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		<title>Vorstellung und Rezension des Auktionshaus Sotheby&#8217;s</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Apr 2013 16:15:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sotheby&#8217;s &#8211; das älteste Auktionshaus der Welt? Für die meisten Neulinge auf dem Gebiet des Auktionshandels hat der Name Sotheby&#8217;s einen besonderen Klang, nicht selten wird sogar vermutet, dass es sich bei dem altehrwürdigen englischen Auktionshaus um das älteste Auktionshaus der Welt handelt. So hat sich Sotheby&#8217;s auch lange Zeit selbst beschrieben. Sotheby&#8217;s ist ein altes Unternehmen, das ist korrekt, um das älteste Auktionshaus der Welt handelt es sich jedoch keineswegs: Auktionen sind wirklich keine sehr neue Erfindung, man weiß heute von Auktionen, die vor dem Jahr 500 v. Chr. stattfanden. Denn schon der antike griechische Geschichtsschreiber Herodot, der um 490 v. Chr. geboren ist, weiß von jährlich ausgetragenen Brautauktionen zu berichten, wenn er seinen Zeitgenossen vom antiken Babylon erzählt. Im römischen Reich wurde die Kriegsbeute versteigert (Sklaven und Waffen), auch Zwangsversteigerungen kannte man schon, und 193 n. Chr. wurde auch schon einmal das ganze Römische Reich versteigert, allerdings nicht zum Nutzen des Erwerbers, der vom nächsten Eroberer einfach geköpft wurde. Das nur am Rande, und mit dem Untergang des römischen Reiches waren Auktionen dann in Europa bis ins 18. Jahrhundert kein Thema mehr (in Asien konnte der Auktionshandel übrigens nie ein nachhaltiges Interesse entfachen). Während des 17. und 18. Jahrhunderts waren in einigen Teilen Englands lediglich sogenannte &#8220;candle auctions&#8221; gebräuchlich. Sie hatten mit unserer Form der Auktion nicht viel gemein, sondern statteten die Übertragung freigewordener Güter und Lehen mit einer Art von Zufallsgenerator aus: Zu Beginn der Auktion wurde eine Kerze angezündet, nun durften so lange höhere Preise für ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Sotheby&#8217;s &#8211; das älteste Auktionshaus der Welt?</h2>
<p>Für die meisten Neulinge auf dem Gebiet des Auktionshandels hat der Name <strong>Sotheby&#8217;s</strong> einen besonderen Klang, nicht selten wird sogar vermutet, dass es sich bei dem altehrwürdigen <strong>englischen Auktionshaus</strong> um das älteste Auktionshaus der Welt handelt. So hat sich Sotheby&#8217;s auch lange Zeit selbst beschrieben.</p>
<p>Sotheby&#8217;s ist ein altes Unternehmen, das ist korrekt, um das älteste Auktionshaus der Welt handelt es sich jedoch keineswegs:</p>
<p>Auktionen sind wirklich keine sehr neue Erfindung, man weiß heute von Auktionen, die vor dem Jahr 500 v. Chr. stattfanden. Denn schon der antike griechische Geschichtsschreiber Herodot, der um 490 v. Chr. geboren ist, weiß von jährlich ausgetragenen Brautauktionen zu berichten, wenn er seinen Zeitgenossen vom antiken Babylon erzählt.</p>
<p>Im römischen Reich wurde die Kriegsbeute versteigert (Sklaven und Waffen), auch Zwangsversteigerungen kannte man schon, und 193 n. Chr. wurde auch schon einmal das ganze Römische Reich versteigert, allerdings nicht zum Nutzen des Erwerbers, der vom nächsten Eroberer einfach geköpft wurde. Das nur am Rande, und mit dem Untergang des römischen Reiches waren Auktionen dann in Europa bis ins 18. Jahrhundert kein Thema mehr (in Asien konnte der Auktionshandel übrigens nie ein nachhaltiges Interesse entfachen).</p>
<p>Während des 17. und 18. Jahrhunderts waren in einigen Teilen Englands lediglich sogenannte <strong>&#8220;candle auctions&#8221;</strong> gebräuchlich. Sie hatten mit unserer Form der Auktion nicht viel gemein, sondern statteten die Übertragung freigewordener Güter und Lehen mit einer Art von Zufallsgenerator aus: Zu Beginn der Auktion wurde eine Kerze angezündet, nun durften so lange höhere Preise für ein Lehen geboten werden, wie die Kerze noch brannte. Das Erlöschen der Kerze war der Zuschlag, wessen Gebot zu dieser Zeit gerade abgegeben war, gewann die Auktion und erhielt das Lehen.</p>
<p><strong>Das älteste heute noch existierende Auktionshaus der Welt</strong>, das Auktionen im heute bekannten Sinne veranstaltete, wurde 1674 in Schweden errichtet. Es handelt sich um das <strong>„Stockholms Auktionsverk“</strong>, in dem schon schwedische Könige und August Strindberg ihre Preziosen anboten. Auf 1707 wird die Gründung des Dorotheums durch Joseph I datiert, der Habsburgerfürst und damaliger Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erzielte im &#8220;Versatz- und Fragamt zu Wien&#8221; ursprünglich hauptsächlich Einnahmen durch Zwangsversteigerungen. Auch heute werden im Gebäude in der Dorotheergasse 17 im 1. Wiener Bezirk noch die traditionellen Pfandgeschäfte abgewickelt, es gilt jedoch inzwischen als das größte Auktionshaus für Kunst und angewandte Kunst im deutschsprachigen Raum bzw. Mitteleuropa.</p>
<p><strong>Erst 1744 wurde Sotheby&#8217;s gegründet</strong>, der erste Inhaber namens Sotheby übernahm sogar erst 1778. Je nach Sichtweise ist Sotheby&#8217;s damit heute entweder das drittälteste Auktionshaus der Welt oder sogar das viertälteste, denn wenn man das zweite Datum als entscheidend ansieht, war der traditionelle <strong>Erzrivale Christie&#8217;s</strong> mit seiner ersten Auktion im Jahr 1766 früher am Start.</p>
<h2>Anfangs ging&#8217;s bei Sotheby&#8217;s nicht um Kunst, nur um Bücher</h2>
<p>Erst als England im Laufe der Französischen Revolution von Frankreich die führende Rolle im europäischen Kunsthandel erbte, wurden Auktionen mit dem Ziel des höchsten Endpreises als Handelsform für Kunstwerke interessant.</p>
<p><strong>Die ersten Kunstauktionen</strong> fanden in Kaffeehäusern und Tavernen statt, im Kunsthandelszentrum London täglich, als Werbung für die jeweils angeboten Kunstgegenstände wurden immer häufiger Kataloge gedruckt. Besonders vor Auktionen, die seltene Werke oder Sammlerkunst an den Mann bringen sollten, wurden diese Kataloge sehr kunstvoll mit Abbildungen und Beschreibungen der zu erwartenden Kunst ausgestattet, sie waren dann selbst schon richtige kleine Kunstwerke.</p>
<p><div id="attachment_1161" class="wp-caption alignright" style="width: 420px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Sothebys_logo.png"><img class=" wp-image-1161" title="Sotheby's Logo" alt="Sotheby's Logo" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Sothebys_logo.png" width="410" height="112" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Sotheby&#8217;s Logo</strong>;<br /> von VolatileChemical (http://www.sothebys.com/) [Public domain], via Wikimedia Commons</p></div>So ist es nicht verwunderlich, dass der Gründer von Sotheby&#8217;s ein Buchhändler war, der durch den Vertrieb dieser Auktionskataloge auf das interessante Auktionsgeschäft aufmerksam geworden war. Er blieb zunächst bei seinem Kerngeschäft, die erste Auktion dieses Mann namens Samuel Baker am 11. März 1744 umfasste mehrere hundert seltene und wertvolle Bücher aus der Bücherei Sir John Stanleys, des Baronets von Alderley. Es folgten andere aufsehenerregende Buchauktionen, z. B. die Bibliothek, die Napoleon ins Exil nach St. Helena mitgeführt hatte; auch die Buchbestände führender englischer Herzöge und die hochinteressante Sammlung von John Wilkes, dem berühmten liberalen Aufklärer, wurden durch Samuel Baker versteigert.</p>
<p>Nach Bakers Tod im Jahr 1778 wurde sein Besitz zwischen seinem Partner George Leigh und John Sotheby aufgeteilt und gelangte mangels Nachkommenschaft in der Leigh-Familie schließlich ganz unter die Führung der Familie Sotheby. Diese erweiterte das Geschäft des Auktionshauses im 19. Jahrhundert zwar auf Münzen und Medaillen und gelegentlich auch Kunstdrucke oder Stiche, versuchte aber noch lange Zeit nicht, sich generell im Handel mit Kunst zu beweisen.</p>
<p>Aber der Kunsthandel hat nun einmal einen ungeheuren Reiz, dem auch die Sotheby&#8217;s nicht widerstehen konnten, bald widmete man sich immer mehr dem Verkauf schöner Dingen, und noch etwas später war man auch schon mitten drin in der Auseinandersetzung mit Christie&#8217;s:</p>
<h2>Sotheby&#8217;s ewiger Kampf mit Christie&#8217;s</h2>
<p>1913 konnte Sotheby&#8217;s dann einen ersten bedeutenden Erfolg im Kunsthandel für sich verbuchen, als es gelang, ein Gemälde von Frans Hals für 9.000 Guineen zu verkaufen. 1917 zog das Unternehmen in die <strong>Villa in der New Bond Street</strong> um, wo die Londoner Filiale heute noch sitzt. Sotheby&#8217;s hatte nun in Bezug auf den Kunsthandel Feuer gefangen: Das Unternehmen wurde schnell ein ernsthafter Rivale des Auktionshauses Christie&#8217;s, dem bisherigen Anführer des Londoner Auktionsmarktes &#8230; und der Londoner Auktionsmarkt war nun einmal gerade im Bereich der Kunst einer der wichtigsten Märkte überhaupt. 1954 war es soweit: Sotheby&#8217;s konnte Christie&#8217;s mit seinen Verkäufen im Kunsthandel überflügeln.</p>
<p>Seit dieser Zeit versuchten die Konkurrenten, durch alle möglichen Geschäftsideen und weniger geschäftlichen Ideen die Vorherrschaft zu erlangen bzw. zu halten: Sotheby&#8217;s expandierte z. B. bereits 1955 mit Eröffnung eines New Yorker Büros in die USA, kaufte 1964 Parke-Bernet (den damals größten Kunstauktionator der Vereinigten Staaten) und war 1965 auf der New Yorker Madison Avenue gelandet. Christie&#8217;s führte seine erste Auktion in den USA erst 1977 durch, man wollte sich auf das Geschäft in Europa konzentrieren. Zunächst ohne den gewünschten durchschlagenden Erfolg, noch Ende der 1980er Jahre beherrschte Christie&#8217;s nur knapp über 40 Prozent des Londoner Auktionsmarktes.</p>
<p><div id="attachment_1162" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Michael_Dweck_Sothebys_2003.jpg"><img class="size-large wp-image-1162 " title="Michael Dweck bei der Vorbereitung seiner Sotheby's installation, New York, September 2003" alt="Michael Dweck bei der Vorbereitung seiner Sotheby's installation, New York, September 2003" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Michael_Dweck_Sothebys_2003-500x362.jpg" width="500" height="362" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Michael Dweck bei der Vorbereitung seiner Sotheby&#8217;s installation, New York, September 2003;</strong><br /> von curleymancan (DweckSothebys) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons</p></div>Christie&#8217;s griff Sotheby&#8217;s nun frontal an, indem es 1990 (vollkommen entgegen der tradierten Preispolitik) auf einmal Mindestpreise für Auktionen garantierte, scheinbar erfolgreich, 1996 hatte Christie&#8217;s zum ersten Mal seit 1954 beim Umsatz wieder die Nase vorne. Schade dabei war nur, dass Sotheby&#8217;s in den entscheidenden Jahres dieses Kampfes gut 250 Millionen Dollar Gewinn gemacht hatte, während sich Christie&#8217;s mit mageren 60 Millionen begnügen musste (beides Gewinn vor Steuern).</p>
<p>So ging es weiter hin und her, wenn Sotheby&#8217;s längst eine bekannte Größe in einem bestimmten Handelsbereich war, kaufte Christie&#8217;s Galerien mit entsprechendem Spezialgebiet, um zu folgen, wenn Sotheby&#8217;s auch im Immobilien handelte, kaufte Christie&#8217;s einen großen Makler-Ring. Zwischendurch wurde vermutlich beiden manchmal das Geld knapp, was vielleicht nicht zu den besten Geschäftsentscheidungen führte. 1997 wollte Christie&#8217;s sich an einen Investor versteigern, da niemand genug bot, wurde das ganze Unternehmen 1998 von François Pinaults (Kunstkenner, Milliardär und Inhaber von Firmen wie Gucci und dem legendären Weingut Château Latour) Groupe Artémis SA übernommen, da er seitdem mit dem Auktionshaus jede Menge Verluste hinnehmen musste, ist jetzt ein Verkauf nach Katar im Gespräch. Sotheby&#8217;s war inzwischen schon fest in amerikanische Hand übergegangen, mit Beteiligungen von US-Unternehmen wie die General Felt Industries oder US-Finanzgrößen wie dem Hedgefonds-Manager Steven A. Cohen. Zwischendurch hat auch Sotheby&#8217;s seinen Eigentümern erhebliche Verluste beschert, und zwischendurch hatten sich auch beide Auktionshäuser mit Repräsentanzen über die ganze Welt verteilt.</p>
<p>So versuchte man es im Jahr 2000 zur Abwechslung mal mit einer Zusammenarbeit, diese wurde jedoch <strong>vom FBI als Preisabsprache definiert</strong> und führte zu einem handfesten Skandal. Als das FBI die Auktionspraktiken beider Häuser auf geheime Absprachen untersuchte, waren es die beiden Geschäftsführer von Sotheby&#8217;s, A. Alfred Taubman und Diana Brooks, die mitten in den Skandal stolperten: Weil Diana Brooks in der Hoffnung auf eine geringe Strafe ihre Schuld eingestand, zog sie auch Taubman mit hinein. Er wurde daraufhin von einem New Yorker Gericht wegen Verschwörung verurteilt und verbrachte 10 Monate im Gefängnis, während Brooks zu sechs Monaten Hausarrest und einer Geldstrafe von 350 Millionen Dollar und Sotheby&#8217;s insgesamt zu 45 Millionen Dollar Geldstrafe verurteilt wurden. Angestellte von Christie&#8217;s wurden in diesem Gerichtsverfahren nicht geladen, in Folge der vierjährigen kartellrechtlichen Untersuchung des amerikanischen Justizministeriums erhoben jedoch 130.000 Käufer und Verkäufer der beiden Auktionshäuser eine Sammelklage, weil sie sich durch die Preisabsprachen betrogen fühlten. 2001 gab der zuständige Gerichtshof seine endgültige Zustimmung zu einer Vereinbarung über eine Strafzahlung von 512-Millionen-Dollar für beide Unternehmen, deren Sinn war, beide Unternehmen (besonders das börsennotierte Sotheby&#8217;s) vor der Insolvenz zu retten.</p>
<h2>Sotheby&#8217;s &#8211; ein englisches Auktionshaus in Privatbesitz?</h2>
<p>Ursprünglich war Sotheby&#8217;s ein englisches Auktionshaus, das stimmt schon, und es ist auch fast 250 Jahre ein englisches Auktionshaus geblieben. In privatem Besitz war Sotheby&#8217;s immerhin fast oder gut zwei Jahrhunderte, je nachdem, wie man das Gründungsdatum ansetzt, mit der ersten Auktion des Gründers Samuel Baker auf das Jahr 1744 oder mit dem Auftauchen des ersten Sotheby&#8217;s im Unternehmen auf das Jahr 1778.</p>
<p><div id="attachment_1163" class="wp-caption alignright" style="width: 385px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Sothebys_london_new-bond-street.jpg"><img class="size-large wp-image-1163" title="Sotheby's Hauptquartier in der New Bond Street, London" alt="Sotheby's Hauptquartier in der New Bond Street, London" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Sothebys_london_new-bond-street-375x500.jpg" width="375" height="500" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Sotheby&#8217;s Hauptquartier in der New Bond Street, London;</strong><br /> von Claus Hoppe [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) oder CC-BY-2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons</p></div>Bereits 1977 ging Sotheby&#8217;s jedoch an die Börse, zuerst als britische Aktiengesellschaft, 1983 kaufte eine Gruppe von Investoren Sotheby&#8217;s (darunter der schon erwähnte Geschäftsführer zur Zeit des Preisabsprache-Skandals, der amerikanische Millionär Alfred Taubman) und privatisierte das Unternehmen zunächst, um es im August 1983 dann als Sotheby&#8217;s Holdings, Inc. mit Sitz in Michigan neu zu gründen.</p>
<p><strong>Im Jahr 1988 brachte Taubman Sotheby&#8217;s an die Börse</strong>, mit der Listung wurde Sotheby&#8217;s zum ältesten börsennotierten Unternehmen an der New Yorker Börse mit dem Ticker-Symbol &#8220;BID&#8221; (Auktionshandel). Zur Zeit des Preisabsprache-Skandals im Jahr 2000 gehörten bereits 59 Prozent der Stammaktien der Baron Capital Group, der für ihre langfristigen Engagements bekannten Investmentgesellschaft des amerikanischen Self-Made-Millionärs Ronald S. Baron. 2006 wurde die gesamte Gesellschaft ins amerikanische Steuerparadies Delaware verlegt.</p>
<p><strong>Heute ist Sotheby&#8217;s eine multinationale Gesellschaft mit Hauptsitz in den USA</strong>, und es handelt sich auch keineswegs mehr nur um eine reines Auktionshaus für feine und dekorative Kunstgegenstände. Sotheby&#8217;s Geschäftsfeld teilt sich in die drei Segmente Auktionen, Finanzen und Handel, und die Leistungen des Unternehmens gliedern sich in elf verschiedene Kategorien, die wohl jede Facette des Kunstmarktes abdecken: Privatverkauf und Finanzierungen, steuerliche Beratung oder Abwicklung von Testamenten, alles erledigt Sotheby&#8217;s für seine Kunden, wenn es nur um Kunst geht.</p>
