Wenn ein Künstler mit etwas Abstand auf sein Werk blickt, mag er sagen: Das Bild ist mir gut gelungen. Oder er ist kritisch: Da muss ich nochmal ran. Dietmar Deiwick sagte: „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, das gemalt zu haben.“
Wenig verwunderlich – der Abstand war enorm, sowohl zeitlich als auch räumlich: Dietmar Deiwick, gelernter Farbenlithograph und Digitaldrucker, sah sich zwei Werken aus seiner Frühphase gegenüber, gemalt vor 45 Jahren. In Nepal. Der Berliner hatte damals in Kathmandu in einem kargen Künstlerhaus Station gemacht. Fünf Monate lang blieb er da, und als nach Deutschland zurückkehrte, ließ er vier Bilder in einer kleinen Galerie vor Ort zurück.
Nun, zu seinem 70. Geburtstag, haben seine Kinder eine Ausstellung organisiert – es war die erste seines Lebens – und dafür zwei der vier verschollen geglaubten Werke ausfindig gemacht und nach Berlin geholt. „Ich habe am Anfang oft keine Idee, wie meine Bilder aussehen werden“, beschreibt Deiwick seinen Ansatz. „Ich lasse mich überraschen.“ Er visualisiere die jeweilige Fantasie und den Augenblick.
So wohl auch damals, vor 45 Jahren: Eine Fantasielandschaft, zumindest in Teilen. Hinten Berge, vorne ein Erdrutsch, rechts eine dunkle blaue organische Mauer oder Grenze – daneben eine heilere Welt mit einem Einbaum auf einem See. Die Zukunft der Umwelt, in Schichten geht sie nieder, es wird eng mit einer Wand, die man im Rücken spürt.
„Der blaue Vorhang“ heißt das Werk. Es ist in Öl gemalt, aber nicht firnissiert. „Die Farben waren damals kräftiger, noch düsterer“, erinnert sich Deiwick also doch. Er wolle nun die alte Kraft wiederherstellen, das Werk säubern – und endlich firnissieren. Die Arbeit von damals zu Ende bringen.
Dietmar Deiwick – „Der blaue Vorhang“
„Der blaue Vorhang“ (Öl), vor 45 Jahre in Kathmandu zurückgelassen, nun vom Ende der Welt zurück: Die Farben haben mit der Zeit gelitten, aber die Kritik an der fortschreitenden Umweltzerstörung ist zeitlos.
Dietmar Deiwick – „Großstadt“
Die Bilder von Deiwick pendeln zwischen Landschaft und Urbanität – hier das Werk „Großstadt“ (Acryl).
Dietmar Deiwick – „Camping 3000“
„Camping 3000“ (Acryl): Oft sind es maritime Landschaften, die Deiwick geschaffen hat – viele sind an der Ostsee entstanden. Die Bilder standen und stehen nicht zum Verkauf.
Deiwick auf Knien
Dietmar Deiwick, überrascht: Die Signatur auf seinen Werken und der Name der Galerie waren die einzigen Anhaltspunkte für die Suche in Nepal. Der Künstler selbst hätte die Bilder nach 45 Jahren nicht mehr im Detail beschreiben können.
Über den Künstler
Dietmar Deiwick ist 1947 in Naila/Oberfranken geboren. Aufgewachsen ist er in Berlin, wo es ihn bis heute gehalten hat. Nach einer Lehre als Farbenlithograph in Berlin-Kreuzberg begibt er sich von 1970 bis 1973 auf Studienreisen nach Indien, Tansania, Nepal und Afghanistan.
Zurück in Deutschland, arbeitet er als technischer Lithograph im Composing. Er heiratet 1975 und bekommt zwei Kinder, an die er seine künstlerische Ader weitergibt. Er arbeitet sein Leben lang mit Farbe und Grafik, seit den 1990ern auch digital; er gibt Computerkurse. Seit einigen Jahren ist er in Rente und hat sich seitdem wieder mehr der Malerei widmen können.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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