankenschwester in den entlegensten Teilen der Welt, bevor sie nach Yorkshire zurückkam, um in Bridlington ihre eigene Klinik für Naturmedizin zu gründen, dorthin zog auch Laura Hockney, nachdem ihr Mann Kenneth 1978 verstarb.
David Hockney stand zeitlebens in engem Kontakt zu seiner Familie, besuchte sie in der alten Welt und empfing die Eltern auch öfter in Kalifornien. Laura Hockney wurde zur Inspiration vieler seiner Bilder, nahm noch in hohem Alter und im Rollstuhl an den meisten Empfängen des berühmten Sohnes teil und verstand sich gut mit seinen teils etwas ungewöhnlichen Freunden. David Hockney war oft in Bridlington, eine Reihe wunderbarer Pastelle der Heidelandschaft um das Seebad zählen zu den schönsten Gemälden seines Alterswerks; er war bei seiner Mutter, als sie Mai 1999 im Alter von 98 Jahren verstarb.
Wer seine Talente ohne freundlichen Anschub entwickeln muss, hat es sicher schwerer, kann sich aber beim älteren David Hockney einen Teil eben dieses freundlichen Anschubs holen: David Hockney hat sich zeitlebens durchgesetzt, immer gewaltfrei, immer charmant und gut gelaunt. Er hat einfach sein Ding gemacht, ohne sich zu sehr darum zu kümmern, was irgendwelche Kritiker davon halten –
Ich male was ich will, wann ich will und wo ich will.“
ist ein wirklich typisches Hockney-Zitat.
Der durchschnittliche Mensch braucht unter Umständen sehr lange, bis er sagen kann: „Ich arbeite was ich will, wann ich will und wo ich will.“, Menschen der älteren Generation haben dieses Stadium der Freiheit sogar oft erst mit der Rente erreicht, und die Kritiker sind häufig frustrierte Lehrer und überarbeitete Behördenmitarbeiter, zu deren Überwindung es sehr viel freundliche Unverschämtheit á la Hockney braucht …
Aber David Hockney wurde und wird von den ernsthaften Kritikern der ernsthaften Kunst auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst: Zu seicht seine Arbeit, zu gut gelaunt sein Lebensstil, zu schön und bunt seine Bilder (und er wird immer noch häufig hartnäckig als Pop Art-Künstler eingestuft, der er nicht ist und nie war). Leicht ist es also nie, aber Einsatz für Sinn im Leben lohnt sich:
David Hockney hat seine Zeit sinnvoll eingesetzt
Hockney wird als arbeitsam beschrieben. War er sicher auch, aber ganz bestimmt nicht übermäßig. Etwa 2.000 Gemälde soll er geschaffen haben, allerdings im nicht ganz kurzen Zeitraum von 1961 bis heute. Rund 2.000 Gemälde in 58 Jahren macht knapp 3 Bilder im Monat, auch inklusive aller sonstigen Aktivitäten von Bühnenbild bis Buchrecherche genug Zeit, jedes Bild wirklich fertig zu gestalten und zwischendurch auch noch Kraft für neue Ideen zu tanken.
Selbstverständlichkeit? Für Künstler vielleicht, und auch noch für viele andere Menschen in Berufen, in denen kreativ gearbeitet wird. Solche Berufe verbieten viele Eltern ihren Kindern aber noch heute, weil sie mit zu viel Unsicherheit verbunden sind … während alle anderen Berufe auch zunehmend unsicherer werden.
Der – ohnehin erschreckend große – Teil der Menschen, der in Abhängigkeitsverhältnissen ohne irgendwelche Entfaltungsmöglichkeit sinnlose Arbeiten ausführt, wächst gerade gewaltig. Der Teil der Menschen, die in solchen klein und engstirnig machenden Arbeitsverhältnissen gerade das Nötigste zum Überleben oder noch nicht einmal das verdienen, wächst auch.
Mit jedem Warenversand durch Händler und Spediteure, die sich um Steuerzahlungen und Grundbedürfnisse von Mitarbeitern einen Sch… scheren, geraten ein paar mehr Menschen in unfreie Beschäftigungsverhältnisse; mit jeder Ferienwohnung, die illegal vermietet wird, sinkt für ein paar Wohnungssuchende die Chance, eine bezahlbare Wohnung zu finden und verlieren Hotel-Angestellte ihre Jobs; mit jedem Krankenhaus und Pflegeheim, das den Fokus auf Befriedigung von Aktionären und nicht auf Gesundhalten und -pflegen von Alten und Kranken legt, werden ein paar mehr Menschen verschlissen, die für die Gemeinschaft arbeiten (und werden andere in Folge ganz der Fähigkeit beraubt, ihr Leben selbst zu gestalten).
Und natürlich steht der Einzelne in der Verantwortung, wer denn sonst? Der Staat richtet nur in einer Diktatur alles (dann bloß erfahrungsgemäß nicht zum Wohl aller Bürger). Der Bürger kann faktisch am meisten bewirken, viel schneller und unmittelbarer als ein Politiker (der in der rechtsstaatlichen Demokratie bei neuen Regeln für alle auch alle Interessen berücksichtigen muss): Er kann einfach aufhören, Dinge bei Unternehmen zu bestellen, die keine Steuern zahlen und Kurierfahrer ausbeuten, er kann sich vom Vermieter der Ferienwohnung die Anmeldung zeigen lassen und er kann sich politisch für menschliche Medizin engagieren; er könnte all dies sogar tun, bevor die Abwärtsspirale auch ihn erfasst.
David Hockney ist ein Beispiel dafür, was ein fleißiger und arbeitsamer Mensch vor Einsetzen dieser Abwärtsspirale erreichen konnte, damit ist er auch eine Mahnung für mehr Engagement gegen Ausbeutung, Vernachlässigung und jegliche engstirnige Tendenzen.
Kreative könnten sich von David Hockney dazu anregen lassen, vielversprechende Ideen mit einiger Beharrlichkeit zu verfolgen – auch wenn nicht immer 90 Millionen Dollar dabei herauskommen (dazu unten), setzen sich vernünftige Ideen doch sehr häufig irgendwann durch. Bis dahin wachsen diese Ideen, bei sehr fortschrittlichen Ideen muss auch erst die Zeit der Idee entgegenwachsen … Entwicklungswillige, die ihren Weg noch nicht gefunden haben oder noch nicht durchsetzen konnten, können sich bei David Hockney die Neugier abgucken, ständig weiter zu lernen – was Hockney wie alle großen Künstler getan hat.
Wer heute Entwicklung anstrebt und diese unter ungünstigeren Bedingungen als David Hockney starten muss, hat allerdings einen großen Vorteil: Wenn er gelernt hat, kommerziell/ideologisch motivierte Desinformation zu umgehen, kann er im Internet auf das Wissen der Menschheit zugreifen. Dem vor dem Wissen aufgetürmten Quatsch aus dem Weg zu gehen, ist sicher nicht leicht, und auch hier ist David Hockney ein gutes Vorbild, der sich nie auf die Mainstream-Informationsquellen beschränken ließ:
David Hockney nutzt Wissen seiner Zeit, aus der Vergangenheit bis hin zu neuesten Entwicklungen
David Hockney hat sich bei dem zu seiner Zeit verfügbaren Wissen bedient. Dem ganzen Wissen, er hat sich nicht damit zufrieden gegeben, die Einschätzungen seiner mehr oder weniger gebildeten Zeitgenossen in den Medien seines Landes zu lesen. Für ihn war die Vergangenheit lebendig und lehrreich, und er hat selbst in den alten Werken und alten Quellen gestöbert.
Inspiration aus altgriechischer Lyrik
Heraus kam beispielsweise ein Radierzyklus um den griechischen Poeten Konstantinos Cavafy und seine Lyrik. Konstantínos Pétrou Kaváfis, einer der größten griechischen Dichter der Neuzeit, lebte von 1863 bis 1933 vor allem in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria. Hockney hatte Cavafy bereits während seines Studiums entdeckt und war begeistert von der klaren, unprätentiösen Art, in der Cavafy über Homosexualität schreibt. Konstantin Cavafy hat aber nicht nur seiner spät entdeckten Homosexualität viel schöne Lyrik gewidmet, sondern viele poetische Statements hinterlassen, von denen manche noch heute überraschend aktuell sind:
But the Wise Perceive Things about to Happen
Ordinary people know what’s happening now, the gods know future things because they alone are totally enlightened.
Of what’s to come the wise perceive things about to happen.
Sometimes during moments of intense study their hearing’s troubled: the hidden sound of things approaching reaches them,
and they listen reverently, while in the street outside the people hear nothing whatsoever.“
In deutscher Sprache:
Aber die Weisen nehmen Dinge wahr, die passieren werden
Normale Leute bemerken, was jetzt passiert; die Götter wissen, was die Zukunft bringt, weil sie allein vollständig erleuchtet sind.
Von dem, was bevorsteht, erspüren die Weisen die Dinge, die passieren werden.
Manchmal, in Momenten intensiven Studiums, wird ihr Gehör gestört: das verborgene Geräusch aufkommender Dinge erreicht sie,
und sie hören ehrfürchtig zu, während die Leute draußen in den Straßen überhaupt nichts hören.“
(englische Übersetzung zitiert aus: www.cavafy.com/poems/, deutsche Übersetzung durch Autor dieses Artikels).
Cavafy wiederum hat sich das Gespür für den Zeitgeist auch nicht ausgedacht, sondern sich von den „alten Griechen“ inspirieren lassen, in diesem Fall vom Sophisten Philostratos (165/170 bis 244/249) und seiner Lebensbeschreibung des ein Jahrhundert vor ihm lebenden griechischen Philosophen Apollonios von Tyana:
For the gods perceive future things, ordinary people things in the present, but the wise perceive things about to happen.”
(Philostratos, Life of Apollonios of Tyana viii, 7, www.cavafy.com/poems/).
Da sprachinteressierten Deutschen bei Cavafy unweigerlich ein getwittertes Covfefe in den Sinn kommt, folgt hier ein kurzer Abstecher mit Aufklärung dieses Rätsels: „Despite the constant negative press covfefe“ twitterte der US-Präsident am 31. Mai 2017 und meinte wohl „negative press coverage“ (negative Presse-Berichterstattung, eine seiner häufigsten Tweet-Phrasen).
Der demokratische Kongressabgeordneter Mike Quigley wollte sicherstellen, dass dieser und andere Tweets für spätere rechtliche Überprüfung erhalten bleiben und hat das genutzt, um den „Communications Over Various Feeds Electronically for Engagement“-Act zu initiieren. Dieses Gesetz zur „Kommunikation über diverse elektronische Kanäle in Erfüllung der Amtspflicht“ (oder Verbreitung von Lügengeschichten, so kann Engagement nämlich auch übersetzt werden) wurde unter dem Namen COVFEFE Act Juni 2017 während des 115. US-Kongresses in das Repräsentantenhaus eingebracht.
Am 06.12.2017 wurde die Gesetzesvorlage an das House Committee on Supervision and Government Reform verwiesen (www.congress.gov/member/betty-mccollum/M001143?page=3) und soll als Teil des „For the People Act“ entschieden werden, der von Quigley im Januar 2019 dem 116. Kongress, vorgelegt wurde.
Es lohnt sich, dieses Reformpaket unter quigley.house.gov/media-center/press-releases/quigley-legislation-included-hr-1-people-act-reform-package nachzulesen, mit dem „das Versprechen der US-Demokratie wiederhergestellt werden soll und die Korruptions-Kultur in Washington beendet werden soll“. Die eingebrachten Regelungen zur Sicherung digitaler Wahlsysteme durch Einbeziehung unabhängiger Cyber-Sicherheitsexperten, Schaffung einer öffentlich zugänglichen zentralen Datenbank für dem Kongress vorgelegte Dokumente, Einführung einer Rechenschaftspflicht, um Mandatsträger und Regierung ggf. zur Verantwortung ziehen zu können, Bekämpfung des Klimawandels, Aufbau einer Wirtschaft, die für alle Amerikaner funktioniert, Kostensenkung für verschreibungspflichtige Medikamente, Stärkung der Ethikgesetze, um sicherzustellen, dass die Beamten im öffentlichen Interesse arbeiten etc. nähren die Hoffnung, dass die USA nicht unter ihrer momentanen, inkompetenten Führung untergehen.
Zum Präsidenten gibt es auch Neuigkeiten: Die ersten Medien wie redgreenandblue.org/2019/01/31/covfefe-smocking-gun-global-waming-can-trump-even-read-write/ machen sich angesichts der getwitterten Fehlerflut ernsthafte Gedanken darüber, ob er überhaupt richtig lesen und schreiben kann.
Intensive Studien der Alten Meister
David Hockney wurde auch von einem tiefen Drang ergriffen: der Erforschung, wie es den Künstlern vergangener Epochen gelang, die Welt um sie herum so präzise und lebendig darzustellen. Für zwei Jahre widmete er sich intensiv dieser faszinierenden Spur und forschte leidenschaftlich nach den verborgenen Geheimnissen der Alten Meister.
In einem 2003 von der BBCproduzierten Film demonstriert Hockney auf eindrucksvolle Weise, wie Künstler bereits vier Jahrhunderte vor der Erfindung der Fotografie einfache Kameras einsetzten, um realistische Bilder zu schaffen. Zusammen mit uns reist Hockney nach Florenz, Brügge und Gent sowie in ein eigens für diesen Zweck eingerichtetes Set in Hollywood, um seine Erkenntnisse auf anschauliche Weise zu veranschaulichen.
Erstmals erzählte Hockney die bewegende Geschichte seiner Suche und deren Entwicklung. Schritt für Schritt erläutert er, wie er wissenschaftliche und visuelle Beweise entdeckte, die jeweils neue Einsichten über die Vergangenheit eröffneten. Mit seinem einzigartigen künstlerischen Blick analysiert er bedeutende Werke der Kunstgeschichte und enthüllt die faszinierende Wahrheit darüber, wie Meister wie Caravaggio, Velazquez, van Eyck, Holbein, Leonardo und Ingres Spiegel und Linsen nutzten, um ihre unvergänglichen Meisterwerke zu schaffen.
Ein besonders aufschlussreicher Vergleich entsteht zwischen Jan van Eycks „Gent Altar“ (1432) und Hockneys eigenem Werk „Pearblossom Highway“ (1986). Er zeigt auf, dass multiple Perspektiven (viele, viele Fenster) auf einer zweidimensionalen Fläche einen ähnlichen distanzierenden Effekt erzeugen wie eine Vogelperspektive, jedoch im Detail überraschend widersprüchlich sind. Hockneys eindrucksvolle Fotocollage „Pearblossom Highway“ setzt sich aus etwa 750 einzelnen chromogenen Abzügen zusammen.
