Kunst der Ur- und Frühgeschichte: Germanische Kunst – Guldgubbe
Guldgubbe oder Guldgubbar, schwedisch für “Goldmännchen”, wurden so benannt von den Bauern, die in den Dünen der skandinavischen Provinz Schonen immer wieder die kleinen Goldblech-Arbeiten fanden. Der erste Altertumsforscher, der sich 1791 mit den allerliebsten kleinen Goldfigürchen befasste, übernahm die Bezeichnung der Bauern, treffender geht’s auch schwer:

Die “ältesten Toreuten Nordeuropas” erschufen im 6. Jahrhundert n. Chr. lediglich ein bis zwei Zentimeter große Figuren aus Goldblech, die in bewundernswerter Feinarbeit und Detailvielfalt Menschen in verschiedensten Ornaten und Tiere darstellten.
Toreutik ist die Kunst der erhabenen oder vertieften Darstellung auf Holz, Stein, Metall (in späterer Zeit teil nur noch für Bildgießerkunst gebraucht). Die germanischen Goldkünstler schufen solche erhabenen und vertieften Darstellungen, als “avantgardistische Kunst” aus oder mit einem ihnen neuen Material.
Das wir heute immer noch mit dem Namen bezeichnen, den sie dem besonderen Stoff damals gaben: “Gold” leitet sich vom indogermanischen ghel = “glänzend, gelb” ab. Insgesamt gesehen waren die skandinavischen Bauern nicht ganz früh dran mit der Goldentdeckung und -bearbeitung, die ältesten uns bekannten Goldartefakte der Menschheit (Gräberfeld von Warna), wurden zwischen 4600–4300 v. Chr. angefertigt.

Bild von Martin Stoltze [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Die kleinen Goldblech-Figuren erregten aber dadurch besondere Aufmerksamkeit, dass sie mit einer bis dahin nicht gekannten Präzision im Kleinen gearbeitet sind. Besser als jede Beschreibung illustriert das eine Darstellung einiger Funde aus der berühmtesten und ausgiebigsten Fundstelle “Sorte Muld”:
Welchem Zweck die Goldmännchen dienten, die vor allem im Umfeld der damaligen Zentren gefunden wurden, ist noch nicht ganz klar (vor allem, weil man nicht sicher ist, ob die Orte durch Handel oder wegen ihrem Renommee als geistige Zentren reich wurden). Wahrscheinlich beides, und die Guldgubber waren mit Sicherheit keine (besonders hübschen) Münzen, weil das Goldblech dazu viel zu dünn ist.
Häufig sind die Täfelchen so zart, dass man sie kaum ohne Beschädigungsgefahr anfassen kann, die winzigen detaillierten Motive sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen – diese Kunstwerke waren sicher nicht dazu gedacht, im rauen nordischen Alltag “in der Hosentasche herumgetragen zu werden”.
Vielleicht waren es Götterbildamulette für den Hausaltar (um den Hals konnten die zarten Schönheiten nicht getragen werden), vielleicht hatten sie bei irgendwelchen Kulthandlungen eine Funktion, vielleicht stellen sie auch eine Art frühzeitlicher Gerichtsakten dar, weil meist Menschen und Menschenpaare und manchmal Schlachttiere zu sehen sind
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