Der Wind pfeift um die Ohren, während die salzige Gischt das Gesicht trifft. So klingt einer dieser rauen Nachmittage, wie sie typisch an der Nordsee sind. In und um Cuxhaven ist es schon lange möglich, Strandurlaub und Kunstgenuss miteinander zu verbinden.
Vergessen Sie mal das altbekannte Klischee vom reinen Badeurlaub, wo das höchste der Gefühle ein Krabbenbrötchen ist. Ohne viel Aufhebens ist Cuxhaven und die Umgebung zu einem Kunsthotspot für Kunstliebhaber geworden. Doch wie bringt man Ebbe, Flut und Avantgarde zusammen?
Die Nordsee als Kunstwerk: ein inspirierender Gegensatz
Cuxhaven bietet neben Nordsee und Idylle auch kulturelle Schmankerl Foto von Annie Spratt @anniespratt, via Unsplash
Ein Blick in Reiseforen zeigt schnell, dass sich die Bedürfnisse nach Urlaub verändert haben. Zahlreiche Nutzer heben hervor, dass sie die einmalige Landschaft des Cuxlandes zwar wertschätzen, aber dennoch nach geistigem Input suchen. „Die Nordsee hat ihren eigenen Reiz.“ […] „Städte wären besser für mehr Kultur an jedem Abend“, bemerkt ein Nutzer treffend über die Region. Eine lebendige lokale Kunstszene füllt genau diese Lücke, indem sie aus dem Schatten der Metropolen hervortritt.
Die raue und oft unberechenbare Natur der Küste ist eine mentale Leinwand, die uns für Kunst empfänglich macht. Ein langer Spaziergang durch das Weltnaturerbe Wattenmeer ist eine wunderbare Möglichkeit, den Kopf freizubekommen. Der permanente Handy-Gebrauch verdrängt die natürliche Achtsamkeit. In diesem Zustand wirken Farben, Formen und Aussagen beim Betreten einer Galerie oder eines Museums viel intensiver. Man konsumiert nicht flüchtig, man schaut wirklich.
Die CUX ART – bedeutendes Beispiel für zeitgenössische Kunst
Die Kunstmesse CUX ART ist ein wahres Aushängeschild dieser kulturellen Entwicklung. Köln, Basel oder Berlin fallen einem sofort ein, wenn man an bedeutende Kunstmessen denkt. Im Cuxland findet man jedoch auch ein Event, das sich über die Jahre hinweg einen erstklassigen Ruf erarbeitet hat. Die nächste Ausgabe ist schon für den 8. bis 9. Mai 2027 festgelegt und findet in der bekannten Kugelbake-Halle direkt in Cuxhaven statt.
Die CUX ART zeichnet sich durch eine wunderbare Kombination aus Ruhe und hoher Qualität aus; das ist ihr ganz besonderes Merkmal. Etwa 70 Aussteller und Künstler aus ganz Deutschland sind hier auf rund 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche vertreten. Ob abstrakte oder gegenständliche Malerei, faszinierende Skulpturen, Grafiken und großformatige Fotografien – ein beeindruckendes Portfolio ist zu sehen.
Die Messe, die etwa 1.000 Besucher zählt, bietet den Vorteil, dass sie intim genug ist, um ohne den Druck einer elitären Veranstaltung echte Gespräche über Kunst zu führen. Die Künstler erhalten hier individuelle „Kunstboxen“, was die Präsentation schön persönlich gestaltet. Die CUX ART ist ein Pflichttermin für Kunstliebhaber, gerade wegen dieses entspannten maritimen Flairs.
Joachim Ringelnatz: Zwischen Seemannsgarn und feinem Pinselstrich
Cuxhaven und Ringelnatz gehören einfach zusammen. Viele kennen Joachim Ringelnatz (geboren als Hans Bötticher) als den humorvollen Dichter, dessen Gedichte über Seefahrer und skurrile Tiere bis heute einzigartig sind. Doch das Joachim-Ringelnatz-Museum in der Südersteinstraße, betrieben von einem engagierten Verein, hat weit mehr zu bieten als nur literarische Nostalgie.
Joachim Ringelnatz Museum fotografiert von Ra Boe, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
Ein weiterer Aspekt von Ringelnatz, der oft übersehen wird, ist, dass er ein begnadeter Maler war – im Vergleich zu seiner Poesie steht dieser Fakt oft im Schatten. Dort ist zurzeit (und noch bis Ende Februar 2027) eine beeindruckende Sonderausstellung mit dem Titel „Es hat sich selbst aus mir gemalt.“ zu sehen. Über zwanzig seiner Aquarelle sind hier zu sehen. Diese Werke vermitteln häufig die gleiche melancholische Leichtigkeit, die auch in seinen Gedichten präsent ist.
Ölgemälde „Seegang“ (1927) von Joachim Ringelnatz (1883–1934)
Den Besuch dieses Museums kann man vergleichen mit einem Treffen bei einem exzentrischen, aber lieben alten Freund. In der deutschen Geschichte der 1920er und 1930er Jahre findet man einen Künstler, der zwischen heiterem Kabarett und existenzieller Ernsthaftigkeit jonglierte.