The Adoration of the Lamb (Der Genter Altar) von Jan van Eyck
Historische Belege zeigen, dass van Eyck zahlreiche Zeichnungen verschiedener Elemente anfertigte, um aus diesen Details sein gesamtes Gemälde zu konstruieren. Zudem demonstriert Hockney lebhaft, wie Brunelleschi – der erste Architekt, der mathematische Perspektive zur Neudefinition des gotischen und romanischen Raumes einsetzte – einen Spiegel zur perspektivischen Darstellung des Baptisteriums von San Giovanni verwendete; ein Gemälde, das um 1412 Florenz in Staunen versetzte.
Hockneys fesselnde Erkundungsreise lädt den Zuschauer ein, die Komplexität und Meisterschaft in der Kunstgeschichte zu schätzen und inspiriert dazu, weiter in diese faszinierenden Themen einzutauchen.
Blick auf neueste Entwicklungen
Zurück zu einem David Hockney, der sich nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch immer bei den neuesten Entwicklungen bedient hat. Er malte mit Acrylfarben, sobald diese auf dem Markt waren, und diese neuen, überraschend strahlenden Farben dürften ihren Teil zur Mainstream-Beliebtheit der Hockney-Gemälde beigetragen haben.
Was Hockney den Vorwurf einiger Kritiker eingetragen hat, keine Kunst, sondern Kitsch zu produzieren … wenn man jedoch Kunst und Kitsch überhaupt definieren kann (was viele vernünftige Leute aus guten Gründen ablehnen), ist das Verwerfliche am Kitsch nach allen gängigen Definitionen, dass hier minderwertige Arbeit, die im Betrachter nichts auslöst, für einen überhöhten Preis verkauft wird.
Überhöhte Preise werden für einen Teil von David Hockneys Kunst heute allerdings aufgerufen, und die Frage, ob diese in Marktmaschinen namens Auktion verschobenen Spekulationsobjekte und/oder Statussymbole überhaupt noch unter den gängigen Kunstbegriff fallen, ist sicherlich auch berechtigt. Aber das ist nicht auf dem Mist des Künstlers gewachsen, die Instrumentalisierung seiner Kunst kann er nach geltendem Recht auch nicht verhindern.
Die Anpassung des Rechts bzw. höhere Besteuerung der Verkäufer/Auktionshäuser wäre Sache der Gesetzgeber; aber es wäre taktisch sicher nicht der geschickteste Zug, abgefahrenen Millionären auch noch ans Spielzeug zu gehen, wo die Durchsetzung vieler wichtigerer Gemeinschaftsregelungen zur Bankenregulierung, Steuerflucht etc. in Zeiten eines steigenden Nationalismus schon ewig Zeit braucht.
„Normale“ Menschen können David Hockney Kunst als Poster kaufen, mit dem New Yorker für wenige Dollar erwerben (Titelblatt, www.newyorker.com/magazine/2011/06/13) und in den öffentlichen Museums-Sammlungen vieler Länder für wenig Geld oder ganz umsonst ansehen. Sie können auch immer eine kleine Hockney-Galerie mit sich führen, denn auch die neuen Medien hat sich Hockney schnell nutzbringend zu eigen gemacht: Unter www.davidhockney.co/index.php/works/digital/ipad werden 92 iPad Drawings von David Hockney zur Verfügung gestellt, komfortabel zum Durchklicken angeordnet. Wer die das erste Mal durchgesehen hat, hat keinen Zweifel mehr daran, dass David Hockney Kunst und nicht Kitsch hervorbringt.
Hockney`s Geschenk an alle am Leben und Lernen interessierten Menschen
Darüber hinaus können alle am Leben interessierten Menschen von David Hockney die Anregung mitnehmen, sich des verfügbaren Wissens zu bedienen. Während Hockney für jeden unverständlichen Begriff extra in eine Bibliothek fahren musste (sich umfassende Fortbildung also letztlich nur wegen seiner früh herausgehobenen Stellung leisten konnte), können wir heute bei Wikipedia und Co. nachschlagen …
Die Eltern haben Hockney aber auch beigebracht, seinen eigenen Verstand anzustrengen, Quellen auszuwählen und zu prüfen, zu zweifeln und zu lernen. Das können auch heute nicht alle Eltern leisten; Schulen, Universitäten und sonstige Fördermöglichkeiten versagen in einem auf unsinnigen Konkurrenzkampf ausgerichteten System zunehmend und entlassen ängstliche, lernscheue Individuen ins Erwachsenenleben. Bis die bereits spürbaren Gegentendenzen greifen, heißt es für all diese Menschen: Selbst ist der Mann oder die Frau, wobei neben Unsicherheit in der Auswahl der Quellen häufig auch unangenehme Lernerfahrungen die Eigeninitiative blockieren.
Bildungshemmnisse bei Erwachsenen abzubauen, ist auch Aufgabe der Medien; dass diese hier ziemlich versagen, zeigt ein Blick in Tageszeitung und Fernsehprogramm. Beide sind dafür beim Kitsch gut mit dabei, in seinen schlimmsten verlogenen, realitätsfernen, respektlosen Auswüchsen: Berichte über Royals und Promis und Doku-Soaps im (öffentlichen) Vorabendprogramm, Ergüsse einer lange nicht mehr schreibenden (und am 06.02.2019 mit 94 Jahren verstorbenen) Rosamunde Pilcher, die heute von einer nicht existenten Inga Lindström verfasst werden, zur besten Sendezeit …
Im Internet kann man aber auch lernen, wie man lernt und welchen Quellen man trauen kann. Zum Beispiel hier: www.gerald-huether.de und hier: kurier.at/wissen/lernen-lernen-hirnforscher-sandkuehler-erklaert-wie-es-geht/400347568, unter www.bpb.de – der offiziellen Website der Bundeszentrale für politische Bildung – findet man etliche neue pädagogische Ansätze unseres Bildungssystems plus jede Menge Inhalt auf dem neuesten Stand der Forschung.
Genau hier beginnt auch die Sache mit den Quellen: Wenn Sie auf der liebsten Suchmaschine „lernen lernen“ eingeben, kommen erst seitenweise Anzeigen oder Websites, die den Menschen gegen Bezahlung von meist sehr viel Geld das Lernen beibringen möchten. Dann kommen seitenweise Gratis-Angebote – von den Schulen und Universitäten, die vielen heute wieder lernwilligen Erwachsenen früher die Lern-Begeisterung ausgetrieben haben.
Der schon lange für eine völlig neue Ausrichtung unseres (Bildungs-) Systems engagierte Neurobiologe Hühter würde vermutlich warnen: Meiden Sie als Lernwilliger jede Website, die schon in der Unterzeile von „mehr Effizienz“, „Lernarbeit“, „Leistungssteigerung“ spricht, sie könnte sich als kontraproduktiv erweisen.
In den vielen Suchergebnissen verstecken sich auch einige ermutigende Artikel, z. B. diese beiden kurz nach dem 2000er PISA-Desaster veröffentlichten: Wissen.de (Konradin Mediengruppe, mit größter Anbieter von Fachinformationen im deutschsprachigen Raum) stellt unter dem Titel „Das Lernen lernen“eine Studie der OECD vor, nach der Motivation, Selbstvertrauen, wirkungsvolle Lernstrategien und die Einstellung der Schüler zum Lernen großen Einfluss auf den Lernerfolg haben (www.wissen.de/das-lernen-lernen-eine-studie-der-oecd).
Oder der Artikel im Wirtschaftsmagazin brand eins, der Ideen vorstellt, wie die in Mathe, Naturwissenschaften und Lesen auf Platz 20+ der PISA-Studie herumdümpelnden Schüler aus dem Land der Dichter, Denker und Nobelpreisträger wieder Anschluss finden sollen (www.brandeins.de/corporate-publishing/mck-wissen/mck-wissen-bildung/lernen-lernen).
Aber: brand eins, das sich laut Goethe-Institut der Suche nach der menschlichen Seite der Ökonomie widmet, stellt mangels anderer Konzepte ein Sanierungskonzept der Unternehmensberatung McKinsey & Company vor, die weltweit zu den führenden Leistungstreibern gehört. Sätze wie „Jeder weiß, dass Finnen, Japaner oder – im Bezug auf die Universitäten – Amerikaner ein besseres Bildungssystem haben als wir. Aber wer weiß schon, warum?“ zeigen, wie weit auch brand eins damals noch von der „menschlichen Seite der Ökonomie“ entfernt war.
Inzwischen weiß man, warum die Finnen und Japaner ein besseres Bildungssystem haben. In Finnland werden Lehrer geschätzt, die wiederum respektvoll mit ihren Schülern umgehen und ihnen größtmögliche Freiheit zur Selbstentdeckung des Lernens lassen; in Japan wirken konfuzianische Ehrfurcht vor Bildung, Wertschätzung des gemeinsamen Lernens ohne Sitzenbleiben und Raum für innovative Entwicklung (noch) gut mit wachsendem Leistungsdruck auf den Schulen zusammen.
Die Amerikaner sind in der PISA-Studie inzwischen auf Platz 31 abgerutscht, der universitäre Nachwuchs verreckt reihenweise an absurd hohen Studienkrediten oder verlässt gleich das Land, weil dort die Forschung immer mehr eingeschränkt wird; und wirkungsvolle Lernstrategien haben nachweislich auch nur dann großen Einfluss auf den Lernerfolg, wenn sie vom Schüler selbst für einen Stoff entwickelt werden, den er auch selbst lernen will …
Konstantin Cavafy hatte auch dazu bereits 1922 etwas zu sagen:
As Much As You Can
And if you can’t shape your life the way you want, at least try as much as you can – not to degrade it by too much contact with the world, by too much activity and talk.
Try not to degrade it by dragging it along, taking it around and exposing it so often to the daily silliness of social events and parties, until it comes to seem a boring hanger-on.“
In deutscher Sprache:
Und wenn Du Dein Leben nicht so gestalten kannst, wie du möchtest, versuch wenigstens soviel du kannst – es nicht noch ärmlicher zu machen durch zu viel Kontakt mit der Welt, zu viel Aktionismus und BlaBla
Bemüh‘ Dich, es nicht herabzuwürdigen durch zögerliches Handeln, indem Du Dich im Kreis drehst und es so oft der täglichen Dummheit von Events und Partys aussetzt, bis du als langweiliger Schmarotzer giltst.
(englische Übersetzung zitiert aus: www.cavafy.com/poems/content.asp?id=113&cat=1, deutsche Übersetzung durch Autor dieses Artikels).
Die Welt ist schön
In diesem kurzen und fesselnden Video teilt der herausragende britische Künstler seine tiefen Einsichten über das Sehen und Malen – eine Leidenschaft, die ihn seit über 60 Jahren begleitet. Dabei entfaltet er eine Geschichte, die dazu anregt, über unsere gegenwärtige Zeit nachzudenken.
„Die Welt ist überaus schön, wenn man sie wirklich betrachtet. Doch viele Menschen sehen nur oberflächlich. Sie scannen den Boden vor sich, um zu navigieren, aber sie nehmen die Dinge nicht mit der gebotenen Aufmerksamkeit wahr. Ich hingegen tue dies, und es ist mir schon immer bewusst gewesen.“
Im März 2020 reagierte Hockney auf den Ausbruch des Coronavirus mit seiner iPad-Zeichnung „Do Remember They Can’t Cancel the Spring“(2020).
In diesem Video berichtet er von einer bemerkenswerten Begebenheit: Ein Philosoph wurde in einer Nachrichtensendung gefragt, wie man angesichts der negativen Nachrichten optimistisch bleiben könne. Seine Antwort lautete: „Nun, das ist Fernsehen. Schlechte Nachrichten verkaufen sich.“ Auf die Nachfrage des Reporters nach der positiven Nachricht entgegnete der Philosoph mit einem leichten Lächeln: „Nun, der Frühling kommt.“ Hockney lacht, während er diese Anekdote teilt.
Sein respektvoller Umgang mit der Natur und seine Fähigkeit, uns die Schönheit des Lebens vor Augen zu führen, laden uns ein, innezuhalten und die Welt um uns herum in vollen Zügen zu erleben.
Nutzen Sie die Gelegenheit, mehr über Hockneys faszinierende Sichtweise zu erfahren und lassen Sie sich von seiner Kunst inspirieren – vielleicht bei einer kommenden Ausstellung oder durch weiterführende Literatur über seine beeindruckenden Werke.
Wenn wir über Pop-Art sprechen, kommen uns sofort Namen wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein in den Sinn. Doch lassen Sie uns den Blick auf einen der weniger bekannten, doch gleichwohl faszinierenden Vertreter dieser Kunstrichtung richten: Steffen Kindt.
Dieser deutsche Künstler hat es geschafft, das Genre der Pop-Art zu übernehmen und dabei seinen eigenen, unverwechselbaren Stempel aufzudrücken. Mit seinen lasziven Werken und oft provokanten Posen seiner weiblichen Portrait-Protagonisten beleuchtet er die bunte Oberfläche unserer erotisierten Konsumgesellschaft, ohne sich zu sehr in tieferliegenden Botschaften zu verlieren.
Junge Leute finden meine Kunst einfach großartig. Und deshalb mache ich immer ein paar Drucke, die für die Jugend erschwinglich sind.“
erklärte der in Berlin geborene und seit über 40 Jahren in Skandinavien lebende Künstler lachend gegenüber der BILD. Und in der Tat finden sich im Art Shop des Künstlers Kunstdrucke und Fine Art Poster ab 35 Euro.
Ein Blick auf den Werdegang von Steffen Kindt
Steffen Kindt wurde in Berlin geboren und entwickelte schon früh ein starkes Interesse an Kunst. Sein Kunststudium finanzierte er durch seine Arbeit als Setzer beim Springer-Verlag und als Layouter für die „St. Pauli Nachrichten“.
Steffen Kindt, geboren in Berlin, absolvierte seine Ausbildung an der Kunstschule in Hamburg. Nach acht Semestern sammelte er im Anschluss Erfahrungen als Art Director in internationalen Werbeagenturen, bevor er in den 70er Jahren nach Kopenhagen zog.
Dort prägte er die dänische Werbelandschaft mit und setzte über mehrere Jahre hinweg eine Vielzahl von Werbekampagnen visuell um – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Mit dem Aufkommen der Digitalisierung entschied er sich, seine visuellen Fähigkeiten weiter zu vertiefen, und begann mit der Malerei.
Im Jahr 1989 präsentierte er stolz seine erste öffentliche Ausstellung. Nach einem erfolgreichen Start folgten zahlreiche Ausstellungen in Skandinavien, Deutschland, England, Frankreich und den Niederlanden. Zu den Höhepunkten gehörten Ausstellungen in Århus, Helsingborg, Essen und London sowie Teilnahmen an internationalen Kunstmessen in Brașov und Berlin.
Seine Wurzeln in der europäischen Kunstgeschichte sowie seine Einflüsse aus amerikanischer Popkultur prägen seine Werke bis heute.
