“Fering”: Wie Mattis Brodersen friesische Kultur auf musikalische Weise in die Welt bringt
Mattis Brodersen überraschte die Musikwelt jüngst mit einem außergewöhnlichen Projekt: Am 7. November 2025 veröffentlichte der Musiker sein neues Album “Fering”, das vollständig in seiner Muttersprache, dem Föhrer Friesisch, aufgenommen wurde. Die zwölf Lieder erzählen von Fern- und Heimweh, Liebe und dem Erwachsenwerden.
Auf der Insel Föhr in Nordfriesland verwurzelt, verbindet der Liedermacher geschickt traditionelle Klänge mit modernen Einflüssen. Tatsächlich bietet das Album ein beeindruckend breites musikalisches Spektrum – von eingängigen Pop- und Folk-Musik-Elementen über Föhrer Traditionals bis hin zu energiegeladenem Punk-Rock und sogar friesischem HipHop. Das Besondere daran: Brodersen zeigt, dass Fering – wie das Föhrer Friesisch auch genannt wird – kein Relikt der Vergangenheit ist, sondern auch in der modernen Musik seinen Platz hat.
Unterstützt wurde das Projekt von der Ferring-Stiftung, die sich seit Jahren für den Erhalt und die Förderung der nordfriesischen Sprache engagiert. Zur Veröffentlichung spielte der Künstler zwei Releasekonzerte: am 7. November auf Föhr und am 8. November auf Amrum. In einer Art kleiner Retrospektive auf die Zeit nach dem Release möchten wir beleuchten, wie Brodersen mit seinem ersten friesischen Rock-Album kulturelle Tradition neu interpretiert und welche Bedeutung dieses Werk für die friesische Identität hat.
Ein neues Album für Föhr und Nordfriesland
Mit dem Veröffentlichungsdatum am 7. November 2025 markiert das Album “Fering” einen Meilenstein in der nordfriesischen Musiklandschaft. Der Föhrer Musiker präsentiert nicht einfach nur neue Songs, sondern setzt damit ein musikalisches Denkmal für seine Heimat.

Warum ‘Fering’ mehr als nur ein Album ist
Das neue Werk von Mattis Brodersen geht über eine gewöhnliche Musikveröffentlichung hinaus. Erstmals singt der Künstler ausschließlich in seiner Muttersprache. Die zwölf Lieder erzählen von Fern- und Heimweh, Liebe und dem Erwachsenwerden und vermitteln dabei ein authentisches Inselgefühl.
Die Besonderheit liegt nicht allein in der Musik, sondern auch im zweisprachig gestalteten Booklet. Diese durchdachte Konzeption ermöglicht es allen Hörer:innen, die Texte mitzulesen, zu vergleichen und nebenbei erste Worte auf Fering zu lernen. Dadurch wird das Album gleichzeitig zum kulturellen Werkzeug und zeigt eindrucksvoll, dass Fering kein Relikt der Vergangenheit ist.
Für mich ist das mehr als nur Musik – es ist ein Stück Identität”,
erklärt der Musiker selbst. Tatsächlich beweisen seine Songs, dass die friesische Sprache durchaus modern klingen kann und weiterhin lebendig ist.
Zusammenarbeit mit der Ferring-Stiftung
Das Album ist aus einem gemeinsamen Projekt mit der Ferring-Stiftung entstanden, die sich seit Jahren für den Erhalt und die Förderung der nordfriesischen Sprache engagiert. Diese Zusammenarbeit unterstreicht den kulturellen Wert des Projekts und verankert es fest in der Region.
Die CD ist seit dem 7. November im Handel sowie über den Shop der Ferring-Stiftung für 20 Euro erhältlich. Zusätzlich steht das Album seit dem 21. November auf allen gängigen Download- und Streaming-Plattformen wie Spotify und Co. zur Verfügung.
Erste Reaktionen aus der Region
Auf seinen Release-Konzerten stand er mit seiner Loop-Station auf der Bühne, und fegte den Saal weg mit dieser kraftvollen, markanten
Stimme und seiner berührenden Musik wie seinerzeit der junge John Denver:
San so widj raiset, am min lok tu finjen
Bin soweit gereist um mein Glück zu finden
Kem heer uun an do ferstäänt mi neemen?
Komme dort an und dann versteht mich keiner?
Jä ik fraai mi, wat as det heer för‘n stak snaak?
Ja ich frage mich was sprechen die hier bloß
Heer stun ik nü mä min fering uun New York
Hier steh ich nun mit meinem Friesisch in New York
heißt es in „Fering uun New York“.
Besonders bemerkenswert ist die Rezeption des friesischen Covers vom Ärzte-Hit „Junge“. Für diese Interpretation mit dem Titel „Sune“ haben die Berliner Punk-Rocker ihre ausdrückliche Zustimmung erteilt. Die Band feiert die Version auf Friesisch sogar explizit.
Die Ankündigung der beiden Releasekonzerte – am 7. November auf Föhr und am 8. November auf Amrum – sorgte über die Region hinaus für Begeisterung. Die Besucher durften sich auf handgemachte Musik, friesische Texte mit Tiefgang und jede Menge Herzblut freuen. Darüber hinaus hat der NDR bereits Interesse an der Musik gezeigt, was den Einflussbereich der friesischen Klänge deutlich erweitert.
Musikalische Vielfalt zwischen Folk, Rock und HipHop

