Jemand zieht das Logo aus einer alten Präsentation, streckt es passend zurecht und wählt aus dem Gedächtnis die nächstbeste Farbe aus. Schon bald sehen die Kampagne, die Präsentation und Ihre Website aus wie drei verschiedene Unternehmen.
Ein Brand-Styleguide verhindert genau das. Er legt fest, wie Ihr Unternehmen in digitalen und gedruckten Medien dargestellt werden soll, damit niemand raten muss und niemand heimlich ein Asset bearbeitet. Ohne ihn leidet die Markenkonsistenz: Farben weichen ab, Logos werden verformt und Kundinnen und Kunden erkennen Sie nicht mehr wieder.
Wenn Sie bereits einen Leitfaden haben, hilft Ihnen dieser Artikel dabei, ihn zu präzisieren. Wenn Sie gerade Ihren ersten erstellen, zeigt er, was konsistente visuelle Kommunikation braucht und wie Sie das Dokument zusammenstellen.
Kleiner Ratgeber für einen Brand-Styleguide zur konsistenten visuellen Kommunikation. Foto von Balázs Kétyi @balazsketyi, via Unsplash
Visuelle Kommunikation bedeutet, ein festes Set aus Farben, Logos und Schriftarten zu verwenden, damit Menschen Ihre Arbeit von der aller anderen unterscheiden können.“
Wenn jemand auf Ihrer Website landet oder Ihren Social-Media-Feed sieht, sollte schon die Optik allein zeigen, von wem er stammt.
Designentscheidungen, die sich nie ändern, machen eine Marke einprägsam. Google ist das naheliegende Beispiel: Die vier Farben sorgen für Wiedererkennung, noch bevor die Wortmarke es tut. Wenn diese Farben je nach Plattform variieren, verschwindet diese Abkürzung.
Genau das kosten Sie inkonsistente visuelle Elemente. Die Markenpräsenz wird schwächer, die Glaubwürdigkeit folgt, und bei so vielen Unternehmen, die Marken-Assets erstellen, lässt ein dünner Leitfaden Ihr Publikum im Unklaren. Visuelle Konsistenz ist eine Frage der Details, und diese bleiben nur erhalten, wenn alle nach einem einzigen Leitfaden arbeiten.
Was ist ein Brand-Styleguide?
Ein Brand-Styleguide erklärt Ihren Teams und externen Beteiligten, wie sie Ihre Marken-Assets verwenden sollen.
Ein Branding-Leitfaden beginnt in der Regel mit einem Mission Statement und behandelt anschließend:
Regeln zur Logo-Verwendung: Das hochauflösende Logo sowie Anweisungen zu seiner Verwendung.
Farbpalette: Primär- und Sekundärfarben mit ihren Bildschirm-, Druck- und Schmuckfarbenwerten.
Typografie: Schriftstile, Größen und Abstände.
Bild und Illustration: Fotos, Kunstwerke und Kalligrafie.
Layout: Abstände, Ausrichtung und das Rastersystem.
Anwendungsbeispiele: Beispiele dafür, was zulässig ist und was nicht.
Ein ausführliches Beispiel zeigt, wie Apple seine Richtlinien für Channel-Signaturen dokumentiert. Darin werden Signaturen, Konfiguration und Farben genau festgelegt, sodass interne und externe Stakeholder nicht mehr auf Freigaben warten müssen.
Viele Unternehmen, darunter auch Apple, veröffentlichen ihren Leitfaden als PDF. Das Format verhindert versehentliche Änderungen, bewahrt das Layout und sorgt dafür, dass alle mit derselben Version arbeiten. Außerdem lässt es sich gut weitergeben, da es unter dem von Gmail geltenden Anhanglimit von 25 MB bleibt.
Ein Brand-Guide-PDF sorgt allein noch nicht für Konsistenz. Es muss so strukturiert sein, dass Lesende finden, wonach sie suchen.
So erstellen Sie einen digitalen Marken-Styleguide
Branding-Styleguides, die tatsächlich genutzt werden, sind kurz und auf der Unternehmenswebsite leicht zugänglich. Vier Schritte führen dorthin.