<h2>Ein typischer Angestellter von Sotheby&#8217;s</h2>
<p>&#8230; ist <strong>Cheyenne Westphal</strong> vielleicht nicht, aber an ihrer Karriere bei Sotheby&#8217;s lässt sich gut zeigen, das bei Sotheby&#8217;s heute neben Wissen das Gespür für den Markt die wichtigste Karrierezutat ist.</p>
<p>Die im deutschen Südwesten geborene Cheyenne Westphal hat die Anregung Ihres Vaters, sich doch nach dem Abitur ein wenig die Welt anzusehen, mehr als ernst genommen: Erst studierte sie Kunstgeschichte und Englisch an der St.-Andrews-Universität in Schottland, der Uni von Prinz William und Kate Middleton, dann zog es die inzwischen kunstbegeisterte Studentin nach Berkeley, an die Universität von Kalifornien. In Schottland hatte sie eher historische Kunst kennengelernt, in Berkeley braucht sie nur einmal auf ein Foto von Cindy Sherman zu blicken, um zu wissen, dass ihr Herz der zeitgenössischen Kunst gehört. Nach ihrer Magisterarbeit (über Anselm Kiefer) will sie nach London, 1990 eine der angesagten Adressen nicht nur im Kunsthandel.</p>
<p>Gleich die erste Vorstellung bei Sotheby&#8217;s ist ein Erfolg, und Cheyenne Westphal fängt ganz brav mit Katalogarbeit und Recherche an. Das Team der zeitgenössischen Sparte von Sotheby&#8217;s ist aber nur drei Mann stark, und so darf sie recht schnell mit der Kundenbetreuung beginnen, 1999 wird ihr die Verantwortung für das gesamte europäische Geschäft Sotheby&#8217;s im Bereich Gegenwartskunst übertragen. Sie war in London als Expertin für die Kunst unserer Zeit genau am richtigen Ort gelandet, hier hatten gerade die &#8220;Young British Artists&#8221;, die &#8220;Tate Modern&#8221; und der mächtige Charles Saatchi dafür gesorgt, dass London als Weltzentrum der Gegenwartskunst galt.</p>
<p>Cheyenne Westphal rekrutierte die Werke, die die Boni-geschwängerten Banker kaufen wollten, die Auktions-Umsätze erreichten Rekorde, mancher der neuen Künstler wurde wie ein Star verehrt. Einen dieser Stars, Gerhard Richter, wählt sich Cheyenne Westphal als Spezialgebiet, und vielleicht hat sie sogar ein wenig dazu beigetragen, wenn ihm eine so ungeheure Wertschätzung entgegengebracht wird. Auch ein Künstler wie Damien Hirst ist ganz nach Cheyenne Westphals Geschmack, sie war es, die 2004 half, seine ersten Einzelauktionen zu arrangieren, in denen Arbeiten aus dem Restaurant &#8220;Pharmacy&#8221; verkauft wurden, und weil sie mit ihrem ganzen Team anderthalb Jahre an Hirsts werbewirksamer und einträglicher <strong>&#8220;RED Charity”-Auktion (2008)</strong> mitarbeitete, bekam sie vom Künstler sogar eine Grafik geschenkt.</p>
<p>Cheyenne Westphal fand die Idee toll, die Arbeiten des Künstlers ohne Einbeziehung seiner Galeristen anzubieten, als diese Arbeiten am Tag des Lehman-Brothers-Bankrotts rund 111 Millionen Pfund einbrachten, von denen die Galeristen keinen Pfennig sahen, waren diese wahrscheinlich nicht ganz so begeistert. Cheyenne Westphal rückte jedoch durch dieses Geschäft auf den Rang 16 der internationalen &#8220;100 Power List&#8221; des führenden Kunstmagazins auf, nur schade, dass sich der Markt nun abkühlte und die nächste Auktion 2009 nur noch rund ein Fünftel einbrachte. In der Folgezeit ging es nun erst einmal darum, den Auktionskunden wieder Vertrauen einzuflößen, Preise wie 2008 können auch heute noch nicht wieder aufgerufen werden.</p>
<p>Doch Cheyenne Westphal ist guten Mutes, neue Käufer aus Russland und China kommen dazu, und Frau Westphal wurde für das reduzierte Angebot, das sie nach 2008 zur Auktion stellte, später von der Londoner Times belobigt: Sie habe dazu beigetragen, die Kunstmarkt-Krise erfolgreich zu glätten, meint die Times, und setzte sie auf Platz 22 der britischen <strong>&#8220;Art Power List&#8221;</strong>. Inzwischen ziehen die Preise langsam wieder an, sehr zur Freude der Deutschen, die sich selbst nur &#8220;ein Kunstwerk pro Jahr&#8221; gönnt, damit die Sammelleidenschaft nicht überhand nimmt. Sie sei Fan von Richter und Hirst, kaufe aber meistens Künstler ihrer Generation, wie z. B. eine Wandskulptur Tara Donovan. Ansonsten begeistert sich Cheyenne Westphal für Mode (bei Abend-Auktionen trägt sie Prada, unter dem Schreibtisch warten Louboutin-Stilettos), trifft sich mit Gerhard Richter oder Cy Twombly zum Dinner, geht gerne frühstücken mit Lucian Freud oder trifft ihren guten Freund Damian Hirst, einfach so.</p>
<p><object width="560" height="315"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/bPfM82NA7Mk?hl=de_DE&amp;version=3"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/bPfM82NA7Mk?hl=de_DE&amp;version=3" type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="315" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Wenn Ihre Eltern Ihnen gerade wieder das Kunststudium mit Hinweis auf die „brotlose Kunst“ ausreden wollen &#8211; so muss es heute nicht mehr sein, sie müssen nur bereit sein, sich als Künstler oder Kunsthändler nach dem Markt zu richten.</p>
<h2>Ist Sotheby&#8217;s das richtige Auktionshaus für Ihr Kunstwerk?</h2>
<p>Nun, Sotheby&#8217;s ist auf jeden Fall das richtige Auktionshaus für Sie, wenn Sie einen &#8220;Damien Hirst&#8221; oder &#8220;Gerhard Richter&#8221; anzubieten haben. Es ist sicher auch noch das richtige Auktionshaus für Sie, wenn Sie irgendeinen Werk eines weniger bekannten Künstlers verkaufen möchten, das gerade bei einer Ausstellung von der Presse gefeiert (oder verrissen) wurde. Auch der Hamburger, der jüngst in einem Hamburger Auktionshaus einen &#8220;Andy Warhol&#8221; versteigert hat, wäre höchstwahrscheinlich besser beraten gewesen, wenn er dieses Kunstwerk bei Sotheby&#8217;s angeboten hätte. Der sibirische Tiger in wunderschön knalligen Erdfarben, den Andy Warhol 1983 in seinem typischen Pop-Art-Stil, aber in eindrucksvoller Detailfreude darstellte, fand sich im Hamburger Auktionshaus in Begleitung von Barockmöbeln und Gemälden alter Meister wieder, wahrscheinlich nicht die passendste Umgebung. Er wurde für einen Einstiegspreis von knapp 30.000,- Euro angesetzt und wechselte für knapp 40.000,- Euro den Eigentümer, während die Tiger-Siebdrucke Warhols bei Sotheby&#8217;s teilweise schon bei 65.000 Euro einstiegen.</p>
<p>Wenn Sie jedoch selbst antike Möbel, altes Porzellan oder geschichtsträchtigen Schmuck an den Mann bringen möchten, sind Sie in einem der angesehenen <strong>Hamburger Auktionshäuser</strong> sicher gut aufgehoben &#8211; darunter sind renommierte Unternehmen, die sich seit langem im Familienbesitz befinden und von kenntnisreichen und begeisterten Menschen geführt werden, und die Auktionen finden nicht selten in imposanten Villen an der Alster statt, in denen solche Exponate vor wunderbaren Stuckdecken und in antiken Vitrinen genau in der richtigen Atmosphäre ausgestellt werden &#8230;</p>
<p><strong>Wenn Sie Ihren Kunstgegenstand oder Ihre Antiquität in Hamburg anbieten möchten, haben Sie jedoch die Wahl:</strong> Hier konkurrieren über 20 bekannte Auktionshäuser mit sehr unterschiedlichen Sortimenten, und Sammler, Galeristen und Händler wissen genau, was sie in welchem Auktionshaus suchen. Das sollten Sie also ebenfalls wissen, denn Sie haben bessere Chancen, für Ihre historischen Geldscheine einen wirklich guten Preis zu erzielen, wenn diese auf einer Auktion angeboten werden, wo auch andere historische Geldscheine versteigert werden und deshalb auch viele Interessenten für historische Geldscheine anwesend sind. Für Hamburg als Ort einer Auktion spricht dann auch noch, dass die Hamburger Häuser über ein Auktionsportal vernetzt sind, auf dem jährlich etwa 1,4 Millionen Besucher nach Kunstwerken, Möbeln, Spielzeugen oder Weinen suchen, die sie interessieren könnten.</p>
<p>Damit wurden einige der wichtigsten Punkte angesprochen, die bei der Auswahl des passenden Auktionshauses berücksichtigt werden sollten. Allgemein kann man festhalten, dass Sie das richtige Auktionshauses leichter auswählen werden, wenn Sie soviel wie möglichst über das eigene Kunstwerk zu erfahren versuchen und sich außerdem umfassend über das Unternehmen informieren, das hinter einem Auktionshaus steht. Weiter kommt es natürlich entscheidend darauf an, welchen Anteil am Verkaufspreis das Auktionshaus haben möchte, das können durchaus Summen sein, die bis zu einem Viertel des Verkaufspreises erreichen. Gerade bei Werken, die wahrscheinlich keine riesigen Summen bringen werden, kann es mehr Spaß machen, diese geduldig über ein Internetportal wie Kunstplaza anzubieten, hier landet fast der ganze Kaufpreis in Ihrer Tasche.</p>
<p>Viele weitere Tipps zur Auswahl des richtigen Auktionshauses finden Sie im Artikel über <strong>„Die plötzliche Attraktivität von Kunstauktionen“</strong>, mit dieser Vorbereitung und etwas Sorgfalt werden Sie hoffentlich auch dann jeden Fehlkauf oder enttäuschenden Verkauf vermeiden können, wenn Sie sich ohne Fachwissen dem Auktionsmarkt nähern.</p>
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		<title>&#8220;Quartett&#8221; &#8211; Dustin Hoffmans erste Filmregie</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Apr 2013 11:17:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ältere Menschen bekommen glänzende Augen, wenn vom Film “Die Reifeprüfung” die Rede ist, der Tag manches Jungmannes der 1970er war im Wesentlichen dadurch bestimmt, dem Titelhelden nachzueifern. Die erste kritische Auseinandersetzung mit unbequemer Historie erlebten diese Jahrgänge durch den “Marathon-Mann”, die erste Idee von einer Inkonsistenz der Geschlechterrollen mit “Tootsie”, das Vielleicht-Scheitern der nur fast gleichberechtigten Beziehung in “Kramer gegen Kramer”, das Ganz-sicher-Scheitern des in Wirklichkeit nur ausgenutzten Schein-Karrieristen in “Tod eines Handlungsreisenden” und die erste Begegnung mit der Einsamkeit, die Anderssein oder Krankheit oder Behinderung mit sich bringen, in “Rain Man”. Dustin Hoffman ist in all diesen Filmen als auffallend guter Schauspieler zu sehen, als schüchterner Liebhaber, moralisch und körperlich unantastbarer Marathon-Mann, alberne Tootsie, karrieregeiler und unsensibler Vater, frustrierter Vertreter und ebenso brillanter wie sensibler Darsteller in der schwierigen Rolle eines Autisten. So möchten Sie ihn sicher nicht missen. Auch jüngeren Jahrgängen ist Hoffman als Schauspieler ein Begriff, mit Filmen wie “Sleepers”, “Confidence”, “Das Urteil”, “Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich”, “Das Parfum”, Barney’s Version” und vielen weiteren war er auch im vergangenen Jahrzehnt durchaus häufiger Gast auf der Kinoleinwand. &#160; Dustin Hoffmans Debüt als Filmregisseur Am Sonntag, den 20. Januar 2013, um 11 Uhr in der Deutschen Oper Berlin, hat jedoch eine neue Ära begonnen, für Dustin Hoffman und für seine Fans: Die Deutschlandpremiere von „Quartett”, Dustin Hoffmans Regie-Debüt. Damit hat auch zum ersten Mal ein Kinofilm in der Deutschen Oper Berlin Premiere gefeiert, und es hat seinen Grund, dass diese Uraufführung in einem großen Opernhaus stattfand: „Quartett” ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ältere Menschen bekommen glänzende Augen, wenn vom Film <strong>“Die Reifeprüfung”</strong> die Rede ist, der Tag manches Jungmannes der 1970er war im Wesentlichen dadurch bestimmt, dem Titelhelden nachzueifern. Die erste kritische Auseinandersetzung mit unbequemer Historie erlebten diese Jahrgänge durch den <strong>“Marathon-Mann”</strong>, die erste Idee von einer Inkonsistenz der Geschlechterrollen mit <strong>“Tootsie”</strong>, das Vielleicht-Scheitern der nur fast gleichberechtigten Beziehung in <strong>“Kramer gegen Kramer”</strong>, das Ganz-sicher-Scheitern des in Wirklichkeit nur ausgenutzten Schein-Karrieristen in <strong>“Tod eines Handlungsreisenden”</strong> und die erste Begegnung mit der Einsamkeit, die Anderssein oder Krankheit oder Behinderung mit sich bringen, in <strong>“Rain Man”</strong>.</p>
<p><strong>Dustin Hoffman</strong> ist in all diesen Filmen als auffallend guter Schauspieler zu sehen, als schüchterner Liebhaber, moralisch und körperlich unantastbarer Marathon-Mann, alberne Tootsie, karrieregeiler und unsensibler Vater, frustrierter Vertreter und ebenso brillanter wie sensibler Darsteller in der schwierigen Rolle eines Autisten. So möchten Sie ihn sicher nicht missen.</p>
<p>Auch jüngeren Jahrgängen ist Hoffman als Schauspieler ein Begriff, mit Filmen wie “Sleepers”, “Confidence”, “Das Urteil”, “Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich”, “Das Parfum”, Barney’s Version” und vielen weiteren war er auch im vergangenen Jahrzehnt durchaus häufiger Gast auf der Kinoleinwand.</p>
<p><div id="attachment_1151" class="wp-caption alignright" style="width: 329px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Dustin_Hoffman_Quartet_avp_2013_2.jpg"><img class=" wp-image-1151" title="Dustin Hoffman in Paris bei der fränzösischen Premiere seines Regiedebüts &quot;Quartett&quot;" alt="Dustin Hoffman in Paris bei der fränzösischen Premiere seines Regiedebüts &quot;Quartett&quot;" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Dustin_Hoffman_Quartet_avp_2013_2-354x500.jpg" width="319" height="450" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Dustin Hoffman in Paris bei der fränzösischen Premiere seines Regiedebüts &#8220;Quartett&#8221;</strong>;<br /> von Georges Biard [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons</p></div>&nbsp;</p>
<h2>Dustin Hoffmans Debüt als Filmregisseur</h2>
<p>Am Sonntag, den 20. Januar 2013, um 11 Uhr in der Deutschen Oper Berlin, hat jedoch eine neue Ära begonnen, für Dustin Hoffman und für seine Fans: Die <strong>Deutschlandpremiere von „Quartett”</strong>, <strong>Dustin Hoffmans Regie-Debüt</strong>. Damit hat auch zum ersten Mal ein Kinofilm in der Deutschen Oper Berlin Premiere gefeiert, und es hat seinen Grund, dass diese Uraufführung in einem großen Opernhaus stattfand: „Quartett” ist ein Film, der die klassische Musik und das Leben (mit Musik) feiert.</p>
<p>Die Handlung beleuchtet das wirklich nicht gerade ruhige Geschehen in einer Residenz für ehemalige Opernsänger. Der Alterssitz für diese Opernsänger wurde gestiftet vom Opernkomponisten <strong>Guiseppe Verdi</strong>, und natürlich wird hier jedes Jahr zum Gedenktag von Verdis Geburtstag ein Konzert veranstaltet. Ein Konzert, das mit den Insassen besetzt wird, Sängern in sehr reifem Alter, die ihre bereits wahrnehmbaren Beschränkungen nicht immer wahrhaben möchten.</p>
<p>Die Besetzung ist ebenso brillant wie fern von Hollywood: <strong>Maggie Smith</strong>, mit über 50 Preisen verwöhnte britische Schauspielerlegende, spielt den im Alter gleichbleibend zickigen Opernstar Jean; zu Besuch und sofort als Star des geplanten Konzerts ausersehen, der mit seiner Egozentrik aber auch alles gefährdet. Nebenbei bringt sie die Nerven ihres einst verschmähten Ex-Ehemannes Reginald fast zum Zerreißen, eine fast beruhigend normale Rolle, von <strong>Tom Courtenay</strong> einfühlsam dargestellt. Die beiden haben noch andere Langzeitbekannte in der Residenz, Cecily und Wilfred, die vier waren früher ein berühmtes Opern-Quartett.</p>
<p>Eine solche Publicity-Gelegenheit kann sich Cedric Livingstone, der Direktor der Verdi-Gala, nicht entgehen lassen. Er wird gespielt vom irischen Schauspieler <strong>Michael Gambon</strong>, den die meisten von uns besser als Professor Albus Dumbledore kennen, hier macht er als eigensinniger und unermüdlicher Perfektionist ebenso viel Freude. Doch Cecily (<strong>Pauline Collins</strong>) ist schon ein wenig arg alterszerstreut, und Wilfred (<strong>Billy Connolly</strong>) kann eigentlich nur als zu alt für seine ewigen Anmacherallüren bezeichnet werden &#8230; man kann sich schon vorstellen, dass bei der Vorbereitung dieser Gala Einiges los ist.</p>
