Ein Blick auf: Jackson Pollock

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Ganz egal, warum Sie etwas über einen Künstler wissen möchten, eines ist auf jeden Fall nützlich: Eine Zusammenfassung, der Ihnen die wichtigsten Fragen über den Künstler beantwortet und die Sie bei der weiteren Beschäftigung mit dem Künstler immer zur Hand nehmen können, um Basisdaten oder -fakten nachzuschlagen. Das kann ziemlich hilfreich sein, besonders wenn Sie während der Beschäftigung mit dem Künstler in der Lage sein möchten, konzentriert nachzudenken. Hier die wichtigsten Fakten zu Jackson Pollock, auf einen Blick:

Paul Jackson Pollock wurde am 28. Januar 1912 geboren, ein Sonntagskind, und starb am 11. August 1956 bei einem Autounfall, er wurde nur 44 Jahre alt.

Der komplette Name des Künstlers lautet Paul Jackson Pollock.

Geburtsort, Eltern, Schuljahre

Jackson Pollock stammt aus dem Ort Cody im US-Bundesstaat Wyoming, ein kleines Örtchen mit ein paar Tausend Einwohnern etwa in der Mitte der USA (leicht nord-westlich). Cody wurde 1896 von Buffalo Bill gegründet, der eigentlich William Frederick Cody hieß.

Pollock verlebte dort den ersten Teil seiner Jugend und ging dann von 1925 bis 1927 in Los Angeles zur Schule.

Erste Spuren der künstlerischen Begabung

Es ist zu vermuten, dass Jackson Pollock recht früh ein “Händchen für die Kunst” zeigte, zumindest ein Händchen fürs Kunsthandwerk, weil er in Los Angeles die Manual Arts High School besuchte (eine Oberschule, an der Kunsthandwerk gelehrt wurde).

Berufstätigkeit und Ausbildung zum Künstler

Erst einmal war jedoch offensichtlich “Geld verdienen” an der Reihe (nur wenige hatten damals Eltern, die ihnen eine weiterführende Ausbildung bezahlen konnten), Pollock arbeitete 1927 bis 1929 (von seinem 15. bis 17. Lebensjahr) als Landvermesser in Kalifornien. Dann hatte er wohl sein Startgeld für das Kunststudium zusammen, Pollock studierte von 1929 bis 1931 an der Art Students League in New York. Dort waren damals sogenannte “Regionalisten” als Lehrer angestellt, realistische und naturalistische Maler, die sich gerne “volksnah” sahen und gaben. So z. B. Pollocks Lehrer Thomas Hart Benton, der den jungen Pollock Werke alter Meister (Rubens etc.) abmalen ließ.

Ein üblicher Grundlagen-Unterricht für beginnende Künstler, der jedoch wirklich begabten Malern schnell langweilig wird. So auch Pollock, er mochte diese unkreative Tätigkeit nicht lange mitmachen und hatte schon im jungen Alter seinen eigenen Kopf – er verließ die Art Students League und ging nach Mexiko. Dort lernte er beim mexikanischen Maler und Graphiker Jose Clemente Orozco, dem Begründer der zeitgenössischen mexikanischen Malerei und einem der Hauptvertreter des sogenannten “Muralismus”.

Signatur von Jackson Pollock

Signatur von Jackson Pollock

Der Weg zum eigenen Stil

Zwischen 1930 bis 1935 reiste Jackson Pollock auch viel, in die Weststaaten und zu den Navaho-Indianern in New Mexico, und versuchte sich als Maler, von alteingesessenen amerikanischen politisch-ideologischen Motiven bis hin zur Symbolkunst. 1935 zog Pollock nach New York, 1936 besuchte er eine Veranstaltung eines ebenfalls berühmten zeitgenössischen mexikanischen Malers, den “Experimental Workshop. Laboratory of Modern Techniques in Art” von David Alfaro Siqueiros. Damals kam Pollock zum ersten Mal mit einem freieren Stil der Malerei in Berührung, er lernte die sogenannte Drippingtechnik und eine künstlerische Gießtechnik und durfte mit Spritzpistolen malen.

Das gefiel Pollock, und er lernte über seinen Lehrer den amerikanischer Maler, Surrealisten und abstrakten Expressionisten Robert Motherwell und seine spätere Frau kennen, die Malerin und Collage-Künstlerin Lee Krasner. Krasner war vier Jahre älter als er, sie förderte Jackson Pollock und ging eine Ateliergemeinschaft mit ihm ein. Von 1938 bis 1942 arbeitete Jackson Pollock für das Federal Art Project der Regierung, 1941 durfte er zusammen mit Robert Motherwell und Lee Krasner an einer Ausstellung in der McMillen Gallery teilnehmen.

