Louise Bourgeois – Pionierin der Installationskunst

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Was genau ist eigentlich eine Installation?

Der Techniker würde sagen: “Eine Verbindung verschiedener technischer Elemente in einer Art und Weise, die der geschaffenen Gesamtheit die Ausübung bestimmter Funktionen ermöglicht.”. Der Künstler sieht das ähnlich, auch für ihn verbindet eine Installation die verschiedensten Elemente.

Der Installationen schaffende Künstler hat häufig mit darstellender Kunst begonnen, sich aber dann vom zweidimensionalen in den dreidimensionalen Raum entwickelt, oft erst einmal als klassischer Bildhauer. Im Gegensatz zu einem Bildhauer will er sich jedoch nicht mehr von einem Werkstoff und dessen möglichen Volumina begrenzen lassen, er möchte oft überhaupt keine Kunstwerke mehr schaffen, die unabhängig von ihrer räumlichen Umgebung sind.

Die Installation in der Bildenden Kunst nimmt so viel Raum ein, wie der Künstler es für erforderlich hält, damit erreicht eine Installation häufig Ausmaße, die sie an einen Ort binden. Häufig wird dieser Ort oder Raum oder die Situation in das Kunstwerk mit einbezogen, der umgebende Raum wird zum Teil dieser dreidimensionalen Kunst. Für einen Künstler handelt es sich immer erst dann um eine künstlerische Installation, wenn sich die einzelnen Teile zu einem Ensemble mit einer eigenen künstlerischen Aussage verbinden. Dabei kommt es dem Künstler meist sehr entgegen, dass er in seiner dreidimensionalen Darstellung weder auf Farben noch auf Formmaterial wie Ton oder Stein oder Metall beschränkt ist. Die von Louise Bourgeois geschaffenen Skulpturen im räumlichen Kontext zeichnen sich vielmehr durch große Experimentierfreudigkeit bei der Auswahl der verarbeiteten Zutaten aus.

Deshalb sind künstlerische Installationen meist sehr interessant und sehr vielschichtig, und sie können auch unglaublich witzig sein, wie z. B. viele der Installationen, die Louise Bourgeois angefertigt hat. Die am 25.12.1911 geborene Louise Bourgeois gehört zu den ersten Künstlerinnen überhaupt, die die mentale Freiheit entwickelte, sich in Installationen auszudrücken.

Die Künstlerin wuchs in Choisy-le Roi bei Paris auf, in einer Familie, die ihr mit einer Galerie für historische Textilien mit angeschlossener Restaurierwerkstatt kreative Betätigung im kunsthandwerklichen Bereich bot. Ansonsten war ihre Kindheit weniger schön, ihr despotischer Vater konnte mit weiblichen Nachkommen nichts anfangen, redete nur mit der kleinen Louise, um sich über sie lustig zu machen und betrog Louises Mutter vor deren Augen. Louise Bourgeois formte bei den gemeinsamen Mahlzeiten aus Brot kleine Skulpturen ihres Vaters, die sie anschließend genüsslich zerstörte.

Diese ständige und kreative Kompensationsarbeit und die Mithilfe in der elterlichen Werkstatt führten Louise Bourgeois nach einem kurzen Sorbonne-Studium der Mathematik in die Künstlerlaufbahn. Sie ging nach Paris und erarbeitete sich eine umfassende künstlerische Ausbildung, neben Reisen nach Skandinavien und Russland besuchte Bourgeois zwischen 1932 und 1938 die Staatliche Hochschule der Schönen Künste Paris, die Académie Ranson, die Académie Julian und die Académie de la Grande Chaumière (von Künstlern geführte Lehrstätten). Bourgeois nimmt zu dieser Zeit auch bereits an Gruppenausstellungen teil und führt eine eigene kleine Galerie.