<p>Natürlich ist dabei viel von Verdi zu hören (der dieses Jahr auch wirklich seinen 200. Geburtstag feiert), wie auch die ganze Geschichte darauf zurückgeht, dass Verdi wirklich ein Altersheim für alternde Opernsänger ins Leben gerufen hat: Die auch als Casa Verdi bekannte Casa di Riposo per Musicisti in Mailand, die bereits durch den international begeisternden Dokumentarfilm „Il Bacio di Tosca“ (Daniel Schmid, 1984) weltbekannt wurde. Auch die Geschichte für “Quartett” wurde durch den Dokumentarfilm angeregt, und im Film konnte Hoffmann seine Ehrfurcht vor den alternden Sängern und vor der großartigen Musik so gut übermitteln, dass bei der Premiere im Publikum Tränen flossen. Das Altern und die Wut darüber gibt jede Menge Stoff für rührende Szenen her, aber auch für markige Sprüche, wenn z. B. nach Reginald “Oper ist, wenn ein Mann ein Messer in den Rücken gestoßen bekommt und nicht stirbt, sondern singt” oder wenn Cecily das Zitat von Bette Davis anbringt, nach dem “Altern nichts für Weicheier ist”.</p>
<p>Als angenehme Nebenerscheinung ist anzumerken, dass in “Quartett” vor allem das Rigoletto-Quartett “Bella figlia dell’amore” und das Trinklied aus La Traviata zu hören sind, während uns der Gefangenenchor aus Nabucco erspart bleibt, der für ältere Stimmen nicht sehr gut geeignet ist und so in “Il Bacio die Tosca” eher für peinliche Szenen sorgt.</p>
<h2>Dustin Hoffman langer und dorniger Weg in die Regie</h2>
<p>Warum Dustin Hoffman erst jetzt, im Alter von 75 Jahren, sein Regiedebüt gibt, hat er in den Interviews rund um die Filmpremieren erklärt. So erfahren wir vom jahrzehntelangen Ringen, der immer wieder an sich selbst gerichteten Frage: Habe ich das Talent zum Regisseur? Dustin Hoffman stellt seinen Weg zur Regie durchaus als traumatisch dar: “Ich habe wie jeder Mensch meine Dämonen, gegen die ich kämpfen muss. Einer dieser Dämonen war das Regieführen.”, kommt jedoch zu dem beruhigenden Schluss “Und jetzt, da ich es endlich gemacht habe, frage ich mich: Warum habe ich so lange gewartet?” (<a href="http://www.zeit.de/2013/02/Dustin-Hoffman-Quartett-Kinofilm" target="_blank">www.zeit.de/2013/02/Dustin-Hoffman-Quartett-Kinofilm</a>).</p>
<p>Das fragen wir uns auch, oder vielleicht auch nicht, wenn wir zu der Altersgruppe gehören, die von Hoffmans ersten Regieversuch im Jahr 1978 wissen. In “Stunde der Bewährung” hatte sich Hoffman voll ins Zeug gelegt, als Regisseur, Hauptdarsteller und in jedem Produktionsdetail von der Drehbuchbearbeitung mit den Autoren bis zum Casting, um mitten im Dreh die Regie unsicher und entnervt an seinen Freund Ulu Grosbard zu übergeben und sich die Nennung als Co-Regisseur im Abspann zu verbeten.</p>
<p><iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/3w-gdsuwmmM" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Das war vor 35 Jahren, so lange galt Hoffman in Hollywood als “der Typ, der es nicht gepackt hat.”, oder fühlte sich zumindest so. Wobei keineswegs unterstellt werden soll, dass er nicht wieder und wieder auf das Thema Regie angesprochen wurde, dass er nicht wieder und wieder kurz davor war, sich als Regisseur zu versuchen, aber auch bei von ihm selbst mitbearbeiteten Stoffen wie Tootsie konnte er sich nicht überwinden.</p>
<p>Dabei wäre Hoffman wahrscheinlich besser gefahren, wenn er sich eher getraut hätte, seine Regie-Streitigkeiten mit Sidney Pollock beim Dreh von Tootsie sind legendär und haben ihm neben dem Label des “Regieversagers” auch noch den Ruf eingebracht, kompliziert zu sein.</p>
<p>Dass der Schauspieler tatsächlich immer komplizierter wurde, fiel auch seiner Frau auf: In den vier vergangenen Jahren hatte Hoffman fast keine Rolle mehr angenommen, weil ihm Drehbuch, Regisseur oder Besetzung nicht zusagte. Seine Frau drängelte, Hoffman begann sogar eine Therapie, und sein Agent hat seine Absage zur Regie bei Quartett einfach nicht akzeptiert.</p>
<p>Vielleicht hat er die Regie bei “Quartett” nur übernommen, weil seine Frau ihn genügend genervt hat, vielleicht hat er die Chance genutzt, nach der altersgeschuldeten Abnahme großer Rollen in Hollywood (die auch der immer schon jünger wirkende Hoffman ab seinem 60. Lebensjahr hinnehmen musste) noch einmal im Rampenlicht zu stehen? Auch wenn ihn keinerlei Eitelkeit getrieben hat, wollte der talentierte Enthusiast sicher gerne noch arbeiten, und wenn er nun vor allem als Nebendarsteller auftreten sollte, hatte er vielleicht wenig Lust, diesen erfahrungsgemäß eher rudimentär ausgearbeiteten Hollywood-Rollen ohne angemessene Würdigung und Bezahlung Leben und Niveau einzuhauchen.</p>
<p>Vermutlich kommen wir dem Rätsel der Bekehrung zur Regie am Nächsten, wenn wir annehmen, dass Hoffman sich nun endlich an die Regiearbeit herangewagt hat, um weiter qualitätvolle Arbeit abliefern zu können.</p>
<p>Und genau das hat er getan: <strong>Die gesamte Umsetzung ist witzig und britisch und temporeich</strong>, die glaubhaft übermittelte Liebe zur Musik gibt den alten Menschen einen Lebenssinn und der manchmal etwas pointenüberlasteten Rahmenhandlung Halt, und wenn Sie in anderen Kritiken von zu viel “romantischer Verklärung” lesen oder bemängelt finden, dass der drohende Tod nicht in voller Härte thematisiert wird, stören Sie sich nicht daran &#8211; wahrscheinlich verfügt der jeweilige Kritiker noch über die ganze Ignoranz der Jugend, und wenn Sie bereits aus dem Teenageralter herausgewachsen sind, werden Sie diesen Film intelligent und unterhaltsam finden, auch wenn sich die Opernsänger nicht vor Ihren Augen in Blut oder Todesqualen suhlen.</p>
<p>Hoffman sagte in einem Interview zu seinem Regiedebüt: “Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie wichtig für uns die Dinge sind, die wir gerne tun. Und dass es nicht nur darum geht, was am Ende dabei herauskommt.” (<a href="http://www.zeit.de/2013/02/Dustin-Hoffman-Quartett-Kinofilm/seite-3" target="_blank">www.zeit.de/2013/02/Dustin-Hoffman-Quartett-Kinofilm/seite-3</a>). Erwähnten Kritikern sollte man wohl wünschen, dass sie sich einer solchen Erkenntnis etwas eher nähern als er.</p>
<p>“Quartett” ist am 24. Januar 2013 in den deutschen Kinos gestartet, mehr Informationen zu diesem und Ausschnitte aus diesem lohnenswerten Film finden Sie auf <a title="Quartett - Der Film" href="http://www.quartett-derfilm.de" target="_blank">www.quartett-derfilm.de</a>.</p>
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		<title>Der Abrogans &#8211; unser erstes deutsches Buch</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Apr 2013 13:05:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie in dem Beitrag zu den Anfängen der deutschen Literatur ausgeführt wurde, entstanden die ersten schriftlichen Überlieferungen der deutschen Literatur im 8. Jahrhundert, und jede wirklich begeisterte Leseratte möchte nun gerne wissen, welche Erkenntnisse genau denn dem ersten Buch der deutschen Literatur zu entnehmen sind. Doch musste in diesem Beitrag leider ebenfalls dargestellt werden, dass all das, was den Freizeitleser interessiert, also die Liebesgeschichten, Horrorgeschichten, Märchen und überhaupt spannende Geschichten jeder Art aus den Frühzeiten der deutschen Sprachentstehung nicht schriftlich übermittelt, sondern nur mündlich weitergegebenen wurden. Als dann im 8. Jahrhundert die ersten Aufzeichnungen in einem Idiom anfingen, das man als deutsche Sprache bezeichnen kann, dachte man erst einmal an Wichtigeres als an Liebe und an Phantasie. Das erste Buch, das uns in einer Sprache vorliegt, die dem Begriff Deutsch unterfällt, verzückt deshalb nicht unbedingt mit dem spannendsten Inhalt der Welt. Aber dafür ist das ganze Drumherum spannend genug: Das erste deutsche Buch ist ein lateinisch-althochdeutsches Glossar, das üblicherweise mit dem Namen “Abrogans” bezeichnet wird. Manchmal ist auch vom Keronischen Wörterbuch die Rede, weil der Benediktinermönch Kero als Verfasser gilt. Das ist aber schon wieder nicht ganz sicher, auch der Südtiroler Geistliche Arbeo von Freising könnte der Verfasser sein. Fast einig ist man sich auf jeden Fall darüber, dass der Abrogans im altbairischen Bistum Freising entstand, das eben diesem Arbeo unterstand, der dort von 764 bis 783 Bischof war. Einig ist man sich darüber, dass dieses Wörterbuch in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts ins Deutsche übersetzt wurde, indem lateinische ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wie in dem Beitrag zu den <strong>Anfängen der deutschen Literatur</strong> ausgeführt wurde, entstanden die ersten schriftlichen Überlieferungen der deutschen Literatur im 8. Jahrhundert, und jede wirklich begeisterte Leseratte möchte nun gerne wissen, welche Erkenntnisse genau denn dem ersten Buch der deutschen Literatur zu entnehmen sind. Doch musste in diesem Beitrag leider ebenfalls dargestellt werden, dass all das, was den Freizeitleser interessiert, also die Liebesgeschichten, Horrorgeschichten, Märchen und überhaupt spannende Geschichten jeder Art aus den Frühzeiten der deutschen Sprachentstehung nicht schriftlich übermittelt, sondern nur mündlich weitergegebenen wurden.</p>
<p>Als dann im 8. Jahrhundert die ersten Aufzeichnungen in einem Idiom anfingen, das man als deutsche Sprache bezeichnen kann, dachte man erst einmal an Wichtigeres als an Liebe und an Phantasie. Das erste Buch, das uns in einer Sprache vorliegt, die dem Begriff <strong>Deutsch</strong> unterfällt, verzückt deshalb nicht unbedingt mit dem spannendsten Inhalt der Welt. Aber dafür ist das ganze Drumherum spannend genug:</p>
<p>Das erste deutsche Buch ist ein lateinisch-althochdeutsches Glossar, das üblicherweise mit dem Namen <strong>“Abrogans”</strong> bezeichnet wird. Manchmal ist auch vom <strong>Keronischen Wörterbuch</strong> die Rede, weil der Benediktinermönch Kero als Verfasser gilt. Das ist aber schon wieder nicht ganz sicher, auch der <strong>Südtiroler Geistliche Arbeo von Freising</strong> könnte der Verfasser sein.</p>
<div id="attachment_1133" class="wp-caption alignleft" style="width: 325px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Abrogans_1stpage.jpg"><img class="size-large wp-image-1133 " title="Erste Seite des Codex Abrogans aus dem 8. Jahrhundert" alt="Erste Seite des Codex Abrogans aus dem 8. Jahrhundert" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Abrogans_1stpage-315x500.jpg" width="315" height="500" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Erste Seite des Codex Abrogans aus dem 8. Jahrhundert</strong></p></div>
<p>Fast einig ist man sich auf jeden Fall darüber, dass der Abrogans im altbairischen Bistum Freising entstand, das eben diesem Arbeo unterstand, der dort von 764 bis 783 Bischof war. Einig ist man sich darüber, dass dieses Wörterbuch in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts ins Deutsche übersetzt wurde, indem lateinische Stichwörter und deren lateinische Wiedergaben mit althochdeutschen Entsprechungen glossiert wurden, nur die genauen Zeitangaben schwanken ziemlich, zwischen 750 und 790.</p>
<p>Auf jeden Fall ist der Abrogans, oder der Codex Abrogans, erstaunlich umfangreich, er enthält etwa 3.670 althochdeutsche Wörter und über 14.600 Belege für diese Wörter. Wenn der Abrogans mit seinen vielen Einträgen als wertvolle Quelle gelobt wird, um die älteste oberdeutsche Sprache zu erforschen, hat dieses Lob jedoch durchaus seine Tücken: Dieses lateinisch-althochdeutsche Synonymenwörterbuch war nämlich offensichtlich eines der ersten seiner Art, es baut nach Meinung der Wissenschaftler auf einem rein lateinischen Synonymenwörterbuch auf. Dieser lateinische Abrogans, die Vorlage, war also ein lateinisch-lateinisches Glossar, das wahrscheinlich in Italien aus vielen älteren, spätantiken bis frühmittelalterlichen Glossaren zusammengestellt worden war.</p>
<p>Auf diese Art entstand also ein Wörterbuch, in dem seltene Ausdrücke, teilweise aus dem biblischen Latein, durch gängigere Wörter des volkstümlich verwendeten Lateins erläutert wurden. Eine gewaltige Fehlerquelle, was sofort klar wird, wenn Sie sich einmal überlegen, welche Wörter heute bei wem als “gängig” gelten, auch in der Mitte des 8. Jahrhunderts führte dieses Vorgehen höchstwahrscheinlich zu sehr vielen fehlerhaften Übersetzungen, schon der Gebrauch einer anderen Wortart verursacht hier schnell eine Inkorrektheit.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass der Abrogans bis heute von den Sprachwissenschaftlern nicht vollständig ausgewertet werden konnte, es gibt rund 700 Wörter, die in keinem anderen althochdeutschen Text auftauchen und deshalb bis heute rätselhaft blieben.</p>
<p>Von dem wirklich echten <strong>“ersten deutschen Buch”</strong> ist leider kein einziges Exemplar erhalten geblieben, die Wissenschaftler können sich nur an drei jüngere alemannische Abschriften der bairischen Vorlage halten. Die besterhaltene dieser Handschriften ist eine leicht verstümmelte Abschrift des Archetypus, die heute in der Stiftsbibliothek des ehemaligen Benediktinerstifts St. Gallen zu besichtigen ist.</p>
<p>Der “Name des Ganzen” lässt manchen lächeln und “typisch deutsch” murmeln : Das Werk wurde nach dem ersten Eintrag benannt, und dieser erste Eintrag “abrogans” (althochdeutsch “dheomodi”) heißt nichts anderes als bescheiden bzw. demütig.</p>
<h2>Sind Ihnen die Umstände rund um unser erstes deutsches Buch nicht spannend genug, um Sie mit dem prosaischen Inhalt zu versöhnen?</h2>
<p>Wenn es Ihnen um Wissen rund um die Entstehung von Büchern überhaupt geht, reicht Ihnen dieser Einblick in die Anfänge der Literatur wahrscheinlich, in Bezug auf die Entstehung von Büchern könnte Sie z. B. das “Buch vom Buch” von Marion Janzin und Joachim Güntner interessieren, in diesem Werk könnten Sie sich über 5000 Jahre Buchgeschichte informieren, wenn Sie ein Exemplar dieses 1995 erschienen Buches z. B. auf Kunstplaza ergattern können.</p>
<p><div id="attachment_1135" class="wp-caption alignright" style="width: 376px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/AlthochdeutscheSprachraeume962.jpg"><img class=" wp-image-1135 " title="Althochdeutsche Sprachräume im Jahre 962" alt="Althochdeutsche Sprachräume im Jahre 962" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/AlthochdeutscheSprachraeume962-457x500.jpg" width="366" height="400" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Althochdeutsche Sprachräume im Jahre 962</strong>;<br />von El bes [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons</p></div>&nbsp;</p>
<p>Vielleicht haben Sie aber auch mehr Freude daran, sich mit spannenderen Beweisen unserer literarischen Anfänge zu beschäftigen? Dann interessieren Sie sich vielleicht für die ebenfalls um 750 entstandenen Merseburger Zaubersprüche, von denen Sie jedoch sicher keine Original-Abschrift in die Hand bekommen werden.</p>
<p>Bleibt nur die Literatur drum herum, wobei Sie sich zur Gewinnung neuer Erkenntnisse nicht unbedingt an rein sprachwissenschaftliche Werke halten müssen. Sie könnten z. B. nach einem Exemplar des Buches “Heilen mit Seelencodes” von Roswitha Stark suchen und dort nicht nur den Inhalt der Merseburger Zaubersprüche finden, sondern auch alles über die geheimnisvolle Bedeutung der jedem Kind bekannten Zauberwörter Abrakadabra und Hokuspokus und Simsalabim.</p>
<p>Vielleicht können Sie aus einer solchen Annäherung an die älteste Literatur wertvollen therapeutischen Gewinn ziehen, vielleicht haben Sie bei der Erkundung alter Symbole und Schlüsselwörter einfach nur eine Menge Freude.</p>
