Fast alle großen Skulpturen der Kunstgeschichte haben ihren festen Ort in Museen, auf Plätzen oder in Kirchen. Wer Rodins „Denker“ oder den „Atlas mit der Himmelskugel“ sehen will, reist nach Paris oder Neapel. Seit Jahrhunderten gibt es allerdings einen zweiten Weg, solche Werke in die eigenen Räume zu holen. Kleine Nachbildungen aus Bronze machen bekannte Motive greifbar, und sie stehen auf Schreibtischen, Kaminsimsen und Bücherregalen.
Dieser Beitrag stellt Klassiker vor, die sich als Bronzefigur besonders bewährt haben, erklärt ihre Geschichte und zeigt, woran Sie eine sorgfältig gefertigte Nachbildung erkennen.
Bronze gibt feine Details aus dem Modell sehr genau wieder
Kupfer mit einem Anteil Zinn ergibt ein Metall, das geschmolzen bis in kleinste Vertiefungen einer Gussform läuft und nach dem Abkühlen kaum nachgibt. Diese Eigenschaft verdankt die Bronze ihre Rolle in der Bildhauerei, von griechischen Götterstatuen bis zu den Werkstätten des 19. Jahrhunderts. Das klassische Verfahren arbeitet mit einer verlorenen Form. Am Anfang steht eine Figur aus Wachs, die eine hitzebeständige Hülle bekommt. Sobald diese Hülle im Ofen ausgebrannt wird, entweicht das Wachs, und das flüssige Metall nimmt seinen Platz ein. Nach dem Aufschlagen der Hülle bleibt ein Abbild, das selbst Werkzeugspuren des Bildhauers bewahrt.
Kunsthistoriker zählen gegossene Bronzen übrigens zu den Plastiken, denn ihr Ursprung ist ein aufgebautes Modell, während eine Skulptur aus Stein oder Holz herausgearbeitet wird. Diese und weitere Grundbegriffe klärt ein Überblick mit häufigen Fragen zu Skulpturen in kompakter Form.
Rodins „Denker“ begann als Figur über dem Höllentor
Für ein Bronzeportal des geplanten Pariser Kunstgewerbemuseums arbeitete Auguste Rodin ab 1880 an einem Höllentor mit Szenen aus Dantes Göttlicher Komödie. Ganz oben über den Türflügeln sitzt der Denker. Die Figur sollte ursprünglich den Dichter selbst darstellen, der über sein Werk nachsinnt. Rodin stellte die Figur später als eigenständiges Werk aus und ließ eine vergrößerte Fassung gießen.
Auguste Rodin, „Der Denker“, 1881–1882, Skulptur (Bronze), Musée Rodin, Paris, Frankreich Bildquelle: Thibsweb, Public domain, via Wikimedia Commons
Ein Exemplar davon kam 1906 vor das Pariser Panthéon, das heute meistfotografierte steht im Garten des Musée Rodin. Die nach vorn gebeugte Haltung mit dem Kinn auf der Hand wirkt auch im Kleinformat, weil die Spannung im ganzen Körper liegt.
Justitia trägt Waage, Schwert und Augenbinde
Die römische Göttin der Gerechtigkeit gehört zu den Motiven, die in Kanzleien, Notariaten und Arbeitszimmern von Juristen häufig zu finden sind. Die Waage steht für das Abwägen der Argumente, das Schwert für die Durchsetzung des Urteils. Die Augenbinde kam erst in der frühen Neuzeit hinzu und steht für ein Urteil ohne Ansehen der Person.
Justitiabrunnen in Regensburg Bildquelle: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Regensburg, Justitiabrunnen — 2026 — 4446” / CC BY-SA 4.0
Hugo Rheinholds Affe mit Schädel kommentiert die Evolutionsdebatte
Hugo Rheinhold’s Affe mit Schädel Bildquelle: Darwin Monkey, Public domain, via Wikimedia Commons
Der Berliner Bildhauer Hugo Rheinhold schuf Anfang der 1890er Jahre einen Affen, der auf einem Bücherstapel sitzt und einen menschlichen Schädel betrachtet. Das Werk griff die Debatte über Darwins Evolutionstheorie auf und wurde schnell populär.
Bald entstanden zahlreiche Abgüsse, die in Gelehrtenstuben und Bibliotheken ihren Platz fanden. Die Mischung aus Humor und ernster Frage macht die Figur bis heute zu einem beliebten Motiv für Arbeitszimmer.
Atlas trägt seit der Antike das Himmelsgewölbe
Skulptur „Atlas“ bei Nacht, 5th Avenue, New York City Bildquelle: Jeff Pearce, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Nach dem verlorenen Kampf der Titanen gegen Zeus wurde Atlas dazu verurteilt, für immer den Himmel zu stemmen. Die berühmteste Darstellung ist der sogenannte Atlas Farnese im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel, eine römische Marmorkopie nach griechischem Vorbild. Die Kugel auf seinem Rücken zeigt Sternbilder und gilt als eine der ältesten erhaltenen Himmelsdarstellungen dieser Art.