1. Definieren Sie Ihre Markenelemente
Ihre Markenelemente heben Sie von Wettbewerbern ab, und je unverwechselbarer sie sind, desto eher bleiben Sie in Erinnerung. Der Name, der Tonfall und alles Weitere prägen, welches Gefühl Kunden bekommen.
Folgendes gehört ins Markenhandbuch:
Finale Logoversionen: Das Hauptlogo, die Icon-Marke und jede Version, die für einen bestimmten Hintergrund erstellt wurde.
Freigegebene Farben: Primär- und Sekundärfarben in HEX und RGB für Bildschirme sowie in CMYK für den Druck.
Schriftarten: Die primäre Schriftart für Logo und Überschriften, die sekundäre für Fließtext und Benutzeroberflächentexte sowie websichere Fallbacks, wo sie zum Einsatz kommen.
Layout-Regeln: Vorgaben zum Bildstil, Abstände, CTA-Styling und einheitliche Ränder.
Zwei weitere Dinge prägen die Palette. Druckpartner arbeiten oft mit Sonderfarben, und viele greifen neben Pantone auch zu HKS. Geben Sie daher jeder Markenfarbe ein System und eine Nummer.
Auch der Kontrast hat inzwischen rechtliches Gewicht. Seit dem 28. Juni 2025 müssen Unternehmen, die online an Verbraucher verkaufen, diese Kanäle barrierefrei gestalten. Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Mio. EUR Umsatz oder Bilanzsumme sind ausgenommen. Erstellen Sie die Palette nach WCAG 2.1 Level AA: ein Kontrastverhältnis von 4,5:1 für Fließtext und 3:1 für großen Text. Listen Sie anschließend die Kombinationen auf, die diese Werte verfehlen.
Seien Sie hier kreativ, aber halten Sie die Regeln klar.
2. Nutzungsregeln dokumentieren
Standards festzulegen, ist erst die halbe Arbeit. Teams brauchen auch Anweisungen, wie sie diese Vorgaben anwenden: Ein Leitfaden, der nie die richtige Logogröße nennt, lädt alle dazu ein, ihre eigene zu wählen. Zeigen Sie, wie die korrekte Anwendung in der Praxis aussieht.
Formulieren Sie Folgendes so klar, dass niemand etwas interpretieren muss:
Logogröße: Die richtigen Abmessungen für digitale Medien und den Druck.
Abstandsregeln: Wie viel Raum zwischen visuellen Elementen und Text bleibt.
Beispiele für falsche Verwendung: falsche Hintergründe, ein verzerrtes Logo, nicht freigegebene Farben.
Typografische Hierarchie: Überschriften- und Schriftstile, Zeilenhöhe und Schriftkombinationen.
Farbanwendung: Welche Hintergrundkombinationen zulässig sind, welches Kontrastniveau einzuhalten ist und welche Farben für CTAs verwendet werden.
Der Briefbogen verdient eine eigene Seite. Sein Layout folgt DIN 5008, dem Standard für Geschäftskorrespondenz, der festlegt, wo der Adressblock steht, damit er im Fenster eines Briefumschlags korrekt sitzt.
Geschäftsbriefe müssen außerdem Rechtsform und Sitz, Registergericht und Registernummer sowie die Geschäftsführer nennen. Geben Sie, falls vorhanden, auch den Vorsitz des Aufsichtsrats an. Für eine GmbH ergibt sich diese Liste aus § 35a GmbHG. Integrieren Sie beides in die Vorlage, statt jedes Team es neu erstellen zu lassen.
3. Dokument strukturieren
Ein Markenleitfaden geht normalerweise durch mehrere Hände, deshalb liegen die Assets am Ende verstreut. Das Cover liegt vielleicht in Canva, die Farbcodes in Photoshop und die Typografie in InDesign.
Alles in einer Datei zusammenzuführen, macht aus einem Stapel Exportdateien ein Dokument. Ein Online-PDF-Editor wie PDFAid führt diese Exportdateien zu einer einzigen PDF zusammen und kann außerdem PDF-Dateien zusammenführen oder in Word, Excel oder Bilder konvertieren.