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		<title>Jonathan Meese &#8211; Schaffen und Werk</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Apr 2013 19:30:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jonathan Meese gehört zu mit Sicherheit zu den interessantesten deutschen Künstlern der gegenwärtigen Zeit. Mit ebenso großer Sicherheit gehört er auch zu den umstrittensten Künstlern der gegenwärtigen Zeit. Was um so mehr zum Versuch einer Annäherung einlädt: Was macht Jonathan Meese eigentlich für Kunst? Jonathan Meese malt und formt Skulpturen, gestaltet Performances und Installationen, dreht Videokunst, stellt Collagen zusammen und erdenkt für Theater Bühnenbilder oder Inszenierungen. Auf Deutsch, er macht vieles in allen Bereichen der Kunst, ein verbindendes Element ist eher die Häufigkeit, mit der er auch zweifelhafte Persönlichkeiten der Weltgeschichte, unsympathische Heldensagen und bedrohliche alte Mythen zum Thema seiner Arbeiten macht. Diese Themenwahl macht Sinn, wenn man beobachtet, wie häufig Meese in seinen Arbeiten versucht, “deutschen Wahn” und deutsche Mythologien mitunter auf durchaus aggressive Art und Weise zu referenzieren. In bekennender Nachfolge zum Geschichtsverarbeiter Anselm Kiefer treibt Meese eine ähnliche Art der “Teufelsaustreibung”, wenn in seinen Installationen Vokabeln wie “Blutlazarett, Erzreligion, Ernte und Saat, Erzsöldner Richard Wagner, Privatarmee und Waffe” verwendet werden. Nach Meese “ist Alles Spielzeug. Das ist alles gewesen. Ob Kommunismus, Nationalsozialismus, das alte Ägypten oder das alte Rom, nichts kommt wieder. Von der Straße kann ich mir auch keine Revolution mehr erhoffen, der Mensch schafft das nicht. Wir sollten etwas anderes sich lostreten lassen, der Vulkan der Kunst möge ausbrechen.“ Seine Kunst lässt also durchaus ein Anflug von Revolution nicht vermissen, und das von den Anfängen an. Meese bewies sich trotz seines Studienabbruchs im Jahr 1998 schnell als Ausnahmebegabung, er wurde begrüßt von künstlerischen Größen der ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jonathan Meese</strong> gehört zu mit Sicherheit zu den interessantesten deutschen Künstlern der gegenwärtigen Zeit. Mit ebenso großer Sicherheit gehört er auch zu den umstrittensten Künstlern der gegenwärtigen Zeit. Was um so mehr zum Versuch einer Annäherung einlädt:</p>
<h2>Was macht Jonathan Meese eigentlich für Kunst?</h2>
<p>Jonathan Meese malt und formt <strong>Skulpturen</strong>, gestaltet<strong> Performances und Installationen</strong>, dreht <strong>Videokunst</strong>, stellt <strong>Collagen</strong> zusammen und erdenkt für Theater <strong>Bühnenbilder</strong> oder <strong>Inszenierungen</strong>. Auf Deutsch, er macht vieles in allen Bereichen der Kunst, ein verbindendes Element ist eher die Häufigkeit, mit der er auch zweifelhafte Persönlichkeiten der Weltgeschichte, unsympathische Heldensagen und bedrohliche alte Mythen zum Thema seiner Arbeiten macht.</p>
<p>Diese Themenwahl macht Sinn, wenn man beobachtet, wie häufig Meese in seinen Arbeiten versucht, <strong>“deutschen Wahn”</strong> und deutsche Mythologien mitunter auf durchaus aggressive Art und Weise zu referenzieren. In bekennender Nachfolge zum Geschichtsverarbeiter <strong>Anselm Kiefer</strong> treibt Meese eine ähnliche Art der “Teufelsaustreibung”, wenn in seinen Installationen Vokabeln wie “Blutlazarett, Erzreligion, Ernte und Saat, <strong>Erzsöldner Richard Wagner</strong>, Privatarmee und Waffe” verwendet werden.</p>
<p>Nach Meese “ist Alles Spielzeug. Das ist alles gewesen. Ob <strong>Kommunismus</strong>, <strong>Nationalsozialismus</strong>, das alte Ägypten oder das alte Rom, nichts kommt wieder. Von der Straße kann ich mir auch keine Revolution mehr erhoffen, der Mensch schafft das nicht. Wir sollten etwas anderes sich lostreten lassen, der Vulkan der Kunst möge ausbrechen.“</p>
<p><div id="attachment_1122" class="wp-caption alignright" style="width: 410px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Jonathan_Meese_dragon_flag.jpg"><img class=" wp-image-1122  " title="Jonathan Meese und seine Performance &quot;Erzstaat Atlantisis&quot;, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen" alt="Jonathan Meese und seine Performance &quot;Erzstaat Atlantisis&quot;, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Jonathan_Meese_dragon_flag-500x335.jpg" width="400" height="268" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Jonathan Meese und seine Performance &#8220;Erzstaat Atlantisis&#8221;, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen</strong>;<br /> von Warburg [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons</p></div>Seine Kunst lässt also durchaus ein Anflug von Revolution nicht vermissen, und das von den Anfängen an. Meese bewies sich trotz seines Studienabbruchs im Jahr 1998 schnell als Ausnahmebegabung, er wurde begrüßt von künstlerischen Größen der Zeit wie Daniel Richter und Leander Haußmann, und vor allem legte er ein unglaubliches Tempo vor:</p>
<h2>Die Ausnahmebegabung Meese</h2>
<p>Nach ersten Ausstellungen noch in der Studienzeit fertigt Meese noch im gleichen Jahr die Kulisse und Bühnenbilder für den Film &#8220;Sonnenallee&#8221; von Claus Boje, Leander Haußmann und Detlev Buck, daraus entstand eine Inszenierung, die sich zu einem umfassenden Spektakel des inzwischen auch als Autor tätigen Künstlers auswächst: &#8220;Mr. Deltoid&#8217;s a.k.a. Urleandrusus&#8217; &#8211; Sonnenallee &#8211; AHOI DE ANGST &#8211; FAIR WELL Good Bye&#8221; wird 1999 im Neuen Aachener Kunstverein gezeigt.</p>
<p>Mit der Rolle des verrückten Künstlers in “Sonnenalle” arbeitet Meese erstmals als Schauspieler, im Jahr 1999 finden dann noch die Schaufensteraustellung und Künstlerbuchpräsentation <strong>„Frontbibliothek Meese“</strong> in der Buchhandlung Walther König in Köln, die Ausstellungen „Schnitt bringt Schnitte“ im Ausstellungsraum Schnitt (beide in Köln), „Sonnentanz/ Der Weidenmann/ Nahrung/ Erzisis“ in der Kunsthalle St. Gallen, „Wunderkammern: Erzreligion Blutlazarett/ Erzsöldner Richard Wagner / Privatarmee Ernte und Saat/ Waffe: Erzblut der Isis/ Nahrung: Bluterz“ im Frankfurter Kunstverein, „Information &#8211; Erlösung &#8211; Wiederkehr/ Richard Wagners Privatarmee Lichterz“ in der Kunsthalle Bielefeld und „Gesinnung ‘99 &#8211; Der letzte Lichtstrahl des Jahrtausends“, with Erwin Kneihsl in der Contemporary Fine Arts in Berlin statt.</p>
<p>Während dieser Zeit wird Meese auch im Ausland bekannt: Er hatte 1998 auf der ersten <strong>Berliner Biennale</strong> die Installation „Ahoi der Angst“ präsentiert, eine bunte Collage, gewidmet dem Marquis de Sade, in der Politiker, Musiker und Schauspieler verarbeitet wurden, die Besucher Musik hören und Gedichte lesen, aber auch das Video Caligula anschauen konnten. Diese mit zahlreichen Postern garnierte Installation war das erste Werk Meeses, das von den Medien über die Grenzen Deutschlands hinaus umfassend behandelt wurde. Hier kann man die ersten Kommentare einer totalen Verwirrung lesen, die später für Meese typisch werden sollen: Das Kunstwerk wurde als “Labyrinth der Sentimentalitäten“ bezeichnet (Kunstmagazin Art), gleichzeitig aber auch als “Horrorkabinett zwischen Porno, Charles Bronson und Slayer“ (Peter Richter) oder als “zugemülltes Jungs-Zimmer“ (Berliner Zeitung). 1998 ist Meese auch noch in Wien zu sehen, in der Gruppenausstellung „Junge Szene ’98“, in Basle auf der Kunstmesse „Liste 98“, in London als Teilnehmer der Ausstellung “Site Construction” der South London Gallery und in Marseille auf der Ausstellung „Today Tomorrow“ der Galerie de l’Ecole Supérieure des Beaux-Arts de Marseille.</p>
<p><strong>Vom Jahr 1999 an mehrten sich seine Auftritte, in Gruppenausstellungen und als Solo-Präsentation, national und international.</strong> Es gibt interessante Rauminstallationen und Performances zu sehen, sicher ist auf jeden Fall, dass auch Meese in persona zu sehen ist. Egal ob in Verkleidung oder als Teil einer Collage, in einem Bild oder einer Zeichnung, oder schlichtweg in Aktion, der Künstler stellt auch immer seinen Körper zur Verfügung, wenn er seine Werke mit Themen zur Geschichtsbewältigung und mit Anspielungen auf die deutsche Philosophie- und Literaturgeschichte ausstattet. Meese scheut sich nicht, bei seinen Performances und Aktionen auch Adolf Hitler wieder in Erinnerung zu rufen, mehrfach zeigte er provokativ den verbotenen Hitlergruß.</p>
<p>2004 wendet sich Meese wieder dem Theater zu, für die Inszenierung “Kokain“ von Frank Castorf an der Berliner Volksbühne entwarf er das Bühnenbild, außerdem arbeitet er für das Theaterfestival Avignon und die Festspiele Salzburg. 2005 erstellt er das Bühnenbild für “Magic Afternoon“ unter Regie von Angela Richter, das Stück ist in Hamburg, Berlin und Düsseldorf zu sehen.</p>
<p>2006 inszeniert er im Schlosspark Neuhardenberg mit Martin Wuttke das Theaterstück “Zarathustra. Die Gestalten sind unterwegs.“ und fertigt das Bühnenbild für “Die Meistersänger“ Frank Castorfs an der Berliner Volksbühne. In diesem Jahr erdenkt er auch gemeinsam mit Daniel Richter den Arbeitszyklus “Die Peitsche der Erinnerung“, der Werkstücke beider Künstler über ihren Umgang mit der Geschichte entstehen lässt. Anstoß für die Arbeitsidee war das mittelalterliche Grab des Stader Erzbischofs Gottfried von Arnsberg, so wird die Ausstellung auch zuerst im Kunsthaus Stade gezeigt, die von Meese zwischendurch ergänzte Werkgruppe zieht bis 2011 weiter nach Berlin und Hamburg, Rosenheim und Freiburg, Grenoble und Biel.</p>
<p>2007 inszeniert er an der Volksbühne Berlin sein erstes eigenes Theaterstück, das mit dem schwergängigen Titel &#8220;De Frau – Dr. Pounddaddylein – Dr. Ezodysseuszeusuzur&#8221; um Aufmerksamkeit ringen musste und auch inhaltlich wenig Beifall fand. Unter anderem wurde bemängelt, dass die bunte Mischung aus Penissen und Puppen, Hakenkreuzen und Skeletten und Spruchbändern bereits bekannt sein, &#8220;Für die Volksbühne mag er Frisches bringen, in seiner eigenen Kunst dreht er sich allerdings im Kreis&#8221;, war der Kommentar der Zeitschrift “Die Zeit”. Auf jeden Fall ist mit dem Bühnenbild für Castorfs „Fuck Off America“ an der Berliner Volksbühne 2008 erst einmal Schluss mit der Theaterarbeit, bis Meese 2010 das Bühnenbild für den “Dionysos“ auf den Salzburger Festspielen übernimmt.</p>
<h2>Meese auf der ganzen Welt</h2>
<p>Inzwischen sorgt jedoch bereits Meeses erste umfassende Werkübersicht <strong>“Mama Johnny“</strong> in den Deichtorhallen in Hamburg für einige Monate meesetypischer Unterhaltung, mit über 150 Skulpturen und Gemälden, Fotografiearbeiten und Installationen, zum Beispiel mit einer überdimensionalen “Black Box” als Ausstellungsraum für eines seiner Bühnenbilder und mit zwei ebenso riesigen, begehbaren Skulpturen.</p>
<p>Mit dieser Werkschau hatte Meese es geschafft: Gleich nach deren Ende im September 2006 wurde Meese im Oktober in der Künstler-Rangliste des Magazins Capital unter den hundert bedeutendsten Künstlern Deutschlands eingereiht (ein Platz, den er bis heute im Wesentlichen behaupten kann), seit 2008 darf er die Medaille für den Roland Berger Preis für Menschenwürde gestalten.</p>
<p>Inzwischen waren noch viele weitere Ausstellungen von Jonathan Meese zu sehen, durchaus auch mit neuen Themen: <strong>„Erzstaat Atlantisis“ (Diktatur der Kunst)</strong> setzte sich im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen 2009 in rund 170 Skulpturen, über einem Dutzend Gemälden und Künstlerbüchern, zehn Filmen, 4 Klangquellen und einer großen Collage mit Joseph Beuys Werken zum Thema Atlantis auseinander. Die Selbstinszenierung Meeses war dort gekonnt wie nie, bei der Eröffnung überquerte Meese, uniformiert und in einem auf einer Fähre stehenden Militärjeep, mehrfach den Rhein, um dann unter Ausruf von Parolen zur “Diktatur der Kunst” in Begleitung der Presse das Arp Museum Rolandseck einzunehmen.</p>
<p>Ebenfalls 2009 nimmt sich Meese in Italien den Schriftsteller Gabriele D’Annunzio vor, den er in einer Installation mit dem schönen Titel „AHAB sagt: MOBY DICK ist KEINE DEMOKRATIE, ALLE DEMOKRATEN sitzen bald NICHT MEHR in einem BOOT (Schlachtschiff der KUNST sinkt nimmer)“ und einer ebenso schön betitelten Radioperformance (“DON LOLLYTADZIOZ Metabolismys stinkt nicht (PUPS)“) als einen der Mentoren Mussolinis und als Leitfigur der italienischen Faschisten bloßstellt.</p>
<p>Da ist sie wieder, die Geschichtsbewältigung, und sie zeigt sich auch in der Ausstellung mit dem Titel „Fleisch ist härter als Stahl – MEERPFERD FÖTUSMANN UND BEAUSATAN KÄSE AN DER OZBAR (Die geilblökenden DINGER)“, in der Meese und Herbert Volkmann im Herbst 2009 im Goslarer Mönchehaus Museum Arbeiten zeigen, die inhaltlich Goslars Geschichte als Residenzstadt und nationalsozialistische Reichsbauernstadt bearbeiten.</p>
<p>Im parallel veröffentlichten Goslarer Saalmanifest prophezeit Meese, dass die “Diktatur der Kunst bald alles umfassen werde” und erläutert, dass „Kunst keine Religion, aber jede Religion Kunst“ sei. Eines dieser Saalmanifeste soll uns aber auch mit so wichtigen Erkenntnissen erfreuen wie der folgenden: “alle japanischen Schulmädchenschlüpfer sind totale Kunst, da es sich notabene um Stoffwechseltums der Menschentiers handelt”.</p>
<p>Gleichzeitig werden seine “Gören” 2009 in den Skulpturenpark Köln aufgenommen, die natürlich mit einem solchen Kurztitel nicht auskommen, sondern sich in Gänze “Wir, Erzkinder lernen Macht (Süsses Dorf der Verdammtin) = Gören“ nennen.</p>
<p>Auf jeden Fall sind sie ziemlich figürlich und ziemlich hübsch und damit Kunstwerke, die auch dem kulturellen Durchschnittsmenschen gefallen können. Denen wird die Humpty-Dumpty-Maschine der totalen Zukunft, die 2010 vor der Alten Nationalgalerie in Berlin aufgestellt wurde, möglicherweise weniger gefallen, dafür haben aber alle technikaffinen Tüftler riesigen Spaß an ihr.</p>
<div id="attachment_1124" class="wp-caption alignleft" style="width: 410px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Jonathan_Meese_Humpty-Dumpty-Maschine_Alte_Nationalgalerie_02.jpg"><img class=" wp-image-1124 " title="Jonathan Meese: Die Humpty-Dumpty-Maschine der totalen Zukunft, 2010; aufgestellt vor der Alten Nationalgalerie, Berlin" alt="Jonathan Meese: Die Humpty-Dumpty-Maschine der totalen Zukunft, 2010; aufgestellt vor der Alten Nationalgalerie, Berlin" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Jonathan_Meese_Humpty-Dumpty-Maschine_Alte_Nationalgalerie_02-500x333.jpg" width="400" height="266" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Jonathan Meese: Die Humpty-Dumpty-Maschine der totalen Zukunft, 2010; aufgestellt vor der Alten Nationalgalerie, Berlin;</strong><br /> von Photo: Andreas Praefcke (Eigenes Werk (own photograph)) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons</p></div>
<h2>Meeses künstlerischer Antrieb &#8211; streitbar und kontrovers</h2>
<p>Wenn Sie die Nase voll haben von menschen- und umweltverachtender Eigenmacht Regierender, könnte Ihnen auf den ersten Anschein des Künstlers Idee von der “Diktatur der Kunst” gefallen, bei der es nach Meese “um die liebevollste Herrschaft einer Sache geht, wie Liebe, Demut und Respekt, zusammengefasst und gipfelnd in der Herrschaft der Kunst.” Allerdings zeigt Meeses Diktatur der Kunst einen recht elitären Anspruch, er grenzt die Kunst sogar sehr entschieden von allen Werken mit Gebrauchswert und gefälliger Schönheit ab. So formuliert Meese 2012 in einem Kunstgespräch aus Anlass der documenta: „Ich leide darunter, dass mir irgendwelche Skulpturen als Kunst verkauft werden, aber in Wahrheit Design sind. Ich leide darunter, dass mir beschissene Malerei gezeigt wird, die in Wirklichkeit hochgepushte Illustration ist.“</p>
<p>Wenn Sie die Nase voll haben von unbegrenzter Eigenmacht, werden Sie sich mit einem solchen diktatorischen Anspruch wahrscheinlich eher nicht anfreunden können, nach dem nur “die Sache regiert, wie Licht, Atmung, Gelee (Erz), Liebe oder totale Schönheit, wie z. B. Scarlett Johansson.“</p>
<p>In diesem Fall könnte Ihnen jedoch Meeses immer wieder vorscheinende Neigung zum Grotesken gefallen, mit der er sich nicht nur mittels Parodie von Nazigrößen oder durch den Gebrauch von nationalsozialistischem Schundvokabular „gegen das Schöne und Wahre und Gute richtet“ (Harald Falckenberg, Leiter der Kulturstiftung Phoenix Art in Hamburg, nach dem “Narren in der Gesellschaft eine reinigende Kraft haben, weil sie das richtige in Frage stellen“.</p>
<p>Wenn Meese den Hitlergruß in vielen Aktionen provokativ zur Schau stellt, ist das wohl so lange noch immer als mahnende Erinnerung angebracht und scheint “eine Generation” wohl gerade nicht “so frei von diesem Schatten”, wie Georg Diez in seinem Beitrag „Führer spielen – Warum deutsche Künstler die Finger von Hitler lassen sollten“ in der Zeit im Juli 2007 feststellte, wie das überkommene Gedankengut noch an vielen Ecken in Deutschland zu spüren ist.</p>