Heutige Bronzen ersetzen die massive Kugel oft durch eine Armillarsphäre. Ihre ineinander gesetzten Ringe stehen für Äquator, Wendekreise und Ekliptik und lassen die Figur deutlich leichter wirken.
Kleine Bronzen nach großen Vorbildern haben eine lange Tradition
Junge Adlige aus England, Frankreich und Deutschland schlossen ihre Ausbildung im 18. Jahrhundert mit einer Bildungsreise nach Rom ab, und viele ließen sich dort Miniaturen der bewunderten Antiken anfertigen. Auch Michelangelos David, der im Original aus Marmor besteht, erhielt im 19. Jahrhundert eine bronzene Kopie. Im 19. Jahrhundert erhielt Michelangelos David eine Kopie aus Bronze, die bis heute über Florenz auf dem Piazzale Michelangelo steht.
Besonders gefragt waren Motive aus Antike, Renaissance und Barock. Gian Lorenzo Bernini etwa machte Marmor in Werken wie „Apollo und Daphne“ so beweglich, dass die Figuren zu schweben scheinen. Wer tiefer in diese Zeit einsteigen möchte, findet im Beitrag zu Stilmerkmalen und Künstlern der Barock-Epoche einen gelungenen Einstieg.
Gewicht, Patina und Sockel verraten die Qualität einer Nachbildung
Zwischen zwei Figuren mit demselben Motiv können erhebliche Unterschiede in Material und Verarbeitung liegen. Einige Merkmale lassen sich schon beim Betrachten der Produktfotos und Angaben prüfen:
Material: Vollbronze bringt schon bei kleinen Figuren spürbares Gewicht mit. Kunstbronze ist meist ein Kunstharzguss mit Metallpulver und deutlich leichter.
Guss: Angaben zum Wachsausschmelzverfahren sprechen für fein ausgearbeitete Gesichter, Hände und Faltenwürfe.
Patina: Eine von Hand aufgetragene Patina zeigt Abstufungen von Goldbraun bis Dunkelbraun statt eines gleichmäßigen Farbüberzugs.
Sockel: Stein oder Marmor unter der Figur senkt den Schwerpunkt und verhindert, dass sie bei Berührung kippt.
Maße: Höhe und Gewicht sollten angegeben sein, damit Sie die Figur passend zum geplanten Platz wählen können.
Wer hochwertige Bronzefiguren kaufen möchte, findet online verschiedene Anbieter. Im Sortiment von Antik 2000 finden sich etwa der Denker nach Rodin, Rheinholds Affe mit Schädel, ein Atlas mit Armillarsphäre und die Justitia in mehreren Höhen bis 65 Zentimeter.
Bei alten Originalen zählt die belegte Herkunft
Neben neu gegossenen Nachbildungen werden auch historische Bronzen gehandelt, etwa Kleinplastiken aus dem 19. Jahrhundert oder angeblich antike Stücke. Hier lohnt ein genauer Blick auf die Papiere. Ein Original ohne lückenlosen Nachweis zur Herkunft kann sich als Fälschung oder als illegal ausgegrabenes Fundstück herausstellen.
Das Kulturgutschutzgesetz untersagt in § 40 das Inverkehrbringen von Kulturgut, das abhandengekommen, rechtswidrig ausgegraben oder unrechtmäßig eingeführt worden ist. Solche Kaufverträge sind nichtig. Eine neu gegossene Nachbildung berühmter Werke umgeht diese Unsicherheit, weil ihre Herkunft eindeutig ist.
Das Motiv sollte zum Raum und zu den Menschen darin passen
Die Wahl einer berühmten Figur sagt etwas über den Ort aus, an dem sie steht. Rodins Denker und Rheinholds Affe passen in Bibliotheken und Lesezimmer, weil beide vom Nachdenken handeln. Atlas mit seiner Himmelskugel ergänzt einen Globus oder alte Landkarten. Musikalische Motive wie eine Cellospielerin oder ein Engel mit Harfe finden ihren Platz neben dem Klavier.
Als Geschenk wirkt eine Figur dann persönlich, wenn sie an Beruf, Leidenschaft oder einen gemeinsamen Museumsbesuch erinnert. Für die Pflege reicht gelegentliches Abstauben, Polituren oder Reinigungsmittel brauchen Bronzen dagegen nicht.
Schlussworte
Berühmte Skulpturen als Bronzefigur verbinden Kunstgeschichte mit Einrichtung. Der Denker, die Justitia, Rheinholds Affe und der Atlas tragen jeweils eine eigene Geschichte, die sich beim Betrachten immer wieder erzählen lässt. Entscheidend für die Freude an einer Figur sind echtes Material, ein sauberer Guss und eine sorgfältige Patina.
Eine gut gegossene Figur übersteht Umzüge und Jahrzehnte und kann später an die nächste Generation weitergegeben werden.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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