Internationale Avantgarde auf dem Land: Das mgk in Otterndorf
Internationale, abstrakte Kunstwerke sind nicht nur im MoMA in New York oder im Centre Pompidou in Paris zu finden; das Cuxland bietet da eine überraschende Alternative. Unweit von Cuxhaven, im malerischen Otterndorf (Marktstraße 10), liegt ein wahres Juwel: das Museum gegenstandsfreier Kunst (mgk).
Die Geschichte dieses Hauses begann 1961, als es als privates „Studio A“ eines kunstliebenden Arztes eröffnet wurde, bevor es in die Trägerschaft des Landkreises übernommen wurde. Das erklärte Ziel des Museums ist ebenso ambitioniert wie sympathisch: Es möchte das Interesse für zeitgenössische Kunst auch in ländlichen Regionen fernab der bedeutenden Metropolen etablieren.
Die Sammlung ist einfach umwerfend. Weltbekannte Künstler der Szene wie Sol LeWitt, Victor Vasarely, Günter Uecker oder Bridget Riley haben hier ihre Werke hängen. Gegenstandsfreie, abstrakte Kunst ist der Fokus des Museums – Raummalerei, Zeichnungen, Kleinplastiken und Fotografien.
Eine Kuratorin für zeitgenössische Kunst hat dieses Phänomen kürzlich in einem Fachmagazin treffend zusammengefasst:
Orte wie das mgk in Otterndorf oder der hochengagierte Cuxhavener Kunstverein sind Pioniere. Sie bringen die Kunstwelt dazu, ihre metropolitane Arroganz abzulegen. Ein Werk von Sol LeWitt in einem ruhigen niedersächsischen Fachwerk-Ambiente zu sehen, verändert den Betrachtungskontext völlig. Vieles, was in der Kunst radikal erscheint, ist außerhalb des sterilen White Cube einer Großstadt oft greifbarer und sichtbarer.“
Der Cuxhavener Kunstverein ergänzt dieses Angebot direkt in der Stadt mit seinen regelmäßig wechselnden Ausstellungen, die junge, oft provokante Positionen der Gegenwartskunst präsentieren und so einen lebhaften Diskurs ermöglichen.
Zeit nehmen – die ideale Auszeit zwischen Kultur und Küste
So viele kulturelle Eindrücke benötigen eines: Zeit. Alles, was man in ein hektisches Wochenende zwischen Watt, der CUX ART, Ringelnatz und dem mgk packen möchte, ist zum Scheitern verurteilt. Urlaub in der Kunst ist langsames Reisen. Nach einer Ausstellung ist es essentiell, sich zurückzuziehen, die Eindrücke sacken zu lassen, einen Tee zu kochen und vielleicht selbst zum Skizzenblock zu greifen.
Deswegen ist das klassische Hotelzimmer für Kunstliebhaber oft nicht die beste Wahl. Um dieses Freiheits- und Rhythmusgefühl zu bewahren, ist es eine ausgezeichnete Idee, länger in einem reizvollen, gut ausgestatteten Ferienhaus oder einer Ferienwohnung zu bleiben. Wer in der Region nach Anbietern sucht, findet kaum einen Weg vorbei an renommierten Namen wie Berger-Touristik. Der Touristik-Spezialist bietet eine riesige Auswahl an Unterkünften, die in Cuxhaven Sehenswürdigkeiten bequem und einfach erkunden lassen. Diese reichen von modernen Apartments mit Meerblick in Duhnen bis zu gemütlichen Häuschen im Hinterland. Damit schafft Berger-Touristik die ideale Grundlage für einen Hybrid-Urlaub.
Der geräumige Esstisch bietet Platz, um gesammelte Ausstellungskataloge auszubreiten. Es gibt keine festen Frühstückszeiten, an die man gebunden ist – wenn man um neun Uhr morgens lieber im Licht der Morgensonne ein Aquarell malen möchte, kann man das einfach tun. Eine eigene Ferienimmobilie bietet die Flexibilität, den Rhythmus des Urlaubs zwischen den Gezeiten des Meeres und den Öffnungszeiten der Galerien harmonisch zu gestalten.
Der neue Kulturkompass weist nach Norden
Cuxhaven und die Region um ihn herum sind der beste Beweis dafür, dass man am Strand entspannen und gleichzeitig den Geist anregen kann. Im Gegenteil: Die Entschleunigung, die uns das Meer und die Weite des Horizonts auferlegen, eröffnet uns erst die Wahrnehmung der feinen Nuancen der Kunst.
Ob Sie auf der CUX ART über zeitgenössische Malerei diskutieren, im Joachim-Ringelnatz-Museum über die Melancholie eines Seemanns schmunzeln oder im mgk in Otterndorf vor einer raumgreifenden Installation von Günter Uecker stehen – die kulturelle Vielfalt dieser Gegend ist ein echter Geheimtipp. Wer abends in sein gebuchtes Feriendomizil von Berger-Touristik zurückkehrt, den Kamin anmacht und dem Wind draußen lauscht, hat ihn gefunden: den idealen Urlaub für alle Sinne.
Denken Sie also beim nächsten Mal nicht nur an Gummistiefel und Windbreaker, sondern lassen Sie auch ein bisschen Platz im Koffer. Vielleicht für ein neues Bild, das Sie auf der Messe gekauft haben, oder einfach nur für eine Vielzahl neuer Sichtweisen.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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