4. Dokument für die Weitergabe vorbereiten
Styleguides werden an die Führungsebene weitergeleitet und kommen mit Änderungen zurück – oft über mehrere Runden. Für die interne Weitergabe sollten Sie PDF-Dateien komprimieren, damit sie von den Prüfenden schnell geöffnet werden können.
Sobald die Version final ist, sperrt die Option „PDF schützen“ vertrauliche Markeninformationen, bevor die Datei an Dritte geht.
Ein Leitfaden, der in der Praxis funktioniert, ist:
Leicht zugänglich: An einem zentralen Ort gespeichert, auf den das ganze Team zugreifen kann.
Nicht bearbeitbar: Standardmäßig schreibgeschützt; die Freigabeberechtigungen werden vor der Weitergabe erneut geprüft.
Passend dimensioniert: Für das Lesen auf Mobilgeräten sowie für die Anhangsgrenzen von E-Mails und Markenportalen optimiert.
Benannt und versioniert: Mit einem standardisierten Dateinamen und dem Datum der letzten Aktualisierung versehen.
Ein Styleguide prägt fast alles, was Kundinnen und Kunden sehen, doch die meisten Teams erstellen ihn einmal und fassen ihn dann nie wieder an. Davon hängt ein über Jahre aufgebauter Ruf ab.
Fehler, die der visuellen Kommunikation Ihrer Marke schaden
Häufige Fehler:
Den Leitfaden nach der Veröffentlichung unangetastet lassen
Mehrere Versionen, die intern im Umlauf sind
Die PDF-Datei in bearbeitbarem Zustand weitergeben
Ein so überladenes Dokument, dass es niemand überfliegt
Assets verwenden, die nicht offiziell freigegeben sind
Alles weiterhin über separate Dateien verteilt
Sorgen Sie für einen konsistenten visuellen Markenleitfaden
Ihr Markenleitfaden erfordert dieselbe Disziplin, die Sie auch bei einer Kampagne an den Tag legen. Sie würden nicht vier verschiedene Kampagnen für dieselbe Zielgruppe durchführen und erwarten, dass daraus ein einheitlicher Eindruck entsteht. Der Styleguide sollte auch nicht so wirken, als hätten ihn vier Unternehmen geschrieben.
Wenn Assets an einem Ort gebündelt sind, sehen Sie, was funktioniert – und genau das hält die visuelle Gestaltung zusammen. Wenn alles zusammenpasst, vertraut Ihnen Ihre Zielgruppe mehr.
Ist Ihr Marken-Styleguide gut strukturiert und können die Personen, die ihn benötigen, ihn öffnen? Es lohnt sich, ihn zu überprüfen und dort zu aktualisieren, wo er Schwächen hat.
FAQ
Wer sollte einen digitalen Marken-Styleguide nutzen?
Alle, die im Namen Ihres Unternehmens etwas erstellen: Marketing, Design, Vertrieb und die Agenturen, die Sie briefen.
Wie lang sollte ein Marken-Styleguide sein?
Manche umfassen 50 Seiten. Die richtige Länge hängt von der Komplexität der Marke ab und davon, wie viel der Styleguide regeln muss.
Ist es vorteilhafter, einen Marken-Styleguide als PDF oder online bereitzustellen?
Beides funktioniert. Ein PDF gibt Ihnen mehr Kontrolle über das Layout und über die Datei selbst, sobald Sie sie weitergegeben haben.
Wie oft sollte ein Marken-Styleguide aktualisiert werden?
Wann immer sich ein Markenelement ändert oder eine neue Anwendung live geht.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
Unabhängig von Ihrem Tätigkeitsbereich als Webdesigner, Grafikdesigner, Spieleentwickler, Fotograf, Programmierer, Produktdesigner, Journalist, Content Creator oder Influencer, als Selbstständiger haben Sie vielfältige Aufgaben zu bewältigen.
Von der Kundenakquise über die erfolgreiche Projektumsetzung bis hin zum Zeitmanagement und der Finanzverwaltung – einschließlich der oft ungeliebten Steuerangelegenheiten.
Gute Informationen und die richtigen Online Tools sind entscheidend für eine erfolgreiche Karriere als Freelancer oder Content Creator.
In dieser Rubrik finden Sie hilfreiche Artikel und wertvolle Ratschläge mit Tipps speziell für Freiberufler.
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