<p>Im nachfolgenden kurzen Video erlangen Sie einen kleinen Einblick in die Inszenierungskunst von Meese (im Arp Museum Rolandseck erstmals als sein komplettes plastisches Werk unter dem Titel «Erzstaat Atlantisis») KULTUR.21 über den Künstler und seine Mythenwelt:</p>
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		<title>Wie wird ein Künstler eigentlich berühmt?</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Apr 2013 15:19:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vieles von dem, was heute als Kunst bewundert, ja vergöttert wird, war zur Zeit seiner Erschaffung in einem wesentlich weniger spektakulären Licht zu sehen. Vieles war einfach ein Produkt der täglichen Arbeit, sorgfältig und mit uns heute sehr wertvoll gewordenen Materialien ausgeführt. Heute kann man diesen Weg der Kunstwerdung noch bzw. wieder spüren, wenn ein Koch oder ein Textildesigner mit einer besonderen Liebe zum Detail aus einem besonderen Material ganz besondere Produkte herstellt, die dann gerne auch als Kunstwerke bezeichnet werden. Viele unserer bis heute bewunderten Kunstwerke entstanden als Prachtbauten berühmter Herrscher, geschaffen zum Zweck der Selbstverherrlichung und/oder aus taktischem Kalkül, um Kontrahenten oder Konkurrenten zu beeindrucken. In ganz ähnlichem Kontext wurden viele besondere Schmuckstücke, Möbel, Torten und Gemälde gefertigt, alle im Grunde geschaffen von weisungsgebundenen Beauftragten in Verfolgung ähnlicher Ideen, man könnte auch sagen, Werbeartikel. Um nicht ungerecht zu sein: Es waren häufig die Menschen mit Geld, die die Kunst gefördert haben. Vielleicht bietet sich hier auch der Ansatz für eine der Abgrenzungen, mit der Kunst von Nicht-Kunst unterschieden wird: Werke, die zum Preis eines Herrschers entstehen und auf seine Anleitung hin geformt werden im Gegensatz zu Werken, die nur der Kunst wegen entstehen. Bei etwas Überlegung wird schnell klar, das eine solche Abgrenzung sehr schwammige Grenzen haben muss: Trotz Auftragsgebundenheit kann Kunst entstehen oder diese gibt erst die Möglichkeit zur Entstehung von Kunst oder der Auftraggeber ist eben der eigentliche Künstler. Meist wird die Grenze dort gezogen, wo die künstlerische Freiheit beeinflusst wird, aber auch das ist schwierig, ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vieles von dem, was heute als Kunst bewundert, ja vergöttert wird, war zur Zeit seiner Erschaffung in einem wesentlich weniger spektakulären Licht zu sehen. Vieles war einfach ein Produkt der täglichen Arbeit, sorgfältig und mit uns heute sehr wertvoll gewordenen Materialien ausgeführt.</p>
<p>Heute kann man diesen Weg der Kunstwerdung noch bzw. wieder spüren, wenn ein Koch oder ein Textildesigner mit einer besonderen Liebe zum Detail aus einem besonderen Material ganz besondere Produkte herstellt, die dann gerne auch als Kunstwerke bezeichnet werden. Viele unserer bis heute bewunderten Kunstwerke entstanden als Prachtbauten berühmter Herrscher, geschaffen zum Zweck der Selbstverherrlichung und/oder aus taktischem Kalkül, um Kontrahenten oder Konkurrenten zu beeindrucken.  In ganz ähnlichem Kontext wurden viele besondere Schmuckstücke, Möbel, Torten und Gemälde gefertigt, alle im Grunde geschaffen von weisungsgebundenen Beauftragten in Verfolgung ähnlicher Ideen, man könnte auch sagen, Werbeartikel.</p>
<p>Um nicht ungerecht zu sein: Es waren häufig die Menschen mit Geld, die die Kunst gefördert haben. Vielleicht bietet sich hier auch der Ansatz für eine der Abgrenzungen, mit der Kunst von Nicht-Kunst unterschieden wird: Werke, die zum Preis eines Herrschers entstehen und auf seine Anleitung hin geformt werden im Gegensatz zu Werken, die nur der Kunst wegen entstehen. Bei etwas Überlegung wird schnell klar, das eine solche Abgrenzung sehr schwammige Grenzen haben muss: Trotz Auftragsgebundenheit kann Kunst entstehen oder diese gibt erst die Möglichkeit zur Entstehung von Kunst oder der Auftraggeber ist eben der eigentliche Künstler. Meist wird die Grenze dort gezogen, wo die künstlerische Freiheit beeinflusst wird, aber auch das ist schwierig, dann wäre die annähernd linientreue Kunst, die in einem diktatorischen Umfeld gerade noch entstehen kann, überhaupt keine Kunst mehr.</p>
<p><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Fotolia_21130803_XS_paparazzi.jpg"><img src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Fotolia_21130803_XS_paparazzi.jpg" alt="Ruhm und Ansehen" width="424" height="283" class="alignright size-full wp-image-1119" /></a></p>
<p>Wie auch immer, berühmt wird in diesen Fällen auf jeden Fall der Beauftragende, manchmal nur er (wenn z. B. viele Sklaven ein imposantes Bauwerk errichten), manchmal wird auch der Künstler berühmt, wenn es sich um die bedeutende Arbeit eines einzelnen Könners handelt.</p>
<p>Auf der anderen Seite gibt es seit den Anfängen des 19. Jahrhunderts eine Bewegung, die <strong>“L’art pour l’art”</strong> fordert, also Kunst, die nur um der Kunst willen geschaffen wird. Bei den nach dieser Kunsttheorie erstellten Kunstwerken soll die Kunst sich selbst genügen, darf sich keinem Zweck dienstbar machen, der außerhalb liegt. Ob die Erschaffer der in diesem Sinne erschaffenen Kunstwerke berühmt werden, scheint anderen Gesetzmäßigkeiten zu unterliegen als es bei den “Auftragswerken” der Fall ist. Es scheint vor allem darauf anzukommen, ob der Künstler in der Lage ist, seiner Kunst genügend Aufmerksamkeit zu verschaffen.</p>
<p><strong>In unserer Zeit dominieren mehrheitlich zwei Spezies den internationalen Kunstbetrieb:</strong></p>
<p>Die Künstler, die in einem gut gespannten akademischen Netzwerk zu Ehren kommen, das seine Adepten mit gut gepolsterten Schwingen auffängt und alle andersdenkenden und kritischen Geister mundtot machen will, indem es ihnen die Kompetenz abspricht (hier spiegelt sich die Gemeinschaft des internationalen Wissenschaftsbetriebs, in der es die Anhänger der herrschenden Meinung ebenfalls leichter haben). Ein gutes Beispiel, wie leicht ein solcher Aufstieg sein kann, ist die <strong>Karriere von John Baldessari</strong>.</p>
<p>Dann gibt es die Künstler, die der Auffassung sind, dass man Kunst nicht an der Universität lernen könne. Sie waren bisher auf andere Gruppen der Gesellschaft angewiesen, wenn sie wollten, dass ihre Kunst wirklich berühmt wird. Sie haben es beim Aufstieg meist nicht so leicht, die Beispiele sind zahlreich, ein Vertreter dieses Künstlertypus ist zum Beispiel <strong>Jonathan Meese</strong>.</p>
<p>Der Künstler, dem es gelingt, von der High Society zum Liebling erkoren zu werden, kann dann vielleicht sehr viel Geld verdienen, hat aber häufig mit dem Nachteil zu kämpfen, dass seine Werke in einem wirklich geschmacklosen Umfeld zu sehen sind oder in sonstiger Weise in den Medien der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Außerdem muss oft er mit der Einstellung umgehen lernen, dass er von gebildeten Menschen nicht mehr ernst genommen wird.</p>
<p>Diese Berühmtheit, bewirkt durch einen starken Drang an die Öffentlichkeit, setzt aber voraus, dass der Künstler überhaupt will, dass “sein Werk die Welt erobert”.</p>
<p>Es gibt jedoch viele Künstler, die ihre vordringliche Motivation bei der Schaffung von Kunst weder in der Erlangung großen Ruhms noch in der Erzielung hohen Profits sehen, sondern Kunst wirklich nur um der “Art pour le Art” Willen erschaffen: Weil sie etwas besonders Schönes herstellen möchten oder weil sie die Welt kennenlernen und ihre Erkenntnisse weitergeben möchten oder weil sie ein seltenes Material wirklich beherrschen möchten oder aus irgendeiner anderen Art von innerem Antrieb.</p>
<p>Diesen Künstlern würde es zwar vielleicht gefallen, wenn ihr Werk die Welt eroberte, sie zeigen aber wenig Drang, sich selbst in der dazu meist erforderlichen Art und Weise mit gut hörbarer Intensität in der Öffentlichkeit zu präsentieren.</p>
<p>Für diese Künstler gibt es heute eine Chance der Präsentation, wie es sie bisher noch niemals gab: Die Präsentation ihrer Kunst in der Weltgemeinde des Internets. Das Internet bietet die ersten Plattformen, in denen Werke unabhängig von einer Zurschaustellung der Person des Urhebers vorgestellt werden können. Im Netz haben die Liebhaber unbegrenzt Zugang, unabhängig von Ländergrenzen und von Einkommensgrenzen und von einer geschmacklichen Vorauswahl. Den einstellenden Künstlern steht der Zugang ebenso diskriminierungsfrei offen, und je nach gewählter Plattform auch zu wirklich geringen Kosten (kein Vergleich zu einer Galerie, die bis zur Hälfte der Einnahmen für sich behält). Künstler können zum ersten Mal ihre Kunst vor einer ideologisch nicht in irgendeiner Weise gebundenen Öffentlichkeit ohne lästigen Werbeaufwand bekannt machen, wenn sie ihre Kunst im Netz anbieten, zum Beispiel auf <strong>Kunstplaza.de</strong>.</p>
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		<title>Jonathan Meese &#8211; Biographie</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:16:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerade beim Künstler Jonathan Meese scheint der Gedanke seine Bestätigung zu finden, dass die Kenntnis der Künstler-Biographie notwendig oder zumindest hilfreich sein kann, um dem Werk eines Künstlers näherzukommen. Denn das Werk Jonathan Meese ist alles, aber bestimmt nicht leicht zu verstehen, und sein Lebensweg gibt dem Rezipienten tatsächlich Hinweise darauf, warum das so ist &#8211; und so sein soll. Jonathan Meese ist ein international geprägtes Kind, geboren 1970 in Tokio, mit einer deutschen Mutter und einem englischen Vater. Schon im Kleinkindalter trennten sich die Eltern, die Mutter kehrte mit Jonathan und seinen zwei älteren Geschwistern nach Deutschland zurück, der Vater blieb in Japan. Schnell erfuhr das Kind seinen ersten Kulturschock: Der kleine Jonathan sprach nur Japanisch und hatte als “Ausländer” in der Schule erhebliche Anpassungsschwierigkeiten. Die er auf der Grundschule, zumindest was die Kommunikationsfähigkeit angeht, nachweislich überwinden konnte, für die Hochschulreife reichte es auf jeden Fall, Meese legte 1989 sein Abitur an einem Gymnasium im neuen Heimatort Ahrensburg ab. Welche Annäherung an den Ernst des Lebens nun folgen sollte, war Meese zu dieser Zeit jedoch offensichtlich weniger klar, nach eigener Aussage war er ein totaler Spätentwickler und “sei im Alter von 22 wie 16 gewesen” (www.youtube.com/watch?v=a389rSne2t0). So schickte ihn seine Mutter nach dem Abitur erst einmal nach Schottland, um englisch zu lernen, Meese hatte aber nach seiner Rückkehr immer noch keine Ahnung, was er tun sollte. Also meldete seine Mutter ihn für ein Studium der Volkswirtschaft an, das der folgsame Sohn auch aufnahm, Brigitte Meese sah aber selbst schnell ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade beim Künstler <strong>Jonathan Meese</strong> scheint der Gedanke seine Bestätigung zu finden, dass die Kenntnis der Künstler-Biographie notwendig oder zumindest hilfreich sein kann, um dem Werk eines Künstlers näherzukommen. Denn das Werk Jonathan Meese ist alles, aber bestimmt nicht leicht zu verstehen, und sein Lebensweg gibt dem Rezipienten tatsächlich Hinweise darauf, warum das so ist &#8211; und so sein soll.</p>
<p><strong>Jonathan Meese ist ein international geprägtes Kind</strong>, geboren 1970 in Tokio, mit einer deutschen Mutter und einem englischen Vater. Schon im Kleinkindalter trennten sich die Eltern, die Mutter kehrte mit Jonathan und seinen zwei älteren Geschwistern nach Deutschland zurück, der Vater blieb in Japan. Schnell erfuhr das Kind seinen ersten Kulturschock: Der kleine Jonathan sprach nur Japanisch und hatte als “Ausländer” in der Schule erhebliche Anpassungsschwierigkeiten. Die er auf der Grundschule, zumindest was die Kommunikationsfähigkeit angeht, nachweislich überwinden konnte, für die Hochschulreife reichte es auf jeden Fall, Meese legte 1989 sein Abitur an einem Gymnasium im neuen Heimatort Ahrensburg ab.</p>
<p>Welche Annäherung an den Ernst des Lebens nun folgen sollte, war Meese zu dieser Zeit jedoch offensichtlich weniger klar, nach eigener Aussage war er ein totaler Spätentwickler und “sei im Alter von 22 wie 16 gewesen” (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=a389rSne2t0" target="_blank">www.youtube.com/watch?v=a389rSne2t0</a>). So schickte ihn seine Mutter nach dem Abitur erst einmal nach Schottland, um englisch zu lernen, Meese hatte aber nach seiner Rückkehr immer noch keine Ahnung, was er tun sollte. Also meldete seine Mutter ihn für ein Studium der Volkswirtschaft an, das der folgsame Sohn auch aufnahm, Brigitte Meese sah aber selbst schnell ein, dass das “ein totales Desaster war“ (Die Weltwoche, Ausgabe 26/2006 vom 2. Februar 2013).</p>
<p><div id="attachment_1144" class="wp-caption alignright" style="width: 296px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Jonathan_Meese_Portrait_sw.jpg"><img class=" wp-image-1144 " title="Portrait des Künstlers Jonathan Meese aus dem Jahr 2009" alt="Portrait des Künstlers Jonathan Meese aus dem Jahr 2009" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/04/Jonathan_Meese_Portrait_sw-358x500.jpg" width="286" height="400" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Portrait des Künstlers Jonathan Meese aus dem Jahr 2009</strong>;<br /> von Jan Bauer [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons</p></div>Im Alter von 22 hatte Jonathan Meese zum ersten Mal eine eigene zukunftsweisende Idee und wünschte sich zum Geburtstag einen Zeichenblock und Malutensilien, nicht zur Begeisterung seiner alleinerziehenden und mit dieser Erziehung auch finanziell allein belasteten Mutter. Der Sohn setzte sich jedoch durch, es folgten Zeichenkurse an der Volkshochschule, ein Zimmer voll Staffeleien und großen, bemalten Leinwänden (Meeses Bett musste aus Platzmangel ins Wohnzimmer wandern) und wenig später die etwa drei Tage dauernde Anfertigung einer Mappe, mit der er sich an der <strong>Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg</strong> bei Prof. Franz Erhard Walter bewarb und auch sofort angenommen wurde.</p>
<p>Meese studierte von 1995 bis 1998, ganz im Glauben an die Menschen, die ihm gesagt hatten, auf der Hochschule könne man Kunst lernen. Vielleicht hatte er die Anpassungsschwierigkeiten der frühen Jahre noch nicht ganz überwunden, vielleicht hat er auch nur seinen eigenen Kopf benutzt, auf jedem Fall dämmerte ihm recht schnell, dass er auf diese Weise der Kunst nicht näher kommt. Das ganze Unternehmen Studium endete mit einem Abgang ohne Abschluss und der Überzeugung Meeses, dass man sich als Künstler die Möglichkeit erhalten müsse, das System zu kritisieren.</p>
<p>Sein Erfolg war ohnehin nicht mehr aufzuhalten, mehrere Insider und Experten in seiner Umgebung hatten Meese inzwischen als außergewöhnliche Begabung entdeckt. Bereits im Winter 1996 kann er an dem Ausstellungsprojekt <strong>„Glockengeschrei nach Deutz“</strong> teilnehmen, ein Gemeinschaftsarbeit von über 40 Künstlern, organisiert unter anderem von der Künstlerin Cosima von Bonin und Daniel Buchholz von der gleichnamigen Galerie in Köln. 1997 folgt im Kunstverein Kehdingen seine erste Einzelausstellung, dann kam schon der Auftrag für die Bühnenbilder von Leander Haußmanns Film Sonnenallee. Auf Anregung von Daniel Richter kam Meese 1998 mit den Galeristen Nicole Hackert und Bruno Brunnet von der <strong>Berliner Galerie „Contemporary Fine Arts“</strong> in Kontakt und unter Vertrag, CFA ist bis heute seine Galerie.</p>
<p>Meese erringt nun auch international zunehmende Aufmerksamkeit, <strong>1998 auf der Berlin Biennale</strong> und im gleichen Jahr auf Ausstellungen in wichtigen europäischen Kunststädten, ab der Jahrtausendwende folgen <strong>internationale Ausstellungen</strong> und ab 2004 Theaterarbeiten, 2006 wird Meese erstmals zu den hundert bedeutendsten Künstlern der Welt gezählt. Neben einer unaufhörlich fortlaufenden Reihe von Ausstellungen arbeitete Meese auch öfter mit Kollegen zusammen, 2006 im <strong>Werkzyklus „Die Peitsche der Erinnerung“</strong> mit Daniel Richter, 2009 für <strong>„Fleisch ist härter als Stahl“</strong> mit Herbert Volkmann, auch mit Tim Berresheim, dem Komponisten Karlheinz Essl, Jörg Immendorff, Albert Oehlen und dem dänischen Künstler Tal R hat er Kunst gemacht.</p>
