Man Ray – Ein Jahrhundertkünstler der Fotografie

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Man Ray ist einzigartig im Erfindungsreichtum seiner Fotografie, die häufig geheimnisvolle Ausstrahlung seiner Werke hat einige seiner Fotografien zu Jahrhundertwerken gemacht, die fast jeder Mensch kennt.

Dabei kann man Man Ray nun wirklich nicht auf das Fach Fotografie beschränken, obwohl er zweifellos zu den bedeutendsten Fotografen des letzten Jahrhunderts gehört. Denn Man Ray hat von seinem Vater, einem Schneider, bereits als Kind Sticken und die Patchwork-Nähtechnik gelernt, er besuchte als junger Erwachsener verschiedene Kunstschulen in New York, wo er unter anderem Aktmalerei studierte, und arbeitete als Kalligraf und Landkartenzeichner, bevor er seine künstlerische Laufbahn zunächst als Maler begann.

Man Ray 1934

Man Ray 1934
von Carl Van Vechten, via Wikimedia Commons

In seiner Malerei testete er die verschiedensten Malstile, bis er über Werke im impressionistischen Stil und Landschaften, die vom Expressionismus beeinflusst wurden, zu einer eigenen Ausdrucksweise fand. Elemente dieses Stils, der sich am Futurismus und am Kubismus orientierte, sollte er ein Leben lang bewahren.

Seine berühmtesten überlieferten Werke sind jedoch nicht seine Bilder, sondern seine Fotografien, bereits 1914 erwarb Man Ray den ersten Fotoapparat, damals war er 24 Jahre alt. Er hatte zu dieser Zeit seine erste Einzelausstellung als Maler, während der er Marcel Duchamp und Francis Picabia kennenlernte, die Man Ray zum Experiment mit Objekten und zur intensiven Beschäftigung mit Fotografie und Film anregten.

Um 1919 begann Ray, seine Fotografien in der Dunkelkammer selbst zu bearbeiten. Er entwickelte das von ihm “Rayographie” benannte Verfahren, die Rayographien wurden begeistert aufgenommen und machten Man Ray auch in der europäischen Avantgarde bekannt. In den 1920er Jahre schuf Man Ray seine bedeutendsten fotografischen Werke, deren Namen den Kunstkennern bis heute bekannt sind: “The Enigma of Isidore Ducasse” oder “The Riddle” (1920), “Marquise Casati” (1922), “Le Violon d’Ingres” (1924), “Noire et blanche” (1926), “L’œuf et le coquillage” (1931) und “A l’heure de l’observatoire – Les Amoureux” (1933), um nur einige zu nennen.

Zu Beginn dieser Zeit hatte sich Man Ray in seiner Heimat gründlich mit dem amerikanischen Dadaismus beschäftigt und war zu dessen Hauptvertreter geworden. Er hielt die New Yorker Kunstszene der damaligen Zeit für ignorant im Gegensatz zur progressiven Kunstwelt in Europa, 1922 folgte er seinen Freunden Picabia und Duchamp nach Paris.

Hier porträtierte er wohl alle wichtigen Künstler der Zeit, auch diese Porträts sind heute gefragte Kunstwerke. Vor allem wandte er sich jedoch der Aktfotografie zu, neben seinem wohl berühmtesten Werk “Le Violon d’Ingres” entstanden in der Folgezeit zahlreiche berühmte Aktfotos in den surrealen bzw. traumhaften Arrangements, für die er bekannt war.

Ihren Höhepunkt erreichte Man Rays Schaffenskraft während der Arbeit mit der schönen und intellektuellen Lee Miller zu Beginn der 1930er Jahre, mit der ihn auch eine Liebesbeziehung verband. Das war zwar nicht die erste Beziehung zu einem seiner Modelle, aber eine entscheidende, mit durchaus obsessiven Komponenten. So entscheidend, dass Lee Millers Aufbruch nach New York (1932) zu einem kreativen Einbruch in Rays künstlerischer Arbeit führte, den er noch nicht überwunden hatte, als er 1940 den Kriegswirren und der damit einhergehenden Ausländerfeindlichkeit in Europa den Rücken kehrte und ebenfalls in die USA zurückkehrte.

In den USA war Man Ray unbekannt, so erregten die Arbeiten der daheimgebliebenen Fotografen mehr Interesse bei den Kunstinteressierten, mit seinem Schaffen in den USA konnte Ray ein Jahrzehnt lang keine große Resonanz hervorrufen. Deshalb kehrte er 1951 wieder nach Paris zurück, wo er bis zu seinem Tod 1976 nur noch vereinzelt künstlerisch in Erscheinung trat.

Unabhängig von den erwähnten Höhepunkten seines Schaffens zeichnet der Lebensweg von Man Ray sich vor allem durch eines aus: Er hat sich nie nur auf ein Medium beschränkt, er hat nicht nur fotografiert, sondern auch gemalt, Objekte und Filme gemacht, und er war immer umgeben von vielen Künstlern seiner Zeit und für neue Einflüsse offen. So konnte Man Ray einen entscheiden Einfluss auf die moderne Fotografie ausüben. Ihm werden jedoch auch stilistische Einflüsse auf den modernen Film und die Vorwegnahme von Ideen zugeschrieben, die wenig später in der Malerei gefeiert werden sollten. Wie es eben einem Mann gebührt, der nach eigener Aussage “geradezu eine Abneigung gegenüber Gemälden hatte, bei denen kein Raum für eigene Überlegungen blieb“.

In dem folgenden kleinen Video sehen Sie das Grab von Man Ray und einige seiner beeindruckendsten Fotografien:

Man Ray - Ein Jahrhundertkünstler der Fotografie

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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