Édouard Manet – Wegbereiter des Impressionismus

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Manet oder Monet? Das ist häufig die gleichfalls fragende Antwort auf die Frage, wer denn wohl die schönsten impressionistischen Bilder der Welt gemalt habe. Bei der Erinnerung der Vornamen wird es dann ganz schwierig, die Einordnung der beiden Namen ist offensichtlich nicht sofort geläufig. Während Claude Monet unbestritten zu den bekanntesten Impressionisten gehörte, ist Édouard Manet 1832 noch ganz in eine andere Tradition hinein geboren. Dennoch können beide durch vier der fünf Buchstaben ihres Namens vereinten Maler nicht nur deswegen mit einer gewissen Berechtigung in einem Atemzug genannt werden: Beide wurden in Paris geboren und besuchten zeitweise die gleiche Akademie, der ältere Manet kannte und schätzte den jüngeren Monet.

Édouard Manet kann nicht selbst zu den Impressionisten gezählt werden, sein etwas früher einsetzendes Schaffen nimmt eine Sonderstellung ein. Sicher kann und muss er aber als einer der wichtigsten Impulsgeber und Wegbereiter der Impressionisten betrachtet werden.

Zunächst wuchs der spätere Streiter für die Modernität in der Malerei eher traditionell heran, in einer durch und durch bürgerlichen Familie mit republikanischer Gesinnung (obwohl sein Geburtshaus bezeichnenderweise direkt gegenüber der Pariser Académie des Beaux-Arts und unweit des Louvre steht). Mit einem Richter als Vater und einer Diplomatentochter als Mutter genoss der junge Manet einen gehobenen Lebensstil und ein entsprechendes Selbstbewusstsein, fiel jedoch in der Schulzeit sowohl durch schlechtes Betragen als auch durch schlechte Leistungen auf. Ein kunstbegeisterter Onkel erschloss dem jungen Manet nicht nur den Louvre, sondern er erkannte auch schon zu dessen Schulzeiten sein Zeichentalent und bezahlte ihm den ersten Zeichenunterricht.

Tournachon, Gaspard-Félix: Edouard Manet, 1832-1883

Tournachon, Gaspard-Félix: Edouard Manet, 1832-1883

Dennoch sollte und wollte Manet nach Beendigung der Schullaufbahn mit 16 Jahren zunächst Marineoffizier werden, als kleiner Ersatz für die durch schlechte Noten verschlossene juristische Laufbahn. Aber auch bei der Aufnahmeprüfung zur Marineschule fiel Manet durch. Mit dem Ziel einer Wiederholungsprüfung im Folgejahr schiffte sich Manet 1848 auf einem Schulschiff in Richtung Brasilien ein, die Erlebnisse und die Schönheiten dieser halbjährigen Reise ließen in ihm aber nun den Wunsch entstehen, Maler und Künstler zu werden.

Unter Konflikten mit dem Elternhaus wählte er nicht die klassische Ausbildung an der Académie des Beaux-Arts, sondern ging in das Atelier eines Stars der damaligen Kunstszene, Thomas Couture. Bereits nach kurzer Zeit begann Manet jedoch, auch dessen Lehrmethoden und unnatürliche Darstellungsweise zu kritisieren. Manet begann nun, weniger konventionell zu arbeiten, besuchte ergänzend die Académie Suisse, kopierte Gemälde im Louvre, unternahm Studienreisen und durch seinen Vater finanzierte Auslandsreisen, in deren Verlauf er einen großen Teil der wichtigsten Kunstsammlungen der Welt kennenlernte. Erst 1856 trennte sich Manet schliesslich von Couture und bezog zusammen mit dem Tiermaler Albert de Balleroy ein eigenes Atelier. Über die Arbeiten dieser bis 1859 fortdauernden Ateliergemeinschaft ist nur wenig bekannt, unter diesen ersten Bildern waren viele Kopien alter Meister, sie zeigten noch keinen ausgeprägten eigenen Stil und wurden teilweise überarbeitet, teilweise sogar vernichtet.

Die in dieser Zeit begonnene Freundschaft mit dem Dichter Charles Baudelaire inspirierte Manet endlich zum ersten eigenständigen Gemälde: Dem “Absinthtrinker”, der von der Jury der wichtigsten Kunstveranstaltung der Zeit, dem Salon de Paris, prompt abgelehnt wurde. Die zum nächsten Salon 1861 eingereichten Gemälde wurden angenommen, das der damaligen Mode entsprechende Werk “Guitarrero” oder “Der spanische Sänger” fand großen Anklang. Manet wurde durch diesen Erfolg zu einer Art Anführer der zeitgenössischen Maler, die gemeinsam mit den angesagten Schriftstellern das Künstlerleben in Paris bestimmten. Er heiratete und pflegte in den nächsten Jahren das Leben des modernen Parisers, der Restaurants, Cafés und Varietés besuchte und im 1862 gemalten Gruppenporträt “Musik im Tuileriengarten” neben zahlreichen Größen der Zeit auch selbst zu finden war.

Dieses Gemälde war aber auch das nächste selbstbestimmte Bild Manets: Er war hier einem Aufruf Baudelaires gefolgt und hatte in Abkehr zu traditionell angemessenen Motiven das moderne Leben thematisiert. Diese Darstellung des “vie moderne” sollte Manets Schaffen von nun an charakterisieren. Der harmlosen Umsetzung von Lebensfreude in Gruppenbildern folgten freizügigere Werke, die im Salon abgelehnt wurden und in der Öffentlichkeit zum Skandal wurden:

Sowohl “Das Frühstück im Grünen” (1863) als auch “Olympia” (1865 im Salon vorgestellt) empörten aber nicht nur mit nackter (Frauen) Haut, Manet ging damit auch die ersten Schritte auf dem Weg zu einer völlig neuen Form der Malerei: Er war der erste Maler, der sich von der durch sorgfältige Modellierung hervorgerufenen Illusion löste, sich ganz auf seine Augen verließ und einfach malte, was er sah. Das erste Mal in der Geschichte der Malerei wurden Schatten farbig, wurden Reflexe genutzt, um die Farben zu gestalten. Das erste Mal in der Geschichte der Malerei wollte ein Maler abbilden, was seine Sinne wahrnahmen, und das so, wie seine Sinne es wahrnahmen.

Das war genau der Ansatz, mit dem die Impressionisten die Malerei verändern sollten, so beeinflusste Manet eine Reihe von Naturalisten unter seinen jüngeren Kollegen, aus denen sich nun die machtvolle Bewegung des Impressionismus herauskristallisierte.

Dokumentation über Édouard Manet

Manet selbst war den jungen Künstlern des Impressionismus zwar freundschaftlich verbunden, betrachtete sich selbst jedoch nicht als zugehörig. Er verfolgte die impressionistischen Ansätze nicht konsequent weiter, sondern schuf in seinem Spätwerk auch fast traditionell anmutende Porträts und Stillleben, die dennoch andersartig genug waren, um vielfach bekrittelt und verspottet zu werden.

Erst als Manet 1883 in Paris an der Syphilis gestorben war, überschlugen sich die Kritiker sehr bald nach seinem Ableben schier im Lob des großen Malers, wie Emile Zola im Vorwort zur Manet-Gedächtnisausstellung 1884 zutiefst sarkastisch bemerkte.

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
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