Die Architektur des Bauhaus

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Kaum eine andere Architektur hat unser Land so sichtbar beeinflusst wie die Architektur, die aus der Kunstschule des Bauhaus hervorging. Denn das war das Bauhaus: Eine Kunstschule, die als Bildungsstätte für Kunst und Kunstgewerbe, Architektur und Design begann. Gerade dieser ganzheitliche Ansatz war jedoch verantwortlich dafür, dass der Begriff Bauhaus umgangssprachlich zum Synonym für die Moderne in Architektur und Design bzw. deren Anfänge wurde.

Der ursprüngliche geistige Vater des Bauhaus war denn auch ein Künstler-Architekt: Henry van de Velde gilt als einer der vielseitigsten Künstler des Jugendstils, der sich nach seinen Anfängen als Maler der Architektur und dem Kunstgewerbe zuwandte und die fundamentale Erneuerung der angewandten Kunst in der Vorgängerorganisation des Bauhaus bereits in Angriff nahm.

Aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar mit der von Henry van de Velde gegründeten Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar entstand 1919 das Bauhaus: Der auf Vorschlag Henry van de Veldes als Nachfolger ernannte Walter Gropius gab der neu entstandenen Schule den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“.

Gropius war Industriedesigner und Architekt, er machte aus dem Bauhaus eine einflussreiche Bildungsstätte, völlig neu in Art und Konzeption. Das Bauhaus konnte in seiner nur 14 Jahre dauernden Geschichte viele bedeutende Künstler als Lehrer gewinnen: Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy beispielsweise.

Mehrere bis heute berühmte Bauten entstanden, das erste Gemeinschaftsprojekt der Bauhaus-Schule war das Haus Sommerfeld in Berlin Lichterfelde. 1923 entstand in Weimar das Musterhaus „Am Horn“, das erste Projekt, dessen Architektur und Einrichtung durchgehend die “Neue Sachlichkeit” verkörperte. In Dessau entstanden neben dem von Gropius entworfenen Bauhaus-Gebäude mit den dazugehörigen Meisterhäusern und der Gropiussiedlung in Dessau-Törten noch viele weitere Bauhaus-Bauten. Bekannt und berühmt sind auch die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin Bernau, das Mies-von-der-Rohe-Haus in Berlin Hohenschönhausen und das Haus des Volkes in Probstzella, ehemalige Schüler des Bauhaus schufen Bauhaus-Bauten in Wien und in Prag, in Budapest und in Zürich.

Lehrer, Lernende und Anhänger des Bauhaus galten in der Weimarer Republik als „links“ und „internationalistisch“, die rechte Regierung in Thüringen kürzte 1924 den Etat des Bauhaus um die Hälfte, 1925 beschloss der Meisterrat den Umzug nach Dessau. 1928 trat Gropius als Direktor zurück, Nachfolger nach seinem Vorschlag wurde der Schweizer Hannes Meyer, er gab der Architektur eine eigene Abteilung im Bauhaus und stärkte die technischen Fächer.

Meyer wird 1930 aus politischen Gründen fristlos entlassen, für die Nationalsozialisten war das Bauhaus eine “rote Kaderschmiede”. Mit Ludwig Mies van der Rohe konnte einer der bedeutendsten modernen Architekten als neuer Leiter gewonnen werden. Aber die NSDAP war auf dem Vormarsch, 1932 wurde das Bauhaus in Dessau geschlossen, auch die Versuche Mies van der Rohes, die Bildungsstätte in Berlin zu etablieren, scheiterten am zunehmenden politischen Druck. 1933 wurde die wegweisende Institution von den Nationalsozialisten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

Das Bauhaus-Gebäude Dessau

Das Bauhaus-Gebäude Dessau
Bundesarchiv, Bild 183-1987-0204-306 / CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Bauhaus-Gebäude Dessau, von Walter Gropius entworfen

Die Architektur des Bauhaus als Architekturstil zu bezeichnen, ist ungenau, die Arbeiten der Bauhaus-Adepten stellen sich eher als Teil länderübergreifender und lang anhaltender Strömungen dar, die heute unter die Begriffe Klassische Moderne, Funktionalismus, Neue Sachlichkeit, Neues Bauen und Internationaler Stil eingeordnet werden. Eine der folgenschwersten Neuerungen des Bauhaus bleibt die Verbindung der bisher streng getrennten Arbeitsweisen der bildenden Kunst, der angewandten Kunst und der darstellenden Kunst. Die daraus resultierende Denkweise hatte auch eine starke Ausstrahlung auf Malerei, Musik und Schauspiel.

Auch das Design des Bauhaus hat nicht wenige Design-Klassiker hervorgebracht, ob es die ersten Möbel aus dem neuen Material Stahlrohr waren (die Freischwinger von Marcel Breuer), die Junghans-Küchenuhr von Max Bill, Gebrauchskunst aus Edelstahl von Marianne Brandt, die Schrift Futura von Paul Renner oder zahlreiche Gebrauchsgüter im Industriedesign von Wilhelm Wagenfeld. Bauhaus-Arbeit soll sachlich, funktionell perfekt und gekonnt gestaltet sein, und genau so sehen auch die Stücke von damals aus, oder die Bauten, die in unseren Städten im Bauhaus-Stil erhalten sind.

Nach der kurzen Zeit des Bauhaus entstanden die immer mehr Bauten im Bauhaus-Stil, und es wird immer noch viel in diesem Stil gebaut, auch jeder heute als erstklassig eingestufte Designer hat sich gründlich mit den Prinzipien des Bauhaus beschäftigt. Sogar Fertighäuser werden in Bauhaus-Architektur angeboten, gerne gekauft von Menschen, die konfrontiert mit Hausentwürfen namens “Bel Portale” oder “Sanssouci” fast schon die Idee vom Hausbau aufgeben wollten.

Man kann also sagen: das Bauhaus lebt, dem “Less is more” (weniger ist mehr) von Mies van der Rohe folgte “Form follows function” (Form folgt der Funktion) von Louis Sullivan, damit waren die bis heute geltenden Prinzipien der klassischen Moderne komplett. Was nicht nur laufend in modernen Entwürfen bewiesen wird, sondern sich auch daran zeigt, dass Alltagsgegenstände der Bauhauskünstler heute noch heiß begehrte und täglich nutzbare Sammlerstücke sind.

Haben Sie vielleicht eine überzählige Wagenfeld-Leuchte im Keller, oder alte Bücher im Schrank, die Abbildungen verschiedener Bauten der Bauhaus-Ära enthalten? Stellen Sie diese Preziosen auf Kunstplaza ein, Sie könnten einem Designliebhaber eine große Freude machen!

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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