Produktivität in der Kunst: Wie erschaffe ich schnellstmöglich viele Kunstbilder, um ein Atelier zu füllen?
Wir erhalten über unseren Austausch mit Kunstschaffenden über KUNSTPLAZA und über unsere sozialen Kanäle immer wieder Anfragen. Diese Anfragen drehen sich um den schnellen Aufbau eines Kunstbestandes für das eigene Atelier (z. B. für Offene Ateliertage …) oder für Ausstellungen.
Als Hinweis vorab möchten wir anführen, dass die Qualität stets an erster Stelle stehen und Vorrang vor der Quantität haben sollte. Kunst braucht meistens Zeit.
Dennoch ist die Frage berechtigt und es gibt glücklicherweise (in der Kunstwelt akzeptierte!) Herangehensweisen und Methoden, um das eigene Atelier möglichst schnell mit Kunst zu füllen. Wir haben mit etablierten KünstlerInnen und DozentInnen an Kunstakademien gesprochen.
Um ein Atelier schnell mit einer beeindruckenden Menge an Werken zu füllen, ohne dabei die künstlerische Relevanz zu verlieren, ist ein Wechsel von der „Einzelstück-Mentalität“ hin zur prozessorientierten Serienfertigung entscheidend.
Diese Strategien lehren Kunstakademien
Hier sind Strategien und Ratschläge, wie sie oft an Kunstakademien (z. B. in der Tradition von Gerhard Richter oder Andy Warhol) gelehrt werden, um Produktivität und Ästhetik zu vereinen.
1. Serielle Produktion: Das „Fließband“ des Künstlers

Foto von Natalia Blauth @nataliablauth, via Unsplash
Etablierte Künstler wie Andy Warhol haben gezeigt, dass Quantität eine eigene Qualität erzeugen kann. Arbeiten Sie nicht an einem Bild nach dem anderen, sondern an 10 bis 20 gleichzeitig.
- Der Fokus: Legen Sie alle Leinwände oder Papiere nebeneinander auf den Boden oder an die Wand.
- Der Prozess: Wenn Sie eine Farbe angemischt haben, nutzen Sie diese konsequent auf allen Werken, bevor Sie zur nächsten Farbe übergehen. Das spart Reinigungszeit und schafft eine visuelle Kohärenz (einen „roten Faden“) für Ihre gesamte Kollektion.
- Vorteil: Sie müssen nicht bei jedem Bild neu entscheiden, welche Farbe als Nächstes kommt.
2. Großformatige Werkzeuge nutzen
Um Fläche schnell und dynamisch zu füllen, sollten Sie feine Pinsel beiseitelegen. Professoren an Akademien raten oft zu Werkzeugen, die den Zufall fördern und Geschwindigkeit erzwingen:
- Rakel und Spachtel: Inspiriert von Gerhard Richter. Mit großen Rakeln lassen sich Farbschichten in Sekunden über die gesamte Leinwand ziehen.
- Farbroller und Quast: Nutzen Sie Malerrollen aus dem Baumarkt für Hintergründe und grobe Strukturen.
- Sprühfarben: Erlauben schnelles Layering und Trocknen, was den Arbeitsprozess beschleunigt.
3. Die „Alla-Prima“-Technik (Nass-in-Nass)
Warten Sie nicht auf Trocknungszeiten. In der akademischen Malerei ermöglicht die Alla-prima-Technik, ein Werk in einer einzigen Sitzung fertigzustellen.
Mischen Sie Farben direkt auf der Leinwand.
Nutzen Sie Acrylfarben mit Trocknungsverzögerer (Retarder), wenn Sie weiche Übergänge wollen, oder arbeiten Sie pur mit Acryl, um Schicht über Schicht in Minuten aufzubauen.
4. Reduktion der Entscheidungskomplexität

Foto von Tulin Yucel @yuceltulin, via Unsplash
Zeitverlust entsteht meist durch Zögern. Erfahrene Dozenten empfehlen, sich künstliche Beschränkungen aufzuerlegen:
- Limitierte Palette: Arbeiten Sie nur mit drei Farben plus Schwarz und Weiß. Das nimmt die Last der ständigen Farbwahl.