Pollock war damals vom Werk Pablo Picassos fasziniert, das seine Malerei bis in die frühen 1940er Jahre bestimmte. Auch Lehrer Benton und die mexikanischen Muralisten waren in Pollocks Frühwerk noch zu spüren, deren Einflüsse ließen jedoch immer mehr nach, je mehr sich Pollock mit der europäischen Moderne auseinandersetzte, mit Kubismus und Surrealismus und den freien Farbverläufen des Kalalaniers Joan Miró.

Anfang der 1940er Jahre wandelte sich Pollock deshalb nochmals, die großflächigen, expressiven Bilder mit Indianer-Motiven wurden abstrakter, Pollock setzte sich mit C. G. Jung auseinander und übernahm von diesem die Idee, dass das Unbewusste die Quelle der Kunst sei. Er studierte auch das vom Surrealisten Wolfgang Paalen herausgegebene Kunstmagazin DYN. 1941 konzentrierten sich all diese Einflüsse im Bild “Birth” (Geburt), das erstmals den pastosen Farbauftrag und den durchgehenden Rhythmus seines späteren Hauptwerks aufwies. In der Folgezeit wurde Pollock immer abstrakter, in den Bildern “Die Wölfin” und “Die Hüter des Geheimnisses” von 1943 malte er die ersten seiner individuellen Zeichen, die frei über die Leinwand verstreut zu sein scheinen.

Dokumentation zu Jackson Pollock (in Englisch)

Der künstlerische Durchbruch

1942 stellte Pollock auf der “International Surrealist Exhibition” in New York aus und lernte dort die legendäre Kunstsammlerin Peggy Guggenheim kennen. Sie wurde von nun an Pollocks wichtigste Förderin, der er später seinen finanziellen Erfolg verdanken wird.

Im Oktober 1945 heiratete Pollock Lee Krasner, sie soll insgesamt einen positiven Einfluss auf den schwierigen Künstler ausgeübt haben, der wegen seiner Alkoholprobleme Anfang der 1940er Jahre bereits in psychotherapeutischer Behandlung war.

Pollock malte weiter seine konzentrierten Phantasie-Bilder, in denen sich seine gesammelte künstlerische Erfahrung der letzten Jahre ausdrückte, in wenigen Jahren (1946 bis 1951) schuf er nun ein ebenso geschlossenes wie innovatives Gesamtwerk aus nicht sehr vielen Leinwand-Bildern, das ihn zu einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhundert machen sollte. Neben den Gemälden hat Pollock einige hundert Arbeiten auf Papier (Aquarell, Bleistift, Collage, Gouache, Tusche) geschaffen, die in seinen Ausstellungen ihren Platz hatten, aber erst lange nach seinem Tod so richtig in die Wahrnehmung der Kunstwelt gerieten – wahrscheinlich genau dann, als alle Gemälde von Pollock dauerhafte Besitzer gefunden hatten und der Handel mit dem “Geldbringer Pollock” ins Leere lief.

Der “Durchbruch zu Ruhm und Reichtum” kam für Pollock selbst im Jahr 1949, als er durch einen vierseitigen Bericht im Life-Magazin auf einen Schlag zum bekanntesten Nachwuchs-Maler der amerikanischen Bevölkerung wurde. Auch die politische Stimmung war reif für Jackson Pollocks Werke: Der Kalten Krieg entwickelte sich gerade, Pollock war ein willkommener Botschafter des demokratisch-freiheitlichen “wilden” Amerikas.

Berühmte Kunstwerke von Jackson Pollock

Jackson Pollock hatte ab 1946 die Dripping-Technik in seinem Sinn weiterentwickelte. Er dript (tropft) nicht mehr nur, sondern legt seine Leinwände auf den Boden, lässt die Farbe von oben auf sie fließen, schleudert und schüttet, sprenkelt und spachtelt Farbe auf die Leinwand.

