René Magritte – der “Magier” des (Sur)Realismus

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René François Ghislain Magritte – ein Künstler, dessen Bilder Menschen träumen lassen. Die Motive seiner Bilder werden deshalb auch vielfach als Wiedergaben von Hirngespinsten gedeutet. Seine Werke entstammen aber keineswegs einer Traumwelt, im Gegenteil, Magritte ganzes künstlerisches Schaffen war dem Ziel verpflichtet, die Wirklichkeit anschaulich darzustellen.

Der belgische Maler entdeckte nicht sofort die Welt des Unwirklichen, der Kunstrichtung, die als Surrealismus bekannt wurde. Dabei hatte der schon in der Kindheit zeichnerisch begabte René durchaus Grund, sich früh in Traumwelten zu flüchten. Als er 14 Jahre alt war, ertränkte sich seine Mutter selbst aus nie bekannt gewordenen Gründen, der Vater floh mit seinen drei Söhnen aus dem romantischen, von Natur umgebenen Städtchen Châtelet in die nahegelegene Industriestadt Charleroi. Hier war das Leben härter, der ohnehin traumatisierte René verlor sich während seiner Gymnasialzeit in den literarischen Zauberwelten, die Edgar Allan Poe, Robert Louis Stevenson, Maurice Leblanc (Der Meisterdieb Arsène Lupin), Gaston Leroux (Das Phantom der Oper ist) und die Fantômas-Romane (Pierre Souvestre und Marcel Allain) bereithielten.

Mit 15 entdeckte Magritte die abbildende Kunst wieder und die Weiblichkeit für sich, Georgette Berger war das Modell seiner ersten, noch impressionistisch geprägten Arbeiten. So entschloss er sich nach dem Abitur für das Kunststudium, das er ab 1916 an der Académie des Beaux-Arts in Brüssel absolvierte, in seiner Studienzeit zeigten seine Arbeiten bereits einen deutlich futuristischen Anklang, auch kubistische Einflüsse lassen sich ausmachen.

Fotografie des belgischen Malers René Magritte aus dem Jahre 1967

Fotografie des belgischen Malers René Magritte aus dem Jahre 1967;
Lothar Wolleh [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

1919 beendete Magritte sein Kunststudium, heiratete Georgette Berger und war zunächst gezwungen, den Lebensunterhalt der jungen Familie durch das Zeichnen von Tapetenmustern in einer Fabrik, als Plakatmaler und als Werbezeichner zu verdienen.

1923 beschloss Magritte, beflügelt durch seinen ersten Verkaufserfolg, von nun an “die Gegenstände nur noch mit ihren augenfälligen Details zu malen“. Obwohl der Verkauf des Portraits einer bekannten Sängerin ihm neues künstlerisches Selbstbewusstsein gegeben hatte, vergingen noch einige Jahre, bis er 1926 eine Vereinbarung mit der Brüssler Galerie „Le Centaure“ abschließen konnte, die von nun an das tägliche Auskommen sicherte. Magritte konnte sich nun endlich nur auf seine Kunst konzentrieren, die mit dem Werk “Der verlorene Jockey” jetzt die ersten surrealistischen Züge bekam. Unter diesen Bedingungen ließ auch die Anerkennung nicht mehr auf sich warten, “Le Centaure” veranstaltete 1927 eine erste Ausstellung nur mit seinen Bildern.

Magritte zog es jetzt nach Paris, in das Zentrum der surrealistischen Kunst. Er zeigte sich begeistert von der metaphysischen Malerei des Giorgio de Chirico, der auch andere bedeutende Surrealisten inspiriert hatte, und lernte ebensolche Surrealisten wie André Breton und Paul Éluard auch persönlich kennen.