- Zeit-Boxing: Stellen Sie sich einen Timer (z. B. 20 Minuten pro Leinwand). Der Zeitdruck zwingt Sie zu intuitiven, kräftigen Pinselstrichen und verhindert das „Zutode-Malen“ eines Bildes.
5. Modulare Kunst und Collage
Ein Atelier wirkt schnell gefüllt, wenn Sie kleinformatige Serien zu großen Wandinstallationen gruppieren.
- Papierarbeiten: Malen Sie schnell auf schwerem Papier. Diese können Sie später auf Holzplatten aufziehen oder in identischen Rahmen präsentieren. 50 gerahmte Skizzen wirken oft imposanter als drei große Ölbilder.
- Mixed Media: Nutzen Sie Fotokopien, Zeitungen oder Stoffe als Basis. Das Übermalen von Collagen gibt dem Bild sofort Tiefe, ohne dass Sie jede Struktur selbst malen müssen.
Zusammenfassung der Experten-Tipps
| Strategie | Methode | Ziel |
| Simultanarbeit | 10+ Werke gleichzeitig bearbeiten | Visuelle Einheit & Zeitersparnis |
| Tool-Scaling | Rakel, Rollen, Schwämme statt Pinsel | |
| Systematik | Feste Regeln (z.B. nur Linien oder nur 3 Farben) | Eliminierung von Entscheidungsmüdigkeit |
| Output-Fokus | Skizzenhafter Charakter zulassen | „Non-finito“ als Stilmittel nutzen |
Ein Rat aus der Akademie:
„Hören Sie auf, das Meisterwerk zu suchen. Produzieren Sie stattdessen Material. Das Meisterwerk versteckt sich oft in der Masse des Prozesses.“
„Rezept“ für eine 10er-Serie, inklusive Materialliste und Zeitplan
Um Ihnen den Einstieg und die Umsetzung noch ein klein wenig zu erleichtern, haben wir beispielhaft ein „Rezept“ für eine 10er-Serie zusammengestellt.
Hier ist Ihr Schlachtplan für die „Serie 10/4“ – 10 großformatige, professionell wirkende Kunstwerke innerhalb von etwa 4 Stunden reiner Arbeitszeit (zzgl. Trocknung).
Dieses Konzept basiert auf der Schichtungsmethode, die in der zeitgenössischen abstrakten Malerei (z. B. nach Vorbild der Leipziger Schule oder Berliner Abstraktion) genutzt wird, um Tiefe und Dynamik zu erzeugen.
1. Die Materialliste (der „Einkaufswagen“)
Kaufen Sie im Baumarkt oder Künstlerbedarf ein, um die Kosten bei dieser Menge zu kontrollieren:
- 10 Leinwände: mindestens 80 × 100 cm (Größe füllt den Raum).
- Farben: 2,5 Liter weiße Wandfarbe (Dispersionsfarbe als Basis), 500ml Schwarz, und 3 kräftige Akzentfarben (z. B. Preußischblau, Goldgelb, Magenta).
- Werkzeuge:
- 1 breiter Fassaden-Flächenstreicher (Pinsel).
- 1 große Malerrolle mit Teleskopstiel.
- 1 Fensterabzieher (Gummilippe) oder ein langes, gerades Holzbrett als Rakel-Ersatz.
- Sprühflasche mit Wasser.
- Malerkrepp (breit).
2. Der Zeitplan: Die 4-Stunden-Serie
Stellen Sie alle 10 Leinwände nebeneinander auf (Boden oder Wand). Arbeiten Sie wie eine Maschine von links nach rechts durch alle Bilder.
Stunde 1: Die Grundierung & Struktur (Nass-in-Nass)
- Aktion: Mischen Sie die weiße Farbe mit etwas Wasser und einer der Akzentfarben (sehr hell). Rollen Sie alle 10 Leinwände komplett ein.
- Der Trick: Sprühen Sie mit der Wasserflasche in die nasse Farbe, sodass sie leicht verläuft. Setzen Sie mit dem schwarzen Flächenstreicher in jede Leinwand 2-3 massive, grobe Striche.
- Ziel: Den „Horror Vacui“ (Angst vor der leeren Fläche) sofort besiegen.
Pause (30 Min.)
