Baukunst in Deutschland – Renaissance

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Alte Baukunst lohnt auf jeden Fall die Betrachtung, und wenn Sie kurze Ferien zu kurzen Reisen im eigenen Heimatland nutzen, ist es die alte Baukunst in Deutschland, die in diesem Fall die Betrachtung lohnt.

Bewundernswerte Baudenkmäler gibt es in unserem Land in so reichlicher Auswahl, dass Sie sich für jede kürzere Reise eine Epoche vornehmen könnten: Wenn Sie die baulichen Hinterlassenschaften der alten Römer (siehe dazu den Artikel “Bauten in Deutschland – Die Anfänge von Antike bis Romanik”) bereits zur Genüge besichtigt haben, kommt im nächsten Urlaub vielleicht die gotische Baukunst an die Reihe (Ortsziele werden im Artikel “Gotische Baukunst in Deutschland” vorgeschlagen).

Welche Epoche Sie sich vornehmen, hat natürlich auch mit Ihrem Ferienziel zu tun, die Baudenkmäler der Anfangszeit sind nun einmal nur im Westen und Süden Deutschlands zu besichtigen, die Gotik bietet schon etwas mehr Auswahl, und wenn Sie in der Zeitfolge bereits zur Renaissance vorgedrungen sind, können Sie Bauwerke aus dieser Epoche in ganz Deutschland besichtigen:

Die Renaissance als “neue Mode” aus Italien

Während die ersten Vorbilder des gotischen Baustils aus Frankreich übermittelt wurden, war die Renaissance durch italienische “Baumode” beeinflusst worden. Dem Land, in dem die vermeintliche Wiederbelebung der antiken Formen, von der die Renaissance ihren Namen hat, ihren Anfang nahm, dem Land mit den antiken Bauten. Historiker mit unparteiischem Blick sehen diese Wiederbelebung nicht als bewusst intendierten Vorgang, sie sprechen nüchterner davon, dass die hohen Errungenschaften der Baukunst im kampfgeschüttelten Mittelalter schlichtweg etwas in Vergessenheit gerieten und man sich nun wieder auf die alten künstlerischen Höhen begeben wollte.

St.-Anna-Kirche Augsburg aus Sicht der Annastraße

St.-Anna-Kirche Augsburg aus Sicht der Annastraße
von ReclaM CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/), via Wikimedia Commons

Der Aufnahme moderner Strömungen in der Architektur wurde damals, wie oft auch heute noch, zuerst durch die Avantgarde der Boden bereitet: Die Fugger waren es, die im Jahr 1509 ihre abgegrenzte Familienkapelle der St. Anna Kirche in Augsburg im angesagten italienischen Stil ausbauen ließen, und plötzlich wollten alle Augsburger im Stil der italienischen Renaissance bauen. Die erste Kunde vom neuen Baustil war über Handelswege nach Augsburg gekommen, diese Handelsstadt zählte damals zu den bedeutendsten Metropolen Europas mit unzähligen Handelsverbindungen und war damals gleichzeitig eine der wichtigen Informationsbörsen der damaligen Zeit.

Hauptaltar der St.-Anna-Kirche Augsburg

Hauptaltar der St.-Anna-Kirche Augsburg
von JD [CC-BY-SA-2.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en), via Wikimedia Commons

Allerdings waren solch ergiebige Beziehungen in die Welt nicht die Regel, und es gab auch keinesfalls über das ganze Land hinweg Handelswege, auf denen Reisende “den neuesten Klatsch” in jeden Ort tragen konnten. So hatten auch fortschrittlich gesinnte Baumeister im 16. Jahrhundert mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass sie die italienischen Bauten der Antike noch nicht einmal von Abbildungen her kannten und dass sie Berichte über die aktuellen Formen der italienischen Renaissance-Architektur meist aus zweiter oder dritter Hand übermittelt bekamen.

Deutsche Baumeister hatten es nicht leicht mit der Umsetzung der Renaissance

Bei der Umsetzung dieser nicht sehr genauen Berichte durch die Hände deutscher Baumeister kam es zu manchem Missverständnis; dass z. B. Ornamente aus textilen Musterbüchern als Vorbild für das Dekor einer Fassade dienten, war keine Seltenheit. Architekturhistoriker haben beobachtet, dass es so im Deutschland des 16. Jahrhunderts zu einer Art bürgerlichen “Lego-Antike” kam, bei der kleine Elemente den Fortschritt in der Baukunst zeigen sollten, aber in ihren einzelnen winzigen Formen wie an die herkömmlich aufgebauten Fassaden angeklebt wirkten.