<p>Inzwischen wurden seine Arbeiten von wichtigen Museen und öffentlichen Sammlungen für zeitgenössische Kunst angekauft, z. B. das Museum Abteiberg in Mönchengladbach, das Frankfurter Städel Museum, die Bonner Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland und das Pariser Centre Pompidou sicherten sich ihren Anteil an Meeses Werk, und in privaten Sammlungen moderner Kunst ist eine Meese-Arbeit auch gerne gesehen, so z. B. in der Sammlung Falckenberg, in der englischen Saatchi Gallery und in der Sammlung Essl in Österreich, die Berliner CFA ist auch längst nicht mehr Meeses einzige Galerie.</p>
<p>Seitdem macht Meese auch immer wieder in der Öffentlichkeit von sich reden und wird von der Presse gleichbleibend widersprüchlich konnotiert, mal als Künstler der totalen Randale und mal als Wunderkind. Sein Werk und seine Äußerungen dazu lassen alle Formen der Annäherung offen &#8230;</p>
<p>Sie können sich also dafür entscheiden, seine Kunst als unreife Spinnerei und seine Äußerungen als provokantes Propagandageschrei abzutun, wie es viele echte oder vermeintliche Kunstkenner tun. Sie könnten jedoch auch etwas genauer hinschauen und Ihren Spaß an der meesischen Sicht der Dinge und seinen unbeeinflussten und kritischen Äußerungen über den kommerziellen Kunstbetrieb haben, wie viele unabhängige Köpfe es machen. Wenn Meese bei SPIEGEL-Gespräch in der Kasseler Universität von &#8220;&#8216;ich-versauten Typen&#8217; und &#8216;ich-versautem Dünnpfiff&#8217;&#8221; spricht, erinnert das documentamüde Querdenker durchaus an die kluge Zeile aus Sophie Hungers Song “Das Neue”, nach dem “&#8221;30 das Neue 20, der Mann die neue Frau, Deutschland die neue Türkei, Nichtraucher die neuen Raucher” sind. Sie können sich natürlich auch an die nicht wenigen Größen im Kunstbetrieb halten, von denen Jonathan Meese viel Zuspruch bekommt, und sich noch schnell eine seiner Arbeiten als Investition sichern.</p>
<p>Ob die Beschäftigung mit der Biographie tatsächlich zu einem besseren Verständnis der Kunst führen wird, scheint in diesem Fall also im Wesentlichen eine Sache des Herangehens zu sein. Immerhin ist der Kunstmarkt für unangepasste und nicht in Beziehungen eingebettete Newcomer inzwischen so klein geworden, dass wenig stromlinienförmige Kunst eine Erfrischung ist, und wir sollten sicher auch alle ein wenig darauf achten, dass sich Kunst auch in Zukunft nicht nur an der Kunst-Universität unter strikter Beachtung der gerade gängigen Lehre entwickeln kann, sondern dass noch Raum für begabte Außenseiter bleibt.</p>
<p><strong>2016 wird Meese bei den 105. Bayreuther Festspielen übrigens die Oper Parsifal von Richard Wagner inszenieren</strong>, dann können wir uns endlich nicht nur mit der Kunst Meeses beschäftigen, sondern auch wieder einmal damit, ob Wagner &#8211; vor allem in Meeses künstlerischer Interpretation &#8211; wirklich zu Deutschland gehört.</p>
<p>Eines ist ziemlich wahrscheinlich: Je mehr Sie sich mit Meese beschäftigen, desto mehr Fragen werden auftauchen. Ist nicht genau das einer der wichtigsten Sinnbestimmungen von Kunst überhaupt?</p>
<h2>Spannende Videoreihe zum kontroversen Künstler Meese:</h2>
<h3>Eine Ameise der Kunst</h3>
<p>Teil 1 &#8211; <a title="Jonathan Meese - Eine Ameise der Kunst, Teil 1" href="http://www.youtube.com/watch?v=Y_z41k65Sns" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=Y_z41k65Sns</a><br />
Teil 2 &#8211; <a title="Jonathan Meese - Eine Ameise der Kunst, Teil 2" href="http://www.youtube.com/watch?v=a389rSne2t0" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=a389rSne2t0</a><br />
Teil 3 &#8211; <a title="Jonathan Meese - Eine Ameise der Kunst, Teil 3" href="http://www.youtube.com/watch?v=S2yMSjyPOng" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=S2yMSjyPOng</a><br />
Teil 4 &#8211; <a title="Jonathan Meese - Eine Ameise der Kunst, Teil 4" href="http://www.youtube.com/watch?v=8J0FO9tm9po" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=8J0FO9tm9po</a><br />
Teil 5 &#8211; <a title="Jonathan Meese - Eine Ameise der Kunst, Teil 5" href="http://www.youtube.com/watch?v=8J0FO9tm9po" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=8J0FO9tm9po</a></p>
<p><OBJECT classid="clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000" codebase="http://fpdownload.macromedia.com/get/flashplayer/current/swflash.cab" id="Player_af20b09e-dc0d-45d1-b16b-f5f5c9196a9a"  WIDTH="600px" HEIGHT="200px"> <PARAM NAME="movie" VALUE="http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&#038;ServiceVersion=20070822&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=V20070822%2FDE%2Fmagofwordiezi-21%2F8003%2Faf20b09e-dc0d-45d1-b16b-f5f5c9196a9a&#038;Operation=GetDisplayTemplate"><PARAM NAME="quality" VALUE="high"><PARAM NAME="bgcolor" VALUE="#FFFFFF"><PARAM NAME="allowscriptaccess" VALUE="always"><embed src="http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&#038;ServiceVersion=20070822&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=V20070822%2FDE%2Fmagofwordiezi-21%2F8003%2Faf20b09e-dc0d-45d1-b16b-f5f5c9196a9a&#038;Operation=GetDisplayTemplate" id="Player_af20b09e-dc0d-45d1-b16b-f5f5c9196a9a" quality="high" bgcolor="#ffffff" name="Player_af20b09e-dc0d-45d1-b16b-f5f5c9196a9a" allowscriptaccess="always"  type="application/x-shockwave-flash" align="middle" height="200px" width="600px"></embed></OBJECT> <NOSCRIPT><A HREF="http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&#038;ServiceVersion=20070822&#038;MarketPlace=DE&#038;ID=V20070822%2FDE%2Fmagofwordiezi-21%2F8003%2Faf20b09e-dc0d-45d1-b16b-f5f5c9196a9a&#038;Operation=NoScript">Amazon.de Widgets</A></NOSCRIPT></p>
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		<title>John Baldessari &#8211; Schaffen und Werk</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 12:24:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[John Baldessari &#8211; er ist einer unserer einflussreichsten Künstler überhaupt, und das schon seit den späten 1960er Jahren. Vielleicht hat der Hauptvertreter der Concept Art die Kunstwelt für solch eine lange Zeit einfach durch sein überragendes Können in den verschiedensten Gattungen und Techniken beeindrucken können, vielleicht gefällt uns aber auch schlichtweg seine schräge, ironische Art und sein unnachahmlich trockener, manchmal sogar absurder Humor. Von diesen Wesenszügen hat er uns nämlich im Laufe seines Schaffens jede Menge gezeigt: John Baldessaris Weg vom Maler zum Konzeptkünstler Baldessari begann seine künstlerische Laufbahn mit der Malerei, die ihn jedoch sehr schnell nicht mehr zufriedenstellte. Er hatte die Farbrelationen erkundet und wusste bald, welche Farbe mit welcher anderen Farbe harmoniert, und beschloss daraufhin, dass er mit diesem Thema fertig sei. Er wollte in Zukunft Farbe “einfach als Signal verwenden, so wie wenn du an eine Ampel kommst, sie ist rot und das bedeutet: Stopp. Nicht dass du da sitzt, auf das Rot schaust und sagst: Was für ein schönes Rot. Es ist einfach ein Signal, in diesem Sinn wollte ich Farbe nutzen” (John Baldessaris Rückschau in seiner Rede zur Verleihung des Goldenen Löwen 2009 in Venedig). Das betraf die Zeit von 1949 bis 1966, es folgten zahlreiche über die Grenzen der Malerei hinausgehende Arbeiten, ausgefallene und häufig sehr witzige Experimente in gründlicher Auseinandersetzung mit der Ironie eines Marcel Duchamp. Gegen Ende der 1960er Jahre fiel die Entscheidung für die Concept Art, die sein Leben die nächsten Jahre erfüllen sollte. Diese Entscheidung wurde mit einem einzigartigen ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>John Baldessari</strong> &#8211; er ist einer unserer einflussreichsten Künstler überhaupt, und das schon seit den späten 1960er Jahren. Vielleicht hat der <strong>Hauptvertreter der Concept Art</strong> die Kunstwelt für solch eine lange Zeit einfach durch sein überragendes Können in den verschiedensten Gattungen und Techniken beeindrucken können, vielleicht gefällt uns aber auch schlichtweg seine schräge, ironische Art und sein unnachahmlich trockener, manchmal sogar absurder Humor. Von diesen Wesenszügen hat er uns nämlich im Laufe seines Schaffens jede Menge gezeigt:</p>
<h2>John Baldessaris Weg vom Maler zum Konzeptkünstler</h2>
<p>Baldessari begann seine künstlerische Laufbahn mit der Malerei, die ihn jedoch sehr schnell nicht mehr zufriedenstellte. Er hatte die Farbrelationen erkundet und wusste bald, welche Farbe mit welcher anderen Farbe harmoniert, und beschloss daraufhin, dass er mit diesem Thema fertig sei. Er wollte in Zukunft Farbe “einfach als Signal verwenden, so wie wenn du an eine Ampel kommst, sie ist rot und das bedeutet: Stopp. Nicht dass du da sitzt, auf das Rot schaust und sagst: Was für ein schönes Rot. Es ist einfach ein Signal, in diesem Sinn wollte ich Farbe nutzen” (John Baldessaris Rückschau in seiner Rede zur Verleihung des Goldenen Löwen 2009 in Venedig).</p>
<p>Das betraf die Zeit von 1949 bis 1966, es folgten zahlreiche über die Grenzen der Malerei hinausgehende Arbeiten, ausgefallene und häufig sehr witzige <strong>Experimente in gründlicher Auseinandersetzung mit der Ironie eines Marcel Duchamp</strong>. Gegen Ende der 1960er Jahre fiel die Entscheidung für die Concept Art, die sein Leben die nächsten Jahre erfüllen sollte.</p>
<p>Diese Entscheidung wurde mit einem einzigartigen Happening zelebriert: 1970 erregte Baldessari nicht wenig Aufsehen mit der Aktion <strong>“Cremation Project”</strong>, deren entscheidender Teil die öffentliche Verbrennung seiner bisherigen Bilder war (jedenfalls, soweit sie noch in seinem Besitz waren). Die Asche der Bilder wurde in Keksen verbacken, diese kamen in eine Urne, die Teil der Kunst-Installation wurde, ebenso wie ein Bronzeschild mit den Lebensdaten der zerstörten Bilder und dem Keksrezept.</p>
<p>Mit dieser Aktion hat er erreicht, dass in der Presse bis heute in fast enervierender Häufigkeit lange und komplexe Berichte über diese Kunstaktion erscheinen, eigentlich immer, wenn irgendwo überhaupt von seiner Arbeit die Rede ist. Dieser Stoff ist nun einmal wirklich gut: Der Künstler, der seine eigenen Bilder verbrennt, kommt der gängigen Fantasievorstellung des gequälten, um den künstlerischen Ausdruck ringenden Künstlers erfreulich nahe, und die Aktion selbst gibt jede Menge Bilder für eine anschauliche Berichterstattung her. Nur böse Zungen behaupten, dass Baldessari eine ebenso praktische wie künstlerisch motivierte Entscheidung getroffen habe, wenn er sich kurz vor dem Aufbruch in ein neues Lebensumfeld des alten Ballasts entledige, und erinnern daran, dass diese Aktion ihm eine nie da gewesene Öffentlichkeit verschafft habe.</p>
<div id="attachment_1055" class="wp-caption alignright" style="width: 510px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/02/john_baldessari_Read-Write-Think-Dream_Interior_Diagonal_UCSD.jpg"><img class="size-large wp-image-1055 " title="Das Kunstwerk &quot;READ/WRITE/THINK/DREAM&quot; von John Baldessari in der Geisel Bibliothek auf der UCSD. Eine Schrägansicht." alt="Das Kunstwerk &quot;READ/WRITE/THINK/DREAM&quot; von John Baldessari in der Geisel Bibliothek auf der UCSD. Eine Schrägansicht." src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/02/john_baldessari_Read-Write-Think-Dream_Interior_Diagonal_UCSD-500x375.jpg" width="500" height="375" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Das Kunstwerk &#8220;READ/WRITE/THINK/DREAM&#8221; von John Baldessari in der Geisel Bibliothek auf der UCSD, eine Schrägansicht,</strong> <br />by Tktktk [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons</p></div>
<p>Von dieser Zeit an war auf jeden Fall die Beschränkung auf Leinwand und Farbe Geschichte, Baldessari arbeitete an der Ergründung der verschiedenen <strong>Wechselbeziehungen zwischen Bild und Kommunikation</strong>, fertigte beziehungsreiche <strong>Fotoarbeiten</strong>, gestaltete völlig neuartige Text-Bild-Serien und komplexe Videos, jede technische Innovation wurde sofort erprobt und künstlerisch verarbeitet.</p>
<h2>John Baldessari &#8211; ein Künstler für Intellektuelle &#8230;</h2>
<p>Damit kann Baldessari den Beginn einer Ausstellungsgeschichte einläuten, deren Weg die wohl wichtigsten Stationen der akademisch geprägten Kunstwelt gleich mehrfach berührt, seien es die Museen der amerikanischen Kunstwelt der Moderne, sei es die documenta in Kassel.</p>
<p>Anfang der 1980er Jahre begann über diese Kunstzentren seine Eroberung der Welt: Baldessari etablierte sein Werk in den wichtigsten Hochburgen der avantgardistischen Kunst in den USA &#8211; über 30 Mal war Baldessari in New York, Los Angeles und Houston zu sehen, noch öfter im interessierten Rest der USA, nur den konservativen Bible Belt ließ er ganz aus. In unzähligen Ausstellungspräsenzen beehrte er die europäischen Zentren moderner Kunst, unzählige Gruppenausstellungen kleineren Umfangs kommen auch hier dazu.</p>
<p>In Folge dieser Allgegenwart konnte sich Baldessari über viele Ehrungen freuen: Beispielsweise über den New Yorker Artist Space Exhibition Award (2000), den “Best Show Award” der AICA (International Association of Art Critics) USA für die Saison 2001/2002, über die Ehrendoktorwürde gleich mehrerer Universitäten, den Ehrenpreis der Biennale von Venedig (2009, für sein Lebenswerk) und im Jahr 2012 über den begehrten Kaiserring der Stadt Goslar.</p>
<h2>&#8230; mit Humor</h2>
<p>Baldessari macht seine Kunst Spaß, und es macht ihm auch Spaß, dass seine einfallsreichen Kunstwerke durchgehend gut ankamen und ankommen. Im Laufe seiner langen Karriere hat er auch mehrmals betont, dass ihm dieser Spaß an der Kunst selbst das Wichtigste sei. Schon in einer Arbeit von 1973 stellte er mit mehrfach wiederholtem Schriftzug das Postulat auf: <strong>&#8220;I Will Not Make Anymore Boring Art”</strong>; auf dem Verwaltungsgebäude der Biennale in Venedig wiederholt ein imposantes Remake 2009 diese Aussage in Großbuchstaben, eine Bekräftigung der damaligen Einsicht.</p>
<p>Baldessari hat wohl niemals in seiner Laufbahn und mit keinem Werk einen Betrachter gelangweilt. Er hat zahlreiche Fotocollagen geschaffen, seine sogenannten <strong>Billboards</strong>, die dem Betrachter Rätsel aufgeben und ihn manchmal entzücken. Wie es die riesige 100.000-Dollar-Note tat, die 2011 auf einer Werbetafel (einem bill board) neben Manhattans schickstem Park, der schwebenden “High Line”, auftauchte. Auch seine Kunstbücher, Videoarbeiten und Performances waren für den Zuschauer immer aufregend und enthielten immer neue Ideen, innerhalb derer Baldessari mit Klischees und standartisierten Betrachtungsweisen spielt, Standards und Gemeinplätze der Alltagswelt auf die Schippe nimmt und die Massenmedien ad absurdum führt.</p>
<p>Baldessari spaltet und trennt und verfremdet, verhüllt und konstruiert mehrere Schichten, er lässt Lücken und erschafft Ausblendungen, und kombiniert das Ganze dann in Bild und Sprache so originell und ungewohnt, dass neue Sinnzusammenhänge erkannt werden können. Er verwendet unsäglich viele Ideen, nur eines vermisst der Bewunderer vollkommen bei ihm: Den heiligen Ernst des arrivierten Konzeptkünstlers, Baldessari geht lieber mit einem ironischen Lächeln an die Sache heran.</p>
<h2>Typisch John Baldessari</h2>
<p>Typisch für John Baldessari ist z. B., menschliche Hände zu fotografieren, deren Inhaber auf herzenswichtige Dinge deuten, diese Fotos dann von Sonntagsmalern abmalen zu lassen und das Ergebnis mit der Unterzeile “Ein Bild von (Name des Hobbymalers)” als Kunst auszustellen. Was anfangs als schräges Unterfangen erscheint, ist bei genauerem Blick eine tätige Betrachtung des Verfahrens der Kunstentstehung, mit der unbequemen Frage dahinter, von wem denn das entstandene Kunstwerk denn nun eigentlich sei. Offensichtlich hat die ausgestellte Malerei selbst hier mit dem Genius des Künstlers nur wenig Berührung bekommen, und das erst in der Renaissance erstrittene Recht des Künstlers zur Signatur seines Werks muss sich auch gleich einer Spiegelung stellen.</p>
