Die Bildbearbeitungsbranche befindet sich mitten in einem Umbruch: Klassische Foto-Editoren, KI-Bildgeneratoren und Restaurierungswerkzeuge, die vor wenigen Jahren noch getrennte Produktkategorien waren, wachsen zunehmend zu einer einzigen Software-Gattung zusammen. Ein Beispiel dafür ist HitPaw FotorPea, das mit der aktuellen Version 5.5.0 einen weiteren Schritt in diese Richtung geht.
Was steckt hinter dem Update, wie schlägt sich die Software im Alltag zwischen Familienfoto-Restaurierung und KI-Bildgenerierung, und lohnt sich ein Blick für Kreative, die zwischen kostenlosen Online-Tools und Profi-Software wie Photoshop stehen? Dieser Beitrag fasst die essenziellen Funktionen zusammen, zeigt einen typischen Anwendungsfall und ordnet die Software im Vergleich zu bekannten Alternativen ein.
HitPaw FotorPea: KI-Bildbearbeitung zwischen Restaurierung und Bildgenerierung
HitPaw FotorPea (vormals u. a. als HitPaw Photo AI bekannt) ist eine Desktop-Anwendung für Windows und macOS, die mehrere KI-gestützte Bilddisziplinen in einer Oberfläche bündelt: Bildverbesserung und Hochskalierung, Restaurierung und Kolorierung alter Fotos, Freistellen und Objektentfernung sowie generative KI-Bilderzeugung per Text- oder Bildvorgabe. Während frühere Versionen noch stark auf klassisches Upscaling fokussiert waren, hat sich die Software über mehrere Updates zu einer breiteren All-in-One-Lösung entwickelt. Diese richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an semi-professionelle Nutzer.
Ein Teil der Bildverarbeitung – etwa Verbesserung, Freistellen und Objektentfernung – läuft dabei lokal auf der eigenen Hardware, während die generative Bilderzeugung eine Internetverbindung benötigt.
Bildverarbeitung – inkl. Verbesserung, Freistellen und Objektentfernung
Kernfunktionen im Überblick
KI-Bildverbesserung: Hochskalierung niedrig aufgelöster Fotos auf bis zu 8K, mit spezialisierten Modellen für allgemeine Schärfung, Rauschreduzierung, Gesichter und Low-Light-Aufnahmen
Restaurierung & Kolorierung: Reparatur von Kratzern und Flecken bei alten Fotos, automatische Kolorierung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen
KI-Bildgenerator (AI Canvas): Text-zu-Bild und Bild-zu-Bild-Generierung, Bilderweiterung (Outpainting), verschiedene Stile von realistisch bis Anime, Live-Foto
Freistellen & Objektentfernung: Hintergrund entfernen oder austauschen, unerwünschte Objekte, Personen, Text oder Wasserzeichen aus Fotos löschen
Werkzeuge: ID-/Passfoto-Generator, Foto-zu-Porträt-Umwandlung, Photoshop-Plugin für die Integration in bestehende Workflows
Die wichtigsten Neuerungen in Version 5.5
Das Update auf Version 5.5.0 überarbeitet laut Hersteller vor allem die generative Bild-Engine, mit dem erklärten Ziel, den typischen „plastikartigen“ KI-Look zu reduzieren, an dem sich generierte Bilder häufig erkennen lassen – etwa an zu glatter Haut oder unnatürlichen Details.
Überarbeitetes Text-zu-Bild- und Bild-zu-Bild-System: Die Modelle sollen komplexere Prompts präziser umsetzen und realistischere Licht-, Schatten- und Texturdetails liefern.
AI–Extender: Eine neue Funktion zur KI-gestützten Bilderweiterung, mit der sich Bildausschnitte über die ursprünglichen Ränder hinaus sinnvoll ergänzen lassen.
Erweiterte Restaurierungsfunktionen: Zusätzliche Werkzeuge zur Kolorierung und Reparatur alter Fotos wurden in die generelle Bearbeitungs-Toolbox integriert.
Stabileres Canvas-Modul: Die Bildgenerierung im AI-Canvas wurde um eine Wiederholungsoption sowie ein überarbeitetes Layout-Management ergänzt.
Canvas-Modul
Anwendungsbeispiel: alte Familienfotos restaurieren
Ein Anwendungsfall, der in mehreren Praxisberichten zu FotorPea besonders hervorgehoben wird, ist die Restaurierung historischer Familienfotos aus den 1960er- bis 1990er-Jahren. Die Kombination aus Kratzerentfernung, KI-gestützter Detailrekonstruktion bei unscharfen oder beschädigten Gesichtern und automatischer Kolorierung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen soll dabei zu vergleichsweise natürlich wirkenden Ergebnissen führen, ohne den bei älterer KI-Restaurierungssoftware bekannten „Wachsfiguren-Effekt“ überglätteter Gesichter.
Für Nutzer, die alte Fotoalben digitalisieren oder für Digitalrahmen und Drucke aufbereiten möchten, ist das ein naheliegender Einstiegspunkt in die Software – unabhängig davon, ob man die generativen KI-Funktionen überhaupt nutzen möchte.
Restaurierung von alten Fotos: KI-Modelle für Kratzerentfernung, Detailrekonstruktion oder Kolorierung.
In der Praxis läuft die Restaurierung eines alten Fotos dabei in wenigen einfachen Schritten ab:
Foto hochladen: Das eingescannte oder digitalisierte alte Foto in FotorPea laden.