Die deutschen Baumeister hatten es auch aus einem anderen Grund nicht leicht damit, diese aktuellen Einflüsse umzusetzen: Schon damals gab es unbewegliche und dadurch fortschrittsfeindliche Bürokratie, und in Deutschland sogar sehr viel davon. Mehr noch und noch viel schlimmer, Deutschland war ein territorialer Flickenteppich aus zahlreichen winzigen Fürstentümern, die sich gerne und häufig untereinander bekriegten, für zusätzliches Konfliktpotenzial sorgte die religiöse Führung durch die Reformation, die Bürger standen fast rechtlos zwischen diesen Einflüssen und bezahlten die Zeche in den Auseinandersetzungen mit ihrem Leben und mit ihren Gütern. Das führte dazu, dass große Teile des Landes in ihrer Entwicklung zurückblieben.

Das Residenzschloss in Dresden östlich vom Zwinger

Das Residenzschloss in Dresden östlich vom Zwinger
von Aarp65 [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Nur wo die machthabenden Fürsten lang genug Frieden hielten und den Renaissancestil als angesagte Form der modernen Kunst förderten, konnten eindrucksvolle Renaissancebauten entstehen. Gottseidank gab es einige solcher Fürsten über das ganze Gebiet des späteren Deutschland verstreut, und es gab Baumeister, deren stetes Interesse an fremden kulturellen Einflüssen sie klüger machte. So gelang schließlich der Anschluss an die italienische Renaissance, spätestens mit den Schlossbauten, dem Residenzschloss Dresden, Schloss Hartenfels im sächsischen Torgau und dem nach dessen Vorbild gebauten Berliner Stadtschloss zum Beispiel.

Schloss Hartenfels an der Elbe mit historischer Brücke

Schloss Hartenfels an der Elbe mit historischer Brücke
von Dr. Ronald Kunze [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), via Wikimedia Commons

Renaissancebauten in Deutschland finden Sie in jeder Himmelsrichtung

In Norddeutschland lohnt das Güstrower Schloss eine Besichtigung, und die Nikolaikirche in Stralsund, die mit einer sehr interessanten und elaborierten Innenausstattung aufwartet.

Im Osten locken die Schlösser in Dresden und in Torgau, und in Halle an der Saale hat Kardinal Albrecht von Brandenburg zwischen 1514 und 1541 gleich mehrere repräsentative Renaissancebauten entstehen lassen: Die Moritzburg, der Dom, die Neuen Residenz und die Marktkirche bilden ein ganz eigenes, auf jeden Fall beeindruckendes Renaissance-Ensemble.

Blick vom Torhaus auf das Güstrower Schloss. Es gilt als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke Norddeutschlands

Blick vom Torhaus auf das Güstrower Schloss. Es gilt als eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke Norddeutschlands
von Norbert Kaiser [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Sachsen hat in Sachen Renaissancebaukunst noch mehr zu bieten, ebenso wie Thüringen, in beiden Bundesländern sind viele Schlösser und Kirchen im Renaissance-Stil erbaut worden: Die Wilhelmsburg in Schmalkalden, das Gothaer Schloss, die Rudolstädter Stadtkirche, das Rathaus von Leipzig, der innere Chorraums des Doms von Freiberg und der Schönhof in Görlitz.

Im Westen hat Heidelberg mit seinem Schloss niederländisch geprägte Renaissance zu bieten, in Wolfenbüttel gibt es ein Welfenschloss und die evangelische Stadtkirche mit Zeugnissen des Renaissance-Stils zu besichtigen, ein ganzes Renaissance-Stadtbild finden Sie im historischen Stadtkern von Lemgo und in der Mitte von Hameln. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen können Sie als weitere Beispiele der niederländisch beeinflussten Renaissance zahlreiche Herrensitze und Schlösser entlang der Weser besichtigen, deren Stil deshalb auch “Weserrenaissance” genannt wird.

Die bedeutenden Augsburger Renaissancebauten wurden oben schon erwähnt, neben diesen Fuggerhäusern entstand in der Spätzeit der Renaissance (1614 und 1620) das prachtvolle Augsburger Rathaus, das ebenfalls eine Ansicht lohnt. Im Süden können Sie dann noch in Landshut “authentische Renaissance” besichtigen, die Landshuter Stadtresidenz wurde nämlich von italienischen Handwerksmeistern (wahrscheinlich die ersten Gastarbeiter der gerade beginnenden Neuzeit) erbaut.

Als beeindruckender Renaissancebau für das Gebiet nördlich der Alpen gilt auch die Münchner Jesuitenkirche St. Michael, die 1580 entstand, in Aschaffenburg ist das Renaissance-Schloss Johannesburg zu besichtigen, das erst um 1610 gebaut wurde.

Wohin auch immer in Deutschland Sie in den Osterferien reisen, Sie werden immer einen Renaissancebau in der Nähe finden, der die Besichtigung lohnt.

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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  • Rainer Ostendorf Der Artikel hat mir gefallen. Schöne Grüsse aus
  • Joachim Vielen Dank für die schöne Rückmeldung! Das fre
  • Rainer Ostendorf Ein interessanter Artikel! Vielen Danken für die
  • Ayna Ich interessiere mich sehr für die Antike und der
  • Joachim Vielen Dank für deine Worte, Karin! Das machen wi

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