<p>Schon 1969 ereignete sich dieser letzte Ansatz, die Malerei als Medium zu nutzen, und macht damit die These möglich, dass der Bruch zwischen Baldessaris Malereien der Anfangszeit und den späteren Foto- und Videoarbeiten weniger radikal ist, als häufig angenommen wird. Nur das Aktionsfeld Baldessaris wird mit Abkehr von der Malerei erheblich weiter, so kann er versuchen, einer Topfpflanze mit viel Geduld und großen Buchstaben das Alphabet beibringen und diesen Versuch aufnehmen, er kann vier Bälle in die Luft werfen und eine Fotoserie daraus machen, und beides dazu nutzen, den traditionellen Kunstbegriff erneut ironisch Infrage zu stellen.</p>
<p>Selbstverständlich ist Baldessari (mit der wissbegierigen Pflanze) in der Ausstellung &#8220;Don&#8217;t Smile&#8221; zu sehen, die im Kunsthaus Liechtenstein im Januar 2013 viele Seiten künstlerischen Humors zeigt. In der ersten Januarwoche des Jahres 2013 nahmen auch 12 Metro-Busse in Los Angeles ihre Fahrten auf, die im traditionellen Look alter Schulbusse rückverschönert wurden und die Baldessari an einer Seite mit dem Schriftzug “Learnt to dream” geschmückt hat. Auf der anderen Seite steht “Aprende a sonar”, die Aufforderung zum Träumen in Spanisch, die Aktion gehört zu einer öffentlichen Kampagne über den wichtigen Stellenwert von Kunst (Baldessari unterstützt den nichtkommerziellen LA Fund for Public Education).</p>
<p>Hoffentlich bleibt dem inzwischen über 80-jährigen Künstler noch viel Zeit, um seine Kunst gegen jede Art von Lebensüberdruss zu erschaffen.</p>
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		<title>John Baldessari &#8211; Biographie</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Feb 2013 12:23:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[John Baldessari gehört zu berühmtesten Künstlern der Gegenwart, und das schon seit fast 50 Jahren, für jeden Kunstkenner ist er also ein Mann, dem das gesteigerte Interesse gilt. Wenn Sie John Baldessari noch nicht kennen sollten, erfahren Sie hier die Grundzüge seines künstlerischen Lebensweges: John Baldessari &#8211; das Geschenk eines mühelosen Aufbruchs Geboren wurde John Baldessari am 17. Juni 1931 in National City, einem typisch amerikanischen, leicht gesichtslosen Vorort der Stadt San Diego im Süden Kaliforniens. Schon sein Vater hatte jedoch der Gleichförmigkeit von Autosalons, Straßen und Kreuzungen und Telefonmasten als Wandmaler einiges entgegenzusetzen, und es ist zu vermuten, dass er das künstlerische Interesse an seinen Sohn weitergab. Auf jeden Fall war wohl Talent genug vorhanden, wie Baldessaris gleichmäßig ansteigende Karriere als Akademiker und als Künstler beweisen sollte: Mit 18 Jahren begann Baldessari ein Kunststudium am San Diego State College (1949 bis 1953), dann folgten Studienzeiten in Berkeley (University of California in Berkeley, 1954 &#8211; 1955) und Los Angeles (University of California in Los Angeles, 1955), bis er wieder ans State College in San Diego zurückging (1955 &#8211; 1957). Bis 1959 vollendete Baldessari dann sein Studium mit Lernzeiten am Chouinard Art Institute und am Otis Art Institute, beide in Los Angeles. Dabei ließ sich seine Künstler-Laufbahn vor allem im akademischen Bereich schon sehr früh sehr gut an, er startete sofort nach seiner Ausbildung als Kunstdozent: Gleich nach dem Abschluss seines Studiums erhielt John Baldessari das erste Angebot für einen Lehrauftrag, vom heimischen San Diego State College, wo er daraufhin von ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>John Baldessari</strong> gehört zu berühmtesten Künstlern der Gegenwart, und das schon seit fast 50 Jahren, für jeden Kunstkenner ist er also ein Mann, dem das gesteigerte Interesse gilt. Wenn Sie John Baldessari noch nicht kennen sollten, erfahren Sie hier die Grundzüge seines künstlerischen Lebensweges:</p>
<h2>John Baldessari &#8211; das Geschenk eines mühelosen Aufbruchs</h2>
<p>Geboren wurde John Baldessari am 17. Juni 1931 in National City, einem typisch amerikanischen, leicht gesichtslosen Vorort der Stadt <strong>San Diego im Süden Kaliforniens</strong>. Schon sein Vater hatte jedoch der Gleichförmigkeit von Autosalons, Straßen und Kreuzungen und Telefonmasten als Wandmaler einiges entgegenzusetzen, und es ist zu vermuten, dass er das künstlerische Interesse an seinen Sohn weitergab.</p>
<p>Auf jeden Fall war wohl Talent genug vorhanden, wie Baldessaris gleichmäßig ansteigende Karriere als Akademiker und als Künstler beweisen sollte: Mit 18 Jahren begann Baldessari ein <strong>Kunststudium</strong> am San Diego State College (1949 bis 1953), dann folgten Studienzeiten in Berkeley (University of California in Berkeley, 1954 &#8211; 1955) und Los Angeles (University of California in Los Angeles, 1955), bis er wieder ans State College in San Diego zurückging (1955 &#8211; 1957). Bis 1959 vollendete Baldessari dann sein Studium mit Lernzeiten am Chouinard Art Institute und am Otis Art Institute, beide in Los Angeles.</p>
<p><div id="attachment_911" class="wp-caption alignright" style="width: 343px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/02/John_Baldessari.jpg"><img class="size-large wp-image-911 " title="John Baldessari beim LACMA Gala Opening des Broad Contemporary Art Museums im Februar 2008 in Los Angeles" alt="John Baldessari beim LACMA Gala Opening des Broad Contemporary Art Museums im Februar 2008 in Los Angeles" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/02/John_Baldessari-333x500.jpg" width="333" height="500" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>John Baldessari beim LACMA Gala Opening des Broad Contemporary Art Museums im Februar 2008 in Los Angeles</strong>,<br /> von Jeremiah Garcia [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons</p></div>Dabei ließ sich seine Künstler-Laufbahn vor allem im akademischen Bereich schon sehr früh sehr gut an, er startete sofort nach seiner Ausbildung als <strong>Kunstdozent</strong>: Gleich nach dem Abschluss seines Studiums erhielt John Baldessari das erste Angebot für einen Lehrauftrag, vom heimischen San Diego State College, wo er daraufhin von 1959 bis 1961 als Dozent tätig war. Danach wollte ihn das Southwestern College in San Diego, in dieser Lehrtätigkeit verharrte Baldessari fast 8 Jahre, bis sich der nächste Schritt zum Aufstieg in eine Professur ergab: 1968 erhielt er ein Angebot, als Assistenz-Professor an die University of California zu wechseln, an den Campus in San Diego.</p>
<p>Baldessari hat nun eine zündende Idee, mit der er seinen steilen Aufstieg in der akademischen Kunstwelt paukenschlagartig unterstützte. In dieser Assistenz-Professur wollte er wohl auf keinen Fall weitere 8 Jahre langsamer künstlerischer Entwicklung durchleben, wahrscheinlich hatte er in dieser langen Lehrtätigkeit auch Muße genug, um sich über seinen Stil klarzuwerden, und offensichtlich auch genug Muße, um die Einsicht zu gewinnen, dass er in Zukunft nie wieder langweilige Kunst produzieren möchte. Als Baldessari 1970 vom California Institute of the Arts als Professor nach Los Angeles berufen wurde, stand auf jeden Fall ein Umzug an, mit Frau und Kind und über 100 bisher geschaffenen Bildern, die er in seinem weiträumigen Studio, einem alten Kino, lagerte.</p>
<p>So nutzte Baldessari diese Gelegenheit, um sich in einem brillant spektakulären Projekt von seiner bisherigen künstlerischen Arbeit zu verabschieden: Am alten Wohnsitz in San Diego fand im Sommer 1970 das <strong>“Cremation Project”</strong> statt, eine Bilder-Verbrennungsaktion, die ihm zu ebenso viel Platz im Umzugswagen verhalf wie zu Schlagzeilen in der Presse. Anschließend zog er befreit um, nach <strong>Santa Monica am Rande Los Angeles</strong>, dieser Wohnsitz ist bis heute sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt geblieben.</p>
<p>Vielleicht hatte er nicht ganz ungeschickt vorausgesehen, dass er sich mit einer solchen Aktion ganz vorne unter den gerade in den Startlöchern stehenden Konzeptkünstlern einreihen würde. Auf jeden Fall stand nach dieser Aktion seiner Karriere als weltberühmter Künstler nichts mehr im Weg: Es ging steil aufwärts, akademisch und künstlerisch und unter gleichbleibender Anteilnahme der Öffentlichkeit: Baldessari konnte seine vielgestaltigen Werke im Laufe seiner Karriere in über 120 Einzelausstellungen und mehr als 300 Gruppenausstellungen in aller Welt zeigen.</p>
<p>Die Ausstellungshistorie dokumentiert Baldessari Aufstieg durch die Kunstwelt der Intellektuellen, der übrigens in Deutschland, auf der documenta, begann: 1972 war Baldessari zuerst auf der <strong>documenta V in Kassel</strong> zu sehen, erst danach folgte im gleichen Jahr eine Ausstellung im <strong>Contemporary Arts Museum in Houston</strong>.</p>
<h2>Baldessaris Zug um die Welt wird mit vielen Auszeichnungen dekoriert</h2>
<p>Ab 1973 folgte einige Jahre, in denen seine Videos, Installationen, Collagen, Cut-Ups und Konzeptkunstwerke in den USA und in Europa vor allem im akademischen Umfeld auftauchten, Anfang der 1980er ging es dann richtig los: 1980 und 1982 war er im Contemporary Arts Museum in Houston zu sehen, 1982 auch auf der documenta VII, es folgte eine unablässig fortlaufende Ausstellungshistorie durch die amerikanischen und europäischen Zentren der modernen akademischen Kunst.</p>
<p>Baldessari lehrte inzwischen auch weiter, bis 1988 am California Institute of the Arts in Los Angeles. 1996 bot dann die University of California Los Angeles Baldessari einen Lehrstuhl an, und seit dem Jahre 2000 ist er Doctor of Fine Arts am Otis Art Institute, ursprünglich ein Teil der New Yorker Parsons School of Design, ab 1991 selbstständig als Otis College of Arts und Design.</p>
<p>Er konnte <strong>bedeutende Auszeichnungen</strong> erringen, in Europa z. B. den österreichischen <strong>Oskar Kokoschka Preis</strong> (1996), den Internationalen Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen (1999), für sein Lebenswerk 2009 den Goldenen Löwe der Biennale Venedig und 2012 den Goslarer Kaiserring.</p>
<p>So war Baldessari längst zu einem der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Konzept- und Medienkunst geworden, als er sich 2007 zog er sich im stattlichen Alter von 76 Jahren aus der Lehre zurückzog, er ist aber als Künstler nach wie vor tätig. John Baldessari lebt und arbeitet bis heute im kalifornischen Santa Monica, und sein Werk ist nach wie vor so vielfältig, witzig und interessant, wie der nachfolgende Artikel über seine Kunst vermitteln möchte.</p>
<p>VIDEO DAZU: <a title="Eine kurze Geschichte über John Baldessari" href="http://www.thisisjanewayne.com/news/2012/05/22/kunst-doku-tipp-a-brief-history-of-john-baldessari/" target="_blank">http://www.thisisjanewayne.com/news/2012/05/22/kunst-doku-tipp-a-brief-history-of-john-baldessari/</a></p>
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		<title>Oper für Anfänger, Kinder und Jugendliche</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2013 19:51:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer seinen Kindern als Vorbereitung auf ein späteres Leben, das durch häufigen Musikgenuss entspannt werden soll, einen breiter gefächerten Musikgeschmack vorstellen möchte als das Gedudel der unter Marketinggesichtspunkten zusammengestellten Casting-Bands, wird sie in jungen Jahren an viele Musikrichtungen heranführen. Die Heranwachsenden sollen dann die verschiedenen Formen der Unterhaltungsmusik ebenso kennenlernen wie die unterschiedlichen Gesichter der klassischen Musik, und dazu gehört, dass sie auch an das Thema “Oper” herangeführt werden. Auch wenn gerade dieses Vorhaben von nicht wenigen Eltern durchaus mit gemischten Gefühlen betrachtet wird, Oper und Jugend scheint zunächst ein sehr sperriges Thema zu sein. Doch schon das lebendige Interesse der Erwachsenen am Besuch eines Musiktheaters (wie die Opern-Spielstätten “kulturtheoretisch” genannt werden) wird von diesen Eltern häufig unterschätzt: Die Oper ist sehr präsent in unserem Land, ein Drittel der Bevölkerung geht einmal im Jahr in die Oper, 5 Prozent mehr als in eine Volksmusik- oder Schlageraufführung. Die Eltern in unserem Land sind nach dem vom Zentrum für Kulturforschung jedes Jahr erstellten Kulturbarometer entschieden daran interessiert, ihre Kinder für die klassische Musik und für unser musikalisches Erbe zu begeistern. Auf diese ermutigenden Ergebnisse der Auswertung von Besucherzahlen und Befragungen haben sich die Musiktheater in den letzten Jahren mit wachsender Begeisterung eingestellt, es gibt immer mehr Angebote für Kinder und Jugendliche, die den Einstieg in unser großartiges Kulturerbe von jeder unangebrachten Ehrfurcht befreien und einfach Laune machen. Nehmen wir als Beispiel eine unserer Hauptstadt-Opern: Die Deutsche Oper Berlin hat mit der “Jungen Deutschen Oper” einen eigenen Kinder &#038; Jugendbereich entwickelt, in dem ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer seinen Kindern als Vorbereitung auf ein späteres Leben, das durch häufigen Musikgenuss entspannt werden soll, einen breiter gefächerten Musikgeschmack vorstellen möchte als das Gedudel der unter Marketinggesichtspunkten zusammengestellten Casting-Bands, wird sie in jungen Jahren an viele Musikrichtungen heranführen. Die Heranwachsenden sollen dann die verschiedenen Formen der Unterhaltungsmusik ebenso kennenlernen wie die unterschiedlichen Gesichter der klassischen Musik, und dazu gehört, dass sie auch an das Thema <strong>“Oper”</strong> herangeführt werden.</p>
<p>Auch wenn gerade dieses Vorhaben von nicht wenigen Eltern durchaus mit gemischten Gefühlen betrachtet wird, <strong>Oper und Jugend</strong> scheint zunächst ein sehr sperriges Thema zu sein. Doch schon das lebendige Interesse der Erwachsenen am Besuch eines Musiktheaters (wie die Opern-Spielstätten “kulturtheoretisch” genannt werden) wird von diesen Eltern häufig unterschätzt: Die Oper ist sehr präsent in unserem Land, ein Drittel der Bevölkerung geht einmal im Jahr in die Oper, 5 Prozent mehr als in eine Volksmusik- oder Schlageraufführung.</p>
<p>Die Eltern in unserem Land sind nach dem vom <strong>Zentrum für Kulturforschung</strong> jedes Jahr erstellten Kulturbarometer entschieden daran interessiert, ihre Kinder für die klassische Musik und für unser musikalisches Erbe zu begeistern. Auf diese ermutigenden Ergebnisse der Auswertung von Besucherzahlen und Befragungen haben sich die Musiktheater in den letzten Jahren mit wachsender Begeisterung eingestellt, es gibt immer mehr Angebote für Kinder und Jugendliche, die den Einstieg in unser großartiges Kulturerbe von jeder unangebrachten Ehrfurcht befreien und einfach Laune machen.</p>
<p>Nehmen wir als Beispiel eine unserer Hauptstadt-Opern: Die Deutsche Oper Berlin hat mit der <strong>“Jungen Deutschen Oper”</strong> einen eigenen Kinder &#038; Jugendbereich entwickelt, in dem ganz schön was los ist: Es gibt eine Konzertreihe für die Allerkleinsten, die sogenannten “Babykonzerte”, Adventssingen für Kinder und im Frühjahr Max und Moritz als szenisches Sitzkissenkonzert, geeignet für Kinder ab 4 Jahren.</p>
<p>Verschiedene Stücke wurden für Kinder und Jugendliche speziell inszeniert, so gibt es Peter I. Tschaikowskijs <strong>“Nussknacker”</strong> als Aufführung unter dem Motto <strong>“Kinder tanzen für Kinder”</strong>, nach Wolfgang Amadeus Mozarts Motiven entstand das Märchen von der Zauberflöte für Kids ab 5 Jahren, und die Teenies ab 14 Jahren konnten sich bis zum Frühjahr 2013 an einem Jugendprojekt zu Wagners “Ring des Nibelungen” mit dem Namen “Der Ring: Next Generation” aktiv beteiligen.</p>
<p>Dieses einzigartige Projekt gab bis zu 80 Jugendlichen die Möglichkeit, selbst die Bühne der Deutschen Oper kennenzulernen und zusammen mit einem Regieteam, Musikern und Sängern einen neuen und experimentellen Musiktheaterabend zu entwickeln. Die “Next Generation” repräsentiert sich hier nicht nur als nachfolgende Generation, die wie schon im Original von Wagner für die Eltern die Welt in Ordnung bringen soll, ihrem Lebensgefühl wird auch Rechnung getragen, indem DJ Alexandra Holtsch und DJ Panacea Elektronik und Sound von der Platte gegen die Wagner-Musik aus dem Orchestergraben setzen.</p>