Das musikalische Spektrum von “Fering” sprengt gewohnte Genre-Grenzen und beweist, wie vielseitig friesische Musik klingen kann. Gemeinsam mit seiner Band hat Mattis Brodersen ein außergewöhnlich breites Klangbild geschaffen, das von eingängigen Pop- und Rocksongs über Föhrer Traditionals bis hin zu energiegeladenem Punk-Rock und sogar friesischem HipHop reicht.
Einflüsse aus Pop, Punk und traditioneller Musik
Folk-Rock als grundlegendes Element verbindet traditionelle Volksmusik mit modernen Rock-Elementen. Dabei kommen sowohl akustische Instrumente wie die in der friesischen Tradition wichtigen Geigen, Akkordeons und Flöten zum Einsatz als auch elektrische Gitarren und druckvolles Schlagzeug. Zudem lassen sich deutliche Einflüsse von Pop-Punk-Künstlern wie Blink-182 und Avril Lavigne erkennen, die Brodersen geschickt mit der nordfriesischen Musiktradition verwebt.
Die Kombination unterschiedlicher Stilrichtungen erinnert an moderne Interpretationen regionaler Musik, wie sie etwa bei der Künstlerin NORMA zu finden ist, die ebenfalls auf Friesisch singt. Allerdings geht Brodersen mit seinen Punk-Elementen und HipHop-Einflüssen noch einen Schritt weiter.
Wie friesische Musik modern interpretiert wird
Friesische Musik war stets ein essenzieller Bestandteil der kulturellen Identität dieser Region. Mattis Brodersen beweist nun, dass diese Tradition durchaus mit zeitgenössischen Klängen harmonieren kann.
Während traditionelle friesische Lieder oft bei Festen und Feierlichkeiten eine Rolle spielen, transportiert Brodersen die Sprache nun in moderne Kontexte. Seine Songs handeln von zeitlosen Themen wie Fernweh, Heimatverbundenheit und dem Erwachsenwerden – verpackt in zeitgemäße Klangwelten.
Die Rolle der Band im kreativen Prozess
Obwohl Brodersen als Songwriter im Mittelpunkt steht, war die Entstehung des Albums ein gemeinsamer kreativer Prozess. Ähnlich wie bei anderen Bandprojekten trafen sich die Musiker im Proberaum, probierten verschiedene Arrangements aus und ließen die Stücke organisch zusammenwachsen. Diese Zusammenarbeit hat maßgeblich zur stilistischen Vielfalt des Albums beigetragen.
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Der friesische HipHop-Track auf dem Album zeigt darüber hinaus, dass die Band bereit ist, musikalisches Neuland zu betreten und experimentierfreudig bleibt – ein weiteres Indiz dafür, dass die friesische Musikszene mehr zu bieten hat, als mancher zunächst glauben mag.
Fering als Sprache der Musik
Die friesische Sprache Fering steht im Mittelpunkt von Brodersens neuem Werk und verleiht dem Album seinen unverwechselbaren Charakter. Mit rollenden R-Lauten, kantigen Klängen und einer besonderen Wärme entfaltet die Sprache in musikalischem Kontext eine fast magische Wirkung auf Hörer:innen.
Warum Mattis Brodersen auf Fering singt

Für den Föhrer Musiker ist Fering nicht einfach nur eine künstlerische Wahl – es ist seine Muttersprache. Tatsächlich begann alles mit seinem ersten friesischen Song „Letst glees“, bei dem er die besondere Schönheit des Singens auf Fering entdeckte. Diese Erfahrung legte den Grundstein für das gesamte Album.
Die Schönheit dieser Sprache lässt niemanden kalt”,
heißt es über Brodersens Gesang. Selbst für Menschen, die kein Wort verstehen, schafft die Sprache eine emotionale Verbindung – wie das Treiben auf einem kleinen Fischerboot in glitzernder See vor der Insel.
Zweisprachiges Booklet als Lernhilfe
Besonders bemerkenswert ist das durchdachte Booklet zur CD. Dort findet man alle Liedtexte mit jeweils deutscher Übersetzung. Dadurch wird das Album auch zu einem kulturellen Werkzeug, das interessierten Hörer:innen den Zugang zur friesischen Sprache erleichtert.
Diese Herangehensweise folgt einer Tradition: Bereits 2023 erschien eine CD „Wederlaiden“ über den Friiskshop mit ähnlichem Konzept. Außerdem bietet die sorgfältige Übersetzung einen tieferen Einblick in die Bedeutung der Texte, die von Fern- und Heimweh, Liebe und dem Erwachsenwerden handeln.
Abschließende Worte
Die Entscheidung, ausschließlich in seiner Muttersprache zu singen, wirkt dabei besonders authentisch und herzlich. Das zweisprachige Booklet ermöglicht gleichzeitig allen Hörer:innen einen Zugang zu den tiefgründigen Texten über Heimat, Fernweh und das Erwachsenwerden. Dadurch funktioniert das Album nicht nur als musikalisches Werk, sondern ebenso als kulturelles Werkzeug zum Spracherhalt.
Die positive Resonanz der Ärzte auf die friesische Version ihres Songs “Junge” unterstreicht zusätzlich die Strahlkraft dieses Projekts. Offensichtlich hat Brodersen mit seiner Interpretation einen Nerv getroffen, der weit über die Grenzen Nordfrieslands hinausreicht.

Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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