Lassen Sie die erste Schicht leicht antrocknen. Sie darf noch feucht sein (für Misch-Effekte).
Stunde 2: Das Rakeln (Die Dynamik-Schicht)
- Aktion: Geben Sie unverdünnte Farbe (die Akzentfarben) in Klecksen direkt oben an den Rand der Leinwand.
- Der Prozess: Nehmen Sie den Fensterabzieher/Rakel und ziehen Sie die Farbe mit einem einzigen, kräftigen Zug von oben nach unten oder quer über das Bild.
- Effekt: Es entstehen die typischen „Richter-Schlieren“. Wiederholen Sie das bei allen 10 Bildern. Reinigen Sie den Rakel zwischendurch kaum – Farbverschleppungen zwischen den Bildern sorgen für Seriencharakter.
Stunde 3: Maskierung & Kontrast
- Aktion: Kleben Sie mit Malerkrepp auf jedem Bild ein oder zwei geometrische Flächen ab (z. B. ein schmales Rechteck oder ein Kreuz).
- Der Prozess: Übermalen Sie diese Flächen mit einer Kontrastfarbe (z. B. reines Weiß oder Schwarz). Ziehen Sie das Klebeband sofort wieder ab, solange die Farbe nass ist.
- Effekt: Harte Kanten gegen die wilden Rakel-Spuren erzeugen sofort einen „galeriefähigen“, professionellen Look.
Stunde 4: Finish & Akzentuierung
- Aktion: Gehen Sie mit einem feinen Pinsel oder einem Sprühkopf durch die Reihe.
- Der Prozess: Setzen Sie „Highlights“ (Spritzer, kleine feine Linien oder Signatur-Elemente).
- Ziel: Jedes Bild bekommt eine individuelle Note, während die Basis-Serienoptik erhalten bleibt.
Profi-Ratschläge für die Präsentation
Damit die Masse an Bildern im Atelier wirkt, ist die Hängung entscheidend:
- Die „Grid“-Hängung: Hängen Sie 9 der Bilder in einem exakten 3×3 Raster auf. Die präzise Anordnung wertet auch schnell entstandene Kunst massiv auf.
- Einheitliche Rahmung: Wenn das Budget es zulässt, nutzen Sie einfache Schattenfugenrahmen aus Holz. Ein Rahmen signalisiert dem Betrachter: „Das ist fertig und wertvoll.“
- Beleuchtung: Nutzen Sie Strahler. Schlagschatten auf den Strukturen des Farbauftrags lassen die Bilder tiefer und teurer wirken.
Und zum Abschluss noch ein Dozenten-Geheimnis:
„Qualität wird oft durch die Abwesenheit von Zögern simuliert. Wer schnell und mutig arbeitet, vermeidet die verkrampften Details, die Anfängerarbeiten oft verraten.“

Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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Von Kunst leben
Ein Grundbedürfnis eines jeden künstlerisch schaffenden Menschen dürfte es wohl sein, von seiner Kunst leben zu können.
Um die eigene Existenz zu sichern, ist es unabkömmlich, mit Kunst Geld zu verdienen. Tatsächlich können heutzutage – entgegen der mehrheitlichen Wahrnehmung – viele Künstler von ihrem kreativen Schaffen gut leben. Dennoch ist eine überwiegende Mehrheit aller freischaffenden Künstler noch auf weitere Einnahmequellen (z.B. Kurse geben, Auftragsarbeiten, Nebenjobs, usw.) angewiesen.
Die Anerkennung als Künstler bringt oft noch keine unmittelbare finanzielle Sicherheit mit sich. Daher sind Künstler auch oft gleichzeitig Lebenskünstler.
Die Möglichkeiten, von der eigenen Kunst leben zu können, sind durch das Internet und die sozialen Medien allerdings stark gewachsen. Als Künstler muss man jedoch vielseitig und flexibel sein, um Erfolg zu haben. Auch ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen ist essentiell.
Kundenpflege und Selbstmarketing sind ebenfalls wichtige Säulen für den Erfolg als Künstler.
In dieser Rubrik tragen wir zahlreiche Beiträge, Informationen, Tipps und Ratschläge zusammen, die Ihnen dabei helfen sollen, von Ihrer Kunst zu leben.
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