<p>Andere Stücke wurden ganz neu für Kinder geschrieben, zum Beispiel das Stück “Irgendwie Anders”, ein Musiktheater von Juliane Klein und “Oh, wie schön ist Panama”, Musiktheater von Lin Wang nach Motiven von Janosch, das im Januar 2013 Premiere hatte. Beide Aufführungen sind für kleine Besucher ab 5 Jahren geeignet.</p>
<p>Für Kinder zwischen 5 und 9 Jahren gibt es dann noch die Opernmäuse, die ihre Neugier bei der Entdeckung der Oper in Führungen und in Workshops hinter den Kulissen ausleben dürfen, die Deutsche Oper Berlin hat einen eigenen Kinderchor, und für ältere junge Menschen von 15 bis 30 Jahren gibt es den Jugendclub – backstage, mit dem die Teenies an Opernvorstellungen, Orchester- und Bühnenproben und Führungen teilnehmen können. Der <strong>Opern-Stammtisch des Jugendclubs</strong> vermittelt Begegnungen mit Künstlern und Mitarbeitern, Mitglieder des Dachverbands <strong>„Juvenilia“</strong> können sich mit den Jugendclubs anderer europäischer Opernhäuser austauschen. </p>
<p>Für Interessenten an aktiver Teilnahme ist der <strong>Jugendclub – onstage</strong> gedacht, ein Spielclub für Musiktheaterbegeisterte mit dem “Musiktheater-Labor”, in dem recherchiert, probiert und experimentiert wird. Die Jugendlichen lernen den gesamten Entwicklungsprozess eines Opern-Projekts kennen und dürfen ganz zum Schluss selbst auf die “Bretter, die die Welt bedeuten”.</p>
<p>Zumindest in Berlin ist es also nicht im Mindesten schwer, einem Kind oder Jugendlichen die Welt der Oper eindrucksvoll nahe zu bringen, alle Infos zu den Kinder- und Jugendprojekten finden Sie auf der Website <a href="http://www.deutscheoperberlin.de" title="Deutsche Oper Berlin" target="_blank">www.deutscheoperberlin.de</a> unter dem Link <strong>“Junge Deutsche Oper“</strong>. Solche Projekte rund um die Oper gibt es jedoch in vielen Städten in Deutschland, erkundigen Sie sich doch einmal in Ihrem heimischen Opernhaus. Oder Sie suchen auf der Website von Juvenilia, der europäischen Vereinigung der jungen Opernfreunde, nach Angeboten für junge Menschen, Sie erreichen die (nur englischsprachige) Seite unter <a href="http://www.juvenilia.org" title="Juvenilia" target="_blank">www.juvenilia.org</a>.</p>
<p>Spannende Einblicke in die Arbeit mit Kindern in Bezug auf das Thema Oper erlangen Sie auch in dem folgenden Beitrag von Christoph Hölscher. Er probt darin mit Kindern die hohe Kunst der Oper. Hier bereiten erwachsene Musiker und Darsteller das Genre Oper kindgerecht auf:</p>
<p><object width="420" height="315"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/7QtQaRfRhas?version=3&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/7QtQaRfRhas?version=3&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" width="420" height="315" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Vielleicht verspüren Sie bei dieser Gelegenheit auch wieder einmal Lust, sich einen aufregenden Opernabend zu gönnen? Oder fangen Sie als Erwachsener gerade erst an, sich für die Oper zu interessieren? Dann haben Sie ebenfalls die Wahl unter verschiedenen Opern, die für erwachsene “Opern-Anfänger” empfohlen werden, demnächst finden Sie auch zu diesen “Opern für Anfänger” hier einen Artikel.</p>
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		<title>Christoph Waltz &#8211; Werk</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2013 19:47:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lina Sahne</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Übersicht zu Christoph Waltz Werk ist zu einem großen Teil eine Geschichte der Aufklärung und Berichtigung: Der Berichtigung des Irrglaubens darüber, dass Waltz erst durch Hollywood zum großen Schauspieler wurde und der Aufklärung darüber, wie viele großartige Rollen er in jetzt schon bald vier Jahrzehnten bereits ausgefüllt hat. Bis der Medienrummel aus dem Zentrum des amerikanischen Films den Darsteller in aller Munde brachte, hatte er bereits schon sehr lange die wenig begrenzten Möglichkeiten seines Talents gut ausgenutzt, immerhin lag Herrn Waltz ja die Schauspielerei in einer Weise im Blut wie wenigen anderen: Christoph Waltz wurde in eine fest mit dem Theater verhafteten Familie hineingeboren, die das Wiener Burgtheater zur Zeit seiner Geburt bereits über 70 Jahre mit Schauspielern, Bühnenbildnern und Kostümbildnern versorgte. Natürlich wollte auch dieser Sohn einer Familie, die in allen Listen bekannter Schauspielerfamilien aufgeführt wird, Schauspieler werden und ließ sich in Wien und New York an den Spitzen-Instituten ausbilden. Bereits mit 20 Jahren stand er in Wien auf der Bühne, das war 1977. In den folgenden Jahren folgten Engagements in Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Salzburg und Zürich, ebenfalls seit Beginn seiner Schauspieltätigkeit übernahm Waltz Rollen in Fernsehproduktionen und Kinofilmen. Er wurde häufig in Krimis besetzt, teils in mehreren Folgen hintereinander kennt man ihn aus “Parole Chicago”, “Der Alte”, “Derrick”, “Ein Fall für zwei”, “Die Staatsanwältin”, “Schimanski”, “Kommissar Rex”, “Polizeiruf 110”, “Rosa Roth”, “Unter Verdacht”, “Der letzte Zeuge”, “SOKO Rhein-Main”, “Der Staatsanwalt” und “Stolberg”. Für den Wiener “Tatort” sollte er 1987 der neue Inspektor werden, Inspektor Pasetti ...]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Übersicht zu <strong>Christoph Waltz Werk</strong> ist zu einem großen Teil eine Geschichte der Aufklärung und Berichtigung: Der Berichtigung des Irrglaubens darüber, dass Waltz erst durch Hollywood zum großen Schauspieler wurde und der Aufklärung darüber, wie viele großartige Rollen er in jetzt schon bald vier Jahrzehnten bereits ausgefüllt hat.</p>
<p>Bis der Medienrummel aus dem Zentrum des amerikanischen Films den Darsteller in aller Munde brachte, hatte er bereits schon sehr lange die wenig begrenzten Möglichkeiten seines Talents gut ausgenutzt, immerhin lag Herrn Waltz ja die Schauspielerei in einer Weise im Blut wie wenigen anderen: Christoph Waltz wurde in eine fest mit dem Theater verhafteten Familie hineingeboren, die das <strong>Wiener Burgtheater</strong> zur Zeit seiner Geburt bereits über 70 Jahre mit Schauspielern, Bühnenbildnern und Kostümbildnern versorgte.</p>
<p>Natürlich wollte auch dieser Sohn einer Familie, die in allen Listen bekannter Schauspielerfamilien aufgeführt wird, Schauspieler werden und ließ sich in Wien und New York an den Spitzen-Instituten ausbilden. Bereits mit 20 Jahren stand er in Wien auf der Bühne, das war 1977. In den folgenden Jahren folgten Engagements in Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Salzburg und Zürich, ebenfalls seit Beginn seiner Schauspieltätigkeit übernahm Waltz <strong>Rollen in Fernsehproduktionen und Kinofilmen</strong>. Er wurde <strong>häufig in Krimis</strong> besetzt, teils in mehreren Folgen hintereinander kennt man ihn aus “Parole Chicago”, “Der Alte”, “Derrick”, “Ein Fall für zwei”, “Die Staatsanwältin”, “Schimanski”, “Kommissar Rex”, “Polizeiruf 110”, “Rosa Roth”, “Unter Verdacht”, “Der letzte Zeuge”, “SOKO Rhein-Main”, “Der Staatsanwalt” und “Stolberg”. Für den Wiener <strong>“Tatort”</strong> sollte er 1987 der neue Inspektor werden, Inspektor Pasetti überdauerte jedoch nur eine Folge, 2006 und 2008 spielte Waltz wieder im ergiebigeren Kreis der Tatbeteiligten.</p>
<p><div id="attachment_894" class="wp-caption alignright" style="width: 203px"><a href="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/02/Christoph-Waltz-Oscar-Karikatur.png"><img class="size-large wp-image-894 " title="Karikatur von Christoph Waltz bei der Oscar-Verleihung" alt="Karikatur von Christoph Waltz bei der Oscar-Verleihung" src="http://www.kunstplaza.de/wp-content/uploads/2013/02/Christoph-Waltz-Oscar-Karikatur-193x500.png" width="193" height="500" /></a><p class="wp-caption-text"><strong>Karikatur von Christoph Waltz bei der Oscar-Verleihung</strong>;<br /> von Strassengalerie [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons</p></div>Weder in Talent noch in Spielfreude war Christoph Waltz jedoch jemals auf Krimis beschränkt, wie die bunte Abfolge seiner sonstigen Rollen hier nur in Ausschnitten andeuten kann: Bereits 1981 war er im Liebesdrama “Tristan and Iseult” unter der Regie von Veith von Fürstenberg zu sehen, 1982 im historischen Jugendfilm “The Mysterious Stranger” nach einer Geschichte von Mark Twain, 1983 spielt er im “Sandmann” nach E.T.A. Hoffmann den narzisstisch veranlagten Nathanael und 1986 Friedrich Nietzsche in Peter Patzaks “Wahnfried”, eine Verfilmung des Leben Richard Wagners. 1989 folgt eine Politsatire, Waltz gibt den jungen und idealistischen EU-Beamten Dorfmann in “Der große Reibach” oder “The Gravy Train”, in der der englische Regisseur David Tucker die Brüsseler Bürokratie im Licht der neuen osteuropäischen Absatzmärkte schon damals mit dem distanzierten Blick von der Insel beleuchtet. Die erste Zusammenarbeit mit dem polnischen Regisseur und Filmproduzenten Krzysztof Zanussi folgt 1991 im Film “Leben für Leben” über Maximilian Kolbe, hier beeindruckt Waltz als entflohener und von Schuldgefühlen geplagter KZ-Häftling.</p>
<p>Auch in Historienfilmen und Komödien macht Waltz mit, so z. B. in Tom Toelles Historien-Zweiteiler “König der letzten Tage” als Täufer Jan van Leiden (1993) oder 1994 in “Man(n) sucht Frau” unter Regie von Vivian Naefe. 1994 fällt er als bombenlegender Busfahrer im Dokumentardrama “Tag der Abrechnung &#8211; Der Amokläufer von Euskirchen” auf, 1995 spielt er in der international besetzten Fernsehproduktion “Katharina die Große” neben Catherine Zeta-Jones. 1996 gibt es wieder Belobigungen, für seine darstellerische Leistung in “Du bist nicht allein – Die Roy Black Story” bekommt Waltz einen Sonderpreis bei den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels und 1997 den Bayerischen Fernsehpreis. Weiter geht es mit “Die Farbe des Lebens” (Krzysztof Zanussi), dem Thriller “Vicky&#8217;s Nightmare” in Regie von Peter Keglevic (beide 1997), der ersten eigenen Drehbucharbeit und Regie mit “Wenn man sich traut” 1998, im gleichen Jahr dreht er noch in zwei Thrillern, “Schock &#8211; Eine Frau in Angst” und “Das Finale”, zwei Melodramen, “Mörderisches Erbe &#8211; Tausch mit einer Toten” und “Rache für mein totes Kind” und einer Komödie, “Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit”, in der Waltz als frustrierter Romanautor viel Spaß macht.</p>
<p>Unverändert bunt geht die Reihe weiter: 1999 mit dem australisch-deutschen Thriller “Falling Rocks”, 2000 mit dem “Tanz mit dem Teufel”, dem Film über die Entführung Richard Oetkers, für den Waltz zusammen mit seinen Kollegen Sebastian Koch und Tobias Moretti und Regisseur Peter Keglevic den <strong>Adolf-Grimme-Preis</strong> entgegennehmen durfte. Im gleichen Jahr dreht er noch “Queen&#8217;s Messenger” und “She”, zwei Gemeinschaftsproduktionen aus Kanada, Großbritannien und Bulgarien und “Das Teufelsweib” mit Iris Berben. Die bisherige Abfolge ist an Variationsbreite und Spielleidenschaft schon kaum zu überbieten, genauso bleibt es, mit Actionfilmen (“Terror im Orient Express”), Dramen, (“Riekes Liebe”), Komödien (“Engel sucht Flügel”) und Thrillern (“Dorian &#8211; Pakt mit dem Teufel”), alle in 2001 gedreht, aber in den USA und in Deutschland und in Großbritannien und in Kanada. 2002, 2003 und 2004 ist das Bild ähnlich, weit über ein Dutzend Filme, die Rollen anspruchsvoll und interessant (z. B. als falscher Freund Pföderl in “Jennerwein”, als machthungriger Geschäftsschurke in “Die Patriarchin”, als herrlich desorientierter Noch-Ehemann in “Scheidungsopfer Mann” oder als zynischer Analytker in”Der Alte Affe Angst”).</p>
<p>2004 gab es für Waltz als gelangweilter Außendienstmitarbeiter (“Dienstreise – Was für eine Nacht”) auch wieder einen Grimme-Preis, die Angebote werden auch immer mehr, in den nächsten Jahren übernimmt er alle möglichen ambitionierten Rollen, in Produktionen über Ländergrenzen, schon die bloße Nennung der dargestellten Personen illustriert die Vielfalt: Er spielt den Casanova (Karl Löwen in “Franziskas Gespür für Männer”) und den Wissenschaftler (Czerny in “Lapislazuli &#8211; Im Auge des Bären”), Doktor (“Der Staatsanwalt &#8211; Glückskinder”) und Ermittler (“Das Jüngste Gericht”), Liebhaber (Büffel und Frank Arbogast in “Die Zürcher Verlobung”) und Ex-Häftling (Thomas Sell in “Hase und Igel”), erfolgsverwöhnten Midlife-Kriselnden (Helmut Bahr in “Die Verzauberung”) und lebensverdrossenen Mörder (Sebastian Flies in “Todsünde”), alles nur Rollen aus den Jahren 2006 bis 2008, aber der echte Durchbruch, die Anerkennung als Star, die ließ irgendwie auf sich warten.</p>
<p>Bis sich <strong>Quentin Tarantino</strong> für die Besetzung der Rolle eines SS-Standartenführers in seinem Anti-Kriegsfilm “Inglourious Basterds” gegen Leonardo die Caprio und für Christoph Waltz entschied, und das ganz sicher nicht nur wegen des so passenden österreichischen Akzents. Der Film wurde 2009 zum Riesen-Kinoerfolg und wird nicht selten als Tarantinos bester Film bezeichnet, für seine Rolle erhielt Waltz über ein Dutzend Auszeichnungen, darunter auch den <strong>Oscar als bester Nebendarsteller</strong>.</p>
<p>Ab dieser Zeit ist Hollywood dabei, das Talent Waltz zu vereinnahmen, und er nimmt es mit Begeisterung und ein wenig Genugtuung auf: Durch Quentin Tarantino seien Jahrzehnte seiner Bemühungen zum Glühen gekommen – eine Sache, die ihm in seinem Alter unglaublich viel bedeute. Er befinde sich nicht „im sogenannten Herbst“, bei ihm sei im Gegenteil gerade der Frühling angebrochen. Der Oscar verleihe ihm „das Gefühl, dass die Mittel, die ich zur Verfügung habe, auch verlangt werden.“ In seiner Heimat sei ihm bisher eher das Gegenteil vermittelt worden (zitiert nach <a title="Abendblatt über Waltz" href="http://www.abendblatt.de/kultur-live/kino/article2106035/Der-Gott-des-Gemetzels-Gute-Komoedien-sind-eine-ernste-Sache.html" target="_blank">www.abendblatt.de/kultur-live/kino/article2106035/Der-Gott-des-Gemetzels-Gute-Komoedien-sind-eine-ernste-Sache.html</a>).</p>
<p>Waltz hat in Hollywood-Produktionen seitdem den Bösewicht aus dem Comic gespielt (Chudnofsky in “The Green Hornet”, 2010), einen Zirkusdirektor (in “Wasser für die Elefanten”, 2011), einen Vater (Alan Cowan in “Gott des Gemetzels”, 2011) und einen Kopfgeldjäger (Dr. King Schultz in “Django Unchained”), hat Regie geführt und an Drehbüchern und am Soundtrack mitgearbeitet, und die Anerkennung und die Angebote werden immer mehr, einige Preise sind im Kommen und viele Projekte in Planung.</p>
<p>Dass uns Christoph Waltz nun nur nicht zu seriös wird &#8211; nachdem er im Film “Die drei Musketiere” 2011 schon den Kardinal Richelieu gab, soll er in Mike Newells politischem Katastrophenfilm “Reykjavik”, der 2013 gedreht wird, Michail Sergejewitsch Gorbatschow verkörpern &#8230; Wenn man sich ansieht, wie entspannt Waltz Gesicht und Ausstrahlung durch den endlich verdient erlangten Erfolg wurde, wünscht sich mancher Bewunderer seines ganzen Könnens und seiner ganzen Empfindsamkeit noch ganz andere Rollen für ihn &#8211; einen verrückten Zauberer vielleicht oder einen zynischen, aber amüsanten Aufklärer &#8211; keine Frage, Christoph Waltz ist noch vieles zuzutrauen.</p>
<p>Im nachfolgenden Video sehen Sie die Pressekonferenz mit Quentin Tarantino, Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington und Samuel L. Jackson zur Deutschlandpremiere von Christoph Waltz aktuellem Kinofilm &#8220;Django Unchained&#8221;:</p>
<p><object width="560" height="315"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/hPsBl8pBEd0?hl=de_DE&amp;version=3"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/hPsBl8pBEd0?hl=de_DE&amp;version=3" type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="315" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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