Sie belegte auch Kunstgeschichtsseminare, und dort lernt sie den Kunsthistoriker Robert Goldwater kennen und lieben, 1937 heiraten sie. 1938 zogen beide nach New York, wo Goldwater einen Lehrauftrag bekommen hatte, außerdem adoptierten sie 1940 ihren Sohn Michel und bekamen im gleichen Jahr auf natürlichem Weg ihren Sohn Jean-Louis, 1941 folgte Sohn Alain. Neben der Kindererziehung setzt Bourgeois ihr Studium an der Art Students League fort, auch ohne Werbeaktivitäten fanden Ihre Werke in New York ziemlich schnell Beachtung. Nachdem 1930 bereits erste graphische Arbeiten von ihr ausgestellt wurden, findet 1945 ihre erste Gemälde-Einzelausstellung in der Berta Schaefer Gallery statt.

Mitte der 1940er Jahre wendet sich Bourgeois ganz der Bildhauerei zu, die neuen Werke werden 1949 und 1950 in New York ausgestellt, während die politisch zu den Linken neigende Künstlerin gemeinsam mit anderen exileuropäischen Künstlern wegen „unamerikanischer Umtriebe“ (folgenlos) angeklagt wird. Obwohl Bourgeois von ihren Künstlerkollegen sehr geschätzt wird, rückt sie erst Ende der 1970er Jahre wieder ins Licht der Öffentlichkeit, als 1979 ihre Skulpturen von 1941 bis 1953 ausgestellt werden und 1980 die bis 1970 entstandenen Skulpturen in einer Ausstellung gezeigt werden, beide in New York.

Bis dahin, also bis zum Alter von fast 70 Jahren, blieb Bourgeois international fast unbemerkt, bis das Museum of Modern Art (MoMA) in New York ihr 1982 eine Retrospektive widmete. Diese Ausstellung, die auch in Chicago (Illionois), Houston in Texas und in Akron (Ohio) zu sehen war, leitet endlich die weitere Ausbreitung von Bourgeois´ Werk ein. Erst werden die Kunstwerke in vielen weiteren amerikanischen Museen gezeigt, ab Ende der 1980er sind ihre Werke dann in den verschiedensten europäischen Ländern zu sehen.

1992 ist Bourgeois auf der documenta IX, 1993 auf der Biennale in Venedig zu sehen, 1994 zeigt die Hannoveraner Kestnergesellschaft ihr Werk, 1996 findet eine weitere große Retrospektive in den Deichtorhallen in Hamburg statt. 1999 ist die Künstlerin in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen, außerdem wird ihre Lebensleistung gewürdigt, indem ihr von der Japan Art Association der “Nobelpreis der Kunst”, der Praemium Imperiale, verliehen wird.

Die Spinnenskulptur Maman von Louise Bourgeois in Bilbao

Die Spinnenskulptur Maman von Louise Bourgeois in Bilbao, by Didier Descouens (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Es folgen Ausstellungen in Melbourne (International Biennial 1999), auf der documenta XI 2002, in der Berliner Akademie der Künste 2003, im Irish Museum of Modern Art Dublin 2003/04 und in vielen weiteren Städten. Seit 2005 belegt Bourgeois einen Platz etwa im ersten Dutzend des internationalen Kunstkompasses, 2007 veranstaltet die Tate Modern in London zum 95. Geburtstag der Künstlerin eine Retrospektive, noch zu Lebzeiten der 2010 im 98. Lebensjahr verstorbenen Künstlerin folgten das Centre Georges Pompidou in Paris, das Guggenheim Museum in New York, das Museum of Contemporary Art in Los Angeles und die Nationalgalerie in Berlin mit ihr gewidmeten Ausstellungen. 2012 fanden Ausstellungen anlässlich ihres 100. Geburtstags in der Schweiz und in Hamburg statt.

Die späte Anerkennung untermauert jetzt endlich die Bedeutung ihres Werkes, die Pionierin der Installationskunst hat unglaublich viele verschiedene Materialien und Techniken eingesetzt und eine große Anzahl interessanter Arbeiten geschaffen. Erschrecken Sie nicht, wenn Ihnen im öffentlichen Raum oder einem Museum einmal eine der 9 Meter hohen Spinnen aus Bronze begegnet, die die Künstlerin geschaffen hat: Diese Mamans stellen wohlmeinende Schutzfiguren dar, die Louise Bourgeois im Andenken an ihre geliebte Mutter schuf.

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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