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“HOPE” – Saitenklänge gegen das Schweigen

Joachim Rodriguez y Romero
Joachim Rodriguez y Romero
Mo., 9. März 2026, 10:23 CET

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Von der Stille in den Abbey-Road-Studios bis zu den Ruinen in Kriegsgebieten: Wie der Schweizer Cellist Andreas Graf mit zwölf „Gebeten“ für das London Symphony Orchestra eine neue Form der Hilfe erschaffen hat.

Inhaltsverzeichnis Einblenden
1 Ein Hauch von Geschichte und Harz
2 Der Schock, der zum Bogenstrich wurde
3 Zwölf Gebete für eine laute Welt
4 Die Superkraft der Melodie
5 Wenn Kunst zum Schutzschild wird
5.1 Das könnte Sie auch interessieren:

Ein Hauch von Geschichte und Harz

Manchmal hat Hoffnung einen ganz spezifischen Geruch. In Studio One der legendären Abbey-Road-Studios in London riecht es nach Bohnerwachs, altem Staub auf ehrwürdigen Mikrofonstativen und dem herben Aroma von Kolophonium. Es ist derselbe Raum, in dem John Williams die Fanfaren von Star Wars zum Leben erweckte und in dem die Londoner Philharmoniker seit Jahrzehnten Musikgeschichte atmen. Mittendrin steht Andreas Graf. Er wirkt in diesem Moment nicht wie ein klassischer Produzent, der kühl über Budgetlisten brütet. Er hält sein Cello umarmt wie einen alten Freund.

Andreas Graf mit seinem Cello, aufgenommen von Adrian Portma
Andreas Graf mit seinem Cello, aufgenommen von Adrian Portma

Es ist diese fast meditative Stille kurz vor dem Einsatz des Orchesters, die das gesamte Projekt „HOPE“ zusammenfasst. Andreas Graf, der Schweizer Konzertcellist und Filmemacher, hat sich vorgenommen, die Welt nicht mit Parolen zu heilen, sondern mit Schwingungen. „Man bekommt Gänsehaut“, sagt er mit einem Blick auf die Musiker des London Symphony Orchestra.

Dieses Kind in mir, das früher Das Imperium schlägt zurück sah, würde heute vor Freude springen.“

Doch der Anlass für diese Aufnahmen ist ein zutiefst ernster.

Der Schock, der zum Bogenstrich wurde

Die Idee zu „HOPE“ wurde nicht in einem polierten Londoner Studio geboren, sondern in den dunklen Stunden des Februars 2022. Als der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ausbrach, saß Graf in der Schweiz und fühlte das, was wir alle fühlten: eine lähmende Ohnmacht. Wie reagiert ein Künstler auf Panzerketten? Wie antwortet ein Musiker auf das Heulen von Sirenen?

Graf entschied sich gegen ein politisches Manifest. Er wollte etwas erschaffen, das über Grenzen hinweg verbindet. „Ich wollte die unglaubliche Kraft der Musik nutzen, um Menschen zu vereinen“, erklärt er rückblickend. Es sollte kein Album über den Krieg werden, sondern ein Album für die Menschlichkeit. Seine Mission: den schwächsten Opfern jeder Eskalation – den Kindern – Hoffnung zu senden. Nicht nur als vages Konzept, sondern als greifbare Unterstützung durch die Organisation Save the Children.

Zwölf Gebete für eine laute Welt

Das Herzstück des Projekts ist das Album „HOPE – 12 Prayers for Cello and Orchestra“ (Music Samples hier verfügbar). Graf gelang das Kunststück, zwölf der renommiertesten internationalen Filmkomponisten für seine Sache zu gewinnen. Namen wie David Kudell, Christoph Zirngibl oder Andrew M. Smith folgten seinem Ruf. Die Wahl fiel bewusst auf Filmkomponisten. Warum? Weil sie die Meister der Emotionen sind. Sie wissen, wie man Hoffnung in Noten gießt und wie man eine „Heldenreise“ vertont, selbst wenn der Held ein Kind in einem Keller in Charkiw oder im Gazastreifen ist.

Jeder Komponist schrieb ein Stück für Cello und Orchester
Jeder Komponist schrieb ein Stück für Cello und Orchester

Jeder Komponist schrieb ein Stück für Cello und Orchester. Dass das Cello das Soloinstrument ist, ist kein Zufall. „Das Cello hat eine Tiefe und Wärme, die mich immer wieder inspiriert“, sagt Graf. Es gilt als das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächstenkommt. Wenn das Cello klagt, dann weint es; wenn es aufbegehrt, dann singt es von Trotz und Überlebenswillen. Unter der Leitung des britischen Dirigenten Ben Palmer verschmolzen diese zwölf individuellen „Gebete“ zu einem Klangkörper, der die moderne Welt in ihrer Zerrissenheit spiegelt und gleichzeitig heilt.

Die Superkraft der Melodie

Es gibt diesen Moment im Studio, wenn die Musik die Partitur verlässt und lebendig wird. Für Graf ist das der Moment der „Goosebumps“ – der Gänsehaut. Aber es geht um mehr als nur Ästhetik. Das Projekt ist als Charity-Aktion konzipiert, deren Erlöse direkt in den Notfallfonds von Save the Children fließen.

Graf betont immer wieder:

Jedes Kind braucht eine Zukunft, und es liegt an uns, diese Zukunft zu ermöglichen“.

In einer Zeit, in der Nachrichtenzyklen immer kürzer werden und die Empathie oft an der nächsten Schlagzeile zerschellt, setzt „HOPE“ auf Nachhaltigkeit. Die Musik soll ein Anker sein. Sie soll den Zuhörer innehalten lassen, ihn „thought-provoking“ – nachdenklich – stimmen.

Es ist die Idee der „Hero’s Journey“, die Graf antreibt. Jedes Kind in einem Krisengebiet durchläuft eine Heldenreise, oft unfreiwillig und unter schrecklichen Bedingungen. Die Musik von „HOPE“ soll diesen Kindern – und uns – den Mut geben, an ein Morgen zu glauben. Wenn die Klänge der Abbey-Road-Studios über die Lautsprecher in die Wohnzimmer weltweit wandern, dann tragen sie die Botschaft von Andreas Graf mit sich:

Wir sind nicht machtlos, solange wir noch in der Lage sind, mitzufühlen.”

Wenn Kunst zum Schutzschild wird

Andreas Graf hat mit „HOPE“ bewiesen, dass der Elfenbeinturm der klassischen Musik längst Risse hat – und das ist gut so. Durch die Kombination aus filmischer Dramatik, der Intimität des Cellos und der globalen Reichweite eines Charity-Albums hat er ein Mahnmal geschaffen, das nicht aus Stein, sondern aus Luft und Schwingung besteht.

Wenn das Album am 1. Mai 2026 bei Claves Records erscheint, wird es mehr sein als nur eine weitere CD im Regal. Es ist ein Beweis dafür, dass Initiatoren wie Graf die Welt ein kleines Stück heller machen können, indem sie die richtigen Leute zur richtigen Zeit an einem Ort wie Abbey Road zusammenbringen. In einer Welt, die oft aus den Fugen geraten scheint, erinnert uns „HOPE“ daran, dass die stärkste Waffe gegen die Verzweiflung vielleicht doch ein Bogenstrich auf einer Saite ist.

Es ist eine Einladung zum Hinhören. Denn wer zuhört, fängt an, zu verstehen. Und wer versteht, fängt an zu helfen.

Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011.
Joachim Rodriguez y Romero

Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.

www.kunstplaza.de/

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