Feature in der BILD-Zeitung
Eines der eindrucksvollsten Werke von Kindt ist seine Serie, mit der sich bereits die reichweitenstarke BILD-Zeitung auseinandersetzte. Dabei handelt es sich um eine der auflagenstärksten Zeitungen Deutschlands, die oft wegen ihrer reißerischen Berichterstattung und plakativ aufgemachten Schlagzeilen in der Kritik steht. Kindt nutzte hier womöglich Kontakte aus seiner Zeit beim Axel-Springer-Verlag, um das Medium von sich aufmerksam zu machen.
Mit seiner blonden Frau „Wicki“ als Muse, kombinierte er das Plakative und Frivole in einem eigenen Pin-Up-Style, der entfernt an den bedeutendsten noch lebenden Pop-Art-Künstler erinnert – Mel Ramos.
In seinen Arbeiten kombiniert er typische Stilmittel der Pop-Art, wie kräftige Farben und klare Linien, mit den markanten Headlines, provokativen Aussagen und plakativen Bildern der BILD-Zeitung. Die resultierenden Werke sind nicht nur ein sinnlicher Augenschmaus, sondern regen auch unter Berücksichtigung der Werkstitel zum Nachdenken an.
Sie stellen beispielsweise die Frage: Wie beeinflussen Medien unsere Wahrnehmung der Realität?
Techniken und Materialien
Ein besonderes Merkmal von Kindts Arbeiten ist seine experimentelle Nutzung von Techniken und Materialien. Traditionelle Methoden wie die Anwendung von Rasterpunkten, bekannt aus dem Pointillismus, werden durch moderne Drucktechniken und digitale Bearbeitung ergänzt.
Diese innovative Herangehensweise ermöglicht es ihm, seine künstlerischen Visionen mit größtmöglicher Präzision und Ausdruckskraft umzusetzen.
Pin-Up Girls – Hommage an die Lebensfreude der Sechziger
Angesichts des markanten stilistischen Gegensatzes zwischen Mel Ramos und Steffen Kindt könnte man sich die Frage stellen, ob eine direkte Gegenüberstellung der beiden Pop Art Vertretern überhaupt sinnvoll ist. Fest steht jedoch, dass die Motivwahl der Pin-Up Girls von Kindt stark an Bilderserien des US-Künstlers erinnert.
Mel Ramos war zweifellos ein herausragender Künstler, berühmt für seine provokanten Darstellungen von Pin-up-Girls und lasziver Popkultur. Seine Kunstwerke zeichneten sich durch lebendige Farbwahl, freizügige Ästhetik und einen ironischen Subtext aus. Auf spielerische Weise feierten sie die Schönheit des weiblichen Körpers.
In Anlehnung daran schöpft Kindt Inspiration aus Ramos‘ Oeuvre und der Epoche, in der dieser seine Blütezeit feierte, und bringt dies in seinen eigenen Werken zum Ausdruck. Kindt strebt danach, den spirituellen Charakter und das Flair der Zeit, in der Mel Ramos seine Kunst auf die Leinwand brachte, wiederzubeleben.
Mit seinen „Pin-up-Girls“ zollt Kindt dieser Ära Respekt und bemüht sich darum, ihre Sorglosigkeit und Lebenslust einzufangen.
Die Arbeiten von Steffen Kindt haben nicht nur in der Kunstwelt, sondern auch in den Medien für Aufsehen gesorgt. So wurde er in weitreichenstarken Magazinen wie „BILD“, „Fränkischer Tag“ und „Neue Ruhr Zeitung“ besprochen.
Außerdem erschienen zahlreiche Artikel und Radio-Beiträge in dänischen Medien.
Es folgte die Aufnahme in die KE in Kopenhagen (Kunstnernes Efterårsudstilling, „Den Frie“), eine künstlerische Gemeinschaft, die 1891 als Reaktion auf die Einschränkungen der Charlottenborg gegründet wurde. Es handelt sich um die älteste Künstlervereinigung Dänemarks, inspiriert vom französischen Salon des Refusés.
Steffen Kindt und die internationale Kunstszene
Kindts Werke haben es mittlerweile auch weit über die deutschen und dänischen Grenzen hinaus geschafft, internationale Anerkennung zu erlangen. Seine Arbeiten wurden in mehreren internationalen Ausstellungen berücksichtigt, darunter die „No Barking Art Berlinale“ in London und die “Blue Biennale” in Brașov (Rumänien).
Dabei faszinieren sie ein breit gefächertes Publikum – von Kunstkennern bis hin zu Menschen, die das erste Mal mit Pop-Art in Berührung kommen.
Aktuelle Projekte
Um tief in die faszinierende Kunstwelt von Steffen Kindt einzutauchen, wurde ein wunderbares „ArtBook“geschaffen, das mehr als 350 kunstvoll gestaltete Seiten umfasst. Dieses Buch lädt dazu ein, in die vielseitigen Werke des Künstlers einzutauchen, sei es durch das flüchtige Blättern der Seiten oder durch eine eingehende Beschäftigung mit den Inhalten.
In enger Zusammenarbeit mit talentierten Textern hat Steffen Kindt nicht nur die Bilder zusammengestellt, sondern auch deren künstlerische Ideen und Perspektiven in seine Arbeit integriert. Dadurch ist ein kleines Kunstbuch entstanden, das über eine bloße Sammlung von Bildern hinausgeht. Es bietet Ihnen die Möglichkeit, die Gedanken und Konzepte hinter den Werken zu erfassen und selbst Inspiration aus den verschiedenen Ausdrucksformen und Themen zu schöpfen.
Er hat zeitgleich einen eigenen Kunst Shop unter steffen-kindt.eu/de eröffnet, ein Refugium für Kunstliebhaber und jene, die ihre Wände mit farbenfrohen Pop-Art Bildern verschönern möchten. In diesem Kunstladen wird eine exquisite Auswahl an Fine-Art-Postern seiner Werke angeboten, die alle Ausdruck seiner künstlerischen Vision und seines einzigartigen Stils sind.
Jeder Monat bringt mit sich, dass mehrere neue Bilder veröffentlicht werden, sodass Besucher stets die Möglichkeit haben, frische Kunstwerke zu entdecken.
Roy Lichtenstein gehört mit Andy Warhol zu den Künstlern, deren Werke jeder erkennt, (fast) überall in der Welt. Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts produziert er seine eingängige Kunst, und er wurde damals schnell zu einer der Leitfiguren der modernen Kunst.
Und damit natürlich auch einer der zentralen Protagonisten der Pop-Art, seine Arbeit gilt als die Kunst, die die Grundvoraussetzungen der Pop-Art besser als das Werk irgendeines anderen Künstlers parodistisch definiert hat.
Lichtenstein selbst hat die Pop-Art beschrieben als „nicht ‚amerikanische‘ Malerei, sondern eigentlich industrielle Malerei„, ein Blick auf Werdegang und Aufstieg des Künstlers zeigt allerdings, dass sich der Preis seiner Kunstwerke in einer Art entwickelt, die nicht an industrielle Massenfertigung, sondern eher an Anlagenbau in der Großindustrie erinnert.
Lichtensteins komfortabler Start in die Kunstwelt
Roy Lichtenstein im Stedelijk Museum (1967) von Eric Koch / Anefo (Nationaal Archief) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Roy Fox Lichtenstein wird 1923 in New York City als Kind der gehobenen jüdischen Mittelklasse geboren, mit einem Immobilienmakler als Vater und einer Mutter in der klassischen Hausfrauenrolle. Er wächst auf in der „Upper West Side“, dem exklusiven Teil Manhattans, der zwischen Central Park und Ufer des Hudson River liegt, und besucht nach den Grundschuljahren auf der öffentlichen Schule die private Franklin School for Boys.
Lichtenstein hatte schon als Kind früh gezeichnet, weil dieses Hobby an der Franklin nicht schulisch vermittelt wurde, schrieb er sich schon während der Schulzeit an der Parsons School of Design ein, um an den Samstagen Aquarelle zu malen.
Der junge Lichtenstein interessierte sich auch für Anthropologie und Naturwissenschaften, er verbrachte viel Zeit im ganz in der Nähe der Elternwohnung liegenden American Museum of Natural History.
Bekannt ist auch, dass Lichtenstein als Jugendlicher mit Leidenschaft den damals höchst angesagten Hörspielen lauschte. Er soll sich vor allem die Hörspiele herausgesucht haben, deren Geschichten sich um mitunter düstere (Anti)-Helden drehten, die auch von Comics bekannt waren, wie „The Shadow“, „Flash Gordon“ oder „Buck Rogers“.
Später wurde dieser Spaß gedeutet: Der junge Roy habe hier unbewusst heroische und mystische Klischees aufgenommen. Der vielseitig aufnahmebereite Teenager besuchte dann noch häufig Jazz-Konzerte im Apollo Theater in Harlem, wo er mit Hingabe die Musiker porträtierte.
Barcelona Head von Roy Lichtenstein von Valugi [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
Im letzten High-School-Jahr fand Lichtenstein von der Parsons School of Design zu deren ehemaliger Mutterorganisation, der Art Students League of New York, an der er sich in die Sommerklasse einschrieb.
Hier arbeitete er unter der Betreuung von Reginald Marsh, einem Künstler des amerikanischen Regionalismus, in dem neben einer realistischen Darstellung des ländlichen Lebens einem Verständnis der Entwicklung neuer Technologien und damit auch einem Verständnis neuer Kunst wenig Raum gegeben wurde.
Die „realistischen Regionalisten“ kannte Lichtenstein aus seiner High-School-Zeit, sie wurden in den 1930er Jahren in den USA hochgeschätzt. In dieser Zeit der Großen Depression erfüllten die heilen Bilder des amerikanischen Landlebens ähnliche kompensatorische Zwecke wie unsere Heimatfilme nach dem 2. Weltkrieg.
Lichtenstein war vermutlich begeistert, unter einer Berühmtheit zu zeichnen, von der er schon in seinem allerersten Kunstbuch gelesen hatte, „Thomas Craven’s Modern Art“ von 1934.
Auch wenn Marsh durchaus einen sozialen Realismus abbildete, der sich nicht in schönen Landbildchen erschöpfte, war sein Schüler jedoch bald enttäuscht von Marshs Forderung nach realistischer Kunstausübung, die sowohl die rasante Entwicklung der Technik vernachlässigte als auch die Entwicklung eines eigenen künstlerischen Stils für überflüssig hielt.
Vielleicht hatte Lichtenstein aus dem Regionalismus auch eine ganz andere Anregung mitgenommen, auf jeden Fall beschloss er nach der High-School, mehr von seinem Land zu erkunden, und entschied sich für ein Studium an der Ohio State University (ab 1940).
Nach Überlieferungen ein echter Glücksfall für den angehenden Künstler, auch wenn auf Bitten seiner Eltern zunächst die Lehramtsbefähigung anstrebte: Er lernte bei Künstler und Professor Hoyt L. Sherman, der seinen künstlerischen Horizont erheblich erweitern sollte.
Sherman, ein Anhänger und Meister der modernen Kunst, machte Lichtenstein mit den wichtigsten Einflussgebern der damaligen Kunst bekannt: Cézanne und van Gogh, Mondrian und Gauguin, Matisse und Picasso und vielen mehr. Vor allem mit seinen Ermutigungen, einen eigenen Ansatz zu suchen, und seinem Konzept der Wahrnehmungseinheit sollte Sherman lebenslangen Einfluss auf Lichtenstein haben.
Lichtenstein fing nun an, sich mit der Geschichte der Kunst etwas gründlicher zu beschäftigen, man könnte auch sagen, er wollte alles über Kunst wissen, seit den ersten Höhlenbildern. In der Lichtenstein-Foundation ist als Erinnerung an diese Zeit ein Exemplar von Elizabeth Gardner’s „Art through the ages“ (1936), mit Lichtensteins Adresse in Columbus (Hauptstadt von Ohio und Sitz der Uni) im Einband.
Roy Lichtenstein – Gemälde mit der Freiheitsstatue (National Gallery of Art ) von Rob Young [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
Lichtensteins künstlerische Ich-Findung wird jäh unterbrochen
1943 holte der 2. Weltkrieg Lichtenstein ein, er diente bis 1945 in der Army, die ihn in Europa einsetzte. Lichtenstein belegte nach dem Krieg in Paris Kurse für Geschichte und Französisch und versuchte sein Vorbild Picasso zu besuchen – was ihm nicht gelang, weil er schon nach sechs Wochen zurück in die Heimat gerufen wurde: Sein Vater lag im Sterben.
Lichtenstein schloss nun im Sommer 1946 sein Lehrer-Studium ab und begann an der Ohio State University den Master of Fine Arts-Studiengang, den er 1950 beendete. Gleichzeitig wurde ihm eine künstlerische Lehrtätigkeit angeboten, die er bis 1951 regelmäßig und danach gelegentlich ausübte.
Zwischendurch hatte er Isabell Wilson geheiratet, mit der er nach Cleveland zog, weil diese dort eine Anstellung gefunden hatte. Im Gegensatz zu Lichtenstein, er nahm alle möglichen Jobs an, als Zeichner und als Dosen-Designer, konnte in Cleveland zum ersten Mal alleine ausstellen und hatte 1951 sogar in New York seine erste Einzelausstellung, der Begeisterungssturm für seine halbherzig abstrakten Bilder blieb jedoch zunächst aus.
Lichtenstein reiste nun zwischen Cleveland und New York hin und her, arbeitete als Entwurfszeichner und als Schaufenster-Dekorateur, bekam 1954 den ersten und 1956 den zweiten Sohn und malte zwischendurch auch ein wenig.
Künstlerisch geschah in dieser Zeit nicht viel: Lichtenstein schwankte immer noch zwischen Expressionismus und Kubismus und selbstbestimmter Abstraktion, er verfremdete einige typische amerikanische Bilder und bemalte Holzkonstruktionen, versuchte sich in Skulpturen aus Holz und Metall und stellte bis 1955 auch noch insgesamt drei Mal in New York aus, nur verkauft wurde kaum etwas.
Das waren keine guten Voraussetzungen, um etwas zum Lebensunterhalt einer vierköpfigen Familie beizutragen, so nahm er 1957 seine Lehrtätigkeit wieder auf, 1958 wurde ihm eine Anstellung an der New State University in Oswego als Assistenzprofessor für Kunst angeboten, wo er die nächsten Jahre unterrichtete.
Endlich! – Lichtensteins Aufstieg zum Ruhm
1960 wechselt Lichtenstein an die Rutgers University im Bundesstaat New Jersey. Hier lernt er Allan Kaprow kennen, den Erfinder der „Happenings“, und über ihn wichtige zeitgenössische Künstler wie Robert Watts, Jim Dine, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg und Jasper Johns, also die Wegbereiter der Pop-Art in Konzentration.
