Über Wandfarben wird lange nachgedacht, über Textilien auf dem Tisch selten. Dabei ist die gedeckte Tafel in den meisten Esszimmern die größte zusammenhängende Farbfläche überhaupt, und sie liegt genau dort, wo alle hinsehen. Ein Quadratmeter Stoff auf der Tischplatte verändert die Wahrnehmung eines Raumes zuverlässiger als ein neues Bild an der Wand. Nur wird diese Fläche meistens nach dem Zufallsprinzip belegt.
Eine Wand steht senkrecht, wird von Möbeln verdeckt und liegt am Rand des Blickfelds. Die Tischfläche liegt frei, waagerecht und mitten im Raum. Sie tut außerdem etwas, was keine Wand kann: Sie wirft Licht von oben zurück nach oben, also in die Gesichter der Gäste.
Ein Quadratmeter Stoff auf der Tischplatte verändert die Wahrnehmung eines Raumes zuverlässiger als ein neues Bild an der Wand. Foto von Zeltpro
Das ist der eigentliche Grund, warum die klassische Bankettdecke weiß ist. Eine helle Fläche unter der Hängeleuchte arbeitet wie ein Reflektor und füllt genau die Schatten auf, die eine Lampe von oben erzeugt. Eine dunkle Decke tut das Gegenteil. Sie schluckt das Licht, der Raum wird ruhiger und intimer, die Beleuchtung aber härter. Wer sich für Anthrazit oder Schwarz entscheidet, sollte deshalb zusätzliche Lichtquellen auf Tischhöhe einplanen, Kerzen zum Beispiel, sonst kippt die Stimmung von elegant zu düster.
Farbe: drei Wirkungen, die sich planen lassen
Helle Töne wie Weiß, Creme oder Champagner weiten den Raum und geben Geschirr eine klare Silhouette. Champagner ist dabei der verträglichere Ton, weil er unter warmem Kunstlicht nicht ins Grelle kippt wie reines Weiß.
Dunkle Töne wie Schwarz, Braun oder Burgunderrot lassen die Fläche zurücktreten. Alles, was darauf steht, gewinnt an Kontur. Diese Wirkung nutzen Fotografen seit jeher, und sie funktioniert am Esstisch genauso: Eine helle Keramikschale auf dunklem Grund wird zum Objekt.
Mittlere Töne wie Grau sind die verzeihendste Wahl. Grau nimmt sich zurück, verträgt sich mit zusammengewürfeltem Geschirr und wirkt weder streng noch beliebig. Wer nur eine einzige Decke besitzt, fährt damit am weitesten.
Die Grundregel dahinter ist einfach: Die Decke ist der Hintergrund, nicht der Hauptdarsteller. Sobald das Muster stärker spricht als das, was darauf steht, wird die Tafel unruhig.
Das Material entscheidet über den Fall
Wie ein Stoff an der Tischkante herunterfällt, sieht man aus zwei Metern Entfernung, noch bevor man die Farbe wahrnimmt. Verantwortlich dafür sind Webart und Gewicht.
Dicht gewebte Gabardine ist deshalb bis heute der Standard in der Gastronomie. Sie ist schwer genug, um an den Ecken eine klare Kante zu bilden, statt zu flattern, und ihre matte Oberfläche streut das Licht, anstatt es punktuell zu spiegeln. Varianten mit fleckenabweisender Beschichtung nehmen dem Alltag den Schrecken, weil Rotwein und Öl einige Sekunden lang auf der Oberfläche stehen bleiben, statt sofort einzuziehen.
Gewebe mit Elasthananteil verhalten sich anders. Sie liegen straff auf der Platte auf, zeichnen die Form nach und ergeben den glatten, modernen Look, den man von Messeständen und Empfängen kennt. Leinen wiederum knittert und soll es auch, denn genau diese lebendige Oberfläche unterscheidet eine gedeckte Tafel von einer gedeckten Fläche. Wer sich für die Geschichte dieser Textilien interessiert, findet in Sammlungen wie der des Deutschen Textilmuseums in Krefeld, wie viel gestalterischer Aufwand über Jahrhunderte in Damast und Tafelleinen geflossen ist.