Restaurierungsmodell wählen: Je nach Zustand des Bildes ein passendes KI-Modell für Kratzerentfernung, Detailrekonstruktion oder Kolorierung auswählen.
Ergebnis prüfen und exportieren: Die Vorher-Nachher-Vorschau zeigt das restaurierte Bild; bei zufriedenstellendem Ergebnis erfolgt der Export in der gewünschten Auflösung.
Vorher-Nachher-Vorschau zeigt das restaurierte Bild
Der Effekt: Kratzer und Flecken verschwinden, verblasste oder unscharfe Gesichter werden nachgeschärft, und Schwarz-Weiß-Aufnahmen erhalten eine plausible Farbgebung – ohne dass Gesichter dabei den erwähnten überglätteten „Wachsfiguren-Effekt“ bekommen.
Vergleich mit Topaz Photo AI und Photoshop
Kriterium
HitPaw FotorPea
Topaz Photo AI
Adobe Photoshop
Funktionsumfang
Verbesserung, Restaurierung, Freistellen, Generierung in einer App
Fokus auf Rauschreduzierung & Detailrekonstruktion
Maximale Kontrolle, aber sehr breites Werkzeugspektrum
Generative KI-Bilderzeugung
Ja (Text-/Bild-zu-Bild)
Nein
Über Zusatzmodule (Generative Fill)
Bedienbarkeit
Einsteigerfreundlich, viele One-Klick-Funktionen
Mittel, technisch orientiert
Steile Lernkurve
Lizenzmodell
Abo oder Lifetime-Lizenz
Meist Einmalkauf
Ausschließlich Abo
Diese Einordnung spiegelt die in mehreren unabhängigen Testberichten beschriebene Positionierung wider: Topaz gilt demnach als spezialisierter für reine, mathematisch präzise Detailrekonstruktion, während FotorPea mit generativer KI arbeitet und dadurch bei stark beschädigten Bildern mitunter visuell überzeugendere, aber weniger „originalgetreue“ Ergebnisse liefert. Photoshop bleibt das Werkzeug mit der größten Kontrolle, erfordert aber deutlich mehr Einarbeitung und ein laufendes Abonnement.
Preise und Lizenzmodelle
FotorPea lässt sich mit einer kostenlosen Testversion ausprobieren, die laut dem offiziellen Vorteilsvergleich von HitPaw allerdings klar begrenzte Nutzungskontingente je Funktion vorsieht, bevor eine kostenpflichtige Lizenz nötig wird:
KI-Generator: 2 Generierungen kostenlos testbar
KI-Hintergrundgenerator: 2 Mal nutzbar
KI-Chat-Bearbeitung: 5 Mal nutzbar, jedoch ohne wasserzeichenfreie Vorschau und ohne Export
Gesichtstausch: 3 Mal nutzbar
KI-Ersetzen: 3 Vorschauen möglich, Export in der Testversion nicht möglich
Hintergrundentferner: 3 Bilder als Vorschau, Export nicht möglich
Magischer Upscaler: 3 Bild-Vorschauen, Export nicht möglich
Preismodelle in der tabellarischen Übersicht
Für die uneingeschränkte Nutzung aller Funktionen bietet HitPaw drei kostenpflichtige Modelle an: ein Monatsabo für 29,99 €, ein Jahresabo für 89,99 € sowie eine zeitlich unbegrenzte Dauerlizenz für 129,99 €. Da HitPaw regelmäßig Rabattaktionen anbietet, können die tatsächlich gezahlten Preise davon abweichen – ein Blick auf die aktuelle Preisseite des Herstellers vor dem Kauf lohnt sich in jedem Fall.
Häufig gestellte Fragen
Läuft die Software komplett offline?
Bildverbesserung, Freistellen und Objektentfernung funktionieren laut Hersteller lokal und offline. Für die KI-Bildgenerierung (Text-zu-Bild) wird hingegen eine Internetverbindung benötigt, da diese Funktion serverseitig verarbeitet wird.
Welche Systemvoraussetzungen gelten?
FotorPea läuft grundsätzlich auch auf Rechnern ohne dedizierte Grafikkarte. Für flüssiges Arbeiten mit rechenintensiveren Funktionen wird jedoch mehr Arbeitsspeicher empfohlen, als die offiziellen Mindestanforderungen vorgeben.
Darf ich die erzeugten Bilder kommerziell nutzen?
Mit einer gültigen Lizenz sind die generierten und bearbeiteten Bilder grundsätzlich für kommerzielle Zwecke nutzbar. Bei rein KI-generierten Inhalten ist zusätzlich die aktuelle Rechtslage zum Urheberrecht KI-generierter Werke im jeweiligen Land zu beachten – in Deutschland genießen rein KI-generierte Werke aktuell keinen eigenständigen Urheberrechtsschutz.
Fazit
HitPaw FotorPea 5.5 zeigt exemplarisch, wohin sich viele Foto-Tools derzeit entwickeln: weg von einer einzelnen Spezialfunktion, hin zu einer breiten Suite, die Restaurierung, klassische Bildverbesserung und generative KI-Erzeugung miteinander verbindet. Für Nutzer, die eine zugängliche All-in-One-Lösung ohne Photoshop-Lernkurve suchen – etwa zur Digitalisierung alter Familienfotos oder für schnelle Social-Media-Grafiken –, ist die Software einen genaueren Blick wert.
Wer maximale kreative Kontrolle oder rein mathematisch präzise Detailrekonstruktion benötigt, wird weiterhin eher zu spezialisierten Werkzeugen wie Photoshop oder Topaz greifen.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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