All diese Begegnungen mit ihren Einflüssen sollen eine Art Initialzündung in Lichtenstein ausgelöst haben, 1961 malte er seine ersten Pop-Art-Bilder, erst experimentierte er mit Kaugummibildern, dann brachte er diese in großem Format heraus, dann brach er mit allen Traditionen seines bisherigen Kunstschaffens, baute die Comic-Sprechblase in seine Bilder ein und nutzte begeistert industrielle Drucktechniken.
Sein erstes großformatiges Werk, in dem er hartkantige Figuren und Ben-Day-dots nutzt (besondere Rasterpunkte, deren Drucktechnik Ben Day erfand), war das Werk „Look Mickey“ von 1961, das heute in der National Gallery of Art in Washington D.C. hängt.
Dieses Bild entstand, als einer seiner Söhne mit dem Finger mitten in ein Micky-Maus-Buch tippte und meinte:
I bet you can’t paint as good as that, eh, Dad?“ („Ich wette, du kannst nicht so gut malen, oder, Daddy?“).
Im gleichen Jahr produzierte Lichtenstein noch sechs andere Kunstwerke, auf denen bekannte Charaktere von Kaugummi-Verpackungen und Cartoons abgebildet werden, er hatte seinen Stil gefunden.
Im Jahr darauf fand er in Leo Castelli auch jemanden, der ihm durch dauerhafte Zahlungen seine Miete garantierte, wenn Lichtenstein exklusiv für seine Galerie arbeitete, eine für Castelli übliche Unterstützung, die er vielversprechenden Künstlern zukommen ließ.
Castelli hatte Lichtenstein bereits vorher ausgestellt, sich aber nicht zu einer solchen Art von Stipendium bereitgefunden. Das änderte sich nun schlagartig, denn Lichtensteins neu erfundene Kunst kam an, so sehr, dass die Einzelausstellung von 1962 in der Castelli Gallery ausverkauft war, bevor sie eröffnet hatte.
Wie Lichtenstein den internationalen Kunstmarkt so richtig auf Vordermann bringt
Was jetzt folgt, ist in Bezug auf den Künstler Lichtenstein ein Exkurs, die Repräsentanz Lichtensteins durch bekannte Galeristen und die ansteigenden Verkaufspreise seiner Bilder sind aber eine höchst interessante kleine Historie des New Yorker Galeriebetriebs und zugleich ein Bericht darüber, wie dieser Galeriebetrieb sein Geschäft an den internationalen Kunstauktionshandel verliert.
Wie schon erwähnt, konnte Lichtenstein bereits 1951 zum ersten Mal in New York ausstellen, in der Julius Carlebach Gallery, er hatte auch etwa zu dieser Zeit schon das Glück, das Interesse des progressiven Kunstförderers Leo Castelli zu erwecken, der Lichtensteins Werke ebenfalls ab den 1950er Jahren in seiner New Yorker Galerie ausstellte, und dann 1962 nach der erstaunlichen Einzelausstellung die Exklusiv-Vertretung des Künstlers übernahm, ab dieser Zeit veranstaltete Castelli regelmäßige Ausstellungen mit Lichtensteins Werken.
Vor diesem Jahr und danach entstanden noch viele Galerien in New York, die sich der modernen Kunst verschrieben, und Werke von Lichtenstein hingen irgendwann in jeder dieser Galerien: Anfangs häufig bei John Heller, in der Pace Gallery und der Brooke Alexander Gallery, bei Mary Boone und Rosa Esman, bei Marilyn Pearl und James Goodman, bei Blum Helman, Phyllis Kind, Hirschl & Adler, Getler Pall, bei Holly Solomon und Condon Riley, den Sperone Westwater Galleries und bei Mitchell-Innes & Nash.
Gegen Ende seines Lebens war seine Kunst dann auch in den Einflussbereich des mächtigen Imperiums der Gagosian Galleries geraten – man könnte sagen, Lichtenstein begleitete mit seinen Kunstwerken die New Yorker Galeriegeschichte.
Ebenfalls bereits ab den 1960er Jahren wurde Lichtenstein durch Ileana Sonnabend (ehemals Ileana Castelli) und deren Galerie in Paris präsentiert, ihr ist zu verdanken, dass für Andy Warhol, Roy Lichtenstein und andere Pop-Art-Künstler ein europäischer Markt entstand. Andere Galerien zeigten seine Kunst an anderen Orten der USA, wie die 1957 gegründete Ferus Gallery in Los Angeles.
Roy Lichtenstein Ausstellung im Stedelijk Museum (1967) Ron Kroon for Anefo, CC0, via Wikimedia Commons
Durch die engagierten Verkaufsbemühungen all dieser Galeristen wurde Lichtenstein zwar unaufhaltsam immer bekannter, aber den eigentlichen finanziellen Erfolg hat der Künstler einer anderen Vertriebsform zu verdanken: Schon sehr früh konnten „Lichtensteins“ herausragende Ergebnisse auf Kunstauktionen erzielen. Wie 1970 das „Big Painting No. 6“ (entstanden 1965), das in einer von der New Yorker Sotheby’s-Filiale veranstalten Auktion für 75.000 $ an den deutschen Kunsthändler und Galeristen Rudolf Zwirner ging.
Bei solchen schwächlichen Rekorden sollte es nicht bleiben, „Torpedo…Los!“ von 1963 wurde in Christie’s amerikanischer November-Auktion im Jahr 1989 bereits für 5,5 Millionen Dollar verkauft und beförderte Lichtenstein ins Dreiergestirn der für einzelne Kunstwerke höchstbezahlten Künstler.
Wo er auch blieb, in der nächsten November-Auktion von Christie’s in New York ging der 1962 erstellte „Kiss II“ für 6,0 Millionen Dollar weg, überboten von „Happy Tears“, in Christie’s Novemberauktion 2002, durch einen Kaufpreis von 7,1 Millionen Dollar.
Nun folgte ein großer und erfreulicher Sprung: 2005 wurde „In the Car“ (1963) für 16,25 Millionen Dollar verkauft, 2010 erhielt„Ohhh…Alright…“ von 1964 schon bei 42,6 Millionen Dollar den Zuschlag, 2011 wurde Lichtensteins Schlüssellochbild „I Can See the Whole Room!…and There’s Nobody in It!“ von 1961 für 43 Millionen Dollar verkauft und brachte der Witwe des Time-Warner-Geschäftsführers Steve Ross damit etwas über 2000 Prozent Gewinn (Ross hatte das Bild 1988 für 2.1 Millionen gekauft).
Alles wieder in Christie’s New Yorker Novemberauktion, nur im Jahr 2012 kam dann mal das Auktionshaus Sotheby’s an die Reihe, weil Christie’s sich auf abstrakte Expressionisten konzentrieren wollte – eine gute Idee, ein Bild von Mark Rothko ging für knapp 87 Millionen Dollar über den Tisch. Sotheby’s dagegen konnte für Lichtensteins „Sleeping Girl“ von 1964 nur 44.8 Millionen Dollar einnehmen, aber immerhin ein neuer Lichtenstein-Rekord.
In der Frühjahrsauktion 2013 kehrte die Kunst von Lichtenstein wieder zu Christie’s zurück, am 15. Mai 2013 erzielt die „Woman with Flowered Hat“ von 1963 in altgewohnter Manier einen neuen Rekordpreis von 56.1 Millionen Dollar.
Leider hat Lichtenstein selbst nur noch einen Teil der zweistelligen Millionenerfolge mitbekommen, er ist 1997 verstorben.
Man darf gespannt sein, in welche Höhen sich die Preisspirale seiner Kunstwerke noch dreht, vor allem vor dem H
Auktionsrekorde im 21. Jahrhundert
Der bisherige Höchstpreis für ein Gemälde von Roy Lichtenstein wurde im November 2015 bei Christie’s in New York erzielt. Das Werk „Nurse 1964“wechselte für 95.365.000 US-Dollar (ca. 85 Millionen Euro) den Besitzer. Ursprünglich trug es den Titel „Frightenedness“ und gehörte zu den Sammlungen einiger renommierter Kunstliebhaber wie Leon Kraushar und Karl Ströher.
Das quadratische Gemälde aus dem Jahr 1964 misst einen Meter in der Höhe und Breite und wurde auf über 80 Millionen Dollar geschätzt. „Nurse“ wurde bei der speziellen Auktion „The Artist’s Muse“ bei Christie’s versteigert, die Werke von Malern und Bildhauern umfasst, die zwischen den 1860er und 2000er Jahren entstanden sind.
Das teuerste Gemälde, das Lichtenstein je geschaffen hat, könnte sein Werk „Masterpiece“aus dem Jahr 1962 sein, das früher Agnes Gund gehörte. Steven Cohen soll es ihr 2017 in einem Privatverkauf für 165 Millionen Dollar abgekauft haben. Die öffentlichen Auktionen von Lichtensteins Kunstwerken haben diese Summe bisher nicht erreicht. Dennoch zählt der Künstler mit seinen zehn besten Ergebnissen bei öffentlichen Auktionen zu den bestverkauften Künstlern und wird als Pionier auf dem Kunstmarkt angesehen.
Als zweitteuerstes Werk gilt „Sleeping Girl“ des Pop-Art-Künstlers, das 2012 in New York fast 45 Millionen Dollar erzielte. Das Gemälde aus dem Jahr 1964 wurde bei einer Auktion von Sotheby’s für 44.882.500 Dollar (fast 35 Millionen Euro) verkauft.
Die signierten Lithographien und Original-Siebdrucke erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit bei Kunstsammlern, obwohl sie Massenproduktionen sind. Zu den bekanntesten Originalgrafiken zählen „Shipboard Girl“, „Crying Girl“ und „Nude Reading“.
ALBERTINA feierte den 100. Geburtstag des Pop-Art Meisters
Zum Anlass seines 100. Geburtstags ehrte die Wiener ALBERTINA den Meister der Pop-Art diesen Sommer mit einer umfassenden Retrospektive, die über 90 Gemälde, Skulpturen und Grafiken des Künstlers umfasste, der Low-Art und High-Art auf so einzigartige Weise miteinander vereinte.
Durch großzügige Leihgaben von 30 renommierten Museen weltweit werden die bedeutendsten Werke seines umfangreichen künstlerischen Schaffens nach Wien gebracht, darunter Exponate aus dem Museum of Modern Art in New York, dem Whitney Museum, der National Gallery in Washington, der Yale University Art Gallery in New Haven, dem Museum Ludwig in Köln, dem Louisiana Museum in Humlebæk, dem Moderna Museet in Stockholm und dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid.
Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Roy Lichtenstein Foundation konzipiert und basierte auf einer großzügigen Schenkung von rund 100 Werken an die ALBERTINA.
Die Ausstellung präsentierte die frühen Werken aus den 1960er Jahren, darunter das Pop-Art Meisterwerk dieser Ära: „Look Mickey“. Zudem waren ikonische Gemälde von Werbegegenständen in Schwarz-Weiß, Landschaften in Emaille-Technik sowie Kunstwerke, die von Picasso, Dalì, Kirchner und Pollock inspiriert wurden, zu sehen.
Ein besonders eindrucksvolles Highlight bildete eine monumentale Brushstroke-Skulptur, die sich von der Leinwand löste und den Raum dominierend einnahm.
Warum ist “Gute-Laune-Kunst”wie die von Friedensreich Hundertwasser eine perfekte Alltags-Therapie?
Für den durchschnittlichen Mittel- oder Nordeuropäer gibt es oft Gründe, sich durch bunte und etwas verrückte Kunst aufzumuntern. Selbst im Sommer gibt es in unseren Breiten so viele trübe Tage, dass es hilfreich ist, die eigene Stimmung mit ein paar Kunstgriffen aufzuhellen.
Im Winter leiden zudem viele Menschen unter der „saisonal abhängigen Depression“, auch bekannt als SAD im medizinischen Jargon. Dieses Stimmungstief, das durch Lichtmangel verursacht wird, ist meist nur vorübergehend und keine wirkliche Depressionskrankheit.
Eine Aufmunterung durch den Genuss von Kunst ist sicherlich keine schlechte Wahl. Kann Kunst hier wirklich einen positiven Effekt haben? Ja, das kann sie definitiv. Es ist heute unbestritten, dass Kunst geeignet ist, die Stimmung positiv zu beeinflussen.
Sogar bei der Behandlung schwerer Depressionserkrankungen werden Kunsttherapien erfolgreich eingesetzt. Wer einfach nur unter schlechter Laune leidet, kann auch mit einfachen Mitteln dagegen steuern. Für “normal Verstimmte” reichen oft schon “nichtmedikamentöse Mittel” aus. Wer unter Winterblues leidet, benötigt in den seltensten Fällen eine Kunsttherapie.
Dennoch wird er sich höchstwahrscheinlich besser fühlen, wenn er sich mehr mit Kunst beschäftigt (dies wurde bereits 2009 in einer Studie an 50.000 Norwegern untersucht, die unter Winterdunkelheit litten).
Viele Werke, die uns diese künstlerische Aufmunterung in reichem Maße schenken, hat Friedensreich Hundertwasser hinterlassen. Der übrigens nicht unter diesem Namen begann, und die Entwicklung seines Namens sagt uns viel über den Künstler:
Friedrich Stowasser – Kreativität sucht sich ihren Weg
Friedensreich Hundertwasser ist nicht nur einer der bedeutendsten österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein echter Visionär im Bereich der umweltfreundlichen Architektur. Mit einem Werk voller Farben, organischer Formen und einer tiefen Verbundenheit zur Natur, hat er eine unverwechselbare künstlerische Sprache entwickelt, die sowohl faszinierend als auch inspirierend ist.
Friedensreich Hundertwasser wurde am 15.12.1928 in Wien geboren, sein Taufname war Friedrich Stowasser. Sein Vater, Ernst Stowasser, hatte vom Leben nicht viel mehr gesehen als eine kurze Tätigkeit als technischer Beamter, bevor er mit 20 Jahren seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg begann. Den er zwar mit diversen Auszeichnungen, aber auch gesundheitlich geschwächt im November 1918 beendete.
Ende der 1920er Jahre kam zum schlechten Gesundheitszustand auch noch Arbeitslosigkeit, Friedrichs Mutter Elsa trug schon vor dem Tod seines Vaters am im Dezember 1929 alleine die Verantwortung für die kleine Familie.
Friedensreich Hundertwasser in Neuseeland im Jahre 1998; von Hannes Grobe, [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons
Die alleinerziehende Mutter fördert die künstlerischen Anlagen des stillen und sensiblen Kindes, eingeschult wird Friedrich 1936 in die Wiener Montessori-Schule, deren Kunsterzieher attestierten ihm „außergewöhnlichen Formen- und Farbensinn“.
