Vom Arbeitsstiefel zur Modeikone – wie sich die gesellschaftliche Bedeutung eines Stiefelmodells veränderte
Extravagante Overknees, Plateau-Stiefel oder schicke Chelsea-Boots gehören heute zum Straßenbild dazu. Manche von ihnen sind vorübergehende modische Erscheinungen, während sich andere zu echten Klassikern entwickelt haben.
Als wahre Kultstiefel gelten die Modelle von Dr. Martens, die bis heute ein fester Bestandteil der Schuhmode sind und trotz jahrzehntelangem Bestehen nie aus der Mode kommen.

Foto von Margaret Polinder, via Unsplash
Im Wandel der Zeit
Stiefel bekamen schon früh ihren Platz in der Gesellschaft. Bereits die Schuhmode um 1900 wurde durch filigrane Schnürstiefel geprägt. Die Damen jener Zeit trugen sie gerne zum Rock. Meist handelte es sich dabei um Modelle mit einem kurzen Schaft.
Sogenannte Langschaftstiefel wurden von den Schuhfabrikanten zwar bereits angeboten, fanden aber wenig Gegenliebe. Schwere Schnürstiefel, wie wir sie heute gerne tragen, waren zu diesem Zeitpunkt auf dem gesellschaftlichen Parkett ebenfalls eher selten anzufinden.
Stattdessen befanden sie sich hauptsächlich an den Füßen von Arbeiter. Auch der englische Schuhhersteller Griggs, aus dem später Dr. Martens werden sollte, fabrizierte seine Boots damals vornehmlich für den Einsatz im Berufsleben.

Beliebte Arbeiterstiefel mit komfortabler Sohle
Tatsächlich wurde der Vorgänger der heutigen Dr. Martens von zwei Deutschen erfunden, dem Münchner Dr. Klaus Märtens und seinem Universitätsfreund und Ingenieur Dr. Herbert Funk. In den 1950er-Jahren begannen sie die Schuhe mit den innovativen luftgepolsterten Sohlen zu produzieren, und verkauften die einzigartigen Modelle hauptsächlich an ältere Damen.
Schnell wurde die Schuhfirma Griggs auf sie aufmerksam und schloss sich mit ihnen zusammen. Im Jahr 1960 war es dann so weit: Die erste Version der Dr. Martens kam auf den Markt. Zunächst waren die Stiefel in Großbritannien erhältlich und der ehemalige Gesundheitsschuh wurde vor allem von den Arbeiterklassen wertgeschätzt.
Denn die Dr. Martens hatten einen großen Vorteil: Ihre zertifizierte AirWair Sohle war deutlich weniger hart als die von vielen klassischen Arbeitsstiefeln, sodass ein höherer Tragekomfort gegeben war.

Musik und Subkulturen
Für die glamouröse Modebühne war die Zeit noch nicht gekommen. Trotzdem machte sich in den 60er-Jahren bereits eine Veränderung bemerkbar: Dr. Martens wurden zumindest in den Subkulturen Londons zum Fashion-Statement. Die Skinheads und Punks begannen, die Stiefel in ihre Looks zu integrieren.
Manche von ihnen wollten so ihre Verbundenheit zur Arbeiterklasse zeigen, andere zelebrierten damit ihren Protest gegen die Gesellschaft.
Viele Musiker von Punk-Bands wie den Sex Pistols oder The Clash trugen die Schuhe als Zeichen ihrer Unangepasstheit auch auf der Bühne. So gewannen sie vor allem in der eigenen Subkultur bis in die 70er- und 80er-Jahre stetig an Bekanntheit.

Der Arbeiterstiefel als politisches Statement
Tony Benn erschien als Abgeordneter der britischen Labour-Party mit Dr. Martens im Parlament und demonstrierte zweifelsfrei erkennbar sein Zugehörigkeitsgefühl zur Arbeiterklasse. Er setzte ein sichtbares Statement und weichte zugleich die Grenze zwischen den Arbeitern und der politischen Elite ein kleines bisschen auf – zumindest im Bereich Mode.
Vom Kultstiefel zum Modeklassiker
In den 1990er-Jahren entdeckte eine neue Subkultur die robusten Treter für sich. Die Grunge-Welle machte die Stiefel richtig populär. Immer mehr Menschen trugen die Schuhe ohne gesellschaftspolitischen Hintergrund, sondern rein aus Styling-Gründen.
Mittlerweile sind sie nicht mehr aus der Mode wegzudenken und werden von Subkulturen und Modefans gleichauf getragen. Nicht nur die Trägerschaft, auch das Markenangebot hat sich vergrößert. Dank Fütterung sind manche Docs sogar für den Winter geeignet.
Auch echte Weltstars wie Ryan Gosling, David Beckham, Bella Hadid oder Lady Gaga zeigen sich gerne in den stabilen Stiefeln. Manche von ihnen beweisen dabei, wie herrlich vielfältig die einstigen Arbeiterstiefel geworden sind.
Lady Gaga trägt die Stilklassiker als Kontrast zum femininen Kleid und Bella Hadid greift zu einer modernen Plateau-Variante, die im Kontrast zu transparenten Strümpfen richtig gut zur Geltung kommt.

Ein Stiefelmodell, das seine Geschichte als Arbeiterschuh begann, ist heute also ein wichtiger Bestandteil der Popkultur und Mode geworden und zeigt so exemplarisch, wie sich die Gesellschaft selbst gewandelt hat.
Dennoch sind und bleiben Dr. Martens ein Symbol liberaler und kreativer Selbstdarstellung und -verwirklichung.

Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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