Der Überhang ist Gestaltung, kein Zufall
Die häufigste Fehlentscheidung ist die Größe. Gerechnet wird nicht mit dem Tischmaß, sondern mit diesem plus zweimal Überhang.
Für den Alltag sind 20 bis 30 Zentimeter an jeder Seite ein idealer Wert: Die Decke rutscht nicht auf die Knie und die Tischkante bleibt als Linie erkennbar. Festlich wird es ab etwa 40 Zentimetern, weil der Stoff dann in weichen Falten fällt. Bodenlang gedeckt wird nur dort, wo die Tischbeine verschwinden sollen, also am Buffet und am Stehtisch.
Ein Beispiel: Ein runder Esstisch mit 90 Zentimetern Durchmesser braucht für 30 Zentimeter Überhang eine runde Tischdecke mit 150 Zentimetern. Die gängigen Konfektionsgrößen springen in Stufen von etwa 40 Zentimetern. Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf beide Nachbargrößen durchzurechnen und zu entscheiden, ob man den Überhang eher knapp oder eher üppig mag.
Rund oder rechteckig: die Tafel als Grundriss
Die Form der Decke wiederholt die Gestalt des Tisches, wirkt aber stärker, weil sie eine Farbfläche daraus macht. Eine runde Tafel hat keine Kopfenden, jeder sitzt gleich weit vom Zentrum entfernt, und in einem kantigen Raum wirkt der Kreis als Gegenform. Die lange rechteckige Tafel betont dagegen die Achse des Raumes und funktioniert dort gut, wo die Architektur diese Richtung ohnehin vorgibt.
Für Sitzplätze gilt eine einfache Faustregel: Etwa 60 Zentimeter Tischkante pro Person sind bequem, 50 gehen im Notfall. Wer für ein Fest zwei Tische zusammenstellt, deckt sie mit einer einzigen weitläufigen Decke ab, denn nichts verrät die Fuge schneller als zwei nebeneinanderliegende Stoffkanten.
Die festliche Tafel, ohne ins Klischee zu rutschen
Für den Dezember greifen die meisten zu Rot und Grün mit Print. Deutlich ruhiger und heute üblicher ist eine monochrome Staffelung: eine Decke in Burgunderrot oder tiefem Grün als Grundfläche, darauf ein Läufer oder Servietten in Champagner, dazu Kerzen und ein Zweig echtes Grün. Die Spannung entsteht dann aus Textur und Höhenstaffelung, nicht aus Motiven.
Wer öfter größer deckt, kommt mit zwei neutralen Basisdecken und wechselnden Servietten weiter als mit fünf saisonalen Motivdecken, die elf Monate im Schrank liegen. Das gilt für zu Hause wie für Vereinsräume und Gastronomie, wo Anbieter wie Zeltpro einfarbige Ware in gleicher Qualität über Jahre nachliefern, sodass sich ein Bestand ergänzen statt komplett ersetzen lässt.
Damit die Wirkung bleibt
Zwei Dinge ruinieren den Eindruck einer erstklassigen Decke. Das erste sind Bruchkanten vom Falten, die sich unter Licht wie helle Linien abzeichnen. Wer Platz hat, rollt die Decke über eine Papprolle, statt sie zu falten. Das zweite ist zu heißes Waschen bei beschichteter Ware, weil die fleckenabweisende Ausrüstung darunter leidet. Leicht feucht gebügelt fällt jeder dieser Stoffe deutlich schöner als trocken nachbearbeitet.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
Rubrik für Innenarchitektur, Interior Design, Raumgestaltung, Wohndesign, Objekteinrichtung, Produkt- und Materialinnovation.
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