Aber Elsa war Jüdin, und sie spürte die Bedrohung bereits vor dem “Anschluss Österreichs“. Auf Beschluss der Familie wurde der Halbjude Friedrich (sein Vater hatte dem römisch-katholischen Glauben angehört) katholisch getauft, wechselte auf eine staatliche Wiener Schule, wo er weniger exponiert war als auf der Privatschule, und trat nach dem Beitritt Österreichs 1938 sogar in die Hitler-Jugend ein.
Wenn Hundertwasser später wegen dieses Versteckspiels einer Kollaboration mit den Nazis beschuldigt wird, erstaunen ihn diese Vorwürfe ziemlich. Dadurch konnte er immerhin dazu beitragen, dass seine Mutter mit weiteren engen Verwandten dem Terror entkam, während etwa 80 entferntere Verwandte 1943 deportiert und getötet wurden.
Sich selbst rettete Friedrich auf diese Weise ebenfalls durch die Nazizeit, seelisch gesund blieb er wohl nur, weil die Mutter das Schicksal der weiteren Verwandten so lange wie möglich vom kleinen Jungen fernhielt.
Auch seine künstlerische Betätigung half ihm über diese schreckliche Zeit. 1948 legt Friedrich seine Matura am Wiener Gymnasium Horn ab und beginnt im Wintersemester 1948/49 an der Wiener Akademie der bildenden Künste seine künstlerische Ausbildung.
Aus Fritz Stowasser wird der Weltbürger und Erfolgskünstler Friedensreich Hundertwasser
Globalität kann nicht nur als oft menschenverachtendes Ausufern internationaler Konzerne definiert werden, sondern kann sich vor allem in der Kunst auch als wirkliches Interesse eines Künstlers an den Kulturen der Welt zeigen, in diesem Sinne entwickelte sich Hundertwasser nun als Künstler und Weltbürger.
Noch an der Akademie bekräftigt er den Anfang seiner Entwicklung zum Künstler, indem er das slawische “Sto” (= Hundert) in seinem Namen benutzt, um seinen Künstlernamen Hundertwasser zu formen.
Weil er das Studium in Wien sehr schnell als zu einengend empfindet, bricht er schon im April 1949 zu seiner ersten großen Reise auf, durch Italien. Dort lernte er andere abenteuerlustige Weltbürger kennen, mit dem französischen Maler René Brô reiste er 1950 nach Paris, wo die Freunde zwei bis heute erhaltene Wandgemälde schufen.
Er besucht seine zweite Akademie, die „Ecole des Beaux Arts“, und kann dem akademischen Betrieb wieder nichts abgewinnen, er verlässt die Ecole schon am ersten Unterrichtstag.
Weiter ging es 1951 nach Marokko und Tunesien, das Streben nach einer akademischen Kunstausbildung tritt weiter in den Hintergrund, als Hundertwasser 1952 vom und im Art Club Wien zum ersten Mal zur Ausstellung gebeten wird.
Nach einer kurzen, eher abstrakten Periode malt er 1953 seine erste Spirale und hat damit seinen Stil zunächst gefunden. Im gleichen Jahr ist er wieder in Paris und arbeitet in Brôs Studio, kann aber auch zum zweiten Mal im Art Club Wien ausstellen, es folgen 1954 bis 1956 Ausstellungen in Paris und Mailand.
Sommer 1956 unternimmt Hundertwasser als Matrose seine erste Schiffsreise, von Schweden nach England, 1957 kauft er „La Picaudière“, einen Bauernhof in der Normandie, und veröffentlicht in Paris die “Grammatik des Sehens”.
1958 heiratet er Herta Leitner und veröffentlicht sein “Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur”: Die erste grundsätzliche Stellungnahme gegen die Beschränkung der Architektur auf Funktionalismus und rechte Winkel und der erste Entwurf seiner alternativen Bauphilosophie, in der er neben Kurven, bunten Farben und Ornamenten auch die ökologische Einbindung in die Natur und eine Mitgestaltung der Bewohner postuliert.
Hundertwasser Haus in Wien; von Webmaster HwH [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
1959 wird er auf der Biennale in São Paulo geehrt und gründet mit Ernst Fuchs und Arnulf Rainer das „Pintorarium“als universelle Akademie aller kreativen Richtungen. Jetzt hat Hundertwasser bereits eine solche Bekanntheit erreicht, dass er als Dozent an die Hamburger Hochschule für bildende Künste berufen wird, als er jedoch mit Bazon Brock und Herbert Schuldt eine “Endlose Linie” an die Wände eines Ateliers malt, führt das zu einem Eklat und zum Ende von Hundertwassers Dozentur.
1960 wird er von Herta geschieden und stellt in Paris aus und veröffentlicht dort die “Brennessel-Aktion” darüber, „… wie man unabhängig leben kann“. Während dieser Zeit arbeitet Hundertwasser auch für seine Vertragsgalerie in Paris und stellt in Wien aus; er hat auf seinen Reisen Italienisch, Englisch und Französisch gelernt, spricht leidlich Arabisch, Tschechisch, Russisch und Japanisch und benutzt eifrig seinen Miniaturmalkasten, den er immer dabei hat.
Nun wird Hundertwasser endgültig zum Weltbürger, der 1961 in Tokio ausstellt und geehrt wird und 1962 die Japanerin Yuko Ikewada heiratet (Scheidung 1966). Aus dieser Zeit stammt auch der Name Friedensreich, erst als japanische Übersetzung von “Friedrich” in “Friede” und “reich”, später übernommen in die Heimatsprache.
In diesem Jahr malt er auch auf einer kleinen Insel im Süden Venedigs und hat im österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig großen Erfolg mit seiner ersten Retrospektive, 1963 studiert er vor Ort die griechische Klassik.
Hundertwasser wird jetzt immer gefragter: 1964 ist er zum ersten Mal auf der documenta (III) in Kassel, die Kestner-Gesellschaft Hannover organisiert eine große Retrospektive (die anschließend als Wanderausstellung in Amsterdam und Stockholm, Bern, Hagen und Wien Erfolge feiert) und veröffentlicht den ersten Gesamtkatalog seines Oeuvres. 1966 wird “Unglückliche Liebe” gedreht, der erste Dokumentarfilm über Hundertwasser von Ferry Radax.
Hundertwassers Waldspirale in Darmstadt; von Heidas [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
1967 macht Hundertwasser sich wieder auf, nach Uganda und in den Sudan, während die Wanderausstellung Galerien in Berlin, Genf, London und Paris besucht. Hundertwasser hält die erste Nacktrede “für das Anrecht auf die Dritte Haut” in München, 1968 folgen in Wien die zweite Nacktrede und die Verlesung seines Architektur-Boykott-Manifests “Los von Loos”, in dem er vehement den österreichischen Architekten Adolf Loos angreift, einen legendären Wegbereiter der modernen Architektur, der für Sachlichkeit eintrat.
Anschließend bereitet Hundertwasser den Katalog für eine Museumsausstellung an der University of California vor und segelt mit dem Holzschiff „San Giuseppe T“ von Sizilien nach Venedig.
Bis 1972 baut er dieses Schiffes in den Werften von Venedig zu seiner “Regentag” um, arbeitet mit Peter Schamoni am Film “Hundertwassers Regentag”, an der Grafikmappe “Regentag” und an anderen Grafiken. In dieser Zeit lebt er auch auf der “Regentag”.
Friedensreich Regentag Hundertwasser erobert mit der „Regentag“ die Welt
Während der Bauzeit am und auf dem Schiff hat Hundertwasser ein Plakat für die Olympischen Spiele München 1972 entworfen, im Fernsehen (“Wünsch Dir was”) für Dachbewaldung und individuelle Fassadengestaltung demonstriert, ein Manifest zu Fensterrecht und Baumpflicht veröffentlicht, und er wird zum ersten europäischen Maler, dessen Kunst von japanischen Meistern in Holzschnitte verwandelt wird.
Aber das Schiff “Regentag” ist nun bereit für die große Fahrt, die der Künstler dann auch antritt. Auf dem Schiff fällt ihm eines Tages auf, wie sehr Farben im Regen leuchten, die Regentage wurden nun für ihn die besten Arbeitstage und damit die Tage, an denen er am glücklichsten ist, der “Regentag” wird in den Künstlernamen eingefügt.
In den 1970er Jahren wird seine Museums-Wanderausstellung auf den Kapverdischen Inseln, in Neuseeland und in Australien gezeigt, er pflanzt bei der Triennale di Milano “Baummieter” durch Fenster, stellt in New York und in der Albertina in Wien aus.
Mit der „Regentag“ segelt er nach Israel, Tunis und Zypern, veröffentlicht in München das Manifest “Humus Toilette”, entwirft eine Briefmarke für Österreich und initiiert eine Welt-Wanderausstellung, die bis 1983 in 27 Ländern und 43 Museen gezeigt wird. Eine zweite Welt-Wanderausstellung mit dem grafischen Werk wird bis 1992 in 15 Ländern (über 80 Museen und Galerien) gezeigt.
Die „Regentag“ überquert den Atlantik, segelt über die Karibik in den Pazifik und landet 1976 in Neuseeland. Im Dezember 1977 erreichte Hundertwasser Paris und hielt eine Rede vor der UNESCO, bis zum Winter 1978 bleibt er im österreichischen Waldviertel, dann geht es weiter nach Venedig.
Dort veröffentlicht er sein Friedensmanifest und entwirft die Friedensfahne für den Nahen Osten, mit blauem Davidsstern und islamischem grünem Halbmond, die als Symbol der Versöhnung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk gedacht ist.
Von dort reist er als Gast des Präsidenten nach Senegal, 1979 nach New York, San Francisco und Tahiti und 1980 nach Qatar, Sri Lanka und den Malediven, zwischendurch kehrt er immer wieder nach Neuseeland zurück.
Er entwirft “Münzobjekte” aus Kupfer, Gold und Silber, die im österreichischen Münzamt geprägt werden und die er 1979 als “so etwas wie Eintrittsgeld ins Paradies” bezeichnet. Er beginnt sein illustriertes Buch “Ao Tea Roa” über Neuseeland, sein frühes ökologisches Manifest von 1952, das sich gegen die „Bluffzivilisation“ richtete, wird 1979 ergänzt durch das Manifest „Scheißkultur. Die heilige Scheiße“, das er selbst am Zürcher See verliest.
Bleibende Werke – Ein Tausendsassa hinterlässt uns eine buntere Welt und die Erfahrung einer lebensbejahenden Kunst
Inzwischen sind noch ein paar Namen dazugekommen, der Künstler nennt sich jetzt Tausendsassa Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser. Tausendsassa, weil er sich offensichtlich selbst für einen solchen hält, Dunkelbunt, weil er diese “äußerste Konzentration satter Farbe” bevorzugte.
Auch seine Werktheorie, seine persönlichen Überzeugungen und seine Vorstellungen von Architektur sind fertig und warten darauf, der Welt vorgestellt zu werden.
Hundertwasserhaus in Wien
1980 fertigt Hundertwasser erste Entwürfe für das Hundertwasser-Haus in Wien an, in diesem Jahr findet auch der Hundertwasser Day in Washington D.C. statt, die ersten von insgesamt 100 Bäumen auf dem Judiciary Square werden gepflanzt. Hundertwasser hält im U.S.-Senat und an anderen Orten der Stadt, dann in Berlin, Wien und Oslo, Reden über Ökologie und ökologische Architektur und gegen Kernkraft, 1981 reist er weiter nach Indien, Nepal und Neuseeland.
Die Fassade des Hundertwasserhauses in der Kegelgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Foto von C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Er erhält den Großen Österreichischen Staatspreis und den Österreichischen Naturschutzpreis, hält weitere Reden gegen Kernkraft und über (falsche) Kunst sowie Vorlesungen zu Umwelt, Architektur und Kunst, 1981 wird der Künstler an die Wiener Akademie der Bildenden Künste berufen, er soll die Meisterschule für Malerei leiten.
Viele wunderbar bunte Architekturgestaltungen folgen, 1982 die Fassade der Rosenthal-Fabrik (Selb), die Planung für die Umgestaltung der Kohlenwäsche in der Zeche Maximilian im Hamm und Zungenbärte aus Keramik für das Rupertinum in Salzburg (ein Zungenbart ist eine Keramikfläche unter dem Fensterbrett, die aussieht wie eine große Zunge). 1983 gestaltet der “Architekturdoktor”, wie er sich inzwischen nennt, die Fassade eines Silos im Donauhafen von Krems mit seinen Zungenbärten.
Auf der Internationalen Gartenausstellung in München entsteht als Freiluftmodell ein Hochwiesenhaus. Er ist am Bau des Wiener Hundertwasserhauses selbst mit tätig, das 1986 fertig wird, 1987 gestaltet er in Brüssel den “Palais des Beaux Arts” für die Europalia um, entwirft die neue Gestaltung für die St. Barbara Kirche im sterischen Bärnbach und die Kindertagesstätte Heddernheim in Frankfurt. 1988 übernimmt er die Gestaltung des Wiener Fernwärmewerkes Spittelau und baut neben seinen Reisen in Bärnbach an der Kirche mit, die im September geweiht wird.
TV Reportage: Ich war dabei! Zu Besuch im Hundertwasserhaus
Reportage von Schülerinnen und Schüler der „Neue Schule Magdeburg“ – die Schülergruppe stellt das Hundertwwasserhaus in Magdeburg vor. Entstanden im Rahmen des Projekts „Ich war dabei -TV-Reportagen“ des Offenen Kanals Magdeburg unter Leitung von Stefan Rakebrand.
KUNST HAUS WIEN
Anfang der 1990er folgen weitere architektonische Realisationen (Kunst Haus und Agip-Tankstelle in Wien, Raststätte in Bad Fischau, Textilfabrik in Vorarlberg, Wohnprojekt “In den Wiesen” im deutschen Bad Soden und die Winery Napa Valley in Kalifornien) und Architektur-Projekte (Gestaltung des Orts Griffen in Kärnten und des Thermendorfs im steirischen Blumau sowie des Innenhofs einer Wohnanlage im deutschen Plochingen).
Während diese Projekte nach und nach verwirklicht werden, reist Hundertwasser immer wieder nach Neuseeland und übernimmt weitere Aufträge, z. B. die Umgestaltung eines Teils der Universitätsklinik Graz, zwei Brunnen-Projekte (in Zwettl und Linz), 1994 auch zwei Architekturprojekte für die Budapester Stadtväter und 1995 die Umgestaltung eines Gymnasiums in Wittenberg.
Insbesondere das KUNST HAUS WIEN ist ein wahres Meisterwerk des Künstlers. Das Museum zeigt eine umfangreiche Sammlung seiner Werke und bietet einen Einblick in sein vielseitiges künstlerisches Schaffen, von Gemälden über Drucke bis hin zu Architekturmodellen.
