Die Filme von Fatih Akın

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Gerade lief wieder “Soul Kitchen” im Fernsehen, und viele Fans und Neuentdecker dieses außergewöhnlichen Films hatten endlich einmal wieder einen ungewohnt vergnügten Abend vor dem Fernseher. Soul Kitchen ist ein Werk von Fatih Akın, der uns als Filmregisseur und Drehbuchautor, Produzent und Darsteller schon mit einigen herausragenden und ungewöhnlichen Filmen beglückt hat. Zur offiziellen Website von Soul Kitchen gelangen sie hier: Soul Kitchen.

Fatih Akın wurde 1973 in Hamburg geboren und wuchs im bunten, spannenden, brutalen und dennoch inspirierend interessanten Stadtteil Altona auf. Bereits im Gymnasium schrieb Akin Kurzgeschichten und Drehbücher, für die ersten Filmversuche musste noch eine Super-8-Kamera herhalten, aber schon als Schüler war er Mitglied einer Off-Theatergruppe am Hamburger Thalia Theater. Da wusste Akin schon längst, dass er Filmregisseur werden wollte, die erste Station auf dem Weg dorthin waren Aushilfstätigkeiten bei einer Filmproduktion in Hamburg. Nach dem Abitur studierte er Visuelle Kommunikation an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, nebenbei arbeitete er weiter bei der Hamburger Wüste Film, dessen Produzenten Stefan Schubert und Ralph Schwingel ihn zunehmend als Autor, Regisseur und Schauspieler einsetzten. Schwingels und Schuberts Interesse an der Förderung junger Filmtalente wurde nun zur produktiven Zusammenarbeit, die zuerst Akins Kurzfilme Sensin (1995) und Getürkt (1996) hervorbrachte und schließlich 1998 in Akıns Debüt als Spielfilmregisseur ihren ersten Höhepunkt fand:

Deutsch-Türkischer Filmregisseur Fatih Akin (2010)“Kurz und schmerzlos”, die Geschichte der Freundschaft einer multikulturell zusammengesetzten Kleingangster-Clique in Hamburg-Altona, die in ihrer eigenen Gewalt untergeht, und diese Geschichte lässt bereits die Qualitäten spüren, die Akıns Filme so besonders machen: Die Handlung ist kompliziert und nicht nur in einer Kultur angesiedelt, der visuelle Stil ist zurückhaltend, und doch wird die Geschichte von Liebe, Freundschaft und Verrat so stimmig und konsequent erzählt, dass die Zuschauer ohne Anstrengung folgen können. Mehr noch, sie folgen atemlos, der Film entwickelt eine packende Spannung, die viele Hollywood-Produktionen vermissen lassen, “Ein Film wie ein Diamant” (TV-Movie) wurde der “mitreißende Milieu-Thriller” (Cinema) genannt. So konnte schon dieser Debütfilm Preise abräumen, die gute Leistung der Schauspieler wurde mit dem Bronzenen Leoparden beim Internationalen Filmfestival von Locarno gewürdigt, die Regieleistung bekam den Nachwuchspreis des Bayerischen Filmpreises.

Nach einem Zwischenspiel als Hauptdarsteller in Andreas Thiels einzigem selbst inszenierten Film, der satirischen Komödie Black Souls – Kismet (2000 für den Max Ophüls Preis nominiert), ging die Erfolgsgeschichte Akins im Jahr 2000 weiter mit dem hinreißenden Roadmovie “Im Juli”. Wie schon in “Kurz und schmerzlos” spielt Moritz Bleibtreu die Hauptrolle, diesmal zusammen mit Christiane Paul. Zitate aus den Besprechungen zu diesem Film machen schnell klar, warum er 2001 den Deutschen Filmpreis (an Moritz Bleibtreu als “Bester Darsteller”), den Jupiter (Film- und Fernsehpreis der Zeitschrift Cinema, an Fatih Akin als “Bester deutscher Regisseur” und Moritz Bleibtreu als “Bester deutscher Darsteller”) und den Tromsø International Film Festival Publikumspreis (an Fatih Akin für die “Beste Regie”) erhielt:
„romantisch-spritziges Road Movie. Angelegt als klassische Verwechslungskomödie, entwickelt sich die Story zwar in altbewährter Manier, überrascht dabei jedoch immer wieder mit unerwarteten Wendungen und witzigen Action-Sequenzen.“ (Videowoche)
„ein wunderbares Filmmärchen“ (Blickpunkt Film)
„Ein kleiner Film mit großem Gefühl – so schön und aufregend wie die Liebe“ (cinema)

2002 folgte Solino (2002), wieder mit Moritz Bleibtreu und Fatih Akıns erste Arbeit nach einem fremden Drehbuch: Er war von Ruth Tomas Drehbuch, das ihm Produzent Schwingel zur Begutachtung vorlegte, so begeistert, dass er den Film unbedingt selbst machen wollte. Die Zusammenarbeit gelang hervorragend, die mitreißende Geschichte einer italienischen Familie, die von Süditalien ins Ruhrgebiet auswandert, räumte beim Bayerischen Filmpreis 2003 ab (Ruth Toma: “Bestes Drehbuch”, Barnaby Metschurat: “Bester Nachwuchsdarsteller”) bekam den Gilde-Filmpreis in Silber in der Kategorie Bester Deutscher Film und wurde für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Spielfilm nominiert.