Nicht als erster Künstler verstritt er sich heftig mit André Breton und ging deshalb 1930 zurück nach Brüssel, in dieser Zeit wuchs der Kreis seiner Künstlerfreunde. Bekannt ist z. B. ein enger Kontakt Magritte zu Hans Arp, Joan Miró und Salvador Dalí. Magritte entwickelte sich in der folgenden Zeit zu einem der führenden Köpfe der Surrealismus, 1938 war er auf der Exposition Internationale du Surréalisme (Galerie Beaux-Arts, Paris) gleich mit mehreren Werken vertreten. Nebenbei entwickelte er sich in andere Richtungen weiter, er drehte Kurzfilme und trat in die Kommunistische Partei Belgiens ein und aus, hielt Vorträge über seine Arbeit und arbeitete ab 1930 für mehrere Publikationen.

Im Kreis der Surrealisten nahm Magritte zunehmend eine Sonderstellung ein, weil er eine ganz eigene Herangehensweise und einen ganz eigenen Stil entwickelt hatte, seinen “magischen Realismus”. Er malte Gegenstände des Alltags, wobei er sich an immer die gleichen Objekte hielt, Magritte-Bewunderern vertraut sind die Pfeife und der Apfel, der Vorhang und der Bowlerhut, die Taube und der blaue Himmel, die Handschellen und die Löwen, die Eier und die Fesselballons und die Menschen mit dem Tuch über dem Kopf. Diese Details sind nicht zufällig gewählt, sondern beziehen sich meist auf einschneidende Kindheitserlebnisse. Sie werden bis in die kleinste Feinheit naturalistisch abgebildet, aber in einer solch irrealen Art verfremdet und wieder zusammengesetzt, dass bei jedem aufmerksamen Betrachter der Surrealismus die Aufgabe erfüllt, die Magritte ihm zugedacht hatte: Die traditionellen Denkmuster und Sehgewohnheiten werden gründlich aufgerüttelt, der Erfahrungshorizont wird überschritten, die Wirklichkeit zeigt sich von ihrer unwirklichen Seite.

Während der Zeit des 2. Weltkriegs wurde dieser Stil unterbrochen durch einen kurzen Flirt mit dem Impressionismus, der seinen Grund auch in der begründeten Angst vor Razzien und Angriffen der Nationalsozialisten haben soll, die seine Bilder als “entartete Kunst” einstuften. Es entstanden heitere Bilder im Stil des bekannten Impressionisten Pierre-Auguste Renoir, Magritte äußerte sich beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Belgien dazu wie folgt: “Die deutsche Besetzung bezeichnete den Wendepunkt in meiner Kunst. Vor dem Krieg drückten meine Bilder Angst aus, die Erfahrung des Krieges hat mich gelehrt, dass es in der Kunst darauf ankommt, Bezauberung auszudrücken. Ich lebe in einer unangenehmen Welt, und meine Arbeit ist als Gegenangriff gedacht.” Dieser Gegenangriff formte sich nach der “période renoir” in der “période vache” noch mutwilliger, die Bilder dieser “Kuhperiode” waren sehr bunt und auch durchaus grobschlächtig.

Wohl auch zu grobschlächtig für Magritte, der bald wieder zu seinem surrealistischen Stil zurückkehrte. Die Bilder seiner späten Phase waren beeindruckend geheimnisvoll, bewegt und sinnlich, sie zeigen viele neue raffinierte Blautöne und eine verfeinerte Maltechnik. Ab 1953 entstanden seine letzten großen Werke, Wandmalereien aus acht Bildern für ein Casino. Die restlichen fast anderthalb Jahrzehnte bis zu seinem überraschenden Tod am 15. August 1967 stellte Magritte zwar vielfach aus, wie 1959 auf der documenta II und gewann Preise, wie 1956 für Belgien den Guggenheim-Preis, ließ jedoch die eigene Produktion ruhiger angehen.

Die phantasiebegabten Menschen unter uns lassen sich durch seine Bilder nach wie vor gerne zum Nachdenken anregen; und auf nicht wenige Künstler hat Magrittes Werk einen wichtigen Einfluss ausgeübt, z. B. auf die Künstler der Pop Art und viele Konzeptkünstler.

Das nachfolgende 5-minütige Video zeigt einige seiner bekanntesten Werke:

René Magritte - der "Magier" des (Sur)Realismus

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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