In diesem Gemenge der Farbaufträge bilden sich ganz eigene Strukturen, Muster und Rhythmen, das Action Painting war erfunden, mit diesem Stil schreibt sich Pollock in die Kunstgeschichte ein. Berühmte Kunstwerke des “Action Painting” eines Jackson Pollock:

  • “Birth”, 1941, heute Tate Gallery of Modern Art, London
  • “Blau (Moby Dick)”, 1943, Ohara Museum of Art, Kurashiki, Japan
  • “Mural”, 1944, (ein 6 x 2,5 m großes Wandgemälde als Auftragsarbeit für Peggy Guggenheim)
  • “Eyes in the Heat”, 1946, Peggy Guggenheim Collection, Venedig
  • “Shimmering Substance”, 1946, Museum of Modern Art, New York
  • “Sternschnuppe”, 1947, Aufenthalt unbekannt
  • “Zauberwald”, 1947, The Guggenheim Collection
  • “No. 5, 1948”, natürlich auch von 1948, in Privatbesitz
  • “No. 8”, Neuberger Museum of Art, State University of New York

Pollock war jedoch immer noch alkoholkrank, öfter depressiv und gereizt, und das zeigte sich ab 1950 auch in seinem Stil: Die großen Bilder wurden Schwarz-weiß oder von braunen und schwarzen Linien dominiert, ein prägnantes Beispiel für diese Schaffensperiode ist “The deep” (Die Tiefe) von 1953. The deep ist eines der letzten Gemälde Pollocks, er hat nach 1951 kaum noch gemalt, mit kurzem Einschnitt mit figurativer Malerei ab 1953, etwa Ende 1954 hat Pollock jedoch ganz mit dem Malen aufgehört, und mit dem Leben dann auch bald, in der Folge eines tragischen Autounfalls.

20 der berühmtesten Werke von Jackson Pollock

Welche Art von Kunst macht Jackson Pollock?

Pollock malt und zeichnet, und er malt und zeichnet fast ausschließlich, das war für einen modernen Künstler der Mitte des 20. Jahrhunderts noch viel normaler als heute, wo sich ein zeitgenössischer Künstler regelmäßig in vielen Ausdrucksformen ausprobiert. Die “Bandbreite” war ja auch damals noch viel geringer, Film und Fotografie waren für die Kunst noch kaum entdeckt, andere Medien wie Video und Computer standen der Welt überhaupt noch bevor.

Allerdings reichte das Jackson Pollock auch, um seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen, er beschäftigte sich immerhin damit, eine ganz neue Form der Malerei zu entwickeln, weg vom reinen Pinselstrich, hin zu allen möglichen körperlichen Ausdrücken, um die Farbe auf die Leinwand zu bringen, “Action Painting” im durchaus wörtlichen Sinne eben. Eine eigene Idee hatte Jackson Pollock auch für seine Bilder: Sie sind nicht umsonst “randvoll von Kontrasten”, der in einer konfliktreichen Beziehung zu seiner Umwelt gefangene Pollock versuchte so, das von ihm als Widerspruch empfundene Verhältnis zwischen “Körper” und “Seele” auszudrücken.

Der Spitzname von Jackson Pollock

Pollocks körperlicher, mitunter in ein Empfinden von Gewalt ausartender Malstil war vielen Kunst-Beurteilern, die ordentlich bekittelte Maler mit ihren Pinseln vor ihren Staffeleien gewohnt waren, gelinde gesagt unheimlich. Der Avantgarde zugeneigte Kunstkenner waren damals wahrscheinlich ebenso selten wie heute, oder die Presse gefiel sich schon damals darin, mit Blick auf die Verkaufszahlen die (vermeintliche) Meinung des “Mannes von der Strasse” wiederzugeben – auf jeden Fall taufte das “Time Magazine” in seinem Artikel “The Wild Ones” vom 20. Februar 1956 Jackson Pollock um in “Jack the Dripper”, frei nach dem selbstgewählten Pseudonym des Serienmörders Jack the Ripper (Jack der Aufschlitzer), der 1888 in London ähnlich unsanft mit menschlichen Körpern umging wie Jackson Pollock mit der traditionellen Art und Weise, ein Gemälde auf die Leinwand zu bringen.

Für welchen Kunststil steht Jackson Pollock?

Jackson Pollock steht für keinen Kunststil, sondern er hat einen Kunststil entwickelt, das “Action Painting” als besondere Form des amerikanischen abstrakten Expressionismus der sogenannten “New York School” (New Yorker Schule).

