Na eben eine Bewegung, die Kunst zum Protest nutzt.
Die Kunst-Protestbewegung „RLF“ um Architekt und Autor Friedrich von Borries will gegen den Kapitalismus protestieren. Sie will den Kapitalismus mit seinen eigenen Mitteln überwinden und will das nach eigener Aussage erreichen, indem sie Protest in Luxusprodukte und deren Konsum in einen revolutionären Akt überführt.
„RLF“ schafft es damit endlich, das „Richtige Leben im Falschen“ zu leben, an dem schon so viele westliche Protestbewegungen zu scheitern drohten. RLF dreht den Widerstand um und verkauft den Protest einfach an den Kapitalismus.
Spannende Idee, uns wie das funktionieren soll, soll der Website rlf-propaganda.com zu entnehmen sein. Schauen wir doch mal:
Die RLF “SHOW YOU ARE NOT AFRAID” Schablone zum Runterladen und Markieren eurer Orte der Revolution
Die Annäherung an RLF ist nicht ganz einfach
Und das liegt nicht daran, dass wohl jeder Gutbürger bzw. Wutbürger die Positionen ablehnt, die RLF angreift. Es liegt vielmehr an der „ganz normalen Unmöglichkeit des Designs“, die uns im Netz nicht gerade selten eine Aufnahme von Inhalten erschwert. Aber Neugier treibt zu großen Rezeptions-Leistungen:
Wenn Sie die Website von RLF aufrufen, werden Sie mit besagtem augenbetäubend schrillem Design empfangen – wahrscheinlich sollen die Millionen seit der New-Economy-Krise dauerhaft eingeschlafenen Mitbürger aufgeweckt werden, wenn das gelingt, sei ein wenig Augenschmerz verziehen.
„ES GIBT KEIN RICHTIGES LEBEN IM FALSCHEN“ steht da nicht nur in Großbuchstaben, sondern auch ganz groß zu lesen, so groß, dass es schon fast nicht mehr auffällt.
RLF ist übrigens die Abkürzung für „Richtig Leben im Falschen“, denn Friedrich von Borries und Anhänger sagen DOCH!!!, man kann richtig Leben im Falschen, und das macht jedem durchschnittlich subversiven Geist schon mal Spaß und Hoffnung.
Aber erst einmal folgt ein wenig Verwirrung, nämlich eine Zeile mit Menupunkten:
RLF
Resistance Ticker
Start-a-revolution
Forum
Unternehmen
Produkte
Kalender
Ein Klick auf RLF führt wieder auf die Startseite, und nicht, wie eigentlich naheliegend, auf den Link, der sich hinter der Überschrift „Was ist RLF“ verbirgt, den der wissbegierige Leser deshalb dann selbst anklickt und zu folgender Seite geführt wird:
„SHOW YOU ARE NOT AFRAID“ – aber gerne. Auf dieser Seite werden auch die Ziele erklärt:
Dass RLF den Kapitalismus mit seinen eigenen Mitteln überwinden will, dass RLF sich gegen zunehmende (Kinder-)armut trotz steigendem Kapitalvolumen, Zockergeschäfte im Finanzwesen, politische und polizeiliche Verteidigung einer immer extremer werdenden Ungleichheit und gefühlte Ohnmacht trotz “demokratischer Teilhabe” richtet, dass die Shareholder entscheiden, wie der Profit in die Revolution investiert wird.
Klingt prima und notwendig, wenn auch den meisten Lesern nach dem Lesen dieser Zeilen noch nicht klar sein wird, wie das gehen soll.
Also weiter, auf zum nächsten Menupunkt, der Klick auf „Resistance Ticker“ bringt den interessierten Leser jedoch leider auch nicht viel weiter. Da gibt es weitere Menupunkte, Übersicht (unter der keine Übersicht erscheint, sondern eine Reihe von Artikeln), Friedrich, Revolution, BTW13 (Bundestagswahl), Internes, Das Falsche im falschen, Taktiken und Methoden, Slavia (die nicht mehr dabei ist), Globaler Widerstand und Andere Orte.
Unter all diesen Menupunkten finden Sie eine ganze Reihe interessanter Artikel, über die Hamburger Rote Flora, die NSA, die Freihandelszone, Aufrufe zur Teilhabe an der Revolution, Beiträge zum Drohnenkrieg, zu den Machtkämpfen in Thailand, zu Fukushima, zur vergangenen Bundestagswahl, zu einem Freistaat im Hafen von Rotterdam und zum investigativen Lebensmodell der Künstlerin Andrea Zittel.
Hier gibt es also Artikel zu fast allem, wogegen man schon immer mal was tun wollte und interessante Artikel zu alternativen Lebensentwürfen, prima Lesestoff, wenn man sich nicht in den ohne jede Ordnung in den obigen Kategorien verteilten Artikeln verliert und enttäuscht aufgibt – eigentlich will man ja immer noch erst einmal wissen, worum es eigentlich geht …
Also auf zu „Start-a-revolution“, und dort gibt es endlich „echten Stoff“, nämlich Inhalt, mit den „Challenges“, die RLF der Community bisher gestellt hat:
Unter „Sprücheklopfer“ gibt es 51 Kommentare mit „markanten bis dämlichen Sprüchen von Politiker_innen“, die vor oder nach der Wahl in Erinnerung geblieben sind, darunter Klassiker wie der Ausspruch von Franz-Josef Strauß: “Die Demokratisierung der Gesellschaft ist der Beginn der Anarchie.” und neue, ohne diese Seite viel zu unbemerkt gebliebene Aufreger von Angela Merkel: Sie habe Guttenberg als Minister bestellt, „und nicht als wissenschaftlichen Assistenten“, und mehr …
Unter „Aufreger“ zeigen uns 50 Kommentare, was Bürger als eben solche empfinden, weitere gut 300 Beiträge gingen ein zu folgenden Themen: Das richtige Leben im falschen, Information und Inspiration, Wohnst Du noch oder konsumierst Du schon?, Wo soll die Systemalternative entstehen?, Die Systemalternative, Entwickle eine Challenge!, Vorbilder für die Massen!, Mach das Hässliche schöner!, Ein erstes zartes Pflänzchen, Wo diskutiert und organisiert sich der Widerstand?, Show you are not afraid!, Alles abwaschbar, Geh’ doch mal raus!, Der wahre Preis und Free Hugs.
Viel Lesestoff, mit vielen weiterführenden Links, und die letzte „Challenge“ unter START-A-REVOLUTION läuft gerade: Stufe IV – Aktion – Take the square! Unter dem Motto: „Besetze kreativ ein Stück öffentlichen Raum und poste einen Link zu einem Foto Deiner Aktion!“, näheres auf www.rlf-propaganda.com.
Mehr von RLF gab es bereits auf ARTE, denn der Sender begleitete bereits im August 2013 die Aktivitäten der Kunst-Protestbewegung „RLF“ um Friedrich von Borries mit einer TV-Dokumentation, die am 10.02.2014 um 23:30 Uhr auf ARTE ausgestrahlt wurde. Der Titel: „RLF – Kunstprotest aus Berlin“, einen Einblick gibt es im nachfolgenden Videobeitrag:
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