Kunst Haus Wien. Museum Hundertwasser fotografier von Afifa Afrin (August 2021), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Die Fassade des Gebäudes ist ebenso kühn und eigenwillig gestaltet wie seine inneren Räume – eine wahre Hommage an Hundertwassers Liebe zur Natur und zum Detail.
Das 1991 gegründete Museum KUNST HAUS WIEN bietet ein inspirierendes Kunsterlebnis. Die Vision von Hundertwasser einer städtischen Oase ist hier Realität geworden. In Anlehnung an die Philosophie des Künstlers wurde ein bereits vorhandenes Gebäude, eine stillgelegte Möbelfabrik der Firma Thonet, umgestaltet.
Durch das Engagement für nachhaltige Praktiken im Ausstellungsbereich und im operativen Geschäft erhielt die Kulturinstitution im Jahr 2018 das Österreichische Umweltzeichen. Somit ist das KUNST HAUS WIEN das erste „Grüne Museum“ des Landes und führt Hundertwassers kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Menschen im Naturkreislauf wegweisend fort.
Hundertwasserhaus in Plochingen; von Anita Hummel / Carl Williams (contributed by Speagles) [GFDL) oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Grüne Zitadelle in Magdeburg
1997 beginnen die Architekturprojekte Wald-Spirale in Darmstadt, Hohe Haine in Dresden, der Markthalle in Altenrhein, Schweiz und dem Mitsui Outlet Park in Osaka, Japan.
1998 wird in der Lissaboner Metro Hundertwassers Fries “Atlantis” angebracht, 1999 arbeitet er an der “Grünen Zitadelle” Magdeburg, am Ronald McDonald-Haus in Essen, an der Projektierung des Bahnhofs Uelzen und baut an der von ihm neu gestalteten Kawakawa Public Toilet in Neuseeland mit.
Die Grüne Zitadelle in Magdeburg wurde 2005 eröffnet und ist eines der letzten großen Projekte Hundertwassers. Es spiegelt seine Philosophie der „gleichen Rechte für Fenster“ wider. Jedes Fenster in der Grünen Zitadelle soll das Recht haben, seine eigene Form und seinen eigenen Stil zu haben, was dem Gebäude eine unverwechselbare und lebendige Erscheinung verleiht.
Tod und letzte Reise nach Neuseeland
Hundertwasser ist gerade mit Architekturprojekten für Teneriffa und Dillingen in der Saar beschäftigt, als er am 19.02.2000 auf einem Schiff im Pazifischen Ozean an Herzversagen stirbt. Nun darf er endlich für immer nach Neuseeland reisen, wo er in seinem eigenen Garten unter einem Tulpenbaum begraben wird.
Neben den architektonischen Arbeiten entwarf Hundertwasser ständig weiter Bücher, Briefmarken und Architekturmodelle, machte Ausstellungen, erhielt Preise und Ehrungen und hielt Reden und Vorträge, z. B stammt das wohl erste Manifest gegen Gen-Manipulation von ihm (1999). Hundertwasser hätte fast auch einmal eine Boing entworfen, statt eines Luftfahrzeugs sollte es nur ein Donauschiff werden, das heute als Hundertwasser-Schiff MS Vindobona mehr Farbe in den Verkehr bringt (die Regentag durfte wie ihr Schöpfer dauerhaft ankern, in der Donau beim niederösterreichischen Tulln).
Hundertwasser-Kunst in unserer Online Galerie
Kunstwerke von Friedensreich Hundertwasser zum Kauf finden Sie auch in unserer Online Galerie. Darunter auch sein berühmtes Werk „Der große Weg“ als hochwertige Reproduktion. Hier eine Auswahl:
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Unsere Literatur-Empfehlungen zum Architekturdoktor:
Hundertwasser – Für die Zukunft
Hundertwasser ist bereits früh in seinem Leben für ein Umdenken auf dem Gebiet der Ökologie und des nachhaltigen Bauens eingetreten und hat das auch eindringlich formuliert. Das wird im Buch „Hundertwasser für die Zukunft“ des Verlages Hatje Cantz gezeigt. Es führt Zitate aus 50 Jahren Reden, Schriften, Manifesten, Briefen und öffentlichen Aktionen von Hundertwasser zusammen, immer wieder aufgelockert durch bunte Fotos von Hundertwassers architektonischen Werken und Bildern.
Herausgeber : Hatje Cantz Verlag; 1. Edition (28. März 2020)
Sprache : Deutsch
Taschenbuch : 144 Seiten
ISBN-10 : 3775746978
ISBN-13 : 978-3775746977
Hundertwasser Architektur: Für ein natur- und menschengerechtes Bauen
„Ein Haus muß eine lebendige, organische Einheit sein, die sich fortentwickelt und ständig wandelt“, lautete eines von Friedensreich Hundertwassers Anliegen für eine natur- und menschengerechtere Architektur. Der Erfolg rechtfertigt seine Vision: Bewaldete Dächer, organische Formen, bunte Fassaden, unebene Böden, unregelmäßig angelegte Fenster, vergoldete Zwiebeltürme – Hundertwassers Architektur ist unverkennbar.
Herausgeber : Taschen Verlag (21. März 2018)
Sprache : Deutsch
Gebundene Ausgabe : 320 Seiten
ISBN-10 : 3822885940
ISBN-13 : 978-3822885949
Friedensreich Hundertwasser 1928–2000
Diese unlimitierte Standardausgabe besteht aus dem ersten Band von TASCHENs Limited Edition Friedensreich Hundertwasser 1928–2000 und bietet eine umfassende Darstellung von Hundertwassers Werk, Persönlichkeit und Leben mit ausführlichen Texten von Hundertwassers langjährigem Freund Wieland Schmied.
Herausgeber : TASCHEN (5. August 2014)
Sprache : Deutsch
Gebundene Ausgabe : 400 Seiten
ISBN-10 : 9783836551274
ISBN-13 : 978-3836551274
Hundertwasser: Complete Graphic Work 1951-1976 – Die Grafischen Arbeiten 1951-1976
Neuauflage des kompletten Ausstellungskataloges zu Hundertwassers grafischen Arbeiten. Als internationaler Bestseller zurück in den Buchhandlungen.
Herausgeber : Prestel Verlag; Illustrated Edition (18. Januar 2020)
Dieses ausführliche Werkverzeichnis ist keine posthume Hommage, sondern ein lebendiges Erbe. Band I enthält einen Text von Wieland Schmied, dem berühmten Kunsthistoriker und langjährigen persönlichen Freund von Hundertwasser, mit ausgewählten Gemälden, architektonischen Werken, Projekten und Manifesten.
Band II umfasst sein gesamtes gemaltes Werk, das sich an sein exaktes Nummerierungssystem hält. Dieses Verzeichnis enthält alles, was der österreichische Künstler jemals geschaffen hat, von Briefmarken über Nummernschilder bis hin zu Architektur und angewandter, bildender Kunst. Dies ist ein Testament seiner Arbeit, wie er es wohl gewollt hätte.
Da der Künstler selbst das detaillierte Konzept, Design und den Text des Buches vor seinem Tod fertiggestellt hat, spricht dieses Buch jetzt für ihn und haucht seiner Arbeit Leben ein.
Limitierte Auflage für Sammler: Nur 10.000 Exemplare weltweit.
Herausgeber : Taschen Verlag; 1., Edition (1. Dezember 2000)
Sprache : Englisch, Deutsch
Gebundene Ausgabe : 1392 Seiten
ISBN-10 : 3822862207
ISBN-13 : 978-3822862209
Weiterführende Infos und Online-Quellen zum Künstler:
Möchten Sie noch mehr über diesen faszinierenden Kunstschaffenden Geist erfahren, dann empfehlen wir für eine weitere Recherche und Lektüre folgende Online-Quellen:
Hundertwasser – Offizielle Websites: Die offiziellen Seite der gemeinnützigen Hundertwasser Stiftung über Friedensreich Hundertwasser, hundertwasser.com und hundertwasser.de. Neben generellen Infos zu Biografie, Werk und Ausstellungen sind vor allem auch die Hundertwasser Manifeste und Texte lesenswert.
Hundertwasser Village – Die Village beim Hundertwasserhaus wurde im Äußeren und Inneren nach dem Konzept und den Ideen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser errichtet.
Kunsthaus Wien. Museum Hundertwasser – Das Kunsthaus Wien führt mit einem einzigartigen Querschnitt durch das kreative Schaffen des Künstlers und befindet sich nur 5 Gehminuten von Haus und Village in Wien.
Friedensreich Hundertwasser auf artnet – Die Anlaufstelle für Kunsthändler und Sammler. Größte Sammlung an zum Verkauf stehenden Werken im deutschsprachigen Raum. Umfangreiche Infos zu Biografie, Ausstellungen, News und Events rund um den Künstler.
Tamara Kvesitadze ist eine der beeindruckendsten zeitgenössischen KünstlerInnen Georgiens, bekannt für ihre einzigartige Fähigkeit, Emotionen und Philosophien durch kinetische Skulpturen und Installationen darzustellen. Ihre Werke sind geprägt von einer ambivalenten Kraft, die sowohl Anziehung als auch Abstoßung, Einheit und Trennung verkörpert.
Ihr wohl bekanntestes Werk, die Skulptur „Ali und Nino“, ist ein Paradebeispiel für diese Dynamik und erzählt eine tiefgehende Geschichte über Liebe und Verlust.
Triumph der Ambivalenz
Kinetische Skulpturen sind Kunstwerke, die durch Bewegung eine zusätzliche Dimension gewinnen. Kvesitadze nutzt diese Technik meisterhaft, um die Komplexität menschlicher Beziehungen darzustellen. Jede Bewegung ihrer Skulpturen ist durchdacht und trägt zur Gesamtaussage des Werkes bei.
Die Eleganz und Präzision, mit der sie diese Bewegungen konzipiert, sind beeindruckend und emotional berührend zugleich. Es ist diese innere Spannung zwischen Bewegung und Stillstand, die ihre Kunstwerke unglaublich lebendig und dennoch tiefgründig macht.
Mehr als nur Technik: Die Philosophie hinter Kvesitadzes Werken
Tamara Kvesitadzes Werke sind mehr als nur technisch beeindruckend; sie sind tief philosophisch. Ihre Kunst befasst sich oft mit Themen wie Identität, Wandel und die Natur menschlicher Beziehungen. Durch die kinetische Bewegung ihrer Skulpturen zeigt sie, dass Veränderung und Ambivalenz wesentliche Bestandteile des Lebens sind.
Diese Darstellungen gehen weit über bloße Technik hinaus und berühren grundlegende menschliche Fragen und Emotionen.
„Ali und Nino“: Ein Sinnbild der Ewigen Liebe und Trennung
Eines ihrer bekanntesten Werke ist die monumentale Skulptur „Ali und Nino“ in Batumi, Georgien. Diese beeindruckenden Figuren stehen vor einem malerischen Hintergrund am Ufer des Schwarzen Meeres. Ihre Geschichte und ihre Bewegungen haben eine tiefe symbolische Bedeutung, die über die reine Ästhetik hinausgeht.
Nachtansicht der Ali- und Nino-Statue von Tamara Kvesitadze in Batumi, Georgien Bildquelle: 𐰇𐱅𐰚𐰤, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Die historische und literarische Wurzeln von „Ali und Nino“
„Ali und Nino“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des aserbaidschanischen Autors Kurban Said, der 1937 veröffentlicht wurde. Der Roman erzählt die Liebesgeschichte zwischen Ali, einem muslimischen Jungen aus Aserbaidschan, und Nino, einem christlichen Mädchen aus Georgien.
Diese Beziehung steht im Spannungsfeld kultureller und religiöser Unterschiede im Kaukasus der 1910er Jahre.
Die Skulptur: Bewegung als Metapher
Kvesitadzes Skulptur besteht aus zwei 7 Meter hohen Stahlfiguren, die sich tagsüber langsam bewegen und sich einmal täglich küssen, um dann wieder auseinander zu driften. Diese tägliche Bewegung symbolisiert die Tragik und die Schönheit der Liebesgeschichte von Ali und Nino.
Durch die Bewegung der Figuren, die sich einander nähern, verschmelzen und wieder auseinandergehen, wird die Ambivalenz von Nähe und Distanz kunstvoll eingefangen. Die Skulptur verdeutlicht visuell die immensen emotionalen Kräfte und Widersprüche, die in jeder tiefen menschlichen Beziehung vorhanden sind.
Die Geschichte hinter der Statue von Ali und Nino
Die Geschichte hinter der Statue von Ali und Nino ist sowohl tragisch als auch inspirierend. Sie basiert auf dem historischen und kulturellen Hintergrund des Kaukasus und erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die durch kulturelle, religiöse und soziale Grenzen getrennt sind.
Diese Grenzen spiegeln sich in der Bewegung der Skulpturen wider, die sich Tag für Tag annähern und trennen. Die visuelle Umsetzung dieser Geschichte in Form einer kinetischen Skulptur erweckt die zeitlose Erzählung von Liebe und Trennung zum Leben und lässt den Betrachter die tiefen menschlichen Gefühle nachempfinden, die diese Geschichte so bedeutend machen.
Tamara Kvesitadze gelingt es mit „Ali und Nino“, nicht nur eine literarische Geschichte in ein eindrucksvolles Kunstwerk zu verwandeln, sondern auch die tieferen psychologischen und emotionalen Aspekte von Beziehungen zu erforschen. Diese Skulptur steht als Zeugnis ihrer Fähigkeit, komplexe menschliche Emotionen und Philosophien auf eine Weise darzustellen, die sowohl intellektuell anspruchsvoll als auch tief emotional berührend ist.
Die Tiefe der Philosophischen Themen in Kvesitadzes Werken
Tamara Kvesitadzes Kunstwerke sind nicht nur ästhetische Meisterwerke kinetischer Kunst, sondern auch tief philosophische Untersuchungen der menschlichen Natur. Durch die Bewegung und Interaktion ihrer Skulpturen nimmt sie den Betrachter mit auf eine Reise in die tiefen, oft widersprüchlichen Bereiche der menschlichen Existenz.
Ihre Arbeiten werfen Fragen auf und regen zum Nachdenken an, ohne dabei definitive Antworten zu liefern – eine Kunst, die im Vagen, Instabilen und Veränderlichen ihren Reiz findet.
Identität und Selbstfindung
Ein zentrales Thema in Kvesitadzes Werk ist die Frage der Identität und Selbstfindung. Die Bewegung ihrer Skulpturen symbolisiert den ständigen Wandel und die Evolution des Selbst. Identität ist in ihren Augen nicht statisch, sondern ein dynamischer Prozess, der durch äußere Einflüsse und innere Reflexionen ständig neu definiert wird.
Die Figuren in ihren Werken, die sich transformieren und bewegen, verdeutlichen, dass Identität ein flexibles Konstrukt ist, das nie wirklich abgeschlossen ist.