Die “Entdeckerin” von Jackson Pollock

Bereits 1943 nahm die mit der europäischen Kunst vertraute, fortschrittliche Galeristin Peggy Guggenheim Jackson Pollock unter Vertrag – die Kunstkennerin jüdischer Abstammung musste 1941 aus Frankreich nach New York fliehen und hatte dort 1942 eine Galerie eröffnet, in der sie aus Europa emigrierte und mit frischen Ideen aufwartende amerikanische Künstler förderte.

Pollock erhielt einen Exklusivvertrag und ein monatliches Salär von 150 Dollar, das seinen Lebensunterhalt sicherte, und konnte seine Werke in ihrer Galerie “Art of This Century” (Kunst aus diesem Jahrhundert) in New York ausstellen.

Andere wichtige Förderer und Weggefährten Jackson Pollocks

Die Künstlerin (und spätere Ehefrau) Lee Krasner hat wohl als erste Pollocks Genie entdeckt, die “Förderung mit Liebe” ist für viele Kunstwissenschaftler der Grund dafür, dass der labile Pollock lernte, seine Fähigkeiten ergebnisorientiert einzusetzen. Während seiner Anfangszeit wurde Pollock auch von bekannteren Malern der sich gerade gruppierenden “New York School” gefördert, von Willem de Kooning und Robert Motherwell beispielsweise.

Herausragend im Lebenswerk von Jackson Pollock

Herausragend im Lebenswerk von Jackson Pollock ist vieles, aber am Herausragendsten ist vielleicht, dass der psychisch nicht sehr gefestigte Mann es trotzdem geschafft hat, ein vollkommen eigenständiges Werk zu erdenken, ohne sich an Vorbildern festzuhalten.

Damit hat Pollock viel getan für die zeitgenössische amerikanische Kunst, die sich bis dahin im künstlerisch progressiveren Europa noch keine richtigen Geltung verschaffen konnte. Die nordamerikanische Moderne der abstrakten Expressionisten konnte endlich “ihre Nabelschnur” nach Europa kappen, Werke von Jackson Pollock erreichten die großen Museen, auch in Europa, er wird zur documenta II (1959) eingeladen und erhält auf der documenta III (1964) einen exklusiv seinen Arbeiten gewidmeten Raum.

Wichtige Ausstellungen von Jackson Pollock – die bis heute stattfinden

Pollock war nicht nur auf der documenta (1959 und 1964), sondern gehörte 1950 auch zu den drei US-Künstlern, die zur Biennale nach Venedig entsandt wurden. In seiner nicht mehr lange währenden Lebenszeit war Pollock noch auf einigen wichtigen internationalen Ausstellungen der zeitgenössischen Kunst zu sehen, richtig entfaltet hat sich der “Hype um Jackson Pollock” jedoch erst nach seinem Tod: Er wurde bis heute rund 250 Mal in den USA, rund 50 Mal in Deutschland, 20 Mal in Großbritannien und Italien und 15 Mal in Spanien in Einzelausstellungen gezeigt.

Grab von Jackson Pollock

Grab von Jackson Pollock
von Silanoc (derivative work: Sp5uhe) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons

Sein Nachwirken in die heutige Welt ist mächtig und noch lange nicht vorbei, zwischen 2000 und 2012 gab es knapp 30 Einzelausstellungen der Werke Jackson Pollocks in aller Welt, von Berlin über Paris bis nach Venedig, von New York City über Kanada und Australien bis nach Russland und Asien. Gemälde von ihm sind in den Sammlungen der Museen von rund zwei Dutzend Ländern enthalten, oft in mehreren Museen eines Landes, wer zeitgenössische Kunst zeigen will, braucht einen “Jackson Pollock”. 2013 und 2014 waren Werke von Jackson Pollock auf 13 Gruppenausstellungen zu sehen, die in drei Kontinenten stattfanden, das Interesse ist ungebrochen.

Es gäbe natürlich noch viel mehr zu Jackson Pollock zu erzählen, als ein solcher “Blick” aufnehmen kann, z. B. dass eines seiner Bilder lange Zeit das “teuerste Bild der Welt” war, und die traurige Geschichte seines Todes, die nicht alleine daran schuld ist, dass Jackson Pollock inzwischen zu einem Mythos wurde. Jackson Pollock kann sogar heute noch für Sensationen sorgen, das letzte Mal im Jahr 2005, aber diese Geschichte muss leider einem längeren Artikel vorbehalten bleiben, der sich mit Jackson Pollocks Leben und Werk beschäftigt.

Ein Blick auf: Jackson Pollock

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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