Auf der Vernissage hält jemand Ihre Karte in der Hand. Vor ihm hängt Ihr Bild, und Ihren Nutzernamen müsste er jetzt abtippen. Ein QR-Code auf der Visitenkarte erspart ihm das: Handy drüber, Profil offen. Dann sieht er mehr von Ihrer Kunst als das eine Bild an der Wand.
Falsch gedruckt, bleibt der Code stumm. Er ist zu klein, sitzt zu nah am Schnitt oder hinter spiegelndem Glas, oder der Nutzername darin ändert sich später. Dieser Beitrag zeigt, wohin er gehört, wie groß er sein muss und wie Sie ihn prüfen.
Eine Handynummer ruft man an, einen Nutzernamen muss man erst suchen. Ein Code öffnet Ihre Arbeiten sofort, und das will, wer vor einem Bild steht. Nummer und Adresse bleiben trotzdem auf der Karte, der Code kommt hinzu und ersetzt nichts. Entscheidend ist, was der Scan öffnet. Drei Ziele kommen infrage.
Was der Code öffnet
Vorteil
Risiko
Geeignet für
Profil
Zeigt alle Arbeiten an einem Ort
Ein neuer Nutzername entwertet jeden Code
Visitenkarte, Etikett, Flyer
Beitrag oder Reel
Zeigt genau ein Werk
Funktioniert nur, solange der Beitrag online ist
Einladung, kurzer Aushang
Eigene Seite mit Weiterleitung
Ziel nach dem Druck änderbar
Domain und Seite müssen dauerhaft online bleiben
Große Auflagen, Kataloge
Hand hält die Rückseite einer minimalistischen Atelier-Visitenkarte mit QR-Code Bild von rawpixel.com, via Freepik
Auf der Vorderseite bleibt Platz für Name, Technik und Kontakt, der Code gehört auf die Rückseite, 2 cm groß samt Ruhezone und mindestens 5 mm von der Schnittkante entfernt. Karten bleiben lange im Portemonnaie, also passt das Profil oder die eigene Seite. Ein Code, der zu einem Beitrag oder Reel führt, hält nur so lange wie dieser, und eine Karte soll Monate überstehen.
Vom Nutzernamen zur Druckdatei in drei Schritten
Steht Ihr Nutzername fest, können Sie den QR-Code für Instagram erstellen und als SVG an die Druckerei geben. Vorher lohnt ein Blick auf die Ruhezone, den freien Rand: Laut Denso Wave, dem Unternehmen hinter dem QR-Code, braucht jedes Symbol an allen Seiten einen Rand von vier Modulen (englisch). Er zählt zur Größe. Ein Code von 2 × 2 cm schließt ihn ein, das Muster selbst misst dann rund 1,6 cm. So gehen Sie vor:
Namen festlegen. Ändern Sie ihn nach dem Druck, läuft jeder Code ins Leere, und der alte Name kann an eine fremde Person gehen.
Code erzeugen. Setzen Sie den Instagram-Verlauf nur um den Code herum ein, denn seine Gelb- und Orangetöne sind zu hell für das Muster. Ein kurzer Hinweis daneben, etwa „Profil ansehen“, sagt dem Betrachter, was der Scan öffnet.
Datei exportieren. Nehmen Sie SVG oder PDF für den Druck und PNG für den Bildschirm. Aus derselben Vektordatei entstehen der Code für die Karte und fürs Schaufenster.
Instagram erstellt in der App auch eigene QR-Codes, für das Profil ebenso wie für einzelne Beiträge und Reels. Farbe und Hintergrund lassen sich nur in wenigen Varianten wählen, und gespeichert wird ein Pixelbild. Für Karte und Etikett reicht das meist, für Plakat oder Schaufenster ist eine Vektordatei sauberer.
Etikett am Werk und Ausstellungsschild: Der QR-Code gehört neben das Bild, nicht darauf
Offenes Atelier an einem Samstag: Ein Gast steht vor einem Ölgemälde auf der Staffelei, das noch nach Terpentin riecht, und will mehr sehen, als ins Atelier passt. Ein Etikett neben der Staffelei trägt denselben Code wie Ihre Karte und lässt dem Gast die Wahl, ob er gleich fragt oder später scannt.
Ölgemälde auf einer Staffelei im Atelier Bild von DC Studio, via Freepik
Auf der Leinwand würde der Code das Motiv stören, und Farbe oder Foto dahinter nähme ihm den freien Rand. Setzen Sie ihn aufs Werkschild neben dem Bild, zu Titel, Technik und Maßen. Steht der Betrachter etwa 30 bis 50 cm davor, braucht der Code ein Zehntel des Abstands, also 3 bis 5 cm samt Ruhezone.
Hängt das Schild in der Galerie an der Wand, ist die Beleuchtung fest vorgegeben, und der Besucher kann es nicht kippen. Lassen Sie es deshalb matt drucken, denn Glanz wirft einen hellen Fleck in die Kamera. Wird eine größere Texttafel oder ein Saaltext aus 1 m Abstand gelesen, braucht der Code 10 cm. Hinter Passepartout oder Rahmen fehlt ihm leicht der Rand.
Besucherin mit Handy vor Bildern in einer Galerie, neben jedem Werk ein kleines Schild Bild von rawpixel.com, via Freepik
Wickelt die Galerie den Verkauf selbst ab, fragen Sie vorher, ob ein Code am Schild willkommen ist. Mit ihrer Zustimmung hängt er dort, und niemand bittet Sie später, das Schild zu tauschen.
