Die international gefeierte Fotografin Eva Rubinstein feierte am 18. August ihren 93. Geburtstag. Die Kunststadt Düsseldorf ehrt das außergewöhnliche Lebenswerk der Künstlerin nun mit einem doppelten Ausstellungsprojekt, einer Buchpremiere und einer Filmvorführung.
Ihre persönliche Biografie liest sich wie ein Drehbuch und schlägt eine faszinierende Brücke zwischen der europäischen Vorkriegs-Bohème, dem Glamour des Hollywood-Exils und der weltweiten Fotokunstszene. Als älteste Tochter des legendären Klaviervirtuosen Arthur Rubinstein und Nela Młynarska wuchs Eva Rubinstein in einem Haushalt auf, der tief in der Kulturgeschichte verwurzelt war.
Im Herbst 1939, kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, verließ die damals Sechsjährige mit ihrer Familie Europa an Bord der USS George Washington. Es war der abrupte Beginn eines neuen Lebensabschnitts im US-Exil. Die Familie ließ sich schließlich im kalifornischen Beverly Hills nieder. Ihr Zuhause entwickelte sich rasch zu einem interdisziplinären Salon, in dem sich Hollywood-Legenden wie Charlie Chaplin, Cary Grant und Grace Kelly sowie literarische und wissenschaftliche Größen wie Thomas Mann und Albert Einstein trafen.
Inmitten dieses kreativen Umfelds strebte auch Eva Rubinstein nach eigenem künstlerischem Ausdruck. Zunächst feierte sie Erfolge als Balletttänzerin und Broadway-Schauspielerin (unter anderem in der Originalbesetzung von „Das Tagebuch der Anne Frank“), bevor sie Ende der 1960er-Jahre im Alter von 34 Jahren ihre wahre Berufung fand: die Fotografie.
Portrait Eva Rubinstein Pressefoto
Die Fotografie, eindeutiger als Handschriften und dauerhafter als Träume, kann die tiefsten und grundlegendsten Fragen unseres Lebens ans Licht bringen.“
Rubinstein entwickelte eine unverkennbare, fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gehaltene visuelle Sprache. Ihre Arbeiten sind eine Erforschung dessen, was sie selbst als „dritte Dimension“ bezeichnet – die Verschmelzung von sichtbarer Realität und tiefen, unsichtbaren Gefühlen. Ihr Werk, das heute in bedeutenden Sammlungen wie dem Metropolitan Museum of Art in New York und dem Museum Ludwig in Köln zu finden ist, lässt sich in drei Schwerpunkte gliedern.
Da ist zum einen das intime Porträt. Menschen begegnete sie stets mit größtem Respekt und dem Wunsch, eine echte emotionale Verbindung herzustellen. Berühmt sind ihre intimen Aufnahmen ihres Vaters beim Musizieren sowie Porträts von Künstlerkollegen wie Diane Arbus oder Robert Frank.
Eva Rubinstein, Robert Frank, 1971 New York, USA
Ein weiteres charakteristisches Element ihrer Arbeit sind die Interieurs: verlassene, menschenleere Räume wie ungemachte Betten oder Fenster im Gegenlicht, die von Kunstexperten häufig als Ausdruck einer ‚lautlosen Melancholie‘ interpretiert werden.
Eva Rubinstein, Museum in Palazzo Fortuny, Venice (1979), Italien
Ab 1958 begab sie sich zudem auf Spurensuche in Polen, der Heimat ihrer Eltern, und prägte mit ihrem amerikanischen Stil die dortige Fotokunstszene, insbesondere in Łódź, dem Geburtsort ihres Vaters.
Eine Hommage in Düsseldorf
Anlässlich ihres 93. Geburtstags würdigt Düsseldorf die Künstlerin nun mit einem vielseitigen Programm. Die Galerie Clara Maria Sels präsentiert neben einer exklusiven Preview der Werke auch die 290-seitige Publikation „Eva Rubinstein. Photography“, eine Hommage, die Fotografien aus den Jahren 1967 bis 1995 mit persönlichen Gesprächen vereint.
Begleitet wird das Buch von der Dokumentation „A conversation with Eva Rubinstein“ der New Yorker Regisseurin Renate Aller, die zur Filmpremiere anwesend sein wird.
Den musealen Höhepunkt bildet die Eröffnung der Werkschau „Eva Rubinstein. Proof of Life“ im Museum für Gartenkunst auf Schloss Benrath, bei der rund 150 von der Künstlerin selbst gefertigte und signierte Vintage-Prints gezeigt werden.
Auch wenn Eva Rubinstein die Reise aus New York nicht mehr persönlich antritt, wird sie bei den Eröffnungen per Live-Videoschaltung präsent sein – ein bewegender Moment für eine Künstlerin, die das 20. Jahrhundert mit ihrer Kamera auf so einzigartige Weise dokumentiert hat.
Termine & Ausstellungen im Überblick
Buchpräsentation & Filmpremiere (Galerie Clara Maria Sels):
Freitag, 28. August 2026, 19:00 Uhr (exklusive Preview, Anmeldung erforderlich). Die Ausstellung läuft bis zum 31. Oktober 2026.
Museumsausstellung „Proof of Life“ (Schloss Benrath):
Mittwoch, 2. September 2026, 19:00 Uhr (Feierliche Eröffnung). Eintritt frei. Zu sehen bis zum 31. Oktober 2026.
Presserundgang:
Freitag, 28. August 2026, 12:00 Uhr im Ostflügel des Museums für Gartenkunst.
Inhaber und Geschäftsführer von Kunstplaza. Publizist, Redakteur und passionierter Blogger im Bereich Kunst, Design und Kreativität seit 2011. Erfolgreicher Abschluss in Webdesign im Rahmen eines Hochschulstudiums (2008). Weiterentwicklung von Kreativitätstechniken durch Kurse in Freiem Zeichnen, Ausdrucksmalen und Theatre/Acting. Profunde Kenntnisse des Kunstmarktes durch langjährige journalistische Recherchen und zahlreichen Kooperationen mit Akteuren/Institutionen aus Kunst und Kultur.
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