Jetzt hatte Akin genug Erfahrung und Bestätigung, um mehr zu wagen, zusammen mit Andreas Thiel und Klaus Maeck gründet er 2004 die Filmproduktionsfirma corazón international. Fatih Akın beginnt nun, langfristiger zu denken, so entstand 2004 in Zusammenarbeit mit Wüste Film der Spielfilm “Gegen die Wand” als erster Teil einer Trilogie über Liebe, Tod und Teufel. In diesem ersten Teil geht es um die Liebe, wieder gelang es Akin, eine liebenswerte, aber auch zerstörerische und poetische Geschichte in einer intensiven Bildsprache realistisch zu erzählen, was mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale 2004, später dem Deutschen Filmpreis und dem Europäischen Filmpreis belohnt wird.

Die Auszeichnungen sollten ihn international bekannt machen, so wird er 2005 in die Jury der Filmfestspiele von Cannes eingeladen und erhält für das Wintersemester 2005/06 einen Lehrauftrag an der Hamburger Hochschule für bildende Künste.

Akin nimmt sich mehr Zeit für Projekte neben den Spielfilmen, 2005 erscheint sein erster großer Dokumentarfilm (Crossing The Bridge – The Sound of Istanbul, zeigt die musikalische Vielfalt der Stadt), er schreibt mit am Drehbuch einer interkulturellen Komödie (Kebab Connection) und wirkt 2006 mit bei der Produktion am türkischen Film “Takva – Gottesfurcht”, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wird.

2007 wird Fatih Akın dann Mitglied der Hamburger Freien Akademie der Künste und bringt den zweiten Teil seiner „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie heraus, “Auf der anderen Seite”. Die Weltpremiere war auf dem 60. Filmfestival in Cannes, das Drehbuch bekam dort einen Sonderpreis, außerdem erhielt der Film den Deutschen Filmpreis (in drei Kategorien: Film, Regie und Drehbuch), den Drehbuchpreis der Europäischen Filmpreisverleihung und einige weitere Preise.

2009 folgt mit “Soul Kitchen” wieder ein Film, der das Herz des Publikums höher schlagen lässt, er holt nicht nur 7 internationale Preise und Nominierungen für 4 weitere, sondern läuft auch überaus erfolgreich in den Kinos, in mehreren Ländern. Wenn Sie Szenenapplaus und Lachstürme im Kino lieben und diesen begeisternden Film noch nicht kennen – nichts wie hin!

Bereits während seiner Arbeit am zweiten Teil seiner Trilogie hatte Akin ein Dokumentar-Projekt, das auf lange Zeit geplant war und mit dem er 2012 wieder überall im Gespräch ist: “Müll im Garten Eden” ist ein leidenschaftlicher Film über eine Mülldeponie, die das Heimatdorf seiner Großeltern zerstört, er wurde im Mai 2012 beim 65. Filmfestival von Cannes als einziger deutscher Film außer Konkurrenz uraufgeführt (in den offiziellen Wettbewerb erhielt kein Film aus Deutschland eine Einladung) und kommt im Herbst in die Kinos.

Wer die Filme von Fatih Akın noch nicht (alle) kennt, hat noch viele vergnügliche und nachdenkliche Stunden in Off-Kinos oder vor dem Video-Bildschirm vor sich, und alle anderen freuen sich darauf, das Akın Leben und Umwelt weiter kritisch und fantasievoll im Blick behält und uns noch mit vielen dramaturgisch überzeugenden und unterhaltenden Filmen beschenkt.

Die er übrigens teils mit einem Budget verwirklichen konnte, mit dem eine durchschnittliche Fernsehproduktion für einen durchschnittlichen Sender gerade einmal eine oder zwei langweilige Serienfolgen abdreht, deren Handlung jeder Zuschauer sofort nach dem Ausschalten vergessen hat.

Weitere Informationen sowie eine Übersicht zu seiner Filmografie finden Sie hier:

Fatih Akin im Filmportal

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Lina Sahne

Moderatorin und Autorin bei Kunstplaza
Passionierte Autorin mit regem Kunstinteresse

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  • Rainer Ostendorf Der Artikel hat mir gefallen. Schöne Grüsse aus
  • Joachim Vielen Dank für die schöne Rückmeldung! Das fre
  • Rainer Ostendorf Ein interessanter Artikel! Vielen Danken für die
  • Ayna Ich interessiere mich sehr für die Antike und der
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