QR-Code auf Flyer und Einladung: Rückseite, Größe, Platz zum Atmen
Ein Flyer wird in die Hand genommen, die Rückseite hat Platz. Ein Code zu nah am Rand gehört zu den typischen Fehlern bei Ausstellungs-Flyern. Bei A6 und 30 cm Leseabstand braucht der Code 3 cm samt Ruhezone. Halten Sie ihn 5 mm von der Schnittkante und bei einer gefalzten Einladung 10 mm vom Falz entfernt, sonst nimmt ihm der Schnitt den Rand, und der Falz knickt das Muster.
Größe und Ruhezone auf einen Blick
Die Faustregel ist einfach: Teilen Sie den Leseabstand durch zehn, aber gehen Sie nie unter 2 × 2 cm. Alle Maße schließen den freien Rand ein. Die Abstände für Etikett und Texttafel sind Beispielwerte.
Nennt Ihr Layout 2 cm, prüfen Sie, ob damit der Code samt Rand gemeint ist oder nur das Muster.
Träger
Leseabstand
Größe des Codes samt Ruhezone
Oberfläche
Visitenkarte
15 bis 20 cm
2 cm
Kein Spot-UV-Lack, keine Folie, keine Prägung auf dem Code, 5 mm zur Schnittkante
Flyer A6
30 cm
3 cm
Glanz möglich, 5 mm zur Schnittkante, 10 mm zum Falz
Etikett am Werk
etwa 30 bis 50 cm
3 bis 5 cm
Matt, flach, neben dem Bild
Texttafel, Saaltext
etwa 1 m
10 cm
Matt, mit freiem Rand ringsum
Schaufenster
2 m
20 cm
Matt, auf Spiegelungen achten
Die Visitenkarte ist der engste Fall, denn 85 × 55 mm lassen wenig Spielraum. Die Schneidemaschine arbeitet auf etwa einen Millimeter genau. Nah an der Kante schneidet sie leicht in den Rand, darum der 5-mm-Abstand zur Schnittkante. Spot-UV-Lack, Heißfolie und tiefe Prägung auf dem Code können ihn unlesbar machen, und auf saugendem, ungestrichenem Papier sind 2 cm das Mindeste. Auf einer dunklen Karte gehört er auf eine helle Fläche.
Der Rand muss dabei hell und flach bleiben. Ein Foto, ein Verlauf oder ein farbiges Feld verwischt die Grenze, die der Scanner sucht, auch wenn der Hintergrund am Bildschirm blass wirkt.
Ein Code in Ihrem Lieblingsocker wirkt am Bildschirm elegant und versagt auf Naturpapier. Drucken Sie die Module schwarz, die Farbe gehört in den Rahmen um den Code.
Drucktest: So prüfen Sie den Code, bevor 500 Karten gedruckt sind
Ein Probedruck kostet einen Bogen Papier und kann die ganze Auflage retten. Drucken Sie denselben Code in drei Stufen, etwa 2 cm, 2,5 cm und 3 cm, auf dem Material der Auflage. Scannen Sie aus dem halben, dem geplanten und dem doppelten Abstand, mit einem iPhone und einem Android-Handy.
Wiederholen Sie den Scan im Licht des Ausstellungsraums, mit einem Handy, das ein paar Jahre alt ist, und halten Sie die Kamera etwa 30 Grad schräg.
Testen Sie auch auf einem Handy ohne Instagram-App und im privaten Browserfenster, denn diesen Weg nehmen neue Besucher, und die ausgeloggte Ansicht ist eingeschränkt. Drucken Sie die Auflage eine Stufe über der kleinsten bestandenen. Typische Fehler und ihre Lösungen zeigt die Tabelle.
Fehler
Ursache
Lösung
Zeigt „Seite nicht verfügbar“
Nutzername geändert oder Beitrag gelöscht
Code für die aktuelle Adresse neu erzeugen, künftig eine eigene Seite davorschalten
Scannt vom Bildschirm, aber nicht von der gedruckten Karte
Code zu klein, zu blass gedruckt oder Ruhezone angeschnitten
Eine Stufe größer drucken, Module schwarz, Rand freihalten
Zu dicht, klein, nicht lesbar
Link aus dem Teilen-Menü mit angehängten Parametern wie „?igsh=…“ oder „utm_…“
Alles ab dem Fragezeichen löschen und den Code neu erzeugen
Verlangt eine Anmeldung
Ausgeloggte Ansicht ist eingeschränkt
Wichtiges auf die eigene Seite stellen, Instagram einen Fingertipp weiter verlinken
Der zweite Fehler fällt erst im Druck auf, denn ein Bildschirm verzeiht mehr als Papier. Darum entscheidet der Probedruck und nicht die Vorschau.
Wann ein QR-Code nicht passt
Es gibt drei Fälle, in denen Sie besser auf ihn verzichten:
Das Ziel wechselt oft, und Sie haben keine eigene Website, auf der Sie es nach dem Druck austauschen können.
Ein Werk wird ohne Kontakt zu Ihnen verkauft, etwa wenn die Galerie die Käufer allein betreut.
Der Code soll auf die Malerei selbst, wo ihm der ruhige, helle Rand fehlt.
Ein Code ist eine Verabredung zwischen Ihrem Papier und dem Handy des Betrachters. Wo steht Ihr nächster Code und bekäme er dort seinen freien Rand?
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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