Dualität und Ambivalenz
Kvesitadzes Kunstwerke strahlen eine beständige Dualität und Ambivalenz aus – eine gleichzeitige Anziehung von Gegensätzen, die im Einklang und in Konflikt existieren. Die Skulpturen „Ali und Nino“ sind ein markantes Beispiel dafür: Sie repräsentieren nicht nur zwei unterschiedliche Individuen, sondern auch zwei Kulturen, zwei Religionen und zwei Seinszustände, die in einer unaufhörlichen Bewegung zueinander und voneinander weg sind.
Diese Dualität spiegelt die menschliche Erfahrung wider, in der Gegensätze wie Liebe und Hass, Nähe und Distanz, Einheit und Trennung ständig miteinander ringen.
Vergänglichkeit und Veränderung
Ein weiteres wiederkehrendes Thema in Kvesitadzes Arbeiten ist die Vergänglichkeit und der stetige Wandel des Lebens. Die fließenden Bewegungen ihrer Skulpturen verdeutlichen, dass nichts im Leben dauerhaft ist – alles ist im Fluss.
Diese Philosophie der Vergänglichkeit lädt den Betrachter ein, die kostbaren Momente des Lebens bewusst zu erleben und gleichzeitig die Unvermeidbarkeit von Veränderung und Verlust zu akzeptieren.
Zwischenmenschliche Beziehungen
Tamara Kvesitadze untersucht auch die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen. Ihre Skulpturen, die sich einander nähern und wieder entfernen, sind Metaphern für die dynamischen Spannungen, die in jeder Beziehung existieren.
Sie stellt die Frage, wie Nähe und Distanz, Verbundenheit und Individualität in Balance gehalten werden können. Durch die kinetische Bewegung zeigt sie, dass Beziehungen nicht statisch sind, sondern ein ständiges Verhandeln von Raum und Nähe darstellen.
Existenzielle Fragen
Letztlich geht es in Kvesitadzes Kunstwerken um existenzielle Fragen: Wer sind wir? Was bedeutet es, menschlich zu sein? Wie navigieren wir das Dasein in einer Welt voller Widersprüche und Unsicherheiten?
Ihre Kunst ist eine Einladung, diesen Fragen nachzuspüren und unsere eigene Existenz kritisch zu hinterfragen. Ohne einfache Antworten zu bieten, eröffnet sie einen Raum für Reflexion und Selbstentdeckung.
Installation „The Passage“ in der Galerie Kornfeld September 2020
Die Installation „The Passage“ zeigt auf eindrucksvolle Weise einige der Themen der georgischen Künstlerin. Sie entstand aus der Isolation und Dunkelheit der Quarantäne infolge der Corona-Pandemie und entführte den Betrachter auf eine faszinierende Reise durch eine Welt voller Veränderungen, die sowohl erdrückend als auch hoffnungsvoll ist.
Eine Gruppe mysteriöser schwarzer Vögel fliegt durch das scheinbare Chaos, von einer unsichtbaren Kraft gelenkt. Sie werden wie Beute in die Fänge des menschlichen Verstandes gezogen – Albträume, seelenzersetzende Zweifel, unberechenbare Gedanken, Liebeskummer, bitterer Verlust oder Halluzinationen?
Wer ist die Person, die diese Vögel begleitet – ein Künstler, ein Träumer, ein Poet, ein Politiker oder einfach nur ein Mensch auf dieser Erde?
Dies ist „The Passage“ – ein ergreifendes Werk von Tamara Kvesitadze, entstanden während des Lockdowns. Im Gegensatz zu ihren kinetischen Skulpturen bleibt die Installation dieses Mal statisch, während ihre Geschichte sich entfaltet und den Betrachter auf eine ganz besondere Reise mitnimmt.
Eine vertiefte Betrachtung ihres Opus Magnum „Ali und Nino“
Die Skulptur „Ali und Nino“ ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Tiefe von Kvesitadzes philosophischer Auseinandersetzung. Sie stellt nicht nur die Frage der kulturellen und religiösen Identität, sondern auch die grundlegende Natur von Liebe und Verlust.
Die Geschichte hinter dieser Skulptur spiegelt die Tragik und das Potenzial von Beziehungen wider, die durch äußere Kräfte beeinflusst werden. Kvesitadze nutzt diese Geschichte, um die Universalität menschlicher Emotionen zu zeigen und gleichzeitig die spezifischen kulturellen Kontexte zu ehren, aus denen diese Geschichte stammt.
Kvesitadzes Werke sind somit mehr als nur Kunstwerke – sie sind visuelle Essays, die durch ihre Bewegung und Gestalt die tiefen philosophischen Fragen des Lebens erforschen. Durch ihre kinetischen Skulpturen gelingt es ihr, diese Fragen auf eine Weise zu stellen, die ebenso zugänglich wie tiefgründig ist, wodurch sie eine breite Palette von Emotionen und Intelligenz ansprechen.
Ihre Arbeiten laden den Betrachter ein, sich auf eine tiefere Ebene des Verstehens zu begeben und die Komplexität und Schönheit des menschlichen Daseins zu würdigen.
In der spanischen Kunstszene nimmt die vietnamesisch-spanische Künstlerin Viet Ha Tran einen besonderen Platz ein. Bekannt für ihre poetischen und ästhetisch ansprechenden Werke, schafft sie es, den Betrachter in eine Welt voller Emotionen und Träumereien zu entführen.
Viet Ha Tran und die Magie des Moments
Viet Ha Tran, ursprünglich aus Hanoi stammend, hat sich durch ihre unverwechselbare Bildsprache in der globalen Kunstwelt etabliert. Ihre Fotografien sind nicht nur Momentaufnahmen, sondern erzählen Geschichten, die das Innere erreichen.
Sie kombiniert Elemente aus der Malerei und Fotografie, die ihre Werke fast surreal erscheinen lassen. Die sorgfältige Wahl von Farbe, Licht und Komposition verleiht ihren Bildern eine Tiefe, die weit über das rein Visuelle hinausgeht.
Künstlerische Vision: Zwischen Realität und Traum
Viet Ha Trans künstlerische Vision kann als eine harmonische Verschmelzung von Realität und Fantasie beschrieben werden. Ihre Arbeiten sind geprägt von einer tiefen emotionalen Intimität und poetischen Ausdruckskraft, die den Betrachter einlädt, jenseits der Oberfläche zu schauen und in die subtilen Schichten ihrer Kunst einzutauchen.
Ihre Fotografie ist nicht bloß eine visuelle Darstellung, sondern eine narrative Reise, die Gefühle und Gedanken auf eine einzigartige Weise kommuniziert.
Tran selbst sagt:
Mein Ziel ist es, das Unaussprechliche auszudrücken und eine Verbindung zwischen dem Bild und dem Betrachter zu schaffen. Jedes meiner Werke soll ein Fenster zu einer neuen Welt öffnen, gefüllt mit Emotionen und Träumen.“
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Farb- und Lichtgestaltung
Ein Schlüsselelement ihrer Vision ist die meisterhafte Nutzung von Farbe und Licht. Tran verwendet oft gedämpfte, aber dennoch lebendige Farbtöne, die eine nostalgische und gleichzeitig traumhafte Atmosphäre erzeugen. Ihre Bilder sind oft in weiche, warme Lichter getaucht, die eine intime und beruhigende Stimmung schaffen.
Diese Technik erlaubt es ihr, das Alltägliche in etwas Außergewöhnliches zu verwandeln und den Betrachter in eine parallele Realität zu entführen.
Komposition und Symbolik
Die Komposition in Trans Arbeiten ist sorgfältig durchdacht und voller Symbolik. Jedes Element in ihren Fotografien ist strategisch platziert und trägt zur Gesamtnarration bei. Diese bewusst konstruierte Ästhetik ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Bild und lädt zur Interpretation und Reflexion ein.
Oft verwendet sie Naturmotive wie Wasser, Blumen und Wälder, die als Symbole für Reinheit, Wachstum und Vergänglichkeit dienen.
Wichtige Einflüsse: Asiatische Tradition und Europäische Avantgarde
Asiatische Einflüsse
Ein großer Teil von Trans Inspiration stammt aus ihrer asiatischen Herkunft und den reichen kulturellen Traditionen Vietnams. Die feine Kunst der vietnamesischen Seidenmalerei und die spirituellen Geschichten aus der asiatischen Mythologie finden oft ihren Weg in ihre Bilder.
Diese Einflüsse spiegeln sich in der detaillierten Handwerkskunst und der symbolischen Tiefe ihrer Werke wider. Ein Beispiel hierfür ist die wiederkehrende Verwendung von Wasser als Metapher für das Leben und den Fluss der Zeit.
Europäische Kunst und Mode
Ebenso stark beeinflusst ist Tran durch die europäische Kunstgeschichte und die Welt der Modefotografie. Künstler wie Gustav Klimt und Egon Schiele, bekannt für ihre sinnlichen und detailreichen Darstellungen, haben ihre Herangehensweise stark geprägt. Diese Einflüsse manifestieren sich in den üppigen Texturen und der intensiven Farbpalette ihrer Arbeiten.
In der Modefotografie findet Tran eine weitere Quelle der Inspiration. Namen wie Tim Walker oder Annie Leibovitz prägen ihren Stil, besonders ihre Fähigkeit, narratives Storytelling mit visueller Opulenz zu verbinden. Die Kollaboration mit verschiedenen Modedesignern und Magazinen hat es ihr ermöglicht, ihre visionären Ideen in neue kontextuelle Rahmen zu setzen und zu erforschen.
Psychologische Tiefe
Tran’s Arbeiten sind auch psychologisch tiefgründig. Sie erforscht Gefühle wie Einsamkeit, Sehnsucht und Verwundbarkeit, oft durch Selbstporträts oder inszenierte Szenen, die eine intime und persönliche Erzählung darstellen.
Diese psychologische Tiefe macht ihre Werke nicht nur zu optischen Genüssen, sondern auch zu Einladung, die menschliche Psyche zu reflektieren und zu verstehen.
Einblick in die Fototechniken von Viet Ha Tran
Viet Ha Tran hat sich als eine Künstlerin etabliert, deren technisches Können und kreatives Auge harmonisch zusammenarbeiten, um Fotografien zu schaffen, die gleichzeitig zeitlos und innovativ sind. Ihre Techniken heben nicht nur die ästhetische Qualität ihrer Werke hervor, sondern tragen auch maßgeblich zur atmosphärischen und emotionalen Wirkung ihrer Bilder bei.
Verwendung von natürlichem Licht
Ein Markenzeichen von Trans Arbeiten ist ihr geschickter Einsatz von natürlichem Licht. Sie bevorzugt die goldenen Stunden des Tages – morgens und spätnachmittags – um das weiche, sanfte Licht dieser Zeiten zu nutzen. Dieses Licht erzeugt zarte Schatten und betont die Details ohne harte Kontraste.
Durch das Spiel mit Licht und Schatten kann Tran die Texturen und Tiefe in ihren Fotografien verstärken, was zu einer poetischen und fast träumerischen Atmosphäre führt.
Vielschichtige Kompositionen
Die Komposition ihrer Fotografien ist komplex und vielschichtig. Tran setzt verschiedene Ebenen und Perspektiven ein, um Tiefe und Dimension zu erzeugen.
Ihre Fotografien sind oft wie ein Gemälde arrangiert, bei dem jeder Aspekt – Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund – bewusst gestaltet ist, um eine ausgewogene und harmonische Komposition zu schaffen.
Analoge und digitale Techniken
Tran kombiniert traditionelle analoge Techniken mit moderner digitaler Bearbeitung, um ihre einzigartige Ästhetik zu erzielen. Sie beginnt oft mit der analogen Fotografie, um die Rohheit und Authentizität des Moments einzufangen.
Anschließend verwendet sie digitale Werkzeuge, um Feinheiten hinzuzufügen und die Farben und Kontraste zu verstärken. Diese hybride Methodik erlaubt es ihr, das Beste aus beiden Welten zu vereinen und Bilder zu schaffen, die sowohl klassisch als auch modern wirken.
Inszenierte Fotografie
Ein weiteres Merkmal von Trans Technik ist die inszenierte Fotografie. Sie plant und gestaltet ihre Szenen akribisch, oft mit aufwendigen Kostümen, Requisiten und Kulissen. Diese Inszenierungen haben oft einen narrativen Charakter und laden den Betrachter ein, tief in die erzählte Geschichte einzutauchen.
Ihre Szenen erinnern an theatralische Inszenierungen und schaffen eine Atmosphäre, die sowohl magisch als auch real erscheint.
Doppelbelichtungen und Überlagerungen
Tran verwendet häufig Doppelbelichtungen und Überlagerungstechniken, um surrealistische Effekte in ihren Fotografien zu erzeugen. Diese Techniken ermöglichen es ihr, mehrere Bilder oder Texturen zu einem einzigen, komplexen Werk zu verschmelzen.
Das Ergebnis sind vielschichtige Bilder, die die Realität verformen und den Betrachter in eine andere Dimension versetzen.
Detailbetonung
Details spielen eine zentrale Rolle in Trans Arbeiten. Sie legt besonderen Wert auf die Texturen und kleinen Feinheiten in ihren Bildern – sei es die Struktur eines Stoffes, die Muster eines Hintergrundes oder die feinen Linien eines Gesichtsausdrucks.
Diese Liebe zum Detail verstärkt die Gesamterzählung und gibt ihren Bildern eine Tiefgründigkeit, die zum längeren Betrachten und Entdecken einlädt.
Aktuelle Ausstellungen und Auszeichnungen
Wichtige Meilensteine ihrer jüngsten Karriere waren die Ausstellungen Aesthetica Art Prize 2023 in der York Art Gallery (UK) und ihre Teilnahme an der Annual Exhibition der Royal Scottish Academy of Art and Architecture in Edinburgh.
Im gleichen Jahr wurde Viet Ha Tran kürzlich als Nominee Photographer of the Year bei den SINGULART AWARDS 2023, Paris ernannt, ein Beweis für ihre herausragende Fähigkeit, Fotografie auf ein neues künstlerisches Niveau zu heben. Diese Nominierung zeichnet außergewöhnliche Talente aus, die die Grenzen der traditionellen Fotografie erweitern.
Die talentierte Künstlerin mit akademischem Abschluss ist seit kurzem Board Member der Royal Spanish Photographic Society. Sie hat erfolgreich mit renommierten Marken wie Louis Vuitton und Voguezusammengearbeitet. Ihre Werke wurden häufig in den spanischen Medien präsentiert und sind in mehr als 30 Ländern weltweit in Kunstsammlungen vertreten.
Woraus resultiert die enorme Sogkraft hinter Trans Arbeiten? Es ist die Fähigkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Jedes Bild von ihr lädt den Betrachter ein, tiefer in die dargestellte Welt einzutauchen und die Schichten der Realität zu erkunden.
Ihre Arbeiten sind eine Einladung zur Reflexion über Schönheit, Vergänglichkeit und die menschlichen Emotionen. Sie schaffen es, im Betrachter ein Gefühl der Verbundenheit und der intimen Berührung zu erzeugen.
Viet Ha Tran kommentiert dazu:
Meine Fotografien sind ein Fenster zu meiner Seele. Ich möchte, dass die Menschen nicht nur sehen, sondern auch fühlen, was ich fühle, wenn ich diese Momente einfange.“
Engagement für die Kunstwelt
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit engagiert sich Tran auch aktiv in der Kunstwelt, indem sie sich für junge Talente einsetzt und verschiedene Workshops und Diskussionen leitet.
Sie teilt ihre Erfahrungen und Techniken großzügig, um die nächste Generation von Künstlern zu inspirieren und zu ermutigen.
Fazit
Viet Ha Tran ist zweifellos eine der faszinierendsten Figuren der zeitgenössischen Fotografie. Ihre Arbeiten sind nicht nur visuelle Meisterwerke, sondern auch tiefgründige Erkundungen menschlicher Emotionen und Erlebnisse. Mit ihren aktuellen Ausstellungen und Auszeichnungen setzt sie neue Maßstäbe und inspiriert Kunstliebhaber weltweit, über das Sichtbare hinaus zu schauen und die verborgenen Geschichten ihrer Bilder zu entdecken.
Wer ihre Werke betrachtet, wird eingeladen, eine Reise in eine Welt der Träume und Emotionen zu unternehmen – eine Reise, die noch lange nachwirkt.
Der heutige Tag markiert den 70. Todestag von Frida Kahlo, einer der einflussreichsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.
Geboren am 6. Juli 1907 in Coyoacán, Mexiko, hat Frida ein Vermächtnis hinterlassen, das Generationen inspiriert und bewegt. Am 13. Juli 1954 verstarb sie, aber ihr Einfluss auf die Kunstwelt und darüber hinaus ist nach wie vor präsent und bedeutsam.
Das Frida-Kahlo-Museum, auch bekannt als La Casa Azul, hat eine beeindruckende Gedenkausstellung kuratiert, die mit hochkarätigen Konferenzen und künstlerischen Veranstaltungen bereichert wird. Ein besonderes Highlight ist die exklusive Vorführung des neuen Dokumentarfilms „Frida“ von Carla Gutiérrez, der die bewegende Lebensgeschichte der Malerin mittels animierter Gemälde eindrucksvoll zum Leben erweckt.
Die Dokumentation zeigt sich als eine faszinierende und inspirierende Entdeckungsreise durch das Leben, das Werk und die Seele der berühmten Künstlerin Frida Kahlo.
Wir erleben ihre eigenen Worte aus illustrierten Tagebuch der Malerin, ihren Briefen, Essays und Interviews. Durch poetische Animationen, inspiriert von ihren Werken, erwacht Fridas Geschichte zum Leben. Regisseurin Carla Gutiérrez präsentiert mit FRIDA ein beeindruckendes Porträt, das verdeutlicht, warum sowohl die Künstlerin als auch ihre Kunst so kraftvoll sind.
Der Film wurde bereits am 14. März exklusiv auf @PrimeVideo im Streaming veröffentlicht.
Gutiérrez und ihr Team haben über zwei Jahre intensiv zusammengearbeitet, um über 40 Jahre des Lebens von Frida abzudecken und so ein einzigartiges Kinoerlebnis zu schaffen. Das lebendige Porträt von Kahlo wird durch magischen Realismus gekonnt verstärkt. Besonders beeindruckend ist jedoch ihre vielschichtige Stimme: furchtlos, verführerisch, trotzig, verletzlich, rau und wunderbar lebendig.
Kunsthistoriker betont die Vielschichtigkeit Kahlos
In einem Gespräch mit dem Kunsthistoriker Luis Martínez Lozano, der auf moderne und mexikanische Kunst spezialisiert ist, wurde seine Einschätzung zur Bedeutung von Frida Kahlo 70 Jahre nach ihrem Tod beim mexikanischen Nachrichtensender UnoTV geteilt.
Martínez Lozano betonte die Relevanz, die Vielschichtigkeit von Kahlo zu würdigen: als Individuum, als Frau, die sich für den Weg der Künstlerin entschieden hat, sowie die kulturellen und sozialen Auswirkungen ihres Schaffens. Er hob hervor, dass Frida Kahlo in Mexiko und Europa unterschiedlich wahrgenommen wird, jedoch weltweit einen großen Einfluss ausübt. Ihre Persönlichkeit hat zahlreiche Kunstformen inspiriert, darunter Ausstellungen, Videos, Ballette und Opern.
Wie starb Frida Kahlo? Was über die Umstände ihres Todes bekannt ist
Unter dem Namen Magdalena Carmen Frida Kahlo Calderón, in Coyoacán, Mexiko, erblickte die Malerin am 6. Juli 1907 das Licht der Welt. Ihr Leben dauerte 47 intensive Jahre lang.
Heute vor 70 Jahren, am 13. Juli 1954, verstarb sie offiziell an Bronchitis. Es halten sich auch immer noch Gerüchte über einen angeblichen Selbstmord.
Ihre Überreste wurden im Palacio de Bellas Artes in Mexiko-Stadt beigesetzt und ihr Sarg wurde mit der Flagge der Kommunistischen Partei Mexikos bedeckt. Fridas Leichnam wurde danach feuerbestattet und ihre Asche in der Casa Azul aufbewahrt.
Frida Kahlo starb, wie sie lebte: intensiv und schmerzhaft. Wie sie selbst sagte, wurde sie mehrfach „vom Leben getötet“. Ihr Tod schlug hohe Wellen und brachte Fragen mit unterschiedlichen und unklaren Antworten mit sich.
Sie berichtete, dass ihre letzten öffentlichen Auftritte in ihrer Einzelausstellung und auf dem Protestmarsch gegen die Intervention der Vereinigten Staaten in der Regierung von Guatemala stattfanden.
Bei den letzten Gelegenheiten, bei denen sie in der Öffentlichkeit gesehen wurde, als sie ihre Zuflucht – das blaue Haus – verließ, präsentierte sie sich sehr schlecht […]. Ihre Stimmung war traurig, besonders beim Marsch. Man hatte den Eindruck, dass sie nicht einmal die Motivation hatte, sich so zu arrangieren und zu schmücken, wie sie es gewohnt war, mit Blumen auf dem Kopf, großen Ohrringen und viel Farbe im Gesicht. Sie kam mit einem faltigen und geschundenen Gesichtsausdruck heraus und so sahen wir sie im Rollstuhl in der Nähe des Einkaufszentrums, umgeben von Freunden, die sogar das Banner halten mussten, das sie in der Hand trug.»
(sinngemäß übersetzt aus dem Spanischen)
In ihrem Buch Frida: El pincel de la angustia stellte Martha Erfahrungsberichte aus Fridas sozialem Umfeld zusammen. Freunde, Ärzte, Kollegen und Familie sprachen mit der Autorin, um die Biografie der Künstlerin zu bereichern.
Bezüglich des Todes von Frida Kahlo holte Zamora die Aussage von Cornelia Mayet ein, der praktischen Krankenschwester, die Frida „Mutter“ nannte. Mayet sagt, dass sie am 13. Juli 1954 gegen sechs Uhr morgens die Ankunft des Assistenten von Diego Rivera, Fridas Ehemann, hörte:
[…] Ich verließ das Schlafzimmer in Richtung Fridas Bett. Sie hatte die Augen offen, starr und blickte zur Seite. Ihr rechter Arm baumelte aus dem Bett. Ich habe sie berührt, ich habe sie angerufen: „Tochter, was ist mit dir passiert?“ Ich spürte, wie ihr kalt wurde, und rief Manuel zu, er solle heraufkommen und Mr. Rivera in seinem Arbeitszimmer warnen, was mit dem Mädchen Frida passiert sei.“
(sinngemäß übersetzt aus dem Spanischen)
In Fridas Sterbeurkunde heißt es, die Todesursache sei eine „Lungenembolie“ gewesen. Dafür kann es jedoch mehrere Ursachen geben. Ihre Biografin erzählt uns von zweien: einem unvermeidlichen Tod aufgrund körperlicher Verschlechterung und einem unfreiwilligen Selbstmord aufgrund einer Überdosis Demerol.
Was das erste betrifft, bekräftigt Martha Zamora, dass Frida Kahlo sich der enormen Anstrengung bewusst war, die ihr Zustand für die Menschen in ihrem Umfeld erforderte. Diego Rivera war für die Koordinierung der Unterstützung verantwortlich, die sie am Leben hielt. Frida sah jedoch, wie sich der Zustand ihres Mannes verschlechterte. Diese Ermüdungserscheinungen motivierten Frida, sich den Bedingungen zu ergeben, die ihr Körper ihr auferlegte.
Im Szenario einer Überdosis weist die Biographin darauf hin, dass die Abhängigkeit Fridas von Demerol immer stärker wurde. In ihrem Tagebuch findet sich als letzter Eintrag ein äußerst trauriger Satz:
Ich hoffe, dass die Abreise freudig ist und ich hoffe, dass ich nie wieder zurückkomme.“
Zamora deutet diese letzten Wort folgendermaßen:
Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich um eine Überdosis Demerol handeln könnte, die von der abhängigen Person injiziert wurde (weil sie sich bei vielen Gelegenheiten selbst gespritzt hat), als sie mitten in der Nacht aufwachte.“
Frida Kahlo, die zu Lebzeiten nicht die Anerkennung erfuhr, die sie heute genießt, wurde im Palast der Schönen Künste feierlich beerdigt. Durch die Unterstützung von Andrés Iduarte, einem ehemaligen Mitschüler und Direktor des National Institute of Fine Arts, konnte die Trauerfeier an diesem bedeutenden Ort stattfinden.
Beisetzung von Frida Kahlo im Palacio de Bellas Artes Bildquelle unbekannt
Martha Zamora berichtet, dass sogar der frühere Präsident Lázaro Cárdenas zu den links auf diesem Foto zu sehenden Persönlichkeiten gehörte, die an der Beerdigung teilnahmen. Ein bedeutsamer politischer Akt ereignete sich, als Arturo García Bustos, ein weiterer Schüler, die Fahne der kommunistischen Partei Mexikos auf dem Sarg platzierte.
Dieser politische Akt hatte Auswirkungen auf Andrés Iduarte, der von seinem Amt zurücktreten musste, sowie auf Fridas Arbeit. Über zwanzig Jahren wurden Frida Kahlos Werke nicht in Mexiko ausgestellt.
70 Jahre nach ihrem Tod wird Frida Kahlo auf der ganzen Welt als Ikone angesehen und verehrt. Sie steht für unzählige Menschen für die Kraft zur Veränderung. Frida, Feministin, Behinderte, Gebrochene, soziale Kämpferin und stolze Frau, weckt den Wunsch in uns, mehr über sie zu erfahren, für gerechte Anliegen einzutreten und mutig den Herausforderungen des Lebens zu begegnen.
Frida Kahlo’s Leben – Geprägt von Schmerz, Lebenswille und Kreativität
Frida Kahlo war nicht nur Malerin, sondern auch eine kämpferische Frau, die ihr Leben in ihre Kunst einflocht. Ihr Werk ist tief autobiographisch und durchzogen von Elementen der mexikanischen Kultur, persönlichem Schmerz und politischem Engagement. Im Alter von sechs Jahren erkrankte sie an Polio, was zu einer bleibenden Behinderung führte.
Später, im Alter von 18 Jahren, erlitt sie bei einem Busunfall schwerste Verletzungen. Diese prägten nicht nur ihr körperliches Wohlbefinden, sondern auch die Motive und Themen ihrer Kunst.
Nachdenkliche Frida Kahlo (ca. 1944) – Fotografie aus der Sammlung Manuel Álvarez Bravo Bildquelle: Lola Álvarez Bravo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Ihre berühmtesten Werke, darunter „Die gebrochene Säule“ und „Selbstportrait mit Dornenhalsband und Kolibri“, spiegeln ihre körperlichen und emotionalen Qualen wider, aber auch ihre unbändige Lebensenergie und Kreativität.
Fridas Einfluss auf die Popkultur
Frida Kahlo hat sich als Ikone der Popkultur etabliert, ähnlich wie Andy Warhol in den USA. Ihre unverwechselbaren Selbstportraits sind weltweit erkannt und ihre Bildsprache findet sich auf allem, von Kleidung bis hin zu Haushaltsgegenständen.
Ihre markanten Augenbrauen und farbenfrohen Trachten aus Tehuantepec sind fast schon zum Synonym für kreative Rebellen geworden.
Posthume Anerkennung und Gedenken
Obwohl Frida zu Lebzeiten nur mäßigen Erfolg hatte, wird ihr Talent und Einfluss heute weltweit gefeiert. In Gedenken an ihren 70. Todestag finden zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen statt, die ihrer Arbeit und ihrem Leben Tribut zollen.
Die Casa Azul, ihr ehemaliges Wohnhaus in Coyoacán, ist heute ein Museum, das unzählige Besucher anzieht und einen tiefen Einblick in ihr Leben und Schaffen gewährt.
La Casa Azul – Das ehemalige Haus der Künstlerin ist heute ein Museum
Ihr Vermächtnis in der modernen Kunst
Frida Kahlos Einfluss beschränkt sich nicht nur auf die Malerei. Ihre Themen – von Identität und Postkolonialismus bis hin zu Geschlecht und Klasse – sind zu zentralen Diskursen in der zeitgenössischen Kunst und Gesellschaft geworden. Junge Künstlerinnen und Aktivistinnen weltweit beziehen sich auf Frida als Wegbereiterin und Inspiration.
Zu den aktuellen Feierlichkeiten ihres Todestages gehört eine bedeutende Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), bei der selten gesehene Werke und persönliche Gegenstände Fridas gezeigt werden.
Auch in Mexiko finden zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter ein neues Theaterstück über ihr Leben und der bereits erwähnte Dokumentarfilm, der bisher unbekannte Filmmaterialien und Interviews mit Menschen zeigt, die sie persönlich kannten.
Ein paar Schlussgedanken mit auf den Weg…
Frida Kahlo war mehr als nur eine Malerin. Sie war eine Kämpferin, eine Pionierin und eine Frau, die ihre tiefsten Schmerzpunkte in Kunst verwandelte.
Sie erinnert uns daran, dass aus den dunkelsten Momenten unseres Lebens wahre Schönheit und Ausdruckskraft erwachsen können.
Auch 70 Jahre nach ihrem Tod bleibt Frida Kahlo eine Kraft, die inspiriert, herausfordert und die Grenzen von Kunst